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21./22./23.04.2012 - Letzte Aktualisierung: 23.04.2012 Champions League

Champions League: Alles offen nach dramatischem Unentschieden in Zagreb

THW holt einen Sieben-Tore-Rückstand auf

CL, Viertelfinale, Hinspiel: 21.04.2012, Sa., 19.15: RK Zagreb - THW Kiel: 31:31 (15:12)
Update #3 KN-Berichte, weitere Stimmen, Spielbericht und Fotos ergänzt ...

Filip Jicha erzielte acht Tore.
Klicken Sie zum Vergrößern! Filip Jicha erzielte acht Tore.
Der THW Kiel hat kurz vor Schluss beim kroatischen Serien-Meister RK Zagreb noch einmal den Kopf aus der Schlinge gezogen: Vor rund 11.000 frenetischen Fans in der Zagreb-Arena spielten die Kieler am Ende 31:31 (12:15)-Unentschieden und wahrten somit im Viertelfinale der "VELUX EHF Champions League" alle Chancen auf das Weiterkommen. Nach einem 6:1-Traumstart verloren die Kieler in der kroatischen Hauptstadt zeitweilig völlig den Faden und lagen 22 Minuten vor dem Ende mit sieben Toren in Rückstand. Die ruhige Spielführung von Aron Palmarsson, ein starker Henrik Lundström, ein gegen Ende aufdrehender Filip Jicha, mit 8/1 Treffern Haupttorschütze, sowie unglaubliche Aktionen von Christian Zeitz in den letzten fünf Minuten ließen die Zebras zumindest über einen Teilerfolg jubeln.
In Zagreb hatte nach einer Viertelstunde nichts auf einen derart dramatischen Spielverlauf hingedeutet. Der THW begann konzentriert und störte das Aufbauspiel des Gegners konsequent mit seiner offensiven Abwehr. Zudem behielten die Kieler Angreifer in einer hektischen Anfangsphase häufiger als die der Gastgeber den Überblick. Die Folge: Die Zebras setzen sich nach dem 1:1 durch Horvat durch Tore von Kim Andersson, Jicha, Daniel Narcisse und Lundström, der einen Andersson-Traumpass eiskalt verwertete, mit 6:1 ab. Neun Minuten lang erzielten die Kroaten keinen Treffer.

Bruch nach der RK-Auszeit
Momir Ilic beim Strafwurf.
Klicken Sie zum Vergrößern! Momir Ilic beim Strafwurf.
Zagrebs Neu-Coach Goluza beorderte seine Mannen daraufhin zur Auszeit - doch zunächst nur mit mäßigem Erfolg. Zwar trafen seine Mannen jetzt, doch der THW Kiel hatte immer eine schnelle Antwort parat. So nach Momir Ilic' Lattentreffer, den Marcus Ahlm reaktionsschnell sicherte und aus dem rechten Rückraum zum 8:3 traf. Dann aber kriselte das Kieler Angriffsspiel: Es wurde zu hektisch der Abschluss gesucht, Sego im Tor der Kroaten durfte sich so zu großer Form aufschwingen. Hinzu kam ein wenig Pech im Abschluss: Ilic, Lundström und auch der inzwischen eingewechselte Christian Zeitz scheiterten am Gebälk. Die plötzliche Abschlussschwäche des THW nutzten die Gastgeber eiskalt: Fünf Minuten benötigten sie, um vor allem durch Spiler und den nicht in den Griff zu bekommenden 2,10-Meter-Riesen Marko Kopljar sowie einen Gegenstoß nach Steal von Ivano Balic zum Ausgleich zu kommen. Der Hexenkessel Zagreb-Arena war angefeuert...

