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18./19.12.2009 - Letzte Aktualisierung: 19.12.2009 Bundesliga

Das Spiel der Spiele: Sonntag steigt der Bundesliga-Gipfel in der Sparkassen-Arena

Update #1 KN-Vorbericht, KN-Spielhistorie und KN-Interview mit Heiner Brand ergänzt...

Das Team des HSV Hamburg.
Klicken Sie für weitere Infos! Das Team des HSV Hamburg.
Erster gegen Zweiter, Rekordmeister gegen Wunsch-Meister, Landeshauptstadt gegen Hansestadt: Die Partie zwischen dem THW Kiel und dem HSV Hamburg am kommenden Sonntag ist ohne Frage das Spiel der Spiele in der Hinserie der TOYOTA Handball-Bundesliga. 10.250 Zuschauer werden dabei am Sonntag den wie immer ausverkauften Handball-Kulttempel Sparkassen-Arena in einen Hexenkessel verwandeln. Anwurf ist um 17.45 Uhr, das DSF überträgt ab 17.30 Uhr live aus Kiel.
Schrecksekunde für Hamburg: Gegen den Aufsteiger TuS N-Lübbecke taten sich die Hansestädter vor Wochenfrist mehr als schwer. Am Ende siegte der Tabellenzweite durch einen Treffer 24 Sekunden vor Schluss noch mit 25:24 und machte durch diesen Erfolg die Partie am Sonntag zu dem, was sie sein soll: ein echtes Spitzenspiel. Denn es steht fest: Der Sieger des Duells zwischen Rekordmeister und Wunsch-Meister hat mehr als gute Chancen, als Tabellenführer
Nach langer Verletzungspause wieder dabei: Kreisläufer Bertrand Gille.
Nach langer Verletzungspause wieder dabei: Kreisläufer Bertrand Gille.
die EM-Pause zu überdauern. Den Druck des Gewinnenmüssens sieht THW-Manager Uli Derad dabei beim HSV: "Mit dem Potential, über das der HSV verfügt, muss er uns in unserem ersten Jahr nach Lövgren und Karabatic doch eigentlich packen." Ansonsten müsse man sich in Hamburg irgendwann mal überlegen, fügt der THW-Manager ironisch an, "unser ganzes Team zu kaufen." Tatsächlich: Glaubt man Meldungen der Hamburger Boulevardmedien, soll HSV-Boss Andreas Rudolph noch einmal ganz tief in die Tasche gegriffen haben, um sich endlich einmal für die finanziellen und ideelen Mühen nach dem Umzug von Bad Schwartau in die Colorline-Arena mit Meisterehren zu bescheren. Hatte Rudolph im Sommer mit einer Finanzspritze von gut einer Million Euro die Lizenz des HSV gesichert, so bürgte er wenig später noch einmal für gut 2,5 Millionen Euro. Der Grund: Durch die Verpflichtung der kroatischen Superstars Domagoj Duvnjak und Igor Vori kamen die Hamburger mit ihrem Etat von 7,5 Millionen Euro nicht mehr klar. Die Kosten seien dadurch um 2,6 Millionen Euro im Vergleich zur vergangenen Spielzeit gestiegen, zitierte das Boulevard-Blatt einen Wirtschaftsprüfer. Dadurch leisten sich die Hamburger in dieser Saison einen Etat von unglaublichen 11,6 Millionen Euro - und haben damit gut vier Millionen Euro mehr zur Verfügung, als der THW Kiel. Insgesamt soll Rudolph seit seinem Amtsantritt 2005 mehr als 20 Millionen Euro in den Verein gesteckt haben. Das Risiko für den Mäzen: Bleiben Erfolge in der Meisterschaft, im Pokal und der Champions League aus und gibt es deshalb keine Prämien, kommen zu dieser Summe eben jene 2,5 Millionen Euro hinzu.

