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24./26.03.2003 - Letzte Aktualisierung: 26.03.2003 Bundesliga

Minden kämpft in der Ostseehalle um das Überleben

THW wieder mit Bjerre und Przybecki

Update #2 Aktualisierung vom 26.03...

Im Abstiegsstrudel: Das Team von GWD Minden.
Klicken Sie für weitere Infos! Im Abstiegsstrudel: Das Team von GWD Minden.
Am Mittwoch gastiert GWD Minden in der Ostseehalle. Anpfiff gegen die auf Platz 17 liegenden, stark abstiegsgefährdeten Ostwestfalen ist um 20 Uhr. Für die Partie gibt es noch Karten (siehe Bericht).
Schon Mitte Oktober war Minden in den Keller der Liga gerasselt. Mit einem knappen, hart erkämpften 22:21 (11:11)-Sieg des THW in der Kampahalle, der für die Zebras den ersten Auswärtserfolg der Saison bedeutete (siehe Spielbericht Minden), stand der deutsche Meister von 1971 und 1977 Ende Oktober mit 3:13 Punkten auf Platz 17. Die beiden folgenden Auswärtsniederlagen in Wallau und Pfullingen verschärften die Situation weiter (siehe Kurve Minden). Besonders bitter war jedoch die Heimschwäche von GWD: Aus den ersten fünf Heimspielen konnten nur zwei Punkte gegen Großwallstadt geholt werden. Als die verletzungsgebeutelten Ostwestfalen dann im November und Dezember in eigener Halle gegen Gummersbach, Wilhelmshaven und Lübbecke gewannen und in Eisenach ihren bisher einzigen Auswärtssieg der Saison einfuhren, verbesserte sich Minden immerhin auf Platz 13.

Alexander "Sascha" Rymanow wurde nach der Heimniederlage gegen Göppingen beurlaubt.
Alexander "Sascha" Rymanow wurde nach der Heimniederlage gegen Göppingen beurlaubt.
Doch dann ging es wieder bergab: Aus den letzten neun Spielen holte Dankersen nur vier Punkte und liegt nun mit 14:36 Punkten wieder auf Platz 17 der Tabelle. Nach der letzten Heimniederlage gegen Göppingen (24:25) setzten die "normalen" Mechanismen des Berufssports ein. GWD-Manager Horst Bredemeier beurlaubte seinen Übungsleiter Sascha Rymanow. Bredemeier sagte: "... wir mussten handeln und hoffen, dass nun frischer Wind im Team einzieht und dass es einen Kick für den weiteren Abstiegskampf gibt." (siehe auch Interview mit Horst Bredemeier). Doch auch der folgende Interimstrainer Rainer Niemeyer, ehemaliger Weltmeister und zuvor Trainer der GWD-Regionalligamannschaft, konnte in seinem ersten Spiel keine Wende herbei führen. Mit 21:31 ging das Team bei TUSEM Essen unter.

Jesus Fernandez Oceja wechselte am 20.11.2002 zu GWD.
Jesus Fernandez Oceja wechselte am 20.11.2002 zu GWD.
Eine der Ursachen für die Misere dürfte die schlimme Verletzungsserie bei GWD sein. Mike Bezdicek (Bizepsabriß) fehlte am Anfang der Saison. Frank von Behren zog sich im Oktober einen Kreuzbandriß zu und wird nicht mehr für GWD auflaufen können - er wechselt im Sommer zum VfL Gummersbach. Youngster Christian Prokop schaffte es nach seiner Verletzung nicht mehr zurück ins Team und wird Minden zum Saisonende verlassen. Lange verzichten mußte Rymanow auch auf Frank Carstens, der an einer Thrombose erkrankt war. Carstens und Bezdicek kehrten inzwischen immerhin wieder in den Mindener Kader zurück, während sich aber der isländische Außen Gustaf Bjarnason in das Lazarett einreihte. Um die Personalnot zu überbrücken, verpflichtete Bredemeier Mitte November nach einem Tipp von Talant Dushjebaev dann aus der zweiten spanischen Liga den iberischen Nationalspieler Jesus "Chechu" Fernandez Oceja für die linke und mittlere Rückraumposition. Mehr aber gab der angespannte Etat von GWD nicht her.