4:12 in 15 Minuten
Achtfacher Torschütze: 2,10-Meter-Riese Marko Kopljar.
Klicken Sie zum Vergrößern! Achtfacher Torschütze: 2,10-Meter-Riese Marko Kopljar.
Nach 20 Minuten begann die Partie quasi von vorn. Allerdings mit geänderten Vorzeichen: Jetzt diktierten die Gastgeber das Geschehen. Auch, weil sich Sego immer wieder gegen frei vor ihm auftauchende Zebras durchsetzte. Auch, weil die Kieler Torhüter beide einen mehr als gebrauchten Tag erwischten und kaum einen Ball anfassten. Aber auch, weil die Kroaten plötzlich an ihre Chance gegen den THW Kiel glaubten. Allen voran der Haupttorschütze Horvat, Kopljar und Spiler. Mit variablem Rückraumspiel fanden sie immer wieder Lücken in der Kieler Defensive. balic, Spiler und Horvat machten binnen 70 Sekunden aus dem 8:9 eine 11:9-Führung für Zagreb. Dann landete ein Narcisse-Pass bei Balic, der Horvat zum 12:9 schickte. Die Auszeit, von Gislason beim Stand von 8:8 genommen, zeigte keine Wirkung. Gut nur, dass Jicha den am Kreis wartenden Narcisse sah, der die erneute fünfminütige Torflaute beendete, und dass Ahlm einen Gegenstoß zum 11:12 verwandelte. Allerdings: Zweimal ließ die Kieler Abwehr die RK-Außen Vukic und Horvat gewähren, und Vukic verwandelte wenige Sekunden vor dem Halbzeitpfiff erneut sicher zum 15:12 für RK. Die Kieler waren in der zweiten Hälfte des ersten Durchgangs mächtig unter die Räder geraten: Mit 4:12 verloren sie die Phase zwischen der 15. und 30. Minute.

Rückstand wächst an
Überragender Zagreber: Torhüter Marin Sego.
Klicken Sie zum Vergrößern! Überragender Zagreber: Torhüter Marin Sego.
Auch der Start in die zweite Hälfte misslang den Kielern gründlich. Erst liefen sie sich in der offensiven Zagreber Abwehr fest, was Sprem zum 16:12 nutzte. Dann scheiterte Andersson aus aussichtsreicher Position, was postwendend mit dem 17:12 durch Horvat bestraft wurde - das sechste Gegenstoß-Gegentor für die Kieler. Lundström beendete die erneute Durststrecke mit einer Einzelleistung zum 13:17 (33.), doch dann wurde es ganz bitter für den THW: In Unterzahl kassierten sie das 13:18 durch Horvat vom Siebenmeter-Strich, dann machte Spiler völlig freistehend das 19:13, und als Lundström aus einem unmöglichen Winkel an Sego scheiterte, lief Sprem den Gegenstoß zum 20:13 - das 0:3 in Unterzahl und der Sieben-Tore-Rückstand ließen Gislason zum taktischen Wechsel in der Offensive greifen. Er brachte Palmarsson, um für Ordnung im Aufbauspiel zu sorgen. Doch auch der Isländer schaffte es zunächst nicht, Sego zu bezwingen. Dafür schnappte sich Zeitz in der Abwehr einen Ball und vollendete wuchtig zum 14:20 (37.).

Pesic hält Siebenmeter
Alfred Gislason litt an der Seitenlinie mit.
Klicken Sie zum Vergrößern! Alfred Gislason litt an der Seitenlinie mit.
Die Kroaten ließen sich davon aber nicht irritieren. Sie spielten weiter variantenreich und schnell. Nach Horvats 22:15 musste Andersson angeschlagen raus, Zeitz rückte von Rechtsaußen auf seine angestammte Position im rechten Rückraum, Christian Sprenger kehrte zurück aufs Feld. Eine gute Entscheidung, wenig später schickte Zeitz den Rechtsaußen zum 16:22 auf die Reise. Dann holte Ahlm einen Siebenmeter und eine Zeitstrafe gegen Spiler heraus, der Abwehrbeton der Kroaten bekam Risse. Ilic verwandelte den Strafwurf, Balic unterlief ein Stürmerfoul, was Sprenger eiskalt zum 18:22 nutzte. Dann machte sich Jicha auf den Weg zum 19:22, scheiterte mit seinem Konter aber am überragenden Sego. Auf der Gegenseite erhöhte Horvat per Strafwurf wieder auf 23:18 (43.). Als Pesic dann noch einen Siebenmeter von Ilic hielt, tobten die Fans auf den Rängen - und der THW Kiel schien endgültig ins Hintertreffen zu geraten.

