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30.01.2007 WM 2007

Kieler Nachrichten: Handball für Mathematiker

Die Dänen konnten sich so richtig was ausrechnen

Aus den Kieler Nachrichten vom 30.01.2007:

Mannheim - Der moderne Handballer muss nicht nur hart werfen und schnell laufen können. Der Modus dieser Weltmeisterschaft verlangt auch fundierte Kenntnisse der Mathematik. Wer das Rechnen beherrschte, konnte sich seinen Gegner im Viertelfinale auswählen.
So wie die dänische Mannschaft, die am Sonntag in Kenntnis vieler Zahlen ihre Hauptrunde in Mannheim beschließen durften. Ein Sieg gegen Tschechien und die Dänen treffen als Tabellenzweiter auf Island (Dritter der Gruppe I). Einziger Haken: Laut WM-Fahrplan hätte diese Partie in der "Kölnarena" stattfinden müssen. Wie jede Rechnung hat auch diese eine Unbekannte. In diesem Fall ist "x" die deutsche Mannschaft. Die Auswahl des DHB (Zweiter Gruppe I), eigentlich für die Color-Line-Arena in Hamburg qualifiziert, wurde schon vor dem ersten Ballwurf dieser WM als möglicher Viertelfinalist in Köln gesetzt. Anpfiff 17.30 Uhr. Auch das war schon lange klar. Also mussten die Dänen tauschen und stattdessen nach Hamburg umziehen.

Aber wollten die Dänen sich überhaupt mit Island messen? Für sie gab es am Sonntag auch noch eine andere Option: Eine unauffällige Niederlage gegen Schlusslicht Tschechien und sie hätten als Dritter gegen Deutschland (Zweiter der Gruppe I) spielen können. In Köln. Das hätte zwar das dänische Fernsehen verärgert, weil die sich für ihre Live-Übertragung in der Color-Line-Arena einen stimmungsvolleren Rahmen erhofft hatten. Das hätte allerdings die Ungarn getröstet, die vorgestern in letzter Sekunde Russland (25:26) unterlagen und bei einer dänischen Niederlage doch noch ins Viertelfinale gekommen wären. Und nicht die Russen. Auch höhere Mathematik. Wie wir erleben durften, hofften die Ungarn vergeblich. Nur, ob Zufall oder Absicht ihr Schicksal bestimmte, das wissen nur die Dänen. Deutschland oder Island im Viertelfinale - beim 33:29 (17:15)-Sieg gegen Tschechien sah es lange so aus, als würden die Dänen lieber gegen die Deutschen spielen. In Köln. Denn, das haben wir gelernt, die Deutschen spielen immer in Köln. Zumindest eine Konstante. Immerhin.

Gegen den punktlosen Tabellenletzten begannen die Skandinavier wie Schlaftabletten und lagen schnell mit 1:6 zurück. Dann brachte Wilbek den Flensburger Joachim Boldsen, den er eigentlich schonen wollte. Also Platz zwei, Island und Hamburg? Seine Säulen Kasper Hvidt und Lars Christiansen wechselte Wilbek aber auch dann nicht ein, als die Tschechen in der zweiten Halbzeit noch mit 20:19 (39.) führten. Vielleicht war den Dänen, die nachweislich stundenlang gerechnet haben, ihr nächster Gegner auch völlig egal. Und die Tschechen, bis dahin Freiwild in der Hauptrunde, wollten endlich einmal als Unbekannte ein Ergebnis auf den Kopf stellen. Und vielleicht waren die Ungarn am Ende sogar die besseren Handballer, nur rechnen konnten sie nicht. Klar ist nur, dass zumindest ein Däne noch einmal die Schulbank drücken muss: Anders Oechsler hatte sich Polen als möglichen Gegner ausgerechnet.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 30.01.2007)


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