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10.11.2009 Champions League

Kieler Nachrichten: Zürich: Spieler wollen die Reise nach Kiel notfalls selbst bezahlen

Aus den Kieler Nachrichten vom 10.11.2009:

Kiel/Zürich - Die Amicitia Handball AG (AHAG) wird voraussichtlich heute Konkurs anmelden. Aber: Der THW Kiel wird am Sonntag in der Champions League trotzdem einen Gegner haben. "Wir haben uns noch in Skopje an der Hotelbar geschworen, diese Reise notfalls selbst zu bezahlen", sagte gestern Hans Hugentobler, Pressesprecher der SG GC Amicitia Zürich, die am Sonnabend in Mazedonien den ersten Punkt verbuchte (22:22). "Die Mannschaft geht unglaublich gut damit um. Sie beweist Solidarität und Charakter."
Die AHAG besitzt zwar die Spiellizenz für den Schweizer Meister, der im Sommer mit den Grasshoppers eine Spielgemeinschaft gründete. Aber im Unterschied zur Bundesliga hat eine Insolvenz in der Schweiz nicht automatisch einen Zwangsabstieg zur Folge. Die Schulden der AHAG (geschätzt 500 000 Euro) sind wohl nur eines von vielen Problemen. So werden in Entscheidungsprozesse mit den Clubvorständen, den Aktiengesellschaften beider Vereine und dem für die Spielgemeinschaft zuständigen Geschäftsausschuss fünf Ebenen eingebunden. Diese Konstruktion soll inzwischen chaotische Formen angenommen haben.

Da die fünf Verwaltungsräte der AG auch mit ihrem Privatvermögen haften, sträuben sie sich noch, die Bücher zu "deponieren". Da in der Schweiz die Bezahlung ausstehender Steuern und Sozialleistungen nicht verhandelbar ist, müssen diese Rechnungen aber beglichen werden. Ansonsten folgt die Insolvenz.

Ein Neuanfang könnte für den Tabellenzweiten der Swiss Handball League (SHL) auch eine Chance sein. Zumal Sponsoren der Grasshoppers bereits Hilfe signalisiert haben. Zumindest bis Jahresende ist der Spielbetrieb gesichert. Allerdings muss der Etat von 1,5 Millionen Euro abgespeckt werden. Zudem müssen die Spieler, die in der Schweiz bis zu 8000 Euro netto im Monat verdienen, künftig nicht nur beim Gehalt Abstriche machen, sondern auch auf Prämien verzichten. Amicitia gewann in der vergangenen Saison alle nationalen Titel, zwei Spiele in der Champions League und erreichte nach Erfolgen gegen Kolding IF und Metalurg Skopje das Halbfinale im Pokalsieger-Cup. Rund 300 000 Euro haben die Spieler an Prämien angesammelt. Auf dem Papier, denn erhalten werden sie das Geld nicht.

(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 10.11.2009)


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