Aufholjagd beginnt schleppend
Henrik Lundström machte in der zweiten Hälfte beinahe alles richtig.
Klicken Sie zum Vergrößern! Henrik Lundström machte in der zweiten Hälfte beinahe alles richtig.
Doch die Kroaten machten jetzt auch Fehler im Angriff. Palicka schickte Lundström zum 19:23 auf die Reise, kassierte dann aber von Kopljar einen Schuss durch die Hosenträger. Palmarsson tankte sich zum erneuten Anschluss durch, was erneut Kopljar mit einem Geschoss in die lange Ecke beantwortete. Dann rissen Zeitz und Jicha das Spiel erstmals an sich: Der Linkshänder holte clever einen Siebenmeter heraus, Gojun musste zudem für das Foul an Zeitz für zwei Minuten zuschauen. Jicha verwandelte den Siebenmeter und wurde jetzt zum Motor der Aufholjagd. Mit Einzelaktionen bezwang er endlich den kroatischen Tausendsassa Sego. Dann unterlief Kopljar einer seiner wenigen Fehler: Er erlaubte sich ein Stürmerfoul, Jicha reagierte blitzschnell und passte auf Sprenger, der zum 23:26 (50.). Dann kaufte sich Omeyer einen freien Wurf von Maric, Jicha brachte im Gegenzug den THW erneut mit einer Einzelleistung beim 24:26 wieder in Reichweite der Kroaten.

Dramatische Schlussphase
Christian Zeitz sicherte seiner Mannschaft in der Schlussphase das Remis.
Klicken Sie zum Vergrößern! Christian Zeitz sicherte seiner Mannschaft in der Schlussphase das Remis.
Das war der Auftakt für eine Schlussphase, in der der THW physisch und psychisch enorm gefordert wurde. Jicha hämmerte den Ball in Unterzahl aus zwölf Metern zum 26:28 (54.) ins Tor, Zagreb konterte durch Spiler. Dann bediente der tschechische Weltklasse-Spieler Kapitän Ahlm mustergültig zum 27:29, Zagreb konterte nach einem ausgebliebenen Siebenmeter-Pfiff nach Foul an Lundström durch Valcic. Gislason ordnete in der Auszeit seine Reihen für die letzten drei Minuten - und die hatten es richtig in sich: Palmarsson jagte zum Auftakt der Schlussoffensive den Ball zum 28:30 in die Maschen. Was folgte, war die große Zeitz-Show: Am Kreis hechtete er in ein Balic-Anspiel auf den Kreisläufer, bediente Narcisse noch im Sprung. Dieser legte auf Lundström ab, der zum 29:30 traf. Dann wehrte Omeyer einen Kopljar-Wurf nach vorn ab, Zeitz sprintete dem Abpralle hinterher, schnappte sich den Ball, hängte drei Gegenspieler ab und hämmerte den Ball zum 30:30 in die Maschen (59.) - urplötzlich war der THW Kiel wieder im Spiel. Nach Kopljars erneutem Führungstreffer war es dann erneut Zeitz, der zum Ausgleich traf. Kurz vor Schluss kamen die Kieler dann sogar noch einmal in Ballbesitz, zum Sieg sollte die Zeit aber nicht mehr reichen.
Entscheidung fällt in Kiel
Im fünften Duell auf Zagreber Boden gelang den Kielern zum zweiten Mal ein Unentschieden. Wichtiger war allerdings, dass die Zebras nach dem deutlichen Sieben-Tore-Rückstand wieder in die Partie zurückkehrten und mit unglaublichem Willen die schon verloren geglaubte Partie beinahe noch gedreht hätten.
Die Entscheidung über den Halbfinaleinzug fällt nun in der Sparkassen-Arena: Am Sonntag, dem 29. April, brauchen die Zebras im Kieler Hexenkessel gegen die bärenstarken Kroaten unbedingt einen Sieg, um die Teilnahme beim "VELUX EHF Final4" in Köln zu sichern. Für die Partie gibt es noch Tickets in allen Kategorien (siehe Extra-Artikel). Vor den eigenen Fans müssen die Kieler allerdings über 60 Minuten eine starke Leistung zeigen, um das Ziel Köln tatsächlich zu erreichen. Die Zebras sind gewarnt - und werden am Sonntag alles in die Waagschale werfen, um sich den Traum vom Endturnier in Köln zu erfüllen.