Das Supertalent: Domagoj Duvnjak.
Das Supertalent: Domagoj Duvnjak.
Doch danach sieht es momentan nicht aus. Die Hamburger sind im Vergleich zu den Vorjahren stabiler geworden, und sie halten in allen drei Wettbewerben klar Kurs. Im DHB-Pokal hatte man wie in den Vorjahren das Losglück auf der HSV-Seite und zog mit Erfolgen bei der HSG Tarp-Wanderup, beim TuSPO Obernburg und dem Tabellenletzten HBW Balingen-Weilstetten in das Viertelfinale ein. In der Champions League entledigten sich die Elbestädter ihrer Pflichtaufgaben souverän, fuhren beim 48:17-Erfolg beim norwegischen Vertreter Fyllingen Handball sogar den höchsten Sieg der kurzen Vereinsgeschichte ein. Bei der Kür um den Gruppensieg patzten die Hamburger aber zweimal gegen den Titelträger BM Ciudad Real aus Spanien. Nach einer deutlichen Heimniederlage (26:32) zeigten sich die Hansestädter im Rückspiel aber wesentlich couragierter, am Ende entschieden Kleinigkeiten und Ciudad Weltklasse-Torhüter Arpad Sterbik das Duell. Dennoch: das 28:30 in Ciudad Real ließ die Handballwelt erneut aufhorchen - und das nicht nur, weil Trainer Martin Schwalb beinahe die komplette zweite Halbzeit im Angriff seinen Torhüter durch einen siebten Feldspieler ersetzte und sich ansonsten an der Seitenlinie hitzige Wortgefechte mit Gegner-Coach Talant Dujshebaev lieferte. Vielmehr war es das engagierte und flüssige Spiel des HSV, das die Sport-Experten zu der Erkenntnis kommen ließ, dass die Hamburger in dieser Spielzeit in allen Wettbewerben zu den Titelanwärtern zählen dürften.

Wird auch am Sonntag wieder an der Seitenlinie "wirbeln": HSV-Coach Martin Schwalb.
Wird auch am Sonntag wieder an der Seitenlinie "wirbeln": HSV-Coach Martin Schwalb.
Die wirkliche Stärke der Hamburger, in deren Team jeder Akteur Länderspiele vorweisen kann, wird - so sehen es Handball-Experten - erst im zweiten Teil der Saison zum Vorschein kommen, wenn die verletzten Akteure alle wieder zurück im Team sind. Trotz der Personalsorgen, auf die Martin Schwalb immer wieder hinzuweise bereit ist, hielten sich die Hansestädter in dieser Saison weitestgehend schadlos, was auch am furiosen Auftreten des Rechtsaußens Hans Linderberg gelegen haben dürfte, der die Torschützenliste der TOYOTA Handball-Bundesliga mit 99/58 Toren anführt. Lediglich in Frisch Auf Göppingen fand der HSV bisher seinen Meister: Der 35:36-Niederlage standen aber unter anderem beeindruckende Siege in Lemgo (34:25), in Gummersbach (34:28), bei den Rhein-Neckar Löwen (34:30) und gegen Flensburg (37:32) gegenüber (siehe auch Gegnerkurve Hamburg und Tabelle der TOYOTA HBL). Und beim Blick auf die Rückrunde, in der der THW bei den Mannschaften des oberen Tabellendrittels weitestgehend auswärts antreten muss, der HSV aber Heimspiele gegen die Top-Mannschaften hat, fangen nicht wenige der Hamburger Anhänger den gleichen Traum wie ihr Präsident zu träumen an: Der HSV will Titel, der HSV muss Titel gewinnen - und zwar mehr als den Supercup, den sich die Hamburger vor dieser Spielzeit mit einem deutlichen 35:28-Erfolg gegen den THW sicherte. "Wir liegen aktuell ganz dicht an den Kielern dran, alleine dieser Umstand und unsere Auftritte in der jüngsten Vergangenheit haben uns großen Respekt verschafft", ist HSV Sportdirektor Christian Fitzek optimistisch. "Mittlerweile trauen uns viele auch den Titel zu, wir selber sicher auch. Wir jedenfalls werden alles dafür tun, es dieses Jahr zu schaffen."

Bisher bester Torschütze der Hansestädter: Rechtsaußen Hans Lindberg.
Bisher bester Torschütze der Hansestädter: Rechtsaußen Hans Lindberg.
Dafür hat der HSV in der Sommerpause für ordentlich Wirbel auf dem Transfermarkt gesorgt. Dabei orientierten sich die Hamburger am Modell, mit dem der THW Kiel seit Jahren Titel um Titel sammelte: Man analysierte die Schwachstellen des Kaders, den wir Ihnen bereits im Vorbericht zum Supercup-Spiel ausführlich vorstellten, und ersetzte Mitläufer wie Heiko Grimm (ging zu Amicitia Zürich) und Arne Niemeyer, der zum TuS N-Lübbecke wechselte, und den seine Karriere beendenden Dimitri Torgowanow durch absolute Weltklasse-Leute. Für die Kreisposition, auf der auch Bertrand Gille nach seiner langwierigen Verletzung wieder einsatzfähig ist (siehe Extra-Bericht), verpflichteten Rudolph und Co. mit dem 2,03-Meter-Riesen Igor Vori einen kroatischen Superstar. Auf dem besten Weg zum Stammspieler ist auch Domagoj Duvnjak, der nach einem einzigartigen Wechselpoker letztlich doch noch an der Elbe seine Handballschuhe schnüren durfte. Der 21-jährige gilt als kommender Weltstar seiner Sportart. Bisher erfolgreichster Werfer der Hamburger in der TOYOTA Handball-Bundesliga ist Rechtsaußen Hans Lindberg mit 99/58 Toren, was ihm auch die Spitzenposition in der Liga-Gesamtwertung einbringt (siehe auch Gegnerkader HSV Hamburg).

