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06./07./08.11.2006 - Letzte Aktualisierung: 08.11.2006 Bundesliga

Mittwoch kommt der MT Melsungen in die Ostseehalle

Update #2 KN-Vorbericht und Update vom 07.11. ergänzt...

Das Team von MT Melsungen.
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Sechs Tage hatten die Kieler Handballer nach dem Kräfte raubenden 34:32-Champions-League-Erfolg gegen GOG Svendborg Gudme (DEN) Zeit, sich zu erholen und Kraft zu tanken für die kommenden Spiele. Bitter nötig hatten dies die Kieler allemal, absolvierten einige doch sieben Spiele in neun Tagen. Am Mittwoch nun hat die Pause ein Ende, mit der MT Melsungen stellt sich eine aufstrebende multinationale Truppe dem Vergleich mit den Zebras. Anpfiff in der Ostseehalle ist um 20 Uhr, der HBL-Liveticker informiert zeitnah über das Geschehen.
In der letzten Spielzeit überraschte der Aufsteiger aus Melsungen die Konkurrenz mit einer aggressiven 4-2-Abwehr, mit der MT emsig Punkt um Punkt einsammelte. Dass dabei auch so namhafte Vereine wie der HSV Handball, die SG Kronau/Östringen und Frisch Auf! Göppingen Federn lassen mussten, ließ die Handballwelt aufhorchen. Am Ende sicherte sich Melsungen als einer der ersten gefährdeten Klubs den Klassenerhalt - und mit 24:44 Punkten belegte man gleich in der Auftaktsaison Platz 12.

Neuzugang aus Flensburg: Goran Sprem
Neuzugang aus Flensburg: Goran Sprem
In der laufenden Spielzeit aber hängen die Trauben für MT offensichtlich etwas höher. Erst zweimal konnte man in dieser Saison gewinnen, - was zugegebenermaßen auch am schweren Auftaktprogramm der Nordhessen gelegen haben dürfte. Die eingeplanten Punkte gegen Lübbecke und Wetzlar holten Melsungen souverän - ansonsten zahlte man gegen die Spitzenklubs Lehrgeld (siehe Gegnerkurve MT Melsungen). Richtig geärgert hat Trainer Dr. Rastislav Trtik sich nur über die knappe 24:25-Niederlage in eigener Halle gegen die SG Kronau/Östringen: "Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir einmal so schlecht angefangen haben". Das war passiert: 13 Minuten lang fanden die Gastgeber nicht ins Spiel, lagen mit 0:8 hinten, starteten dann aber eine Aufholjagd, an deren Ende MT mit leeren Händen dastand - Lehrgeld eines Teams, das sich erst noch finden muss?

Gleich fünf Spieler verließen Melsungen vor dieser Saison, ebenso viele fanden den Weg nach Nordhessen. Der bekannteste unter ihnen: Linksaußen Goran Sprem wechselte von der SG Flensburg-Handewitt nach Melsungen, muss sich dort unter anderem mit Ex-Zebra Karsten Wöhler - übrigens einer von insgesamt vier Deutschen im Kader Melsungens - und Ivan Brouka
Bereits Gegner im jeweiligen National-Trikot: Christian Zeitz und Spyros Balomenos.
Klicken Sie zum Vergrößern! Bereits Gegner im jeweiligen National-Trikot: Christian Zeitz und Spyros Balomenos.
die Position teilen. Mit den Griechen Spyros Balomenos und Giorgos Chalkidis verbessert Melsungen seine Qualitäten in der Abwehr. Nicht mehr nur die anfällige, weil zeitstrafengefährdete, 4-2-Variante lässt Trtik nunmehr spielen, immer mal wieder lässt er nun Chalkidis und Daniel Valo in einer 6-0-Formation decken. Und Balomenos, von IK Sävehof gekommen, entpuppt sich ganz nebenbei als torgefährlichster Melsunger. Zudem kam Vladica Stojanovic, um den Tschechen Petr Hazl auf der Spielmacher-Position zu entlasten und auch in der Offensive mehr taktische Varianten entwickeln zu können. Mit Andrej Kurtchew kam zudem noch der torgefährlichste Spieler des Absteigers Concordia Delitzsch nach Hessen, der aber auch noch ein wenig mit Eingewöhnungsproblemen zu kämpfen hat.

