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17.09.2003 Mannschaft

Der Titel-Sammler

Oder: Der Trainer hat immer recht, nicht der Älteste

Sein Wort hat Gewicht. Achtmal Deutscher Meister, dreimal DHB- Pokalsieger, zweimal, EHF-Pokalsieger, Vize-Weltmeister - Klaus-Dieter Petersen (34) ist ein ganz Großer seiner Handball-Zunft. Doch wenn er in diesen Tagen seinen Mannschaftskameraden im THW- Trikot verstärkt Anweisungen gibt, hören alle ganz besonders genau zu. Denn seit dieser Saison ist "Pitti" nicht nur der Älteste im THW-Trikot, er ist zudem auch neuer Co-Trainer an der Seite von Noka Serdarusic.
Klaus-Dieter Petersen.
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"Aber ich fühle mich nach wie vor jung genug um mitzuhalten", betont Petersen, der nunmehr seit zehn Jahren die Knochen für die Zebras hinhält. Solange ihn seine Mitspieler nicht "alter Sack" nennen würden, hätte er keine Probleme mit seiner neuen Rolle als Mannschafts-Ältester. "Zuerst sollen die Jüngeren auf ihre eigene Leistung schauen. Und erst wenn die stimmt, dürfen sie auch gern alter Sack zu mir sagen", nimmt es der 311-malige Nationalspieler mit der ihm eigenen Gelassenheit. Sein Verhältnis zu den Mitspielern sei durch den neuen Co-Trainerposten jedenfalls kein ein anderes geworden, sagt Petersen. Außerdem: "Der Trainer hat immer recht, nicht der Älteste."

Petersen definiert seine neue Aufgabe - ganz Team orientiert wie eh und je - als eine Unterstützung für Serdarusic. Mit seinem Fachwissen als Trainer für Sportrehabilitation, als Rückenschulleiter sowie als Wellness- und Gesundheitstrainer will er seinem Chefcoach zukünftig den Rücken freihalten für die Konzentration auf taktische Dinge. Dass er all diese Zusatzqualifikationen neben seinem Profisportlerdasein erworben hat, kommt dabei nicht von ungefähr. "Als Spieler bist Du einfach dem Alter ausgesetzt und hast Deine Grenzen. Doch ich habe nach 15 Jahren Bundesliga gemerkt, dass ich sehr am Leistungssport hänge und weiter darin arbeiten möchte."

Petersen plant voraus: "Es ist mir wichtig, für meinen weiteren Lebensabschnitt mehrere Standbeine zu haben. Ich möchte mir viele Möglichkeiten offen lassen. Ob ich dann irgendwann einmal tatsächlich als Chefcoach oder in der Jugendarbeit als Trainer arbeiten werde, wird sich in der Zukunft zeigen." Den B-Trainer-Schein hat er dafür natürlich ebenfalls schon in der Tasche, in diesem Monat beginnt er mit der zweijährigen Ausbildung zur A-Lizenz.

Seinem Wunsch Vorbild zu sein, wird der zweifache Vater und Familienmensch Petersen ganz sicher nachkommen - egal in welcher Rolle. Seine Erfahrungen und die ihm wichtigen Werte für einen Leistungssportler vermittelt er bereits jetzt an die jüngeren Kollegen. "Es reicht nicht, sich Bundesligaspieler zu nennen, man muss sich auch entsprechend verhalten", mahnt er. "Zu einem profihaften Lebensstil gehören neben Training auch die entsprechende Regeneration oder beispielsweise die richtige Ernährung und ein entsprechender Lebenswandel." Inzwischen sei der Handball so athletisch geworden, dass man gut daran tut Verhaltensweisen aus anderen Sportarten auf den Handball zu übertragen, um wieder ganz nach oben zu kommen. "Vielleicht macht das nur fünf Prozent der Leistung aus", mutmaßt Petersen, "aber die könnten am Ende für den Erfolg entscheidend sein." Und genau daran arbeitet er als Co-Trainer gemeinsam mit den Ärzten und Physiotherapeuten in Team. Seine Maxime allerdings bleibt unverändert: "Wir brauchen mannschaftliche Geschlossenheit. Der Erfolg setzt sich aus vielen kleinen Schritten zusammen. Nicht der des Einzelnen zählt, sondern der Erfolg der Mannschaft." Egal ob als Spieler oder als Trainer.


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