Während die Hamburger Boulevard-Medien den HSV schon lange vor dem THW sehen, schaut man in Kiel vor diesem Spiel auf die Tabelle: Die Zebras thronen dort mit einem Minuspunkt, der HSV Hamburg folgt mit zwei Miesen. Und wenn es nach den Verantwortlichen, Fans und Spielern des Double-Siegers von der Förde geht, soll sich an dieser Reihenfolge auch am Sonntag nichts ändern: "Wir sind bereit", war die knappe Aussage von THW-Trainer Alfred Gislason auf die Frage, wie man sich auf das Spiel der Spiele in der TOYOTA Handball-Bundesliga vorbereitet habe. Es gab Videos von den Gegenspielern für jeden einzelnen THW-Akteur, zudem wurde die Trainingsintensität auf eben dieses Duell vier Tage vor dem Heiligen Abend abgestimmt. Nicht mehr - und nicht weniger.

Neuzugang Igor Vori.
Neuzugang Igor Vori.
Also Business as usual? Mitnichten. "Das ist ein extremer Härtetest, aber wir sind vorbereitet." Und so war die Tatsache, dass die Kieler beim hohen Sieg gegen den Aufsteiger TSV Hannover-Burgdorf auch wieder etwas für das Torverhältnis getan hatten, nur eine kleine Randnotiz - während Hamburg sich vor dem vergangenen Spieltag die Torejagd ganz groß auf die Fahnen geschrieben hatte. "Wir haben gegen Düsseldorf ein Zeichen gesetzt. Nun sind wir mit dem THW auf Augenhöhe", jubelte Krzysztof Lijewski über den zwischenzeitlichen Ausgleich des HSV in Sachen Tordifferenz. Und Trainer Martin Schwalb assistierte: "Wir wissen, dass wir um jedes Tor kämpfen müssen." Die BILD-Zeitung titelte "Hallo Kiel, jetzt haben wir Euch!" nach dem Hamburger 40:25-Sieg gegen Düsseldorf. Und die Morgenpost ging sogar noch einen Schritt weiter: "40:25! Jetzt habt ihr den THW Kiel überholt", titelte das Hamburger Boulevardblatt - um in der Unterzeile darauf hinzuweisen, dass der HSV "den THW Kiel zumindest schon einmal im Torverhältnis eingeholt" habe. Zebra-Ehrenspielführer Stefan Lövgren hatte für solche Rechen-Spielereien nur ein müdes Lächeln übrig: "Ich hoffe, dass der THW gegen Hannover möglichst viele Tore macht, damit das blöde Hamburger Gerede von der Tor-Differenz endlich ein Ende hat." Gesagt, getan: Vor der dem Spitzenspiel liegt der THW mit einem Punkt und 18 Toren vor den Hamburgern - und die Kieler werden alles daran setzen, dass sich dieser Abstand am Sonntag vergrößert. "Es knistert, das ist das Fest vor dem Fest", freut sich Manager Uli Derad auf das Duell mit den Hansestädtern, die in bisher 14 Bundesliga-Duellen erst zweimal gewinnen konnten. Dreimal trennte man sich unentschieden, neun Mal gewann der THW (siehe auch Gegnerdaten HSV Hamburg). Derad ist für das Duell am Sonntag optimistisch, dass die inzwischen seit der 30:31-Niederlage gegen Hamburg am 6. November 2007 auf 34 Spiele ohne doppelten Punktverlust in der Sparkassen-Arena angewachsene Serie auch am Sonntag hält: "Wir können viel gewinnen. Und in Kiel weiß man, wie man große Siege erringt."

Auch wenn der Ausfall von Daniel Narcisse die Vorfreude beim Rekordmeister ein wenig eintrübte: "Daniel war vor dem Unfall in einer hervorragenden Verfassung", ärgerte sich Gislason über das Missgeschick in Lübbecke, bei dem sich "Air France" den kleinen Finger der Wurfhand brach. Doch von dem Ausfall des Neuzugangs werde man sich nicht beeindrucken lassen, sagt Filip Jicha: "Nun wird das Team noch enger zusammen rücken, wie in den vergangenen Spielzeiten auch schon. Und wir werden noch stärker. Da bin ich mir sicher." Der Teamgeist innerhalb der Mannschaft stimme einfach, so der Tscheche. "Das lässt uns solche Situationen durchstehen." Gleichwohl hofft Jicha am Sonntag auch auf die Unterstützung des Publikums: "Die Fans müssen heute unser achter Mann sein." Mehr muss man dazu nicht mehr sagen. Es ist angerichtet, das Spiel der Spiele kann kommen!

