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03.-05.09.2007 - Letzte Aktualisierung: 05.09.2007 Bundesliga

THW Kiel empfängt GWD Minden am Mittwoch

Update #2 Zebra-Interview mit Arne Niemeyer und KN-Vorbericht vom 04.09. ergänzt...

Das Team von GWD Minden.
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Durch den klaren Auswärtssieg am Samstag in Großwallstadt haben die Zebras die Tabellenführung der TOYOTA Handball-Bundesliga erklommen. Nun nimmt die Saison mit drei Ligaspielen in 8 Tagen - u.a. gegen die Spitzenclubs SC Magdeburg und Rhein-Neckar Löwen - richtig Fahrt auf. Auftaktgegner dieses Dreierpacks ist am Mittwoch in der Ostseehalle GWD Minden, angepfiffen wird die Partie um 20.15 Uhr. Aktuelle Zwischenstände und Informationen rund ums Spiel bekommen Sie im Internet zeitnah unter www.kn-online.de/liveticker.
Trainer Richard Ratka ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden, denn GWD Minden steht vor seiner wohl schwierigsten Saison. Nicht nur von Handballstar Stefan Kretzschmar als "Abstiegskandidat Nummer eins" gesehen, kämpfen die Ostwestfalen um ihre Bundesliga-Existenz.

In der letzten Saison mit einem Heim-Remis gegen den VfL Gummersbach am vorletzten Spieltag nur knapp dem Abstieg entronnen, wollten die "Unabsteigbaren" in dieser Spielzeit eigentlich von Beginn an für klare Verhältnisse sorgen. Allerdings: Während sich die Konkurrenz aus dem vermutlich unteren Tabellendrittel zum Teil mit namhaften Akteuren verstärken konnte, lief es für GWD auf dem Spielermarkt nicht wie gewünscht. Die dänische Liga hatte in Ostwestfalen zwei Wunschkandidaten ausgemacht. Ärgerlich für GWD, dass es sich bei Dimitri Kouzelev und Snorri Gudjonsson ausgerechnet um zwei der Leistungsträger handelte, die fortan für Aarhus GF beziehungsweise GOG Gudme auflaufen werden. Ein Aderlass, der schwer zu verkraften sein würde, war man sich in Ostwestfalen der prekären Lage durchaus bewusst. Doch große Sprünge auf dem Transfermarkt waren ob des mit 2,1 Millionen Euro im Bundesliga-Vergleich relativ geringen Etats nicht zu machen. "Priorität hat im nächsten Spieljahr ein ausgeglichener Haushalt", machte Bredemeier klar, dass bei den Personalplanungen der Blick in den klammen Geldbeutel die Wünsche des Trainers überstimmen würde. Die letzte Saison hatte ein 200.000 Euro-Loch in die Vereinskassen der Mindener gerissen - und noch immer drücken den Traditionsklub Altschulden. Zum Abbau dieser wurde GWD bei der Lizenzerteilung verpflichtet - eine eingefahrene Situation.

Der schwedische Kreisläufer Anders Henriksson ist der bislang einzige  "echte" Neuzugang Mindens.
Der schwedische Kreisläufer Anders Henriksson ist der bislang einzige "echte" Neuzugang Mindens.
Und so füllte sich der GWD-Kader nur mit drei Spielern aus der eigenen Jugend und dem Kreisläufer Anders Henriksson, der vom Zweitligisten OHV Aurich den Weg zu Ratka an die Weser fand. Einen Nachfolger für den abgewanderten Snorri Gudjonsson fand GWD indes nicht. "Der Markt gibt derzeit nichts her", erklärte Mindens Manager Horst Bredemeier den ob der ausbleibenden Wechsel-Bestätigungen unruhiger werdenden Fans die Situation. Und so müssen rund um die Kampa-Halle einmal mehr die jungen deutschen Nachwuchsspieler die Kohlen aus dem Feuer holen. Die Lücken im Kader lassen aber das Unternehmen Klassenerhalt zu einem wahren Puzzlespiel werden. "Im Test gegen Nordhorn ist Rechtsaußen Einar Örn Jonsson ausgefallen. Moritz Schäpsmeier musste dessen Position dann einnehmen. Fiete Buschmann rückte zwangsläufig in den rechten Rückraum, fehlte uns aber in der Mitte." Die taktischen Möglichkeiten der Mindener bei kurzfristigen Ausfällen oder Schwächeperioden einzelner Spieler sind begrenzt. Seiner Forderung nach einem gelernten Mittelmann verlieh dieses Verschiebespiel im ersten Test Nachdruck. "Wir beobachten die Dinge genau", hofft Ratka noch auf ein Transfer-"Wunder" nach Saisonbeginn, wohl wissend, dass man kaum mit einem weiteren Neuzugang rechnen kann.

