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29.03.2009 Mannschaft / Medien

Welt Online: "Die Leistung meiner Jungs wird kaum gewürdigt"

Wie Kiels Handball-Trainer Gislason den Wirbel um angebliche Manipulationen vom Team fernhält

Aus Welt online vom 28.03.2009, von Peter Glauche:

Alfred Gislason: "Meine Mannschaft spielt die Saison ihres Lebens."
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Die Absicht der Reporter hatte Alfred Gislason schnell durchschaut. Der Mann vom NDR und sein Kollege vom ZDF fragten kurz etwas zum Sportlichen. Wie es sich als einsamer Tabellenführer anfühlt und ob er, der Trainer des THW Kiel, sich nach dem 42:35-Sieg über Melsungen schon als Meister fühle. Der 49-Jährige lächelte und antwortete souverän wie immer. Noch seien neun Spieltage zu absolvieren, es würden noch schwere Gegner warten und so weiter.
Dann kam die Frage, die der Isländer längst erwartet hatte. Wie weit der Skandal um die vermeintlichen Manipulationen die Mannschaft belastet? Ob der ständige Rummel um die Anschuldigungen und Verdächtigungen seine Arbeit beeinträchtigt? Das sei natürlich unangenehm, antwortete der Trainer, aber Sorgen mache er sich nur wegen der schlechten Mannschaftsleistung gegen Melsungen. "Wenn wir am Wochenende so in Zagreb spielen, werden wir Probleme bekommen", analysierte der Trainer. Enttäuscht zogen Radio- und TV-Mann von dannen, sie hätten viel lieber über den angeblichen Kriminalfall parliert, als sich mit den anstehenden Spielen des Deutschen Meisters zu befassen. Alfred Gislason schüttelt ungläubig den Kopf. Sportliches scheint schon seit ein paar Wochen kaum noch zu interessieren. Da kommt auch keine Frage nach dem schweren Auswärtsspiel in Kroatien bei Seriensieger RK Zagreb mit deren Weltklassleuten wie Ivano Balic und Igor Vori, dafür geht es immer wieder nur um vermeintliche Verfehlungen und Enthüllungen. "Meine Mannschaft spielt die Saison ihres Lebens, ist neun Spieltage vor Saisonende noch ungeschlagen und führt mit 49:1 Punkten und einer Tordifferenz von plus 204 die Bundesliga an. Aber dies wird nur am Rand erwähnt. Die Leistung meiner Jungs wird kaum noch gewürdigt, sie tun mir leid", sagt Gislason.

Der Trainer des THW winkt ab und lobt stattdessen seine Spieler, die sich mehr noch als sonst nur auf den Handball konzentrieren. Nichts scheint den Deutschen Meister sportlich aus der Spur zu bringen. Es hat den Anschein, dass, je mehr unerfreuliche Schlagzeilen über den THW erscheinen, desto intensiver trainiert wird. Der Zusammenhalt in der Mannschaft sei enorm, nicht nur auf der Platte, sondern auch privat. Erst neulich hätten sich seine Jungs zusammengefunden, um gemeinsam zu kochen, wobei jeder ein Gericht aus seinem Heimatland präsentierte.

Alfred Gislason, das wird klar, ist von seiner Mannschaft begeistert, die unbeirrbar ihren Weg geht. Seine Miene verfinstert sich erst, als das Thema auf die Anschuldigungen um die angeblichen Verfehlungen kommt. "Es kotzt mich an, wie einige meinen, nur zum Wohl des Handballs zu handeln, um hinter den Kulissen polemisch das Feuer zu schüren."

Gislason spricht von den Scheinheiligen in der Szene, die von den eigenen Problemen in ihren Vereinen ablenken wollen, indem sie stets neue Verdächtigungen gegenüber dem THW äußern. "Die einen sind in der Bundesliga weit hinter ihren Ansprüchen zurück, die anderen versuchen seit Jahren krampfhaft, Meister zu werden, indem sie unaufhörlich Geld in ihren Kader pumpen." Namen will er nicht nennen. "Schauen Sie auf die Tabelle, dann wissen Sie Bescheid", sagt Gislason nur.

Der studierte Historiker hat auch so seine Probleme mit dem Trend der Berichterstattung. Wo bleibt das Recht auf Unschuldsvermutung, wo der Respekt gegenüber einem Beschuldigten, fragt er, prangert dabei die Vorverurteilung in einigen Medien an und appelliert an Moral und Ethik. Und wie erklärt er sich die Vehemenz der Angriffe auf seinen Verein? Gislason lächelt: "Wer Erfolg hat, der hat auch Neider, und der THW hat verdammt viel Erfolg."

(Aus Welt online vom 28.03.2009, von Peter Glauche, Link zum Artikel)


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