Die restliche Mannschaft von GWD stellten wir im Vorbericht zum Hinspiel bereits ausführlich vor. Top-Scorer von GWD ist wieder einmal der schwedische Rechtsaußen Tomas Axner mit 135/51 Toren vor Kreisläufer Dimitri Kusilew (93) und dem jungen Arne Niemeyer (85/18). Im Rückraum hat sich im letzten Spiel folgende Formation heraus kristallisiert: Fernandez spielt links, Carstens Mitte, Buschmann rechts. Aaron Ziercke organisiert die Abwehr. Wenig Spielanteile bekommt der zu Saisonbeginn nach Minden gewechsete Denis Maksimovitch, er wirkt in seinen Aktionen laut Presse zu unsicher.

Interims-Coach Rainer Niemeyer setzt nun vor allem auf die Moral der Mannschaft. "Teamspirit verstärken, 30 Prozent mehr Leistung rauskitzeln" lautet die Devise. Nach der Niederlage in Essen sagte Niemeyer: "Wir müssen auf den ersten 25 Minuten aufbauen. Wir werden alles analysieren und die Fehler an allen Ecken und Ende beheben. Bis jetzt haben wir nur an der Abwehr gearbeitet. Jetzt müssen wir auch für den Angriff neue Konzeptionen erabreiten, um variabler und sicherer zu werden."

Aber ob das für einen Sieg in der Ostseehalle reicht? Auswärts gab es für Minden in dieser Saison bisher wenig zu holen: Ein einziges Mal - in Eisenach - gelang ein Sieg, zweimal - in Göppingen und Wetzlar - ein Unentschieden, sonst setzte es nur Niederlagen (siehe Kurve Minden). In der Ostseehalle gewann Minden zuletzt in der Saison 1983/84 (siehe Gegnerdaten Minden). Im letzten Jahr gab es einen klaren 33:24-Sieg für den THW (siehe Bericht).

Schiedsrichter der Partie am Mittwoch sind Brauer (Hamburg) / Holm (Hagen).

Aktualisierung vom 26.02.2003

Aus den Kieler Nachrichten vom 26.03.2003:

Nach den verlorenen Titelchancen ist die Qualifikation für den europäischen Wettbewerb das letzte Saisonziel des THW. THW-Kapitän Stefan Lövgren gibt sich zuversichtlich. "Es ist doch klar, dass von uns ein Platz im Europapokal erwartet wird", sagt Kiels Führungsspieler. "Die Mannschaft hat auch die Qualität es zu schaffen und wird sich für dieses Ziel voll ins Zeug legen." Wichtigste Bedingung sei jedoch, dass man zum guten Handball der vergangenen Jahre zurückfinde. "Dann kehrt auch das Selbstvertrauen zurück und die zuletzt vermisste Sicherheit in der Abwehr oder bei der ersten und zweiten Welle im Angriffsspiel."

Bei der angestrebten Rückkehr in die Erfolgsspur wollen auch wieder Piotr Przybecki und Morten Bjerre helfen. Beide Rückraumspieler räumten in der vergangenen Woche das THW-Lazarett und dürften heute mit Kurzeinsätzen für Entlastung sorgen. Für Morten Bjerre geht eine vierwöchige Leidenszeit zu Ende, nachdem ihm im Februar beim Pokalspiel in Flensburg die Kniescheibe heraus gesprungen war. Mannschaftsarzt Dr. Brandecker erwartet keine Folgeschäden. "Wenn der Muskel, der die Kniescheibe hält, stabil ist, muss Morten nichts befürchten."

Für Piotr Przybecki geht eine weit längere Leidenzeit zu Ende. Der 30-jährige Pole musste nach einem Kreuzbandriss im August 2001 drei Operationen ertragen, die letzte im November 2002. "Am Montag habe ich vom Arzt meine Gesundschreibung und grünes Licht bekommen", sagt er. Um zu alter Stärke zurück zu finden, benötigt Przybecki jedoch Zeit. Das Knie sei zwar erheblich besser geworden, berichtet er, "aber es wird sicher dauern, bis ich auch im Kopf frei werde. Und da helfen nur Spiele."

