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06.-08.03.2008 - Letzte Aktualisierung: 08.03.2008 Champions League

Champions League: THW siegt gegen US Ivry - Gruppenfinale gegen Leon

CL, Gruppe 1, 5. Spieltag: 06.03.2008, Do., 19.30: THW Kiel - US Ivry: 36:30 (19:18)
Update #4 Europacup-Ergebnis, KN-Spielbericht, Stimmen, Fotos und Spielbericht ergänzt...

Stark: Kim Andersson traf neunmal
Klicken Sie zum Vergrößern! Stark: Kim Andersson traf neunmal
Der THW Kiel hat sich in der Hauprunde der Champions League keine weitere Blöße gegeben: In einem über weite Strecken rasanten Spiel gewannen die Kieler am Donnerstag Abend gegen den französischen Meister letztlich klar mit 36:30 (19:18). Nach einer durchwachsenen ersten Hälfte war dabei eine Leistungssteigerung nötig, um die im Vergleich zum Hinspiel stark verbesserten Franzosen mit einer Niederlage auf die Heimreise zu schicken. Bester Kieler Werfer war Kim Andersson, der mit neun Toren ebensooft erfolgreich war wie "Sprungwunder" Luc Abalo auf Seiten Ivrys. Um ins Halbfinale einzuziehen, benötigt der THW aber weiterhin mindestens einen Punktgewinn gegen Ademar Leon (ESP), sodass dem Spiel am kommenden Donnerstag in der Sparkassen-Arena-Kiel gegen Leon wirklicher Finalcharakter zukommt.
"Wir wollen unser Spiel spielen", hatten die nach dem Sieg über Leon mit breiter Brust nach Kiel gereisten Gäste vor dem Spiel verkündet. Dass dieses von schneller Natur ist, davon konnten sich die 10250 Zuschauer früh überzeugen. Ruckzuck lag der THW mit 1:3 hinten (3.), leistete sich viele einfache Ballverluste, die die Franzosen durch schnelle Gegenstöße Abalos
Stets engagiert an der Außenlinie: Stephane Imbratia erhielt für seinen Einsatz sogar die Gelbe Karte.
Klicken Sie zum Vergrößern! Stets engagiert an der Außenlinie: Stephane Imbratia erhielt für seinen Einsatz sogar die Gelbe Karte.
und die unorthodoxen Kracher von Tuzolana zu nutzen wussten. 3:6 hieß es nach sechs Minuten, ehe auch die Kieler richtig Gas gaben. Vor allem Kim Andersson hatte nicht nur in dieser Phase richtig Lust auf Tore, dreimal hintereinander katapultierte der Kieler Schwede den Ball ins Gäste-Tor. Beim 7:8 war der THW wieder auf Tuchfühlung, zwei schnelle Gegenstöße von Andersson und Marcus Ahlm den Ausgleich. Zwölf Minuten waren zu diesem Zeitpunkt gespielt - und die Abwehrreihen hatten beide nicht ihren besten Tag. Kein Wunder, dass auch die Torhüter auf beiden Seiten nicht ins Spiel kamen. Und so entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem nun die Kieler deutlich bessere Karten in den Händen hielten. Auch, weil Nikola Karabatic jedes seiner vier Tore in der ersten Hälfte mit über 106 km/h erzielte, beim 17:15 den Ball gar mit 115 Kilometern pro Stunde in die Maschen des Tores hämmerte. Auch, weil in der Abwehr nun besser gearbeitet wurde. Indes: Mit mehr als zwei Toren konnten sich die Kieler in der ersten Hälfte nie absetzen, die unkonzentrierte Chancenauswertung ließ eine deutlichere Führung nicht zu. Auch Ivry-Torhüter Chapon trug dazu seinen - wenn auch kleinen - Teil bei. Vier Minuten vor dem Pausenpfiff konnten die Gäste deshalb wieder ausgleichen - 17:17. Gut nur, dass Vid Kavticnik mit einem feinen Heber kurz vor der Sirene wenigstens noch eine Ein-Tore-Führung für die Kieler markieren konnte.