So darf sich der Mindener 13er-Kader kaum Verletzungen leisten, wenn man mit GWD nicht von vornherein auf verlorenem Posten stehen möchte. Trotz dieser Probleme verlief die Vorbereitung bei den Ostwestfalen einigermaßen störungsfrei, wenn man von dem Schreckmoment absieht, in dem Stephan Just sich eine Kapselverletzung am Daumen zuzog. Gleichwohl zeigten die Testspiele aber auch, wie eng es für die Ostwestfalen in dieser Saison werden dürfte. Nur zwei Siege - gegen eine Wilhelmshavener B-Mannschaft und den TuS N-Lübbecke - gab es gegen Klassenkonkurrenten, dem gegenüber standen aber auch Niederlagen gegen Bundesliga-Absteiger Hildesheim. Dabei war ein guter Start in die neue Saison für GWD eigentlich schon fast ein Muss. "Wir beginnen nicht gegen nahezu unschlagbare Teams wie Kiel, Flensburg oder Hamburg, wie in den letzten Jahren, sondern gegen einen direkten Konkurrenten", wollte Ratka gleich im ersten Spiel sein Team "voll zur Sache gehen" sehen. Schließlich, so der Trainer, wolle man allen Expertenmeinungen und Unkenrufen zum Trotz zeigen, "dass wir auch mit dieser Mannschaft konkurrenzfähig sind." Dieser Plan ging allerdings nicht auf. Mit 22:28 kassierte Minden am ersten Spieltag eine derbe Pleite beim Wilhelmshavener HV, die auch gleich das GWD-Hauptproblem schonungslos offen legte: "Stephan Just hat über Nacht eine Bronchitis bekommen, wodurch er nur bedingt eingesetzt werden konnte."

Bester Torschütze gegen Gummersbach: Allrounder Stephan Just.
Klicken Sie zum Vergrößern! Bester Torschütze gegen Gummersbach: Allrounder Stephan Just.
Am zweiten Spieltag war eben dieser Stephan Just wieder fit und hätte mit seinen 8 Treffern beim Heimspiel gegen den VfL Gummersbach maßgeblichen Anteil daran, dass GWD beinahe die erste große Sensation der Saison geglückt wäre. Vierzehn Minuten vor Schluss führte Minden mit 20:17, doch letztlich gelang VfL-Kreisläufer Robert Gunnarsson zehn Sekunden vor Schluss der 24:23-Siegtreffer für die Gäste. Eine bittere Niederlage für die Ostwestfalen, denn selbst Gummersbachs Trainer Alfred Gislason sprach danach von einem unverdienten Sieg. Trotz der zweiten Pleite, durch die Minden wie fünf weitere Bundesligisten noch ohne Punktgewinn dasteht (siehe auch Kurve Minden und Tabelle), sah Richard Ratka aber, dass seine Mannschaft zumindest bei Heimspielen mit den großen Teams mithalten kann: "Wir haben gute Ansätze gezeigt. Außerdem hat sich wieder einmal gezeigt, dass wir, solange wir unser Konzept nicht verlassen, erfolgreich spielen."

Dennoch: Fehlende Alternativen, ein junger Kader. Zu beneiden ist Richard Ratka wirklich nicht. Er sieht es realistisch: "Es wird eine der schwersten Serien überhaupt für uns. Gibt es auch nur eine einzige Verletzung, dann wird es richtig eng."

In der Ostseehalle wird es GWD indes auch mit allen Spielern an Bord schwer haben, seine ersten Saisonpunkte zu ergattern. Den letzten Sieg in Kiel feierte die damals noch unter dem Namen "Grün-Weiß Dankersen" firmierende Mannschaft vor fast 24 Jahren, seitdem gab es größtenteils deutliche Niederlagen an der Förde. In der vergangenen Saison aber hielt Minden beim 29:36 durch 24 Treffer des Trios Just/Kouzelev/Niemeyer immerhin lange Zeit mit dem späteren Meister mit. Und insgeheim keimt in Ostwestfalen die Hoffnung, dem großen THW Kiel noch einmal ein Bein zu stellen - so wie in der Saison 2005/06, als GWD im ersten Spiel nach der EM-Pause in eigener Halle sensationell mit 32:30 gewinnen konnte (siehe auch Gegnerdaten Minden).