Trtik, Doktor der Pädagogik und ehemaliger Coach von Kiels Champions League-Gegner Banik Karvina, sucht den Erfolg mit einer multikulturellen Mannschaft, wie sie in der Bundesliga selten zu finden ist. Gleich acht Nationen vereint der ehemalige Tschechische Nationaltrainer unter dem Dach des MT Melsungen - ein babylonisches Sprachengewirr mag mancher wahrnehmen, der den Gesprächen der Mannschaft folgen will. Aber das stellt auch ein Problem für MT dar. "Teilweise konnten wir uns bisher auf dem Feld nicht verständigen. Aber die Kommunikation wird langsam besser", erklärt Spielmacher Petr Hazl, der am Mittwoch wegen einer Bauchmuskelverletzung nicht wird spielen können.

Petr Hruby beim Torwurf auf dem Ostseehallen-Parkett.
Klicken Sie zum Vergrößern! Petr Hruby beim Torwurf auf dem Ostseehallen-Parkett.
Dass im Melsunger Kader trotz eines recht hohen Durchschnittsalters von fast 29 Jahren viel Potential steckt, macht ein Blick auf die Spiele der Nationalmannschaften vor kurzem klar. Melsungen stellte dabei eines der größten Kontingente. Beim Statoil World Cup spielten Spyros Balomenos, Giorgos Chalkidis und Grigorios Sanikis für Griechenland, Goran Sprem erzielte unter anderem drei Tore beim 30:27 der Kroaten gegen das Brand-Team, Vladica Stojanovic durfte mit Serbien gleich zweimal gegen die deutsche Nationalmannschaft antreten. Die Weißrussen Andrej Kurtschew und Ivan Brouko griffen nicht aktiv ins Worldcup-Spielgeschehen ein, absolvierten mit ihrer Auswahl aber ein Trainingslager. Für Petr Hazl und Petr Hruby stand in ihrem Heimatland Tschechien ein internationales Turnier auf dem Programm, während Daniel Valo mit den Slowaken in einem Testspiel auf den ungarischen Erstliga-Klub Tatabanya traf. Bis auf den rechten Rückraumspieler Predag Kontic, Karsten Wöhler, den Nachwuchsspieler Benedikt Hütt und Rechtsaußen Sead Kurtagic weisen alle Spieler im Kader der Nordhessen Länderspiel-Erfahrungen auf (siehe Gegnerkader MT Melsungen).

Exzellenter Torhüter mit Offensivdrang: Zoran Djordjic
Klicken Sie zum Vergrößern! Exzellenter Torhüter mit Offensivdrang: Zoran Djordjic
Schillerndste Figur im Team der Nordhessen ist mit Sicherheit Routinier Zoran Djordjic. Der Torhüter, trotz seiner vierzig Lenze noch immer in bestechender Form, ist der angriffslustigste seiner Zunft. In vielen Arenen ist er noch als stürmender Torhüter der SG Wallau-Massenheim bekannt, im Dress des MT Melsungen hat er nichts von seinen Qualitäten in Defensive und Angriff eingebüßt. So staunte unlängst der TBV Lemgo nicht schlecht, als Djordjic zunächst einen Siebenmeter abwehrte, dann nach vorn stürmte, um vom Kreis ein Tor zu erzielen - was letztlich nach einem engen Spiel aber trotzdem nicht die 30:35-Niederlage verhindern konnte.

Der THW darf also durchaus gewarnt vor dem Club sein, der 1994 zu Zweitliga-Zeiten als Halbfinalist im DHB-Pokal schon einmal aufhorchen ließ. In der vergangenen Spielzeit trafen die Kieler erstmals auf Melsungen, gewannen dabei sowohl in der Ostseehalle ( 32:27) als auch in Nordhessen sicher (siehe auch Gegnerdaten MT Melsungen). Beim 31:23-Erfolg in Rotenburg erlebte Mattias Andersson mit 29 Paraden eine Sternstunde.

Auf solch eine hoffen mit Sicherheit auch wieder 10250 Fans in der Ostseehalle, die ihrem Team den Rücken stärken werden. Sollte es dabei ähnlich lautstark zugehen wie am vergangenen Donnerstag im Spiel gegen Gudme, sollten zwei Punkte für die Zebras dabei heraus springen - auch wenn Melsungen nach der jüngsten 20:29-Heimniederlage gegen FA Göppingen hoch motiviert auflaufen wird. "Wir haben heute eine größere Mannschaft mit größeren Namen, wir haben größere Investitionen getätigt und größere Kosten - aber wir haben viel weniger Leistung, Herz und Einsatz. Ich bin mir sicher, daß wir heute zum letzten Mal diese Form von Handball gespielt haben.", nahm Trainer Trtik seine Mannen gleich nach der deftigen Schlappe in die Pflicht.