Endlich wieder ohne Schmerzen: Thierry Omeyer bejubelt eine seiner elf Paraden.
Klicken Sie zum Vergrößern! Endlich wieder ohne Schmerzen: Thierry Omeyer bejubelt eine seiner elf Paraden.
Die wichtigste Änderung nach der Halbzeit zeigte sich beim Blick ins Kieler Tor: Thierry Omeyer hatte dort den Platz des glücklosen Andersson eingenommen. Nach seiner Verletzungspause schien der Franzose richtig heiß auf diesen Einsatz, parierte gleich zu Beginn einige schwere Bälle. Erneut kassierte Chapon zwei Gegentreffer per Heber, wobei Lövgren die THW-Siebenmeter-Flaute - zuvor hatten Andersson und Lundström vergeben - auf diese spektakuläre Weise zum 21:19 beendete. Als Lundström dann den Turbo zündete und per Tempogegenstoß das 22:19 erzielte, war die erste Drei-Tore-Führung für die Zebras unter Dach und Fach. Dass die nicht auf wackeligen Füßen stand, dafür sorgte die nun bissiger zupackende Abwehr und ein toller Karabatic-Treffer nach Doppelpass mit Lövgren in Unterzahl.

Lövgren und Lundström sorgten dann innerhalb von nur zwanzig Sekunden für das 25:21, Omeyer feierte eine Siebenmeter-Parade mit der bekannten Faust, ehe wenig später erneut das "L-Duo" aus Lövgren und Lundström das Ergebnis gar auf 28:22 (42.) schraubte, wobei der letzte Treffer in doppelter Kieler Überzahl fiel, da Guilbert und Mokrani sich zuvor binnen zwölf Sekunden jeweils eine Zeitstrafe abgeholt hatten. Doch geschlagen waren die Gäste trotz des starken Zwischenspurtes noch lange nicht. Vor allem Abalo, der beinahe überall auf
Bereit zum nächsten Flug: Luc "Skywalker" Abalo.
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der Platte zu Hause schien, sorgte immer wieder für ein Raunen im Publikum. Ganze 29 Sekunden benötigte er, um mit zwei Tempogegenstößen sein Team wieder in Schlagdistanz zu bringen. Beim 28:24 (43.) zeigte Abalo einmal mehr, warum er den Spitznahmen "Luc Skywalker" innehat: Auf dem Weg zum Tor schien der Franzose, der ab der kommenden Saison das Trikot von Ciudad Real (ESP) trägt, stets Flügel zu bekommen, so hoch sprang er. Gut nur, dass Kim Andersson in dieser Phase seine Treffsicherheit zurück erlangt hatte. Aus 12 Metern traf er zum 30:25 (45.), wenig später nicht weniger eindrucksvoll zum 31:25 und 32:25. Längst hatte die Stimmung in der Sparkassen-Arena-Kiel eine neue "Feierstufe" erklommen, nicht zuletzt, weil der in der Woche von Außen kritisierte Christian Zeitz von Noka Serdarusic für Kavticnik auf die Platte geschickt wurde. Die Fans feierten jeden Block, Zeitz bedankte sich mit großem Einsatz und scheute sich nicht, einem Abpraller hinterher zu hechten. Als die Zuschauer wenig später den Linkshänder mit Sprechchören zur Siebenmeterlinie locken wollten, winkte Zeitz jedoch ab. Lövgren scheiterte an Pocuca, doch die Stimmung in der Halle schien den müden Zebras nun ebensolche Flügel wie die des Luc Abalo zu verleihen. In der Abwehr wurde konzentrierter gearbeitet, Omeyer griff sich einen Ball nach dem anderen und schickte seine Vorderleute auf die Reise, die fortan auch sicher verwandelten. Zwar schlichen sich einige Abspielfehler in den Kieler Angriff ein, doch spätestens nach Ahlms Tor zum 34:29 (58.) war die Partie entschieden.

Ivrys Guilbert versucht, sich gegen den vor dem Spiel als "Schleswig-Holsteins Sportler des Jahres" geehrten Nikola Karabatic durchzusetzen.
Klicken Sie zum Vergrößern! Ivrys Guilbert versucht, sich gegen den vor dem Spiel als "Schleswig-Holsteins Sportler des Jahres" geehrten Nikola Karabatic durchzusetzen.
Den Höhepunkt, zumindest was die Stimmung anging, sollte das Spiel allerdings erst kurz vor dem Schlusspfiff erleben. Längst hatten sich die Zuschauer von den Sitzen erhoben, dankten den Zebras für den Einsatz, trotz der Strapazen der letzten Wochen mit zehn Spielen quer durch Europa innerhalb eines Monats. Und dann gab es noch einmal einen Siebenmeter-Pfiff. Zeitz-Sprechchöre, ein dieses Mal abwinkender Lövgren und die Überzeugungskraft von Andersson - Zeitz trat zum Siebenmeter an und verwandelte locker zum 36:30-Endstand. Ein schönes Ende eines Handballabends, der in der zweiten Hälfte eine deutlich verbesserte Zebra-Herde sah, bei der dieses Mal Lundström, Andersson und Omeyer die Akzente setzten.