Die Schiedsrichter am Mittwoch sind Christoph Immel (Tönisvorst) und Roland Klein (Ratingen).

(Christian Robohm / Sascha Krokowski)

Lesen Sie bitte auch

Dieser Vorbericht wird wie gewohnt ständig aktualisiert...

 

Aus dem offiziellen THW-Magazin "zebra", von living sports:

Zebra-Interview mit Arne Niemeyer: "Ich denke, wir sind gut auf die neue Saison vorbereitet."

Torgarant im Rückraum: Arne Niemeyer.
Klicken Sie zum Vergrößern! Torgarant im Rückraum: Arne Niemeyer.
Arne Niemeyer ist eine der Stützen von GWD Minden. Seit knapp zehn Jahren spielt er im Dress der Grün-Weißen und fühlt sich im Trikot der Weser-Städter noch immer wohl. Im Gespräch mit Zebra äußert sich der 25-jährige Rückraumspieler unter anderem zu den Chancen deutscher Nachwuchsspieler in Bundesliga und die verschiedene Konzepte der Spielerförderung.
Zebra:
Wie war die Vorbereitung zur neuen Saison?
Arne Niemeyer:
Die Vorbereitung war wie immer hart, aber es ist gut gelaufen. Ich denke, wir sind gut auf die neue Saison vorbereitet.
Zebra:
Im Mindener Kader stehen viele junge deutsche Spieler. Woran liegt das?
Arne Niemeyer:
Das Konzept von GWD beruht stark auf der Jugendarbeit. Der Verein kann sich keine namhaften Spieler, ob Ausländer oder Deutscher, leisten und holt deshalb Verstärkung aus dem eigenen Verein. Das ist wohl ein Unikum in der Liga, dass so viele Eigengewächse in einer Mannschaft spielen.
Zebra:
Sie spielen bereits sehr lange in Minden...
Arne Niemeyer:
Ich habe schon in der Jugend bei GWD gespielt, komme aus der Region und fühle mich hier sehr wohl.
Zebra:
Viele Vereine nutzen das Zweitspielrecht, um jungen Handballern Spielpraxis zu ermöglichen. Ist das der richtige Weg, um wieder mehr deutsche Spieler in die Liga zu bekommen?
Arne Niemeyer:
Man muss da eine gute Mischung finden. Bei einem Verein wie GWD spielen allein aus finanzieller Sicht schon viele junge deutsche Nachwuchsspieler. Eine Kooperation von einem Bundesligisten mit einem Zweitligaverein wie es der THW Kiel mit dem TSV Altenholz betreibt, halte ich für sehr gut. Ich habe auch eine zeitlang ein Zweitspielrecht gehabt und neben GWD Minden auch noch in Bielefeld gespielt. Spielpraxis ist wichtig. Nur auf der Bank zu sitzen und mitzutrainieren bringt nichts.
Zebra:
Können Sie den Ärger von Heiner Brand nachvollziehen, wenn er sich über mangelnde Alternativen für die Nationalmannschaft beschwert?
Arne Niemeyer:
Das ist schwer zu beantworten. Solche Sachen sind meist Momentaufnahmen. Es kommen vielleicht zwei, drei Verletzungen auf einmal und da werden die Alternativen dann natürlich knapp. Aber das ist bei den Deutschen sicher nicht anders als bei anderen Ländern. Ich denke, dass genug Potenzial in Deutschland vorhanden ist und sehe die Zukunft eher positiv.
Zebra:
Sie haben vor ein paar Jahren selbst ihre ersten Spiele in der Nationalmannschaft absolviert, standen zuletzt aber nicht mehr im DHB-Kader. Wie sehen Sie Ihre Chancen auf eine Rückkehr in das Team von Heiner Brand?
Arne Niemeyer:
Darüber mache ich mir im Moment überhaupt keine Gedanken. Ich hatte in der vergangenen Saison eine schwere Verletzung, die mich sehr zurückgeworfen hat. Ich bin jetzt wieder auf dem Niveau angelangt, auf dem ich vor der Verletzung war und muss meine Leistungen bringen. Wenn ich es schaffe, wieder in den Nationalmannschaftskader zu kommen, wäre es super und ich würde mich freuen, aber auf meiner Position ist das sehr schwer.
Zebra:
Kommen wir zum heutigen Spiel. Mit was für Ambitionen kommen Sie nach Kiel?
Arne Niemeyer:
Es ist der Traum eines jeden Handballers, einmal in Kiel zu spielen. Auf die Kulisse und die Atmosphäre freut man sich immer. Das Spiel gegen den THW Kiel soll Spaß machen und man muss versuchen, das zu genießen. Vielleicht kann man die Kieler etwas ärgern, aber die Chancen stehen bei weniger als 0,1 Prozent. Wir werden versuchen, uns gut aus der Affäre zu ziehen.
(Das Gespräch führte Rika Finck, aus dem offiziellen THW-Magazin "zebra", von living sports)