(Christian Robohm)

 

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Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason gegenüber den KN:
Wir sind überraschend gut gestartet, haben dann aber begonnen, langsamer zu spielen, aber unsere Entscheidungen schneller zu treffen. Es war trotzdem eine großartige Leistung, einen Sieben-Tore-Rückstand in ein letztlich glückliches Unentschieden umzuwandeln. Zagreb spielt auswärts noch stärker als zu Hause, wir werden am Sonntag also ganz anders auftreten müssen.
RK-Trainer Slavko Goluza gegenüber den KN:
Wir haben es in den vergangenen Tagen geschafft, uns als Team wieder zu sammeln und zu sortieren. Mit unserer Leistung können wir zufrieden sein, aber für meine Spieler tut es mir Leid, sie hätten einen Sieg verdient gehabt. Aber in den letzten zwei Minuten sind wir einfach zu hektisch geworden.
THW-Linkshänder Kim Andersson gegenüber den KN:
Wir hatten auch nach dem guten Start unsere Chancen, sind aber immer wieder am Torhüter gescheitert. Der hat wahrscheinlich seit Jahren nicht mehr so gut gehalten. Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass wir diesen Vorsprung verspielt haben. Aber - es steht noch 0:0 und wir wissen jetzt, woran wir mit Zagreb sind.
THW-Toptorschütze Filip Jicha gegenüber den KN:
Ich hatte das Gefühl, dass wir in der zweiten Halbzeit unsere Linie verloren haben. Dieser hohe Rückstand war in dieser Saison eine neue Erfahrung für uns, da haben wir nicht mehr so cool gespielt wie sonst. Allerdings haben wir uns als Mannschaft aus dieser Situation befreit. Das ist neben dem Ergebnis das einzig Positive.
THW-Regisseur Aron Palmarsson gegenüber den KN:
Wir wollten unbedingt gewinnen, aber das Unentschieden ist auch ein gutes Ergebnis. Bei dem Sieben-Tore-Rückstand ist der Trainer vielleicht ein bisschen nervös geworden, wir Spieler nicht (lacht).
THW-Torhüter Thierry Omeyer gegenüber den KN:
Ein Spiel dauert 60 Minuten, es war klar, dass ein solcher Start nicht bis zum Ende durchzuhalten ist. Zwischenzeitlich drohte uns sogar eine Niederlage mit zehn Toren, aber wir haben kühlen Kopf bewahrt. Zu meiner Leistung? Zagreb kam zu vielen Gegenstößen, da ist es für einen Torhüter nie leicht. Und: Eine Mannschaft gewinnt und verliert gemeinsam.
RK-Torhüter Marin Sego gegenüber den KN:
Es war wichtig für uns, gegen die Kieler ein gutes Spiel zu machen. Schade, dass wir gegen dieses tolle Team nicht gewonnen haben. Wir wussten aber die ganze Zeit, dass ihre zehn Minuten noch kommen werden. Irgendwann kamen sie dann.
THW-Kapitän Marcus Ahlm:
Es ging Hin und Her. Erst haben wir hoch geführt, dann lagen wir deutlich im Rückstand. Man nimmt es zwar nicht so wahr, weil man vollkommen auf sich fokussiert ist, aber natürlich sieht man das Ergebnis. Aber wir wussten: Wenn wir kühlen Kopf bewahren und unser System durchspielen, dann wird das belohnt. So ist es dann auch gekommen. Wir sind froh, dass wir dieses Spiel noch herumbiegen und uns durchkämpfen konnten. Das Unentschieden geht in Ordnung.

Ich rechne mit einem ähnlich engen Rückspiel am kommenden Sonntag. Wir wollen natürlich gewinnen, wir wissen aber auch, dass wir gegen diese tolle Zagreber Mannschaft eine sehr gute Partie abliefern müssen.

THW-Geschäftsführer Klaus Elwardt:
Wir sind sehr zufrieden mit diesem Ergebnis. Zagreb hatte ja schon in den vorherigen Runden - unter anderem mit dem Sieg in Barcelona - gezeigt, zu welchen Leistungen diese Mannschaft fähig ist. Und die Kroaten stehen eben nicht umsonst in der Runde der letzten acht. Es war das erwartet schwere Spiel für unsere Mannschaft. Natürlich ist es vermessen zu sagen, dass man bei einem Sieben-Tore-Rückstand nicht ein wenig unruhig wird. Aber ich habe immer an die Stärken unserer Mannschaft geglaubt. Wir kommen immer wieder zurück, das macht uns aus.

Letztlich hat Aron Palmarsson das Angriffsspiel geordnet, und dank einer Energieleistung von Christian Zeitz haben wir noch ein Unentschieden erreicht. Jetzt hoffen wir auf eine volle Arena beim Rückspiel. Gemeinsam mit unseren Fans im Rücken haben wir sehr gute Chancen, nach Köln zu fahren.