(Von Reimer Plöhn, aus den Kieler Nachrichten vom 26.03.2003)

Im Westfalenblatt fordert GWD-Manager Horst Bredemeier eine Steigerung seiner Mannschaft gegenüber dem Spiel in Essen: "In Essen haben wir 25 Minuten auf hohem Niveau gespielt. Das gilt es diesmal zu steigern." Seine plakative Forderung: "Ich will mehr sehen!" Dabei ist laut Westfalenblatt vor allem die Abwehr gefordert, die aggressiver agieren soll: "Im Abstiegskampf braucht man Emotionen. Und die sind nur über aggressiveres Spiel zu erreichen." In der Deckung laute der Wunsch-Mittelblock inzwischen Ziercke und Fernandez. Doch der ehemalige THWer Ziercke ist verletzt, hat sich eine leichte Aduktorenzerrung zugezogen und musste im Training bislang passen. Gefährdet ist auch der Einsatz von Arne Niemeyer, der noch immer unter einer bakteriellen Entzündung im Knie leidet.

Bredemeier setzt sein Team vor den verbleibenden Spielen unter Dampf: "Die Spieler müssen es auf die Platte bringen, dass sie um ihre Arbeitsplätze spielen." Doch den Druck sieht der ehemalige Bundestrainer am Mittwoch in der Ostseehalle auf dem THW lasten: "Kiel hat einen Startplatz im internationalen Geschäft schon fast verspielt. Außerdem auch Kritik bei den eigenen Fans. Da kann man sich keine weiteren Nackenschläge erlauben. Wir aber werden heute trotz aller personellen Sorgen keine Geschenke verteilen"

Dieser Vorbericht wird wie gewohnt ständig aktualisiert...

 