Schiedsrichter der Partie sind Holger Fleisch und Jürgen Rieber.

(Christian Robohm)

 

Dieser Vorbericht wird wie gewohnt ständig aktualisiert...

 

Bitte lesen Sie auch

 

  Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "ZEBRA", von living sports:

Das Supertalent

Hamburgs Neuzugang Domagoj Duvnjak.
Hamburgs Neuzugang Domagoj Duvnjak.
Das Tauziehen um Domagoj Duvnjak bestimmte im vergangenen Sommer die Schlagzeilen in den Handball-Medien. Doch nach dem erfolreichen Werben um den 21-jährigen scheint dieser inzwischen in Hamburg angekommen.

Dramatisch, spannend, teuer: So oder so ähnlich könnte man die Wechsel-Geschichte von Domagoj Duvnjak beschreiben. Der 21-jährige hatte, noch in Diensten des kroatischen Topclubs Croatia Zagreb, einen Vertrag bei den Hanseaten ab der Saison 2011 unterschrieben, war dann aber bei seinem Sportdirektor und dem Trainer in Ungnade gefallen - auch weil Duvnjak angeblich zu einem anderen Club wechseln sollte. Zoran Gobac, Sportdirektor bei Croatia Zagreb, kündigte an, Duvnjak werde zukünftig in Zagreb nur noch in der zweiten Mannschaft eingesetzt. "Wir wollen einen Spieler nicht zwei Jahre lang für Hamburg ausbilden und pflegen. Es wäre zu teuer, ihn neben Balic als zweiten Mittelmann auf der Bank sitzen zu haben", sagte Gobac.

Ein unglaublicher, sich über Wochen hinziehender Transferpoker begann. Dabei ging es auch um nicht weniger als die Karriere des 21-Jährigen, der nicht nur durch seine starken Auftritte bei der WM 2009 in seiner Heimat in das Visier der Topclubs geraten war. Der Wechsel in die stärkste Liga der Welt entwickelte sich für Duvnjak dann aber zu einer Hängepartie. "Wir haben nichts dagegen, dass Hamburg ihn sofort nimmt", läutete Gobac die entscheidende Runde im Transferpoker ein. Das Ziel der Kroaten, die in finanziellen Schwierigkeiten steckten: Für das Juwel wollte der kroatische Meister möglichst viel Geld erhalten. Die Hamburger sollen eine halbe Million Euro für den vorzeitigen Wechsel geboten haben, Zagreb forderte kroatischen Medien zufolge 1,5 Millionen Euro. "Wir sind nicht bereit, auf jede Forderung von Zagreb einzugehen", hatte HSV-Präsident Andreas Rudolph zuvor erklärt - um dann doch die Geldbörse weit zu öffnen. Hamburgs Sportdirektor Christian Fitzek legte immer neue Angebote auf den Tisch. Indes: Die Kroaten sagten nein. "Es wird kein weiteres Angebot von unserer Seite an den Verein geben. Der nächste Schritt kann jetzt nur aus Zagreb kommen", stellte Fitzek nach einem Millionen-Angebot des HSV für den Spielmacher auf stur - mit Erfolg.

Die Kroaten bewegten sich, die Hamburger zahlten nach Medienberichten 300.000 Euro Ablöse sofort nach Kroatien, in den beiden folgenden Jahren werden jeweils 350.000 Euro von der Elbe nach Zagreb transferiert. "Wir sind stolz, einen der begehrtesten Spieler der Welt unter Vertrag nehmen zu können", reagierte Fitzek erleichtert, nachdem Duvnjak insgesamt neun Monate nach Verhandlungsbeginn endlich in der Hansestadt landete. "Nach den letzten Wochen bin ich sehr froh, hier zu sein", war auch der Kroate erleichtert, den Wechselpoker hinter sich gebracht zu haben.