Im zweiten Spiel der Hauptrunden-Gruppe 1 konnte sich Ademar Leon (ESP) am Samstag mit 28:27 (17:12) gegen Chehovski Medvedi Moskau (RUS) durchsetzen und erzwang damit ein echtes "Endspiel" um den Gruppensieg am kommenden Donnerstag in Kiel. Zuvor allerdings haben die Zebras noch eine richtig hohe Hürde in der TOYOTA Handball-Bundesliga zu überspringen: Am Sonntag kommt mit dem VfL Gummersbach die "Mannschaft der Stunde" in die Sparkassen-Arena-Kiel - ein hartes Stück Arbeit wartet dann auf den THW, wenn er sich auch in der Liga schadlos halten möchte. Die Endspiel-Wochen haben begonnen!

(Christian Robohm)

Hier geht's zu weiteren Fotos vom Spiel...

Lesen Sie bitte auch den Spielbericht der Kieler Nachrichten.

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Noka Serdarusic:
Heute war der Sieg eigentlich unwichtig, denn wir wussten bereits vor dem Spiel, dass wir unbedingt gegen Leon gewinnen müssen, um ins Halbfinale einzuziehen. Das war dann in der ersten Halbzeit wohl noch in den Köpfen meiner Spieler, die vor allem in der Abwehr nicht so bissig und konzentriert wie nötig zur Sache gingen. In der zweiten Halbzeit lief es dann besser, die Defensive stand kompakter. Heute war es nicht leicht, den Gegner haben wir nicht unterschätzt. Aber wir waren uns sicher, dass wir das Spiel irgendwie hinbiegen werden.

Wenn man aber weiß, dass Spieler wie Nikola Karabatic, Marcus Ahlm, Vid Kavticnik und Kim Andersson alle drei Tage ein Spiel haben und man weiß, dass sie beinahe durchspielen müssen, ahnt man, dass sie ein bisschen müder als normal sind. Natürlich freue ich mich, wenn das Publikum einen Spieler so empfängt wie heute Christian Zeitz. Ich habe ihn für Kavticnik gebracht, weil heute kein Trainer der Welt einen Kim Andersson mit diesen Würfen ausgewechselt hätte. Auf der anderen Seite war Luc Abalo, ein Vollbluthandballer, der auf jeder Position zu Hause erscheint.

Zunächst einmal gilt nun alle Konzentration dem schweren Spiel gegen Gummersbach am Sonntag. Am Donnerstag dann erwarte ich einen Sieg und den Halbfinaleinzug. Wir spielen zu Hause, da ist ein Sieg ein Muss. Ich weiß aber, dass wir eine gute Leistung bringen müssen. Denn Leon schlägt man nicht im Vorbeigehen.

Ivry-Trainer Stephane Imbratia:
Wir wollten in der Champions League anfangs lernen. Das hat auch funktioniert. Im Hinspiel waren wir schlecht, heute lief es schon viel besser. Wir haben unser Spiel gespielt, Tempo gemacht. Luc Abalo ist wahrscheinlich selbst im Tor klasse, Thierry Omeyer sollte achtsam sein! (Lacht) Die Atmosphäre heute war unglaublich, man spielt hier wirklich in der Arena des Handballs. Wir Franzosen müssen, was die Professionalität und die Stimmung angeht, von Kiel lernen. Es wäre toll, wenn wir so etwas auch in Frankreich aufbauen könnten.
THW-Torhüter Thierry Omeyer, der auch als Dolmetscher fungierte:
Ich bin zufrieden, dass ich wieder spielen kann. Schmerzen habe ich nicht mehr, aber die Schiene, die ich zur Stabilisierung des Knies trage, war schon ungewohnt. Aber letztlich habe ich mich daran gewöhnt und bin einfach nur glücklich, wieder aktiv auf der Platte zu helfen.
Ivry-Star Luc Abalo:
Es ist mir egal, auf welcher Position ich spiele. Auch auf Rechtsaußen fühle ich mich wohl, auch wenn ich im Rückraum natürlich mehr Bälle bekomme.