 


Champions League, Viertelfinale, Hinspiel: 21.04.12, Sa., 19.15: RK Zagreb (CRO) - THW Kiel: 31:31 (15:12)

Logo Zagreb RK Zagreb (CRO Flagge CRO):
Sego (1.-60., 16 Paraden), Pesic (2 Siebenmeter, 1 Parade); Maric (1), Brozovic, Kopljar (7), Sprem (3), Spiler (6), Sebetic, Gojun, Strlek, Horvat (8/4), J. Valcic, Vukic (2), T. Valcic (2), Balic (2); Trainer: Goluza
Logo THW Kiel:
Omeyer (1.-23., 31.-38., 49.-60., 6 Paraden), Palicka (23.-30, 38.-49., 2 Paraden); Andersson (2), Lundström (5), Sprenger (3), Ahlm (3), Kubes (n.e.), Reichmann (n.e.), Zeitz (4), Palmarsson (2), Narcisse (2), Ilic (2/2), Klein (n.e.), Jicha (8/1); Trainer: Gislason
Schiedsrichter:
Vaidas Mazeika / Mindaugas Gatelis (Litauen)
Zeitstrafen:
Zagreb: 3 (Spiler (41.), Vukic (43.), Gojun (47.));
THW: 2 (2x Ilic (34., 53.))
Siebenmeter:
Zagreb: 4/4;
THW: 4/3 (Pesic hält Ilic (44.))
Spielfilm:
1. Hz.: 0:1, 1:1 (2.), 1:6 (11.), 2:7 (13.), 3:8 (15.), 8:8 (20.), 9:9, 12:9 (25.), 12:11 (27.), 14:11 (29.), 15:12;
2. Hz.: 17:12 (32.), 17:13 (33.), 20:13 (36.), 22:15 (38.), 22:18 (41.), 23:19, 24:20 (47.), 25:21, 26:22 (49.), 26:24 (51.), 27:25, 28:26 (54.), 30:27 (56.), 30:30 (59.), 31:30, 31:31.
Zuschauer:
11.000 (Arena Zagreb, Zagreb (CRO))

 

Die anderen deutschen Europapokal-Teilnehmer

Die Füchse Berlin brauchen im Viertelfinale der VELUX EHF Champions League ein kleines Wunder, um nach Köln zu fahren. Die Berliner verloren das Hinspiel bei den heimstarken Spaniern von Reale Ademar Leon mit 23:34 (9:15). Eurosport überträgt das Rückspiel am Sonntag, dem 29. April, live. Die Partie in der Max-Schmeling-Halle wird um 16 Uhr angepfiffen.

Alle Ergebnisse aus der "VELUX EHF Champions League" finden Sie hier.

Im Halbfinale des EHF-Pokals gewannen die Rhein-Neckar Löwen gegen den Titelverteidiger Frisch Auf Göppingen in der SAP-Arena knapp mit 33:32 (15:13). Das Rückspiel findet am Freitag, dem 27. April, um 19.30 Uhr in der EWS-Arena in Göppingen statt. Im zweiten EHF-Pokal-Halbfinale musste der SC Magdeburg gegen den französischen Vertreter Dunkerque HB Grand Littoral Lehrgeld bezahlen: Mit 25:30 (9:13) verloren die Magdeburger ihr Heimspiel und brauchen nun am am Sonntag, dem 29. April, um 17 Uhr in Frankreich ein kleines Wunder für den Finaleinzug.

Für das Finale planen kann die SG Flensburg-Handewitt im Halbfinale des Pokalsieger-Cups: Das Hinspiel vor den eigenen Fans gegen den spanischen Vertreter CAI BM Aragon gewannen die Flensburger klar mit 39:30 (19:13). Das Rückspiel in Spanien findet am Sonnabend, dem 28. April, um 18.30 Uhr statt. Schwer wird es hingegen für den VfL Gummersbach: Die Oberbergischen verloren ihr Halbfinale des Pokalsieger-Cups bei Celje Pivovarna Lasko in Slowenien mit 27:34 (13:21). Zum Rückspiel erwarten die Gummersbacher ihren Gegner dann am Sonnabend, dem 28. April, um 19 Uhr in der Gummersbacher Eugen-Haas-Halle.