Jetzt - vier Monate später - ist Duvnjak, den sie nur noch "Dule" rufen, aus Hamburg kaum noch wegzudenken. "Der Junge ist einfach fantastisch", schwärmt Rudolph. "Er ist sein Geld wert, jeden Cent", sagt der HSV-Präsident, "sportlich und charakterlich.Er ist uns bei seinen Gehaltsvorstellungen entgegengekommen, damit wir die Ablösesumme zahlen konnten. Das hat uns allen imponiert." Der viel Gelobte hat sich längst an der Alster eingelebt, besucht Deutschstunden - und beeindruckt nicht nur mit Anspielen, sondern auch mit seiner Wurfkraft. "Ich kann noch viel mehr, vor allem konditionell bin ich längst nicht bei hundert Prozent", sagte Duvnjak unlängst in einem Interview - keine Frage, das nach Medieneinschätzung größte kroatische Talent seit Ivano Balic hat sich viel vorgenommen für die kommenden Jahre.

(Von Christian Robohm, aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "ZEBRA", von living sports)

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 18.12.2009:

"Wir werden den THW besiegen"

HSV-Boss vor Bundesliga-Hit optimistisch
HSV-Boss Andreas Rudolph.
HSV-Boss Andreas Rudolph.
Ahrensburg - Mit geschätzten 14 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen rettete Andreas Rudolph einst den hoch verschuldeten HSV Hamburg und führte den aktuellen Zweiten der Handball-Bundesliga zu Titeln im EHF-Cup und im DHB-Pokal. Die Kieler Nachrichten trafen den 54-jährigen Unternehmer, der in Ahrensburg seinen Firmensitz hat, vor dem Bundesliga-Hit zwischen dem THW Kiel und dem HSV am Sonntag.

Kieler Nachrichten:
Wem haben Sie beim Pokalspiel zwischen Kiel und Flensburg die Daumen gedrückt?
Andreas Rudolph:
Ich habe das Spiel im DSF gesehen. Flensburg hätte zur Pause mit vier Toren führen müssen. Aber dieses Derby verfolge ich als neutraler Beobachter. Mich hat nur interessiert, ob Kiel ein paar Körner verloren hat.
Kieler Nachrichten:
Mit welchen Erwartungen kommen Sie am Sonntag nach Kiel?
Andreas Rudolph:
Wir werden den THW besiegen. In der vergangenen Saison war die Meisterschaft zu diesem Zeitpunkt schon entschieden, jetzt ist nur klar, dass entweder die Kieler oder wir am Ende den Titel gewinnen werden. Für uns ist es ein Vier-Punkte-Spiel, der Druck ist für den THW aber größer. Kiel muss gewinnen, schließlich ist unser Programm in der Rückrunde leichter.
Kieler Nachrichten:
Ist die aktuelle HSV-Mannschaft die beste aller Zeiten?
Andreas Rudolph:
Auf jeden Fall. Wir haben nicht nur mit der Verpflichtung der Kroaten (Igor Vori und Domagoj Duvnjak, Anm. der Red.) jetzt eine andere Spielphilosophie. Die Mannschaft hat auch gelernt, dass sie jedes Spiel gewinnen muss, um mit Kiel mithalten zu können. Sie hat aber auch gemerkt, dass sie das kann.
Kieler Nachrichten:
Angeblich sollen Sie rund 14 Millionen Euro aus Ihrem Privatvermögen in den Verein investiert haben. Realistisch?
Andreas Rudolph:
Kein Kommentar. Klar ist aber, dass ich genau weiß, was ich investiert habe. Außerdem gibt es in meinem Fall zwei unterschiedliche Formen des Sponsorings. Privat und als Unternehmer. Für meine Firma lohnt es sich. Die Aufmerksamkeit, die der HSV in den Medien hat, ist sehr hoch.
Kieler Nachrichten:
Wie lange werden Sie den HSV noch unterstützen?
Andreas Rudolph:
In der nächsten Saison wird der Verein in der Lage sein, ohne mein privates Geld auszukommen. Ich bin bis Juni 2011 Präsident und springe bis dahin ein, wenn es nötig ist. Das wird aber nicht der Fall sein. Ob ich als Präsident weiter mache, ist offen. Ich klebe nicht an dem Posten und die Entscheidung treffe nicht ich, sondern der Aufsichtsrat. Mir ist nur wichtig, dass der HSV noch viele Jahrzehnte übersteht, sonst hätten die Investitionen keinen Sinn gemacht.
Kieler Nachrichten:
Sie sind in Gummersbach geboren, kamen 1989 nach Ahrensburg. Hätten Sie auch einen anderen Verein derart unterstützt?
Andreas Rudolph:
Ja. Ich hatte mich Ende der 80er Jahre auch beim VfL Bad Schwartau angeboten. Aber die wollten mich nicht. Als der HSV anfragte, habe ich sofort Hilfe zugesagt. Ich habe als Handballer selbst viel von diesem Mannschaftssport profitiert, da wollte ich etwas zurückgeben. Inzwischen ist der HSV aber echtes Herzblut.
Kieler Nachrichten:
Was fehlt dem HSV, was der THW Kiel hat?
Andreas Rudolph:
Die beeindruckende Historie und die sportliche Konstanz. Kiel ist noch immer die Nummer eins, und das haben sie sich redlich verdient. Wir haben uns aber vorgenommen, in dieser Saison intensiv an diesem Status zu rütteln.
Kieler Nachrichten:
Würden die THW-Fans nach den drei unbeliebtesten Personen der Handballszene befragt, Ihr Name wäre dabei. Warum?
Andreas Rudolph:
Wenn es so ist, würde es mich nicht stören. Vielleicht ist es Neid? Den muss man sich ja bekanntlich verdienen. Wahrscheinlich liegt es aber daran, dass ich falsch eingeschätzt werde und vieles unwahr ist, was über mich berichtet wird.
Kieler Nachrichten:
Wahr ist aber, dass Sie mit der Aussage, Kiels Ex-Manager Uwe Schwenker hätte in Ihrer Finca auf Mallorca die Bestechung der Schiedsrichter im Champions-League-Finale 2007 zugegeben, die Manipulationsaffäre angeheizt haben.
Andreas Rudolph:
Die Staatsanwaltschaft hat mich zu diesem Thema befragt, anschließend hat der HSV eine Presseerklärung abgegeben, weil es sowieso öffentlich geworden wäre. Ich habe mir nichts vorzuwerfen, einen Fehler sehe ich nicht.
Kieler Nachrichten:
Ihnen wird vorgeworfen, dass Sie mit dieser Aussage knapp zwei Jahre gewartet haben...
Andreas Rudolph:
...bei diesem bewussten Gespräch auf der Terrasse waren noch viele andere Personen beteiligt, die ebenfalls ausgesagt haben. Ich selbst habe ein Großteil von dem, was da erzählt wurde, gar nicht richtig mitbekommen. Zudem war nichts beweisbar und hätte so auch nicht zu Konsequenzen führen können.
Kieler Nachrichten:
Wie ist Ihr Verhältnis zum THW Kiel heute?
Andreas Rudolph:
Gut. Ich bin mit meinem Unternehmen beispielsweise Kunde von einem Unternehmen des Herrn Vater (Aufsichtsrats-Chef des THW, Anm. d. Red.). Er hat mir für das Spiel sogar vier Karten besorgt. Der Handball braucht einen starken THW Kiel. Und damit auch wir. Deshalb habe ich noch nie versucht, eine Person vom THW abzuwerben. Die Rivalität soll nur auf dem Feld stattfinden.
Kieler Nachrichten:
Hätten Sie denn Interesse an Uwe Schwenker, wenn das Verfahren gegen ihn eines Tages abgeschlossen sein sollte?
Andreas Rudolph:
Nein. Ohne Zweifel hat er beim THW etwas Tolles aufgebaut, und ich wünsche ihm auch alles Gute. Aber der Graben ist zu tief.
(Das Interview führte Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 18.12.2009)