In der Halbzeitpause erhält übrigens der Direktor des Kinderherzzentrums, Prof. Dr. Hans-Heiner Kramer, einen Scheck in Höhe von 12.500 Euro (siehe Extrabericht). Diese Spende von der coop eG und dem THW Kiel ist Resultat aus dem gelungenen UNSER NORDEN CUP 2006.

Die Schiedsrichter der Partie am Mittwoch sind Lars Schaller und Sebastian Wutzler (Leipzig/Frankenberg).

(Christian Robohm)

Lesen Sie auch den KN-Vorbericht zum Spiel.

Dieser Vorbericht wird wie gewohnt ständig aktualisiert...

 

Aktualisierung vom 07.11.

In Melsungen brennt nach der jüngsten Niederlage 20:29-Niederlage gegen Göppingen sprichwörtlich der Baum. Kurz nach dem Spiel hatten Management und sportliche Leitung bereits drastische Konsequenzen angekündigt, am Dienstag dann gab MT Melsungen bekannt, wie diese aussehen: "Zu Saisonbeginn als der hochkarätigste Neuzugang zur MT Melsungen gestossen, kehrt Goran Sprem nach nur zehn Pflichtspielen den Nordhessen wieder den Rücken. Der 120-fache kroatische Nationalspieler, Olympiasieger 2004, Weltmeister 2005 und World-Cup-Gewinner 2006 kann sich mit der von Trainer Trtik praktizierten Spielphilosophie nicht identifizieren.

Durch unterschiedliche Auffassungen kam es in letzter Zeit häufiger zu Unstimmigkeiten zwischen Spieler und Trainer. "Es hat sich herausgestellt, dass ich nicht in die Spielphilosophie der MT Melsungen hineinzupassen scheine", so Sprem, "deshalb habe ich den Verein um Vertragsauflösung gebeten". "Wir sind davon überzeugt, dass dies die für beide Seiten fairste Lösung ist. So kann sich Goran sicher auch besser auf die in gut zwei Monaten beginnende Weltmeisterschaft konzentrieren", erklärt Melsungens Sportchef Alexander Fölker.

Der MT-Sportchef weiter: "Natürlich ist es schade, wenn sich herausstellt, dass ein solch guter Spieler nicht in unser Spielsystem einzubauen ist. Beide Seiten waren anfangs davon überzeugt, dass es funktioniert, jeder hat sich entsprechend bemüht. Aber wenn man merkt, dass man doch nicht zueinanander passt, ist es besser, sich wieder zu trennen".

Schon am morgigen Mittwoch, zum Auswärtsspiel der MT Melsungen beim THW Kiel (20.00 Uhr, Ostseehalle) werden die Nordhessen ohne Goran Sprem reisen."

 

Rastislav Trtik: Mit Tempo zum Erfolg

Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra", von living sports:

Eines kann man Rastislav Trtik, Trainer der MT Melsungen, mit Sicherheit nicht vorwerfen: Versteckspiel. Der 45-jährige Doktor der Pädagogik ist ein ganz eigener Typ.

Dr. Rastislav Trtik gibt Predrag Kontic Anweisungen
Klicken Sie zum Vergrößern! Dr. Rastislav Trtik gibt Predrag Kontic Anweisungen
Trtik ist ein akribischer Arbeiter, der sich und seine Teams ständig fortbildet. Das musste auch schon THW-Trainer Noka Serdarusic erleben, als er bei einem Fortbildungsangebot der EHF für Trainer von Spitzenvereinen einen Vortrag über "Hochgeschwindigkeits-Handball" hielt. Aufmerksamer Zuhörer: Rastislav Trtik. Als Serdarusic seinen Ausführungen vor über 150 Trainern längst beendet hatte, fragte der Melsunger Coach noch lange nach. Kein Wunder, ist der Tempohandball doch auch seine bevorzugte Taktik.