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 23.04.2012:

THW-Kampf gegen Zagreb mit 31:31 belohnt

THW-Rückraum-Ass Christian Zeitz bläst die Wangen auf, Momir Ilic kann sich nicht anders helfen und greift Zagrebs Kreisläufer Marino Maric in den Arm: Der deutsche Rekordmeister aus Kiel tat sich schwer im Viertelfinal-Hinspiel bei RK Zagreb, jagte seine fünf Fans unter den 11 000 in der riesigen WM-Arena durch ein Wechselbad der Gefühle.

Nach einem 6:1-Start verloren die "Zebras" zunächst völlig den Faden, lagen zu Beginn der zweiten Halbzeit mit sieben Toren zurück und drohten vorzeitig alle Chancen auf den Einzug ins Final4 der Champions League einzubüßen.

Am Ende durfte sich der THW aber erneut auf seine überragende Schluss-Viertelstunde und den jetzt überragenden Filip Jicha (8 Tore) verlassen, schaffte noch den 31:31-Endstand. Die Entscheidung für den Einzug ins Halbfinale von Köln fällt am kommenden Sonntag in Kiel. Prognose: Gegen dieses starke Team aus Kroatien ist alles möglich.

Die Füchse Berlin haben dagegen kaum noch Hoffnung, verloren ihr Viertelfinal-Hinspiel bei Ademar Leon sensationell hoch mit 23:34 Toren und benötigen im Rückspiel ein Wunder. Im Pokalsieger-Wettbewerb steht die SG Flensburg-Handewitt nach dem 39:30-Halbfinal-Hinspielsieg über das spanische Team aus Aragon mit einem Bein im Finale.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 23.04.2012)

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 23.04.2012:

Aufholjagd verhinderte Debakel

Nach 31:31 im Viertelfinal-Hinspiel bleibt zwischen Zagreb und Kiel alles offen - Auf Filip Jicha war Verlass
Zagreb. Am 26. und 27. Mai werden in Köln die Halbfinalisten der Champions League ihren Sieger küren. Der THW Kiel geht fest davon aus, ein prägendes Element dieser Handball-Party zu werden. Nach dem 31:31 (12:15) im Viertelfinal-Hinspiel bei RK Zagreb müssen die "Zebras" nun aber fürchten, das Final Four zum zweiten Mal in Folge zu verpassen.

Es wäre ein tragischer Tiefschlag in einer Saison, die so makellos verläuft. So könnte das Team von Alfred Gislason am 1. Mai gegen den SC Magdeburg vorzeitig die Meisterschaft feiern. Doch wer wird in THW-Kreisen feiern, wenn die Champions League erneut im Viertelfinale endet? Am Sonntag wird sich die Gemütslage klären. Dann, wenn Zagreb in Kiel zum Rückspiel antritt (17.30 Uhr/Eurosport). Ein Gegner, der in der Vorrunde beim FC Barcelona gewinnen konnte. Dem Titelverteidiger. Entsprechend beunruhigt blickte Gislason nach einem kuriosen Sonnabend in der Arena Zagreb nach vorne. "Den Kroaten ist es völlig egal, ob sie von 11 000 Zuschauern ausgepfiffen werden." Gegen sie gäbe es keinen Heimvorteil.

Dabei hatte seine Mannschaft beste Aussichten, ein solches Endspiel zu verhindern. Die Kieler starteten furios, führten schnell 6:1 (10.). Als Marcus Ahlm zum 8:3 (15.) traf, gaben die fünf mitgereisten THW-Fans den Ton in der mit 11 000 Zuschauern gefüllten Halle an.

Die Kulisse sprachlos, Ivano Balic und Co verunsichert. Kein Wunder, blickten sie doch auf turbulente Tage zurück. Überraschend hatte die Vereinsführung den von ihnen geschätzten Trainer Ivica Obrvan entlassen. Eine politische Entscheidung, sagen die, die sich in dem sehr hierarchisch geführten Club auskennen. Obrvan sollte den Sündenbock dafür spielen, dass Zagreb in der neuen Balkan-Liga den Titel und satte Prämien verpasst hatte.