Interview mit GWD-Manager Horst Bredemeier

"Da muss man durch"
In Minden wird zur Zeit hart gegen den Wind gefahren. Abstiegsangst macht sich breit, die Notbremse wurde durch einen Trainerwechsel bereits gezogen. Thomas Fischer (living sports) unterhielt sich mit Horst Bredemeier, Manager der GWD Minden und gleichzeitig DHB-Vizepräsident, über Krisen und Krisenbewältigung, auch der Umbruch beim THW Kiel wurde dabei erörtert.
Zebra:
Nach den relativ erfolgreichen letzten Jahren droht der GWD Minden nun der Abstieg. Wie begründen Sie diese Talfahrt?
Horst Bredemeier:
GWD-Manager Horst Bredemeier.
GWD-Manager Horst Bredemeier.
Wir haben die Saison von vorn herein sehr realistisch eingeschätzt und wollten mit dem Abstiegskampf natürlich am liebsten nichts zu tun haben. Nach den vielen Abgängen von Weltklassespielern wie z.B. Dujshebaev, Tutschkin oder Lisicic in den letzten Jahren war uns schon klar, dass wir zum unteren Drittel der Liga gehören, was bei einem Etat von nur 1,7 Mio Euro auch keine Überraschung ist. In dieser Saison haben wir, analog zum THW Kiel, enormes Verletzungspech zu verkraften gehabt. Das Kreuzband von Frank von Behren über fast die gesamte Saison, Schulterverletzung von Bezdicek über mehrere Wochen, jetzt der Ausfall von Gustaf Bjarnason über den Rest der Saison, zudem Verletzungen von unserem Shooting-Star der letzten Saison, Christian Prokop, über die gesamte Saison. Dies sind Lücken, welche junge Spieler wie Arne Niemeyer oder Jan Buschmann mit ihren 22 Jahren nur schwer schließen können. Demnach kann man den momentanen Tabellenplatz eigentlich als völlig normalen sportlichen Werdegang sehen, auch wenn es natürlich schmerzhaft ist.
Zebra:
Wie gedenken Sie den Klassenerhalt noch zu sichern? War der Trainerwechsel von Rymanov zu Rainer Niemeyer eine Art Notbremse?
Horst Bredemeier:
Ja, das war eine Notbremse. Es tut mir besonders leid für Aleksandr Rymanov, da er die letzten Jahre hier sehr gute Arbeit gemacht hat und noch in der vergangenen Saison für uns den optimalen, nämlich den 8. Platz erreicht hat. Es war klar, dass sein Vertrag zum Saisonende nicht verlängert werden würde. Durch den Druck aus dem Umfeld haben wir uns dann dazu durchgerungen, den Trainer schon vorzeitig zu wechseln, als letzte Möglichkeit von Seiten des Vereins ein Zeichen zu setzen. Schon an seinem Ersatz durch Rainer Niemeyer aus unserer zweiten Mannschaft sieht man auch, dass wir wirtschaftlich keine großen Sprünge machen können. Es ist nunmal so, dass wir sehr stark auf unsere eigene Jugend bauen müssen, was bisher ganz gut geklappt hat und auch daran anschaulich wird, dass wir in Kiel mit wahrscheinlich fünf eigenen Jugendspielern antreten werden. Erfolgreiche Eigengewächse wie z.B von Behren wechseln zu größeren Vereinen und so wird es demnächst mit unseren derzeitigen Youngstern wie Arne Niemeyer geschehen, dagegen können wir uns gar nicht wehren. Dennoch werden wir selbstverständlich alles dafür tun, damit wir wenigstens den 15. Tabellenplatz erreichen und die Klasse halten können.
Zebra:
Ihr letzter Auswärtssieg in Kiel gelang Ihnen zuletzt in der Saison 1983/84, damals noch als GW Dankersen. Wie schätzen Sie Ihre Chancen im kommenden Spiel ein?
Horst Bredemeier:
Zunächst möchte ich betonen: GW Dankersen sind wir eigentlich immer noch. Wir haben damals ohne Not einen Markennamen aufgegeben, indem der Zusatz "Minden" dran gehängt wurde. Zu unseren Chancen ist zu sagen, dass wir uns natürlich als krasser Außenseiter sehen, wir sind mit einer Mannschaft wie dem THW Kiel nicht vergleichbar. Für uns sind ab sofort alle Spiele Endspiele und dementsprechend wird sich die Mannschaft ins Zeug legen müssen, um den Klassenerhalt noch zu sichern. Der THW wird sich angesichts des Champions League-Aus und der Niederlage gegen Göppingen rehabilitieren wollen und müssen. Von daher macht dies unsere Aufgabe umso schwieriger, zumal wir noch gar nicht wissen, mit welcher Mannschaft wir auflaufen werden. Ansonsten wird nur zu hoffen sein, dass wir mit der richtigen kämpferischen Einstellung Schadensbegrenzung erlangen können.
Zebra:
Sie sehen also keinen Vorteil für Minden in der momentanen Kieler Schwächephase?
Horst Bredemeier:
Nein, die Kieler haben immer noch genug Potential, um jeder Mannschaft gefährlich zu werden. Da sind Spieler wie Petersson, Jacobsen, Lövgren, oder vor allem das Torwartgespann Fritz/Andersson. So etwas hat Minden nicht zu bieten. Hinzu kommt noch das gigantische Publikum von 10000 Zuschauern. Ich denke, man sollte Kiel nicht schlechter reden, als es ist.
Zebra:
Sie sind gut befreundet mit Uwe Schwenker und haben so gesehen auch einen guten Überblick über die Geschehnisse in Kiel. Wie beurteilen Sie die momentane Kieler Situation und den eingeläuteten Umbruch in der Mannschaft?
Horst Bredemeier:
Das ist richtig. Mit Uwe Schwenker bin ich eng befreundet. Er verfolgt eine gerade Linie, redet anderen nicht nach dem Mund und weiß was er will. Ein Mann, den ich sehr schätze, im privaten als auch im geschäftlichen Bereich. Zur Situation in Kiel ist zu sagen, dass sie völlig normal ist. Man hatte dort so viele Erfolge, dass es einfach irgendwann genau so kommen musste, wie es jetzt ist. Die zahlreichen Erfolge in den letzten Jahren wurden vor allem durch Spieler wie Wislander und Olsson und Petersen errungen. Irgendwann war es klar, müsste sich der THW von dem einen oder anderen trennen. Er hätte es vorher machen können, dann wäre er allerdings im letzten Jahr kein Deutscher Meister geworden. Nun kam in diesem Jahr das immense Verletzungspech hinzu. Ich bin mir aber sicher, dass Kiel in den nächsten Jahren wieder eine absolute Topmannschaft haben und um die Meisterschaft mitspielen wird. Der Umbruch musste kommen und wenn man nicht so viel Verletzungspech gehabt hätte, sähe es auch in der Tabelle wesentlich besser aus.
Zebra:
Haben Sie ähnliche Umbruch-Pläne für Minden? Was soll sich mittelfristig ändern?
Horst Bredemeier:
Nein, wir brauchen in Minden keinen Umbruch. Wir arbeiten sehr stark mit jungen Spielern zusammen, sind ständig dabei, etwas aufzubauen. Minden ist mit großen Vereinen wie Kiel nicht zu vergleichen. Wir sind nur eine Mannschaft, die es den anderen Teams ermöglicht, 17 bzw. 34 Spiele zu haben, weil die Bundesliga nicht mit 10 Mannschaften spielen kann. Auch Spekulationen über einen Hallen-Umzug nach Hannover muss ich eine klare Absage erteilen. Dieser Wunsch kommt eher von Seiten der Hannoveraner, da Minden nur knapp 60 km von Hannover entfernt ist. Solche Gerüchte werden sich nicht abstellen lassen, Pläne für eine Umsetzung gibt es nicht.
Zebra:
Ihnen wurde eine Stelle im Marketing- und Werbebereich der demnächst eigenständigen Liga in Aussicht gestellt. Warum haben Sie das abgelehnt?
Horst Bredemeier:
Ich war der Wunschkandidat von Uwe Schwenker für diesen Posten, habe dies aber schon im Vorfeld abgelehnt. Zu einem offiziellen Angebot kam es daher nie. Ich bin ganz glücklich damit, DHB-Vizepräsident zu sein und darüber hinaus macht mir der Job in Minden immer noch zu viel Spaß, als dass ich ihn für etwas anderes aufgeben möchte. Dies ist mein Heimatverein und da kann man sich nicht einfach aus der Verantwortung drücken oder nur die Rosinen raus picken, indem man sagt, wenn es hier nicht läuft, dann mache ich was anderes. Das wäre zu einfach. Wir haben in dieser Saison gewisse Probleme, aber da muss man durch. Es kommen auch wieder bessere Zeiten.
Das Interview führte Thomas Fischer (living sports).

