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22.-24.02.2001 - Letzte Aktualisierung: 24.02.2001 Champions League

Volle Konzentration auf die Champions League: Gegen Cetinje zu Hause vorlegen

Serdarusic: Der jugoslawische Meister ist eine kompakte Truppe - Noch 1000 Karten vorhanden

Update #2

Hier geht's zur Aktualisierung vom 24.02. und vom 23.02...

Gegner im CL-Viertelfinale: Der jugoslawische Meister Lovcen Cetinje.
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Nachdem der THW die deutsche Meisterschaft abgehakt hat, gilt nun die volle Konzentration der Champions League. Dort trifft der THW am Samstag (Anpfiff 15.00 Uhr in der Ostseehalle) im Viertelfinale auf den jugoslawischen Meister Lovcen Cetinje. Ein schwerer Brocken, wie Trainer Noka Serdarusic weiß.
"Wir wußten zu Beginn nicht viel von Cetinje", aber nach intensivem Videostudium ist Noka Serdarusic klar, daß es "kein Zufall war, daß die bei der spanischen Top-Mannschaft San Antonio nur mit drei Toren verloren haben. Lovcen hat eine bärenstarke 3:2:1-Deckung, einen guten Torhüter [Nenad Puljezevic, jugoslawischer Nationaltorhüter, Anm. d. Red.] und ist eine sehr ausgeglichene Mannschaft." Trotz des niedrigen Durchschnittsalters "eine kompakte Truppe."

"Trotzdem sollten wir eine Runde weiterkommen, wenn wir gut spielen", sagt Serdarusic. Ziel ist es, im Hinspiel sechs, sieben Tore vorzulegen. Der Kieler Erfolgstrainer hat eine Aufzeichnung des Spiels Cetinje gegen Braga von vor zwei Jahren vorliegen. Die äußeren Umstände des Spiels waren eine "absolute Katastrophe": Das fanatische Publikum wurde von der Polizei in Schach gehalten. Nun scheinen sich aber die Verhältnisse in Cetinje wohl etwas normalisiert zu haben.

Personell sieht es bei den Zebras für's Wochenende etwas besser aus als gegen Großwallstadt. Der beim TVG wegen starken Schmerzen geschonte Steinar Ege wird ebenso spielen können, wie Jonas Ernelind, der in Aschaffenburg verletzungsbedingt nur auf der Tribübe saß.

Natürlich hatte die THW-Führung vor dem schweren Spiel gegen die Jugoslawen auf ein Erfolgserlebnis gehofft, aber nun muß auch so der Grundstein für das Erreichen des CL-Halbfinales gelegt werden. Auf dieses Ziel richtet der THW jetzt seine volle Konzentration aus.

Das Erfolgserlebnis, das dem THW fehlt, hatte Lovcen Cetinje in den letzten Wochen. In der heimischen Liga gewann der jugoslawische Meister bei Metaloplastika Sabac mit 25:21 (13:12). Beste Schützen für Lovcen waren Djukanovic (7/3), Vucicevic (6) und Kapisoda (6/1). Zuvor hatte man in eigener Halle Crvena Vvezda mit 30:27 (16:15) besiegt. Hierbei waren Djurkovic (6), Dobrkovic (6), Vucicevic (6/1) und Kapisoda (4/1) die besten Werfer. Lovcen ist mit 18:2 Punkten und 304:234 Toren momentan (Stand 21.02.) Zweiter der Tabelle hinter Partizan Belgrad, das mit 20:2 Punkten und einem Spiel mehr die jugoslawische Liga anführt.

Schiedsrichter der Partie am Samstag sind die Sportfreunde Kohout und Dolejs aus Tschechien, der EHF-Offizielle ist Herman aus Israel.

Für das Spiel am Samstag in der Ostseehalle gab es nach Auskunft der THW-Geschäftsstelle am Donnerstag vormittag noch rund 1000 Karten.

Wie immer wird auch dieser Vorbericht laufend aktualisiert...

Das ist unser Gegner

Lovcen Cetinje wurde mit 55:5 Punkten in der Saison 1999/2000 jugoslawischer Titelträger, nur zwei Niederlagen und ein Unentschieden standen in dreißig Spielen zu Buche. Es war der erste jugoslawische Titel überhaupt für die Mannschaft aus Montenegro. Aber auch in der diesjährigen Champions League sorgte die junge Mannschaft (Durchschnittsalter 24,5 Jahre) für Furore. In der Qualifikation schoß man den österreichischen Vertreter Remus Bärnbach-Köflach mit 30:16 und 30:23 aus der Champions League in den EHF-Pokal.