Mit Slavko Goluza fand sich zwar zügig ein Nachfolger, der das Team gut kennt. Der 40-Jährige ist kroatischer Nationaltrainer, und Zagreb stellt das Gros dieser Auswahl. Doch das Obrvan-Aus hatte Spuren hinterlassen. Während die Gastgeber einen Schock-Start erlebten, grollten in den Logen erneut die Bosse. Goluza, so ihr Befinden, hätte schneller eine Auszeit nehmen müssen. Als er es beim 1:6 tat, hatte er offenbar den Schalter gefunden. Die Kroaten deckten nun viel besser, und einige wuchsen gar über sich hinaus. Wie Torhüter Mario Sego, der 17 Bälle hielt. So der Slowene David Spiler, einziger Ausländer im Team, der auf der rechten Deckungsseite der Kieler viele Fragezeichen entstehen ließ. So auch der 2,10 Meter große Linkshänder Marko Kopljar, der nicht nur von Kim Andersson gelobt wurde. "Der hat alles getroffen. Für ihn war heute schon Weihnachten", sagte der Schwede, den Schmerzen in der linken Schulter behinderten.

Weil die Kieler nicht trafen und die THW-Torhüter nichts hielten, wendete sich das Blatt in dramatischer Weise. In der 38. Minute führte Zagreb mit 22:15, den Gästen drohte ein Debakel. Letztlich sorgten die größeren personellen Alternativen einer müde wirkenden Kieler Mannschaft dafür, dass das Hinspiel doch keine Vorentscheidung brachte. Mit Aron Palmarsson wurde die Ruhe eingewechselt, und Christian Zeitz narrte wiederholt den zweimaligen Welthandballer Balic, dem die Abwehrarbeit nicht so leicht von der Hand geht wie seine genialen Anspiele an den Kreis.

Zudem war einmal mehr auf den achtfachen Torschützen Filip Jicha Verlass, der in der Wendephase zwischen der 47. und 54. Minute an sechs der sieben THW-Treffer beteiligt war. "In Köln dabei zu sein, gehört einfach zu einer Saison dazu", sagte der Tscheche, der eines auf keinen Fall will: Ende Mai ein freies Wochenende.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 23.04.2012)

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 23.04.2012:

Hoher Lärmpegel blieb aus, Pfeifkonzert per Knopfdruck

Arena Zagreb keine "Hölle" - Pfiffe für die Franzosen und Ilic
Zagreb. Die Arena Zagreb ist die größte des Landes. Gebaut wurde sie anlässlich der Handball-WM, deren Gastgeber Kroatien vor knapp drei Jahren gewesen ist. Bei ihrer Einweihung im Dezember 2008 feierten 15 200 Fans auf den ausverkauften Rängen die kroatische Nationalmannschaft, die damals in einem Freundschaftsspiel Russland besiegte. Das WM-Finale zwischen dem Gastgeber und Frankreich ging schließlich als eines der lautesten und hitzigsten in die Geschichte dieser Sportart ein.

Für die Inneneinrichtung haben sich die Architekten offenbar die Baupläne der Mannheimer SAP-Arena entliehen. Extravagant ist dagegen die Hülle, die auch ein Fußballstadion schmücken würde. Eine, das wie ein Nest in eine Reihe gewaltiger Betonpfeiler eingefasst ist, die an Stoßzähne afrikanischer Elefanten erinnern. Ein imposanter Rahmen, der für das Kiel-Spiel einen höllischen Lärmpegel erwarten ließ.

Doch der blieb aus. Die Halle war nicht ausverkauft, das Interesse am Ligahandball hält sich in Kroatien in überschaubaren Grenzen. Zudem fesselte die Sportnation der zeitgleich stattfindende "Clasico" in der spanischen Fußball-Meisterschaft. Das Duell zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid rangierte in der Gunst der Kroaten deutlich vor dem Volkshelden Ivano Balic und seinen Getreuen. Bei der Vorstellung der Kieler gab es lediglich für Thierry Omeyer, Daniel Narcisse und Momir Ilic Pfiffe. Die beiden Franzosen hatten im WM-Finale 2009 maßgeblichen Anteil daran gehabt, dass die stolzen Kroaten (19:24) in ihrem Wohnzimmer gedemütigt worden waren. Das ist auf dem Balkan unvergessen. Und Ilic ist Serbe, das genügt, um in Zagreb unbeliebt zu sein.

Allerdings - der Eindruck blieb, dass das Pfeifkonzert größtenteils elektronischer Natur war. Als Ilic eingewechselt wurde (10.), blieb die Kulisse überraschend stumm. Vielleicht lag es daran, dass Kiel 6:1 führte und die Fans andere Sorgen hatten, als den Lieblingsfeind zu beschimpfen. Wahrscheinlicher ist aber, dass der zuständige Hallentechniker wohl schlicht vergessen hatte, den entsprechenden Knopf zu drücken.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 23.04.2012)


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