 

Harte Zeiten für GWD Minden

Aus einer langen Tradition heraus wird in Dankersen, einem Ort mit ca. 3500 Einwohnern (inzwischen Ortsteil der Stadt Minden), seit 1924 Handball gespielt. In dieser Zeit hat sich der TSV GWD Minden zu einem der spielstärksten Vereine in der Bundesrepublik entwickelt. Neben diversen Vize-Titeln feierten die Grün-Weißen in den 70er Jahren als zweimaliger Deutscher Meister im Hallenhandball und dreimaliger DHB-Pokalsieger ihre größten Erfolge.

Inzwischen haben sich die Zeiten geändert, der Wind weht deutlich rauer an der Weser für die Truppe um Horst Bredemeier, Manager und Geschäftsführer der GWD Minden. Nach dem Wiederaufstieg 1995 in die 1. Handballbundesliga und einer sich eingestellten Kontinuität im oberen Mittelfeld der Liga (von 1999 bis 2002 zwischen dem 7. und 9. Tabellenplatz) geht es in dieser Saison eher turbulent zu: Abstiegskampf, Trainerwechsel, Spielerabgänge und Sorgen um den aktuellen Etat machen die Runde.

Ein kurzer Blick auf die Tabelle läßt die Not der Mindener schnell erkennen: Platz 17, nur zwei Punkte vom Tabellenletzten Willstätt/Schutterwald entfernt. Das Saisonziel "gesicherter Mittelfeldplatz" ist somit quasi verspielt, volles Augenmerk gilt nun dem rettenden 15. Tabellenplatz, den es mit aller Macht zu erreichen gilt. Von den letzten neun verbleibenden Partien wolle man mindestens vier oder fünf Spiele gewinnen. "Deshalb werden wir in jedem Spiel alles ausreizen, was möglich ist", so der neue GWD-Trainer Rainer Niemeyer, der dabei von Bredemeier unterstützt wird: "Wir wollen die Spieler zu einer aggressiveren Einstellung bewegen. Unsere Aufgabe ist es zunächst, sie vom Kopf her positiv zu puschen."

Rainer Niemeyer ist seit dem 13. März diesen Jahres Interimstrainer bis zum Ende der Saison und somit Nachfolger von Aleksandr Rymanov, der nach knapp vierjähriger Zusammenarbeit mit dem Verein beurlaubt wurde. Niemeyer, Weltmeister von 1978 und Vater von Arne Niemeyer, Rückraumspieler der GWD, hatte zuvor die zweite Mannschaft in der Regionalliga trainiert und sieht sich der verantwortungsvollen Aufgabe, den Klassenerhalt gemeinsam mit Co-Trainer Günter Gieseking zu sichern, gewappnet: "Wir werden versuchen, die Arbeit von Rymanov fortzusetzen und zehn bis 20 Prozent mehr aus der Mannschaft heraus zu kitzeln. Die Mannschaft muss wieder eine Einheit werden, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war."