Champions League, Gruppe 1, 5. Spieltag: 06.03.08, Do., 19.30: THW Kiel - US Ivry (FRA): 36:30 (19:18)

Logo THW Kiel:
Omeyer (31.-60 und 2 Siebenmeter, 11 Paraden), M. Andersson (1.-30., 5 Paraden); Lund, K. Andersson (9/1), Lundström (6), Kavticnik (5), Anic (n.e.), Lövgren (4/2), Ahlm (4), Szilagyi, Zeitz (1/1), Karabatic (5), Klein (1), Jicha (1); Trainer: Serdarusic
Logo US Ivry (FRAFlagge FRA):
Pocuca (1.-12, 45.-60. und 1 Siebenmeter, 6 Paraden), Chapon (12.-45., 9 Paraden); Guillard (1), Poulin (2) Sarni, Martinovic (3), Crepain, Mokrani (3), Abalo (9), Tuzolana (5), Hadjali (4/3), Guilbert (1) Smajlagic (1), Petro (1); Trainer: Imbratia
Schiedsrichter:
Peter Brunovsky / Vladimir Canda (SVK)
Zeitstrafen:
THW: 3 (2x Ahlm (34., 42.), Lundström (39.));
Ivry: 5 (Poulin (20.), 2x Mokrani (36., 40.), Guilbert (40.), Guillard (54.))
Siebenmeter:
THW: 7/4 (Chapon hält Kim Andersson (20.), Lundström an die Latte (24.), Pocua hält Lövgren (52.));
Ivry: 4/3 (Omeyer hält Hadjali (39.))
Spielfilm:
1. Hz.: 1:1, 1:3 (3.), 3:4 (5.), 3:6 (6.), 4:7, 5:8, 7:8 (10.), 9:9 (12.), 11:11, 12:11, 14:12 (18.), 14:14 (20.), 16:14 (24.), 17:15, 17:17 (26.), 19:18;
2. Hz.: 20:18, 20:19 (32.), 22:19 (33.), 22:20, 25:21 (38.), 26:22 (39.), 28:22 (42.), 28:24 (43.), 29:25 (45.), 32:25 (49.), 32:27 (54.), 33:29 (58.), 34:30 (59.), 36:30.
Zuschauer:
10250 (ausverkauft) (Sparkassen-Arena-Kiel, Kiel)

 

Kurzumfragen:

CL: Wer wird Gruppensieger?
THW 94.7%
Leon 3.5%
Moskau 1.1%
Ivry 0.7%
Anzahl Stimmen: 2544

 


Die anderen deutschen Europapokal-Teilnehmer

Die Champions League geht in ihre entscheidende Phase - zumindest in die der Hauptrunde. Zumindest zwei der gestarteten deutschen Teams können sich neben dem THW Kiel noch große Hoffnungen auf einen Halbfinaleinzug machen. Seit dem letzten Wochenende gehört auch der VfL Gummersbach wieder zu diesem Kreis. Diesen Trend bestätigten die Oberbergischen am Mittwoch mit einem tollen 30:25 (15:9) gegen Montpellier HB (FRA). In der Hauptrunden-Gruppe 2 ist nunmehr alles offen, auch der kommende THW-Bundesliga-Gegner kann sich nunmehr berechtigte Hoffnungen auf ein Weiterkommen machen.

Sehr gute Chancen auf das Weiterkommen hat auch der HSV Hamburg. Im deutsch-deutschen Duell der Gruppe 3 setzten sich die Hanseaten am Samstag nach einer starken ersten Halbzeit letztlich knapp mit 32:30 (20:14) gegen die SG Flensburg-Handewitt durch, die damit die letzte Chance auf den Halbfinaleinzug vergab (siehe auch KN-Bericht).

Alle Ergebnisse des CL-Spieltages finden Sie hier.

Im EHF-Pokal stehen am Wochenende die Viertelfinal-Hinspiele auf dem Programm - allerdings nicht für die HSG Nordhorn. Nachdem man den Ukrainern von HC Portovik Yuzhny das Heimrecht abgekauft hatte, einigte man sich auf den 14. März (in Bielefeld) als Hinspiel- und den 16. März (in Nordhorn) als Rückspieltermin.

Im Pokalsieger-Cup hat sich der SC Magdeburg im Viertelfinale eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel am 15.3. in der Bördelandhalle verschafft: Im deutsch-deutschen Duell bei den Rhein-Neckar Löwen verloren die Sachsen-Anhaltiner zwar, doch das 26:28 (12:10) lässt ihnen weiterhin alle Chancen auf ein Weiterkommen.