Cetinje - Kiel: 1900km.
Cetinje - Kiel: 1900km.
Dann mußte man sich in der CL-Gruppe D mit Portland San Antonio (ESP), IL Runar Sandefjord (NOR) und Banik Karvina (CZE) messen und wurde mit 9:3 Punkten Gruppenerster vor San Antonio (8:4 Punkte). Lovcen legte mit einem 25:22-Heimsieg gegen Sandefjord los, unterlag dann in Pamplona bei San Antonio nur knapp mit 22:25, holte aber bei Banik Karvina in Tschechien einen Punkt durch ein 29:29-Unentschieden. In eigener Halle revanchierte man sich dann vor 2500 Zuschauern an den Spaniern mit einem 25:24-Erfolg, gewann danach klar in Norwegen mit 29:23 und sicherte dann den Gruppensieg durch einen 31:27-Heimerfolg gegen die Tschechen vor 3000 Fans (siehe Gruppe C).

Beste Werfer in den Champions League-Gruppenspielen waren Außen Petar Kapisoda (21 Tore), Dalibor Cutura (18), Rückraumspieler Goran Djukanovic (16), Marko Dobrkovic (13) und Kreisspieler Ratko Durkovic (12). Bei der WM waren von Lovcen Cetinje fünf Spieler dabei: Die Berufenen waren: Nenad Puljezevic, Petar Kapisoda, Ratko Durkovic und Goran Djukanovic.

Berg Lovcen - er gab dem Verein seinen Namen.
Berg Lovcen - er gab dem Verein seinen Namen.
Cetinje ist die ehemalige Hauptstadt der nach Autonomie strebenden jetzigen jugoslawischen Teilrepublik Montenegro (630000 Einwohner), ist historisches und kulturelles Zentrum Montenegros und liegt circa 10 Kilometer von der Adria entfernt in den Bergen. Auch zur mazedonischen Grenze sind es nur 20 Kilometer. Eines der berühmtesten Wahrzeichen der Umgebung ist das Mausoleum des montenegrinischen Poeten und Herrschers Petar II Petrovic Njegos, das auf dem nicht weit von Cetinje entfernten Berg Lovcen liegt. Nach diesem Berg ist auch der Handballverein benannt, in dem unser Nenad Perunicic seine ersten handballerischen Schritte unternahm.

Der jugoslawische Handball - wieder Spitze

Gute Handballer gab es auf dem Balkan schon immer. Doch die politische Isolation Jugoslawiens bewirkte auch eine sportliche Pause im internationalen Vergleich. Seit einigen Jahren jedoch ist das Land auf der großen Bühne des Handballs zurück, und es geht wieder steil bergauf.

Der Handball auf dem Balkan ist wieder im Aufwind. Nach der Bronzemedaille bei den Olympische Spielen von Sydney konnte die jugoslawische Nationalmanschaft ihren dritten Platz nun auch bei den letzten Weltmeisterschaften in Frankreich behaupten. Bei den Welttitelkämpfen wäre sogar mehr drin gewesen. "Gegen die Schweden haben sie im Halbfinale schließlich erst in letzter Sekunde verloren", erinnert sich THW-Trainer Noka Serdarusic und sagt sogar, daß es "nicht ungerecht gewesen wäre, wenn Jugoslawien Weltmeister geworden wäre. Sie haben nicht schlechter gespielt als Frankreich oder Schweden."

Mit dem inzwischen zur politisch unabhängigen Republik Kroatien gehörenden Badel Zagreb liegt der letzte europäische Triumph einer Vereinsmannschaft vom Balkan zwar schon acht Jahre zurück, doch der zweifache Champions League-Sieger von 1992 und 1993 erreichte auch in den folgenden Jahren regelmäßig mindestens das Semifinale in der europäischen Königsklasse. Zuvor durfte Jugoslawien bereits 1972 über den gewonnenen Europapokal der Landesmeister durch Partizan Bjelovar jubeln, 1976 gewann Borac Naja Luka den Wettbewerb, 1985 und 1986 durfte jeweils Metaloplastica Sabac den Cup entgegen nehmen. Berücksichtigt man auch die rumänischen Vereine, so trugen sich in neun von 39 Wettbewerben Mannschaften vom Balkan in die Siegerlisten des Europapokals der Landesmeister bzw. der Champions League ein (siehe Handball-Geschichte: Internationale Vereinswettbewerbe)

Serdarusic: "Lovcen hat eine hervorragende Mannschaft."
Klicken Sie für weitere Infos! Serdarusic: "Lovcen hat eine hervorragende Mannschaft."
Auf die Frage nach der aktuellen Stärke der jugoslawischen Vereinsmannschaften entgegnet Serdarusic, der selbst 72 Länderspiele für Jugoslawien bestritt, zunächst mit einem Vergleich: "Schweden war ein großer Mitfavorit bei der Weltmeisterschaft, doch die schwedischen Vereine sind im internationalen Wettbewerb sehr schwach." Die großen Stars der Skandinavier spielen alle im Ausland und verdienen ihr Geld zumeist in der deutschen Bundesliga oder in der spanischen "liga asobal". "Auch in Jugoslawien hat vor einigen Jahren der große Ausverkauf begonnen", erläutert der Zebra-Coach. Umso überraschender war es für ihn, daß Lovcen Cetinje in dieser Saison so stark auftrumpfen konnte und selbst Portland San Antonio (ESP) in den Gruppenspielen der Champions League in den Schatten stellte. "Eigentlich dachte ich, sie hätten schon alles ausverkauft. Doch jetzt haben sie wieder sehr, sehr guten Nachwuchs und eine hervorragende Mannschaft. Mit ihren 20 bis 25 Jahren fehlt ihnen allein die Erfahrung." Mit dem klassischen jugoslawischen 3:2:1-System machen sie es jedem Gegner schwer, in 1:1-Situationen ist kaum etwas gegen sie auszurichten. "Da hilft nur eine geschlossene Mannschaftsleistung", so Serdarusic.