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 19.12.2009:

"Ein Spiel, auf das man sich das ganze Jahr freut"

Showdown in Kiel: Spitzenreiter THW empfängt Verfolger HSV - Uli Derad: "Es knistert"
Kiel - Teil eins von "zwei extremen Härtetests", wie THW-Coach Alfred Gislason die Derbywoche mit Beteiligung der drei Handball-Nordlichter bezeichnete, hat der THW am Mittwoch mit dem 31:26-Pokalsieg in Flensburg bestanden. Morgen (17.45 Uhr, DSF) geht's in Runde zwei, der HSV Hamburg kommt zum Bundesligagipfel in die Sparkassen-Arena. "Für mich ist dieses Spiel noch wichtiger", sagt Kiels Manager Uli Derad. "Es knistert."

Kiel und Hamburg absolvieren in der Liga ein einsames Kopf-an-Kopf-Rennen, die Konkurrenz ist ehrfürchtiger Beobachter, liegt fünf bzw. sechs Punkte hinter den "Leuchttürmen" aus dem Norden zurück. So hat die Partie des Bundesliga-Spitzenreiters THW (27:1 Punkte) gegen seinen direkten Verfolger (26:2) natürlich eine große Bedeutung. "Ich freue mich sehr auf Sonntag und hoffe, dass die Freude auch nachher noch vorhanden ist", sagt Derad. Auch in Hamburg steigt die Fieberkurve. "Das Kribbeln wird stärker, das merkt man den Jungs schon an", so Trainer Martin Schwalb. Von einer Vorentscheidung im Meisterrennen spricht indes niemand. Das sei einfach zu früh, glaubt THW-Kapitän Marcus Ahlm. "Irgendwo können beide Mannschaften in der Rückrunde noch Punkte liegen lassen." Aber, wirft der Weltklasse-Kreisläufer ein, verlören die Hamburger, hätten sie künftig mehr Druck als der THW.