Mehrere Gespräche an jenem Wochenende Mitte März, unter anderem mit den GWD-Gesellschaftern und Entscheidungsträgern aus dem sportlichen Bereich, hatten zu der Entscheidung des Trainerwechsels geführt. Bredemeier sah sich nach der bitteren Heimpleite gegen Göppingen gezwungen, die Reißleine zu ziehen. "Das ist der normale Mechanismus, der im Spitzensport einsetzt", so ïHotti÷, der sich dem Druck nur ungern gebeugt hat. "Aleksandr Rymanov hat vier Jahre hervorragende Arbeit für GWD geleistet, er hat mit den Plätzen sieben und acht die besten Ergebnisse seit den glorreichen 70er Jahren vorzuweisen, stand mit der Mannschaft zwei Mal in der Pokal-Endrunde", zählt Bredemeier die Verdienste auf. Und was die derzeitige prekäre Situation angeht, treffe den Trainer die geringste Schuld. "Bei uns war in dieser Saison immer etwas los, wir sind nie zur Ruhe gekommen", spricht der Manager das große Verletzungspech an. "Eins steht auch fest: Hätten wir 20 Punkte auf dem Konto, würden wir heute nicht über den Trainerwechsel diskutieren."

Für Rymanov selbst kam die Beurlaubung mangels Erfolg der letzten Spiele nicht überraschend, zeigte sich jedoch enttäuscht über die Art und Weise, wie der Trainerwechsel von Statten ging. Er habe es zuerst von den Medien erfahren. Gerne hätte er seine Arbeit zu Ende gebracht: "Ich bin überzeugt, dass ich mit der Mannschaft den Klassenerhalt geschafft hätte. Aber es hat sich gezeigt, dass ich das Vertrauen der Führungsetage nicht mehr hatte. Ich wünsche GWD Minden dennoch von Herzen alles Gute und dass die Mannschaft die Klasse hält."

Bedrohlich für die GWD Minden ist zunehmend auch die Personalentwicklung. Frank von Behren, Eigengewächs und Produkt der mehrfach preisgekrönten Mindener Jugendarbeit, wird die GWD zum Saisonende in Richtung Gummersbach verlassen. Als weiterer Abgang steht Kreisläufer Mike Bezdicek fest, welcher den THW 2001 nach einer fristlosen Kündigung unrühmlich verließ und demnächst bei Grashoppers Zürich sein Glück versuchen wird. Für Verwirrung sorgte zuletzt auch der dänische Torhüter Kristian Asmussen, welcher erst im Februar einem neuen Zwei-Jahresvertrag in Minden zugestimmt hatte, der nur für die erste Liga gültig ist und nun angeblich einen Vertrag bei dem spanischen Erstligisten BM Altea unterschrieben hat. Der Zeitpunkt, den sich Asmussen für die Poker-Partie ausgesucht hat, könnte nicht ungünstiger gewählt worden sein. Schließlich steckt GWD mitten im Abstiegskampf. Bredemeier macht klar: "Spieler, die weg wollen, kann man nicht halten." Er ist sich sicher, im Ernstfall einen adäquaten Ersatz an die Weser holen zu können: "Für das Geld bekommt man immer einen guten Torwart."

Allzu viel Geld für Neuverpflichtungen steht den Mindenern jedoch nicht zur Verfügung. Der neu angemeldete Etat sank demnach auf ein historisches Tief von 1,7 Mio Euro, auf den selben Stand, den man auch schon bei Bredemeiers Dienstantritts verzeichnete. Nachbar Nettelstedt soll, so war es aus dem Umfeld zu vernehmen, dagegen mit 2,8 bis 3,0 Millionen Euro antreten. ïWir leben stark von unserer Jugendarbeit. Bedenkt man, dass die ersten sechs bis acht Klubs im Oberhaus mit Größenordnungen von drei bis fünf Millionen Euro wirtschaften können, zeigt dies auf, dass es für uns fast unmöglich ist, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln in der 1. Liga spielen zu können", macht Horst Bredemeier nicht nur als Manager, sondern auch als Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH deutlich. Harte Zeiten also für den Traditionsklub...

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