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26.10.2007 Nationalmannschaft / Europapokal

Kieler Nachrichten: Brand: "Spitzenvereine blähen den Kalender auf"

Bundestrainer kritisiert Wettbewerbe wie Vereins-EM und neuen Modus in der Champions League

Aus den Kieler Nachrichten vom 26.10.2007:

Dortmund - Ausgestattet mit mehr Macht durch den Verband kämpft Bundestrainer Heiner Brand für einen höheren Stellenwert des Nationalteams und gegen eine Überbelastung der Akteure. "Gerade die europäischen Spitzenvereine blähen den Kalender durch künstlich initiierte Wettbewerbe immer mehr auf", sagte der Gummersbacher, der am Mittwoch beim Deutschen Handball-Bund (DHB) einen Vertrag bis zum 30. Juni 2013 unterzeichnet hatte.
Eine Vereins-EM oder die zusätzlich installierte Gruppenphase in der Champions League würden die Belastung erhöhen. Sicher sei, dass diese sportliche Verwässerung auf Dauer keinem Zuschauer verborgen bleibe. Der 55-Jährige setzt sich zudem weiterhin für eine Ausländerbeschränkung in der Bundesliga ein: "Es kann doch nicht das Ziel der Top-Vereine sein, die besten Spieler aus aller Herren Länder einzukaufen, deren Ligen ausbluten zu lassen und die Endphase der Europacup-Wettbewerbe zu einem Zweikampf Deutschland gegen Spanien zu degradieren."

Obwohl Weltmeistercoach Brand durch seinen neuen Kontrakt beim DHB nun für den gesamten Männerbereich verantwortlich ist, weiß er um die Schwierigkeit seines Vorhabens. "Weder ich noch der Verband haben eine direkte Einflussmöglichkeit auf die Liga und ihre Vereine", so Brand, der es aber als seine Aufgabe ansieht, immer wieder auf die Probleme hinzuweisen.

Unterdessen setzt sich der Erfolgstrainer gegen eine Abwertung der Nationalmannschaften ein: "Dass eine Forderung, die WM oder EM nur alle vier Jahre auszutragen, gerade jetzt propagiert wird, wo der gesamte Handball Aufwind verspürt, macht mich ausgesprochen traurig, ja sogar böse." Besonders für den Nachwuchs wäre diese Entwicklung ein negatives Zeichen.

Dabei zeigt eine vom DHB nach dem WM-Gewinn im Februar gestartete Nachhaltigkeitskampagne Erfolge. Spätestens in den ersten Monaten des kommenden Jahres soll die Mitgliederzahl des Verbandes auf über eine Million gestiegen sein. Knapp neun Monate nach der WM hat die Mitgliederzahl bereits 900 000 überschritten. Bei seinen Forderungen erhält Brand auch Unterstützung der Nationalspieler, die mit "großer Freude" (Johannes Bitter) und "viel Beifall" (Florian Kehrmann) auf seine Vertragsunterzeichnung reagierten.

Bei der Auftaktniederlage beim 15. Supercup gegen Russland (35:38) in Dortmund gab es weniger Grunde zur Freude. Der stark spielende Holger Glandorf (10 Tore) wollte die hohe Belastung allerdings nicht als Ausrede gelten lassen. "Das darf keine Entschuldigung sein. Wir haben einfach zu viele Fehler gemacht", meinte der Nordhorner, der mit der SG Flensburg in Verbindung gebracht wird, sich aber erst nach dem Supercup über seine Zukunft äußern will.

Im zweiten Spiel im westfälischen Halle muss der Weltmeister heute Nachmittag (16.05 Uhr, live im ZDF) unbedingt gegen Serbien gewinnen, um das Minimalziel Halbfinale zu erreichen. "Es besteht kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Der Halbfinaleinzug ist weiter möglich", meinte Heiner Brand.

(aus den Kieler Nachrichten vom 26.10.2007)


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