Für Ahlm ist es morgen ein Handball-Festtag: "Das sind die Spiele, auf die man sich ein ganzes Jahr freut." Gleichwohl erwartet der Schwede einen Kampf auf Biegen und Brechen. "Je größer die Leistungsdichte, um so härter geht es zur Sache." Der Schwede ist in dieser Hinsicht "Kummer" gewöhnt. Als Speerspitze eigener Offensivbemühungen wird Ahlm von gegnerischen Abwehrreihen oft behandelt wie heißes Eisen auf dem Amboss. Auch der HSV-Defensive läuft der Ruf voraus, sehr fest zupacken zu können. So wird es dem Spiel gut tun, dass der DHB mit dem Schiedsrichtergespann Holger Fleisch und Jürgen Rieber ein routiniertes, auch international erfahrenes Paar an die Förde schickt. "Die beiden wissen, worauf es ankommt", sagt Gislason.

Rund 120 HSV-Anhänger mischen sich unter die insgesamt 10 250 Zuschauer, das Spiel ist seit Wochen ausverkauft. Die Nachfrage sei noch deutlich größer gewesen, so Derad. Auch auf der Pressetribüne werde ein großes Gedränge erwartet. "Sogar aus dem Ausland haben sich Journalisten akkreditiert." Für Marcus Ahlm könnten Kiels Fans das Zünglein an der Waage werden. "Schon in Flensburg waren sie der achte Mann, gegen Hamburg erwarte ich eine noch hitzigere Atmosphäre."

Die Statistik spricht mit neun THW- gegenüber zwei HSV-Siegen ein klare Sprache. Allerdings kassierten die "Zebras" ihre letzte Heimniederlage beim 30:31 am 6. November 2007 - gegen den HSV. Schnee von gestern, beide Teams haben sich ein neues Gesicht gegeben, morgen starten die Mannschaften unter anderen Voraussetzungen. So bediente sich Hamburg beim Zagreber "Sommerschlussverkauf" mit den kroatischen Superstars Igor Vori und Domagoj Duvnjak. Kiel schloss die Lücke von Lövgren, Karabatic und Kavticnik ebenfalls mit Hochkarätern. Spieler wie Daniel Narcisse (zur Zeit verletzt), Momir Ilic, Christian Sprenger oder Aron Palmarsson prägen den THW 2009 mit.

Kiels Hausaufgaben für den Showdown sind gemacht. Mit Videos, einzeln auf jeden HSV-Spieler abgestimmt, schickt Alfred Gislason seine Schützlinge ins Nordderby. Die Tagesform könnte entscheiden, extrem wichtig für den Ausgang aber werde wohl die Abwehrarbeit und die Formkurve der Torhüter sein, prophezeit der THW-Coach. Bei der Ballung an Weltklasse, sinniert der Isländer, könne aber auch ein einzelner Spieler über sich hinauswachsen, allein zum Matchwinner werden. "Dann wäre es gut, er käme von uns."

(von Reimer Plöhn, aus den Kieler Nachrichten vom 19.12.2009)

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 19.12.2009:

Für Heiner Brand ist der THW Kiel Favorit

Mit Heiner Brand, Trainer der Handball-Nationalmannschaft, sprach Reimer Plöhn für die Kieler Nachrichten.

Kieler Nachrichten:
Herr Brand, beim Bundesliga-Gipfel sind mit Dominik Klein und Christian Sprenger für Kiel sowie Torsten Jansen, Johannes Bitter, Matthias Flohr und Stephan Schröder für den HSV morgen sechs EM-Kandidaten dabei. Dürfen wir Sie auch begrüßen?
Heiner Brand
Leider nicht. Ich hätte das Spiel natürlich gern live gesehen, aber ich begleite meine Frau zu einem Arztbesuch nach Süddeutschland. Bei der Gelegenheit schaue ich mir Göppingen gegen Gummersbach an. Entgehen wird mir nichts, Kiel gegen Hamburg sehe ich mir später als Video an.
Kieler Nachrichten:
Was erwarten Sie von dem Spitzenspiel?
Heiner Brand
Sehr viel, ich bin mir sicher, dass wir eine hochklassige Auseinandersetzung von zwei großartigen Mannschaften erleben werden. Von der personellen Besetzung her treffen die beiden besten Teams Europas aufeinander.
Kieler Nachrichten:
Wer wird gewinnen?
Heiner Brand
Die Mannschaften sind absolut auf Augenhöhe, für mich ist der THW vor eigenem Publikum leichter Favorit. Der HSV aber will und muss siegen. Kassieren die Hamburger eine Niederlage, wird es bei drei Punkten Rückstand schwer. Dann kommt noch mehr Druck dazu.
Kieler Nachrichten:
Kiel und Hamburg liegen bereits sechs bzw. fünf Punkte vor der Konkurrenz. Erwarten Sie nur noch einen Zweikampf im Titelrennen?
Heiner Brand
Ich befürchte, dass es so kommen wird, die Rhein-Neckar Löwen als dritte Kraft haben nicht die Substanz und Konstanz, um vorne noch eingreifen zu können. Schade, die Drei-Klassen-Gesellschaft in der Liga gefällt mir nicht.
(Das Interview führte Reimer Plöhn, aus den Kieler Nachrichten vom 19.12.2009)