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 04.09.2007:

Ratka: "Wir haben in Kiel keine Chance"

Minden gibt sich vor dem Gastspiel beim THW Kiel keinen Illusionen hin
Minden - Morgen Abend geht in der Ostseehalle wieder das Licht an. Ab 20.15 Uhr spielen dann der THW Kiel und GWD Minden um Punkte in der Handball-Bundesliga. Unterschiedlicher hätten die Traditionsklubs nicht in die neue Saison starten können. Während die "Zebras" nach deutlichen Siegen gegen Melsungen (39:28) und Großwallstadt (40:26) bereits wieder an der Tabellenspitze stehen, hat sich der Deutsche Meister der Jahre 1971 und 1977 erneut im Keller eingerichtet.

In der vergangenen Saison rettete sich GWD Minden (18:50 Punkte) nur mit einem hauchdünnen Vorsprung auf Absteiger HSG Düsseldorf (17:51) über die Ziellinie. Die neue Saison begann der Klub, der im Stadtteil Dankersen seine Wurzeln hat, mit Niederlagen gegen Wilhelmshaven (22:28) und Gummersbach (23:24) - Platz 15.

Doch gerade gegen den zwölffachen Meister zeigte die junge GWD-Truppe am vergangenen Sonnabend ihr Potential. Dank einer starken Abwehrleistung lag sie sogar mit 20:17 (46.) in Führung, um in den letzten Sekunden durch einen Treffer von VfL-Kreisläufer Robert Gunnarsson noch beide Punkte zu verlieren. Eine unglückliche Niederlage, die sogar Gäste-Trainer Alfred Gislason ("diesen Sieg hatten wir nicht verdient") peinlich war. Fehlende Routine bescheinigte Ratka anschließend seinem Talentschuppen, in dem neun Spieler aus dem eigenen Nachwuchs stammen. "In den entscheidenden Szenen fehlte uns die Cleverness. Da haben einige zu überhastet reagiert", sagt der 71-fache Nationalspieler.

Einziger Neuzugang ist der Schwede Anders Henriksson. Der Kreisläufer kam vom Zweitligisten OHV Aurich. Georg Auerswald, Simon Witte (eigene Jugend) und Benjamin Göller (II. Mannschaft) qualifizierten sich vereinsintern für den Ligakader. "Uns sind aus finanzieller Sicht enge Grenzen gesteckt", sagt Ratka, der mit Sorgen in die Zukunft blickt. "Inzwischen ist es sogar für den VfL Gummersbach und den SC Magdeburg schwierig geworden, Verstärkungen zu finden." Finanzstarke Vereine wie der HSV Hamburg und die Rhein-Neckar Löwen hätten den Kuchen auf dem Transfermarkt inzwischen deutlich verkleinert.

"Die Spieler werden wie in einem Trichter nach oben gezogen. Für uns bleibt nichts mehr übrig", sagt der 43-Jährige, der mit einem Spar-Etat von zwei Millionen Euro arbeiten muss und deshalb auch die Pläne von Heiner Brand mit Skepsis betrachtet. Angesichts der vielen Planstellen, die in der Liga an Ausländer vergeben werden, wünscht sich der Bundestrainer eine verbindliche Mindestanzahl deutscher Spieler im Kader jedes Erstligisten. "Um diese Quote zu erfüllen, würden die anderen Klubs uns auch noch unsere Talente abkaufen", sagt Ratka, der sich vor dem Gastspiel in der Ostseehalle als Realist gibt. "Auf dem Papier steht zwar, dass wir in der gleichen Liga spielen. Aber auf dem Feld sieht die Welt ganz anders aus. Wir haben keine Chance, das steht fest."

Die Zahlen sprechen eine ähnliche Sprache. Im Dezember 1983 siegten die Ostwestfalen zuletzt (14:12) in Kiel. THW-Trainer war damals Johann-Ingi Gunnarsson, der Linksaußen hieß Uwe Schwenker.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 04.09.2007)

 

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