Aktualisierung vom 23.02.

THW-Trainer Noka Serdarusic hofft gegenüber den Kieler Nachrichten, daß der Knoten gegen Cetinje platzt: "Ich weiß daß die Mannschaft [in Großwallstadt] gekämpft hat. Sie ist aber im Moment sehr schnell reizbar, und macht dann Fehler." Gespannt darf man morgen auch sein, wie sich Nenad Perunicic gegen seine montenegrinischen Landsleute behaupten wird.

Ein Mißverständnis gab es leider in der Organisation der Übertragung des Rückspiels Cetinje gegen THW. Das DSF wollte das Spiel sehr gerne übertragen, hatte es für Sonntag, den 4.3., in den Sendeplan aufgenommen. Doch das Spiel findet bereits am Samstag, den 3.3., statt. "Für eine Verlegung war es zu spät. Wir hätten 50000 DM Konventionalstrafe für den fest gebuchten Charterflug bezahlen müssen und hätten obendrein noch keinen neuen Flug gehabt", ärgerte sich Uwe Schwenker über das Mißverständnis.

Lesen Sie zum Spiel auch das Sport1-Interview mit Stefan Lövgren.

Aktualisierung vom 24.02.

"Wir müssen versuchen, das Beste zu zeigen. Es ist unsere letzte Chance, in diesem Jahr noch etwas auf die Beine zu stellen", fordert THW-Kapitän Magnus Wislander vor dem wichtigen Spiel gegen Cetinje in den Kieler Nachrichten. Warum es momentan nicht rund läuft, weiß "Max": "Die Stimmung in der Mannschaft ist nicht schlecht, aber uns fehlt im Moment das Selbstvertrauen. Es ist schön, wenn man gewinnt. Aber man muß auch lernen, verlieren zu können. Jetzt ist es eine große Herausforderung, aus dem Tief wieder herauszukommen."

THW-Trainer Noka Serdarusic hat sich und seine Mannschaft - wie berichtet - intensiv auf den Gegner vorbereitet. Auch gegenüber den Kieler Nachrichten wies er darauf hin, daß es kein Zufall war, daß Lovcen bei Portland San Antonio mit nur drei Toren Differenz verloren habe. "Die spielen eine offensive und harte 3:2:1-Deckung mit dem sehr starken Torhüter Nenad Puljezevic dahinter. Der hat in den Gruppenspielen gegen Karvina über 30 und auch gegen Sandefjord mehr als 20 Bälle gehalten." Aber auch die Feldspieler sind Top-Handballer: "Die sind technisch stark und können alles." Vier der Cetinje-Spieler standen immerhin in Jugoslawiens Team, das bei der WM in Frankreich die Bronzemedaille gewann.

Das Ziel des THW ist es, ein möglich gutes Polster im Hinspiel herauszuholen. Aber was ein gutes Polster ist, das vermag auch THW-Manager Uwe Schwenker nicht zu sagen: "Manchmal reichen drei Tore Vorsprung, manchmal reichen sechs Tore Vorsprung nicht", sagt Schwenker. Und weiter: "Die Hauptsache ist, daß unsere Mannschaft ihr Potential wieder einmal ausspielen kann." Gerade das sei ihr in letzter Zeit nicht gelungen. "Sie hat in Großwallstadt gewollt", sagt Serdarusic gegenüber den KN, "aber Ruhe und Übersicht haben gefehlt. Wenn es läuft, werden Fehler schnell weggesteckt. Jetzt wird zu lange gegrübelt. Es ist wie eine Seuche, einer steckt den anderen an."

Doch immerhin gibt's auch positive News vor dem Spiel: Steinar Ege und Jonas Ernelind, die in Aschaffenburg kaum oder gar nicht eingesetzt werden konnten, werden wieder mit dabei sein. Schlechter dagegen: Klaus-Dieter Petersen konnte wegen einer Erkältung am Donnerstag nicht trainieren.

Dennoch: "Die Aufgabe Champions League ist reizvoll", sagt Serdarusic gegenüber Sport1. "Das ist ein ganz neues Spiel. Wir müssen das, was in der Bundesliga passiert ist, verdrängen. Ob wir das können, weiß ich allerdings nicht." Deshalb hofft er auf die Fans: "In schweren Zeiten braucht man die Unterstützung", sagt Serdarusic.

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