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 19.12.2009:

Diese letzten Sekunden

Kiel - Kiel gegen Hamburg: Das waren häufig Spiele auf dem Pulverfass, Emotionen pur mit Entscheidungen in den letzten Sekunden. Eine Rückblende auf Highlights.

  • 8. Februar 2003, HSV - THW 30:29
    30 Sekunden vor dem Ende glückt dem THW das 29:29 durch Jacobsen. Doch ausgerechnet Adrian Wagner, der schon in Kiel unterschrieben hat, versetzt Kiel mit einer Einzelaktion den K.o.. "Das war das beste Argument gegen diejenigen, die mir wegen meines Wechsels zum THW vorgeworfen haben, ich wäre nicht mehr mit vollem Herzen beim HSV", sagt Wagner.
  • 29. März 2005, HSV - THW 24:25
    Kiel liegt nach 59 Minuten in Front. Für die letzten 14 Sekunden setzt HSV-Trainer Bob Hanning auf einen siebten Feldspieler, und sieben Sekunden vor der Schlusssirene wuchtet Guillaume Gille den Ball per Kempa-Trick zum Remis ins Kieler Tor. Die Hamburger feiern schon, doch mit einer schnellen Mitte düpieren die Kieler den Gastgeber. Henrik Lundström schaltet, bedient Christian Zeitz, und der trifft mit dem Schlusspfiff gegen Tomas Svensson. Freudentänze auf Kieler Seite, Feier aus beim HSV.
  • 6. November 2007, THW - HSV 30:31
    Die Sache mit den letzten Sekunden, die Hamburger schaffen es auch. Hens erzielt das 30:29, Ahlm trifft 46 Sekunden vor dem Ende zum Ausgleich - die Ostseehalle gleicht einem Tollhaus. Das zur Salzsäule erstarrt, als der HSV seinen letzten Angriff klug ausspielt, Yoon in Wurfposition bringt und dieser zwei Sekunden vor dem Ende die Jubelarien der Hamburger auslöst.
  • 14. März 2009, HSV - THW 33:34
    Der letzte HSV-Angriff läuft beim 33:33 über die linke Seite, aber Torsten Jansens Versuch wird als Stürmerfoul abgepfiffen. So haben die "Zebras" 15 Sekunden vor der Schlusssirene alles in der Hand. Der Ball landet bei Henrik Lundström, der am Kreis nur durch ein Foul von Jansen gestoppt wird. Siebenmeter in der Nachspielzeit, Filip Jicha behält die Nerven, Kieler Jubeltraube.
(Von Reimer Plöhn, aus den Kieler Nachrichten vom 19.12.2009)

 

 

Kurzumfrage:

Schlägt der THW Hamburg?
Ja 80.0%
Nein 15.2%
Unentschieden 4.8%
Anzahl Stimmen: 461

 


User-Tipp:

THW Kiel - HSV Hamburg:

Mittippen!

 

TV-, Radio- und Internet-Tips:

  • DSF-Logo TV: DSF:
    So., ab 17.30 Uhr: THW Kiel - HSV Hamburg
    live aus der Sparkassen-Arena-Kiel

  • NDR 1 Welle Nord-Logo Radio: NDR 1 Welle Nord:
    So., ab 17.45 Uhr: Liveeinblendungen THW Kiel - HSV Hamburg
    Tip: Welle Nord kann man auch im Internet live hören!

  • NDR 2 Radio: NDR 2:
    So., nachmittags: Vorberichte zum Spiel
    So., ab 17.45 Uhr: Liveeinblendungen
    (mehrere Einblendungen während der "NDR 2 Bundesliga-Show", Reporter ist Thomas Koos)

  • Internet:
    Eine Übersicht über verschiedene Live-Ticker finden Sie auf unserer Live-Ticker-Seite.


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