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09.08.2012 Olympia 2012 / Nationalmannschaften

Kieler Nachrichten: Handball-Helden im Glück

Omeyer, Narcisse & Co. schlugen Spanien in dramatischem Viertelfinale - "Trauriger Tag" für Island

Aus den Kieler Nachrichten vom 09.08.2012:

Ein Handball-Torhüter als Philosoph - das gibt es auch nicht alle Tage. "Viertelfinale sind besondere Spiele. Du kannst mit einem Sieg nichts gewinnen, aber du kannst alles verlieren", verkündete der Kieler Franzose Thierry Omeyer nach dem 23:22 über Spanien. Island, der Endspielgegner der Franzosen 2008 in Peking, hat dagegen alles verloren.
Die "Eis-Männer" mit den beiden "Zebras" Aron Palmarsson und Gudjon Sigurdsson scheiterten in der Runde der letzten Acht mit 33:34 an Ungarn - nach Verlängerung. Am Ende der regulären Spielzeit hatte es 27:27 gestanden. Auch in der zweiten Hälfte der Nachspielzeit lieferten sich beide Teams einen Kampf auf Biegen und Brechen, den der Ungar Gabor Csaszar mit seinem Treffer zum 34:32 schließlich entschied. Sigurdsson mit acht Toren aus elf Versuchen und Palmarsson, der für sieben Treffer 17 Anläufe benötigte, waren die besten Werfer beim Silbermedaillengewinner von Peking, der nicht an seine Leistung beim 30:29 in der Vorrunde gegen Frankreich anknüpfen konnte. Routinier Olafur Stefansson bezeichnete den K.o. als Schock ("Das ist ein trauriger Tag für Island"), und Gudmundur Gudmundsson ("Das war ein unglaubliches Match") erklärte nach acht Jahren als Nationaltrainer seiner Rücktritt.

Die "Equipe Tricolore" benötigte allerdings einen langen Atem und eine große Portion Glück, um den spanischen Stier in die Knie zu zwingen. 6:1 führten die Iberer dank ihres überragenden Torhüters Arpad Sterbik, der in der ersten Halbzeit 61 Prozent aller Würfe hielt, nach torarmen 30 Minuten verdient mit 12:9. Frankreich kam in der 43. Minute durch Rechtsaußen Luc Abalo erstmals zum Ausgleich, geriet danach jedoch nicht mehr in Rückstand. Dramatisch verliefen die letzten 30 Sekunden. Nachdem Joan Canellas beim Stand von 22:22 verworfen hatte, nahm Frankreichs Trainer Claude Onesta eine Auszeit. Der vereinbarte Spielzug klappte dann jedoch nicht, wie der ehemalige Kieler Nikola Karabatic erzählte.

Was folgte, war typisch für dieses "sehr enge Match" (Thierry Omeyer). Karabatic übernahm zwei Sekunden vor Schluss die Verantwortung, scheiterte jedoch an Skerbik, und der Abpraller flog dem glücklichsten Franzosen in die Hände. William Accambray, in der Vorrunde selten im Kader, warf mit dem letzten seiner sieben Tore den Olympiasieger ins Halbfinale, in dem die Franzosen morgen um 22.30 Uhr gegen Kroatien oder Tunesien (bei Druckbeginn noch nicht beendet) um den Einzug ins Finale am Sonntag um 15 Uhr spielen.

"Heute hat uns unsere Erfahrung sehr geholfen. Wir sind nie in Panik geraten", urteilte der nur sporadisch eingesetzte THW-Akteur Daniel Narcisse, der wie Karabatic nur einmal traf. "Ab jetzt ist jedes Spiel ein Endspiel", ergänzte er und bezeichnete das Niveau dieses Turniers als "extrem hoch". Währenddessen hofft Handball-Philosoph Omeyer auf weitere Heldentaten: "In den ersten Spielen waren wir nicht gut, jetzt aber haben wir unser Selbstvertrauen wieder gefunden."

(von Gerhard Müller, aus den Kieler Nachrichten vom 09.08.2012)


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