Schon zu Zweitliga-Zeiten, als Trtik auch noch tschechischer Nationaltrainer war, hatte man die Gegner mit Tempo in die Schranken gewiesen. Auch in der Bundesliga überraschte der Aufsteiger in der vergangenen Saison manchen Gegner, hielt man doch auch in der Beletage an der kraftraubenden, ungewöhnlichen aber durchaus effektiven 4-2-Deckungsvariante fest. Das brachte den Nordhessen keinen Schönheitspreis oder Publikumsovationen, aber den frühzeitigen Klassenerhalt und einen nicht für möglich gehaltenen 12. Platz. Trtik freute sich darüber, um kurz darauf wieder die Planungen für die nächste Spielzeit in Angriff zu nehmen. Und wieder einmal überrascht der Coach die Konkurrenz: Wer sich auf die 4-2-Deckung eingestellt hat, läuft sich neuerdings manchmal in einer klassischen 6-0-Deckung fest. Auch Trtik weiß, dass man nur durch Variabilität zum Erfolg kommen kann - und natürlich mit viel Tempo.

(Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra")

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 07.11.2006:

Melsungen wirft Goran Sprem raus

THW-Gegner kommt heute ohne seinen Olympiasieger nach Kiel
Kiel - Wenn heute Abend (20 Uhr) der MT Melsungen die Ostseehalle besucht, wird das bekannteste Gesicht in den Reihen der Hessen fehlen: Goran Sprem. Der kroatische Olympiasieger, der sich ein Bild der Goldmedaille auf seine Schulter tätowieren ließ, wurde gestern Nachmittag "einvernehmlich" vor die Tür gesetzt.

Der 120-fache Nationalspieler Kroatiens, der vor zehn Tagen in Malmö gegen Tunesien noch den World Cup gewann, gilt als Sündenbock für die jüngste Misere. Spätestens nach der peinlichen 20:29-Heimniederlage gegen eine B-Mannschaft aus Göppingen hängt der Haussegen in Melsungen schief. Ein erboster Trainer Dr. Rastislav Trtik ("Sprem fehlt in der Abwehr die nötige Aggressivität") bemängelte anschließend auch den fehlenden Zusammenhalt in der Mannschaft. "Heute hätten wir gegen jeden Zweitligisten verloren." Seitdem folgte ein Krisengipfel auf den nächsten.

Als Bauernopfer wurde nun der 27-jährige Sprem ("ich habe hier einfach nicht in das Konzept gepasst") ausgewählt, der erst zu Saisonbeginn von der SG Flensburg-Handewitt nach Melsungen gekommen war.

"Seine internationale Reputation war einwandfrei", meinte MT-Pressesprecher Bernd Kaiser. "Manchmal merkt man aber erst zu spät, wie jemand gestrickt ist."

Sprem, der nun händeringend einen neuen Arbeitgeber sucht, um nicht aus dem WM-Kader der Kroaten zu fliegen, ist aber nur ein Sorgenkind in dem internationalen Kader. Karsten Wöhler, der von 1995 bis 1998 in Kiel spielte, ist neben dem eingebürgerten Bosnier Sead Kurtagic einziger Deutscher in dem Acht-Nationen-Team, dem eine gemeinsame Arbeitssprache fehlt. Im Training wird zwar Deutsch geredet, aber nicht von allen verstanden. "Gerade in kritischen Spielsituationen ist die mangelhafte Verständigung ein echtes Problem", räumte Kaiser ein. "Wir werden aus diesen Erfahrungen lernen." Sprachunterricht, der beim THW Kiel zum Trainingsplan der ausländischen Neuzugänge gehört, ist in Melsungen kein Pflichtprogramm.

Mit Sprem, Andrej Kurtschew (Delitzsch) sowie den griechischen Nationalspielern Georgios Chalkidis und Spyros Balomenos hat sich der Klub zwar namhaft verstärkt. Damit verabschiedete sich Melsungen aber auch von seiner unkonventionellen 4:2-Deckung, die in der vergangenen Saison für viel Furore sorgte und dem Aufsteiger damals einen beachtlichen zwölften Tabellenplatz bescherte. Möglich, dass die Trtik-Schützlinge heute zwar ohne Sprem, aber wieder mit der alten "Indianer-Taktik" aufspielen werden.

Für den THW Kiel steht nach dem Melsungen-Spiel der letzte Auftritt in der Vorrunde der Champions League an. Am Sonntag (19 Uhr) kommt HCM Constanta in die Ostseehalle. Die Rumänen besitzen nur mit einem Sieg eine kleine Chance, noch das Achtelfinale zu erreichen, das am Dienstag ausgelost wird.

(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 07.11.2006)

 

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