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 07.03.2008:

"Zebra"-Sieg der Gelassenheit

Handball Champions League: THW Kiel hat nach dem 36:30 (19:18) gegen US Ivry das Halbfinale im Blick
Kiel - Die vorletzte Hürde auf dem Weg ins Halbfinale ist genommen. Das 36:30 (19:18) gegen US Ivry bescherte dem THW Kiel gestern Abend in der mit 10 250 Zuschauern ausverkauften Sparkassen-Arena in der Hauptrunde der Handball Champions League eine optimale Ausgangsposition für das "Finale" am kommenden Donnerstag gegen Ademar Leon.

Der Beginn des zweiten Aufeinandertreffens mit dem französischen Meister, der sich in einem völlig anderen Gewand präsentierte als im Hinspiel (39:25), ließ die "Zebras" zunächst staunen. Auf der einen Seite zündeten die Franzosen Explosionen und gingen mit 6:3 (6.) und 8:5 (9.) in Führung. Besonders geschmeidig überzeugte dabei die quirlige Spielweise Ivrys mit den flummihaften Außen Luc Abalo (rechts) und Audray Tuzolana (links). Prallten diese in Paris noch reihenweise von schwarz-weißem "Mauerwerk" ab, spielte besonders Abalo gestern seine Stärke aus, zog immer wieder weit, kraftvoll und hoch in den Rückraum hinein, profitierte von der Anwesenheit des genesenen Teddy Poulin auf Halbrechts und trug sich insgesamt neunmal in die Torschützenliste ein.

Den allerletzten Willen ließen die Kieler zunächst vermissen, ließen immer wieder einfache Bälle aus. Marcus Ahlm scheiterte frei stehend an Dragan Pocuca im Ivry-Tor (14.), Stefan Lövgren warf anschließend am Tor vorbei. Eine Konstellation, die sich ähnlich wiederholte, als Dominik Klein per Tempogegenstoß im eingewechselten Francois-Xavier Chapon seinen Meister fand (25.), genau wie erneut Lövgren beim Abpraller. Die Partie wogte bis zur Pause (19:18) hin und her und entließ THW-Trainer Noka Serdarusic dennoch gelassen in die Kabine: "Wir waren nicht bissig und konzentriert genug in der Abwehr. Aber ich war stets sicher, dass wir das Spiel noch irgendwie hinbiegen."

Das Hinbiegen gestaltete sich als zwölfminütiger Zwischenspurt voller Tempo, Spielwitz - und den nötigen Toren. Dieser Phase bis zum 28:22 (42.) drückte Linksaußen Henrik Lundström, der Klein nach 30 Minuten abgelöst hatte, seinen eleganten Stempel mit vier Toren auf. Im weiteren Spielverlauf traf der Schwede noch zweimal. Während die Stachel der unorthodoxen, offensiven Deckung der Gäste zusehends brachen, packte die Kieler Defensiv-Reihe, jetzt auch mit Börge Lund, nun beherzter zu, zwangen die Franzosen zu Fehlern. Für die endgültige Entscheidung sorgte schließlich Kiels Kim Andersson. Die Ivry-Deckung war nie in der Lage, die Kreise des Linkshänders wirkungsvoll einzuengen. Neunmal traf der 25-Jährige - dreimal in Folge zum 32:25 (49.).

Mehr Beifall (und Sprechchöre) als bei Anderssons Treffern spendete das im zweiten Abschnitt lautstarke Publikum indes, als Noka Serdarusic Christian Zeitz auf das Spielfeld schickte (47.). "Zeitzi, Zeitzi" schallte es bei der ersten Ballberührung des 27-Jährigen, "Zeitzi, Zeitzi" bei zwei gelungenen Abwehraktionen, "Zeitzi, Zeitzi" bei einem cleveren Anspiel auf Stefan Lövgren am Kreis, das jedoch nichts einbrachte, und "Zeitzi, Zeitzi" beim siebten THW-Siebenmeter (60.). Zeitz schritt zum "Punkt", verwandelte (Andersson, Lundström und Lövgren waren zuvor bei Strafwürfen gescheitert) und genoss den aufbrandenden Jubel, auch nach dem Schlusspfiff in sich gekehrt und ohne öffentliche Kommentierung.

Gewinnt Ademar Leon nun morgen gegen Moskau, reicht dem THW am Donnerstag trotzdem ein Unentschieden zum Weiterkommen. "Wir sind alle heiß auf Leon. Die haben im Hinspiel sehr hart gespielt", sagte Henrik Lundström gestern, für den gegen Ivry mit seinen "unfassbar guten Außen" nach einem "schlechten Start" das zunehmende Tempo der Schlüssel zum Sieg war.

(von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 07.03.2008)


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