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23./24.11.2012 - Letzte Aktualisierung: 24.11.2012 Bundesliga

THW Kiel empfängt den TBV Lemgo am Sonntag

Update #1 KN-Vorbericht ergänzt ...

Das Team des TBV Lemgo.
Klicken Sie für weitere Infos! Das Team des TBV Lemgo.
Nach den beiden heißen Duellen mit RK Celje in der "VELUX EHF Champions League" ist der THW Kiel nun wieder in der DKB Handball-Bundesliga gefordert: Am Sonntagnachmittag gastiert der TBV Lemgo in der Sparkassen-Arena. Der Anwurf erfolgt um 17.30 Uhr, Sport1 überträgt das Traditionsduell live im Fernsehen.
Während ganz Handball-Deutschland dem Spitzenspiel der DKB Handball-Bundesliga am kommenden Mittwoch entgegen sieht, wenn der THW Kiel bei den ungeschlagenen Rhein-Neckar Löwen antritt, konzentriert sich der THW zunächst einzig und allein auf die Liga-Partie gegen den TBV Lemgo. "Wir werden nicht ändern, was uns in den vergangenen Jahren so stark gemacht hat", sagt Linksaußen Dominik Klein. "Wir schauen wirklich nur von Spiel zu Spiel. Jetzt wollen wir erst einmal gegen Lemgo gewinnen." Den Gegner werde man nicht auf die leichte Schulter nehmen, so Klein. "Das kann man sich in der stärksten Liga der Welt bei keinem Gegner erlauben."
Turbulenzen in Ostwestfalen
Zurück in die alte Heimat: Hendrik Pekeler.
Zurück in die alte Heimat: Hendrik Pekeler.
Gewaltige Turbulenzen schütteln den TBV Lemgo in dieser Spielzeit ordentlich durch. Von einer Krise mochte der Beiratsvorsitzende Siegfried Haverkamp trotzdem nicht sprechen. "Ich nenne es eine Delle. Von Krise reden wir erst, wenn sämtliche Möglichkeiten zur Verbesserung ausgeschöpft sind", sagte der starke Mann der Ostwestfalen, der gemeinsam mit dem neuen Geschäftsführer Christian Sprdlik das schlingernde Boot TBV Lemgo wieder auf Kurs bringen muss. Sprdlik räumte indes ein, dass sich der Traditionsverein in seinem 101. Jahr seines Bestehens in einer der "schwierigsten Phasen, die der TBV Lemgo in den letzten Jahren hatte" befinde.

Tatsächlich sorgten die Lemgoer, die einst den "TBV Deutschland" ins Leben riefen, zuletzt eher selten für positive Schlagzeilen. Die wurden eher bestimmt durch die finanziellen Sorgen der Ostwestfalen, nachdem sich Hauptsponsor "Heristo" verabschiedete. Der Rettung in letzter Sekunde, die durch die heimische Wirtschaft und einen Gehaltsverzicht der Mannschaft ermöglicht wurde, folgte der ganz große Knall: Erst trennte sich der TBV Lemgo von Urgestein Volker Zerbe und dann von seinem Geschäftsführer-Kollegen Fynn Holpert. Ungereimtheiten seien festgestellt worden, hieß es in einer Erklärung, von einer sechsstelligen Schädigung des Vereins und nicht erfüllten Sponsorenverträgen war in Bezug auf Zerbe die Rede. Holpert geriet aufgrund einer dubiosen Geschichte, berichtet wurde über einen nicht gedeckten 200-Millionen-Euro-Scheck, in die Schlagzeilen. Gegen Zerbe wurde sogar Strafanzeige erstattet, der ehemalige Lemgoer Superstar wies allerdings alle Vorwürfe zurück - genau wie Holpert.

Erst drei Siege auf dem Konto
Neuzugang Timm Schneider erzielte bislang 47/22 Treffer in  neun Partien.
Neuzugang Timm Schneider erzielte bislang 47/22 Treffer in neun Partien.
Doch nicht nur im Umfeld, auch sportlich sorgten die Lipperländer bei ihren Fans und Freunden für Sorgenfalten auf der Stirn. Denn aufgrund einer Vielzahl von Verletzungen läuft es auch auf der Platte alles andere als rund beim TBV. Erst drei Siege stehen auf der Habenseite der Lemgoer - dem 31:28 gegen Melsungen, dem 33:28-Erfolg gegen Großwallstadt und dem Befreiungsschlag am vergangenen Sonntag, dem 32:25-Derbysieg gegen GWD Minden, standen unter anderem bittere Niederlagen im Derby gegen Lübbecke (29:32), in Balingen (27:29), Wetzlar (28:31) und zu Hause gegen Magdeburg (26:28) und Hannover (30:32) gegenüber. "Zwei Heimspiele hintereinander gegen Magdeburg sowie Hannover so unglücklich zu verlieren - das muss man erst einmal verkraften", erklärte TBV-Coach Dirk Beuchler, der bei der knappen 19:21-Niederlage bei den Füchsen Berlin aber einen Aufwärtstrend bei seiner Mannschaft ausmachte: "Vor meiner Mannschaft kann ich nur den Hut ziehen. Wir haben gekämpft und ein tolles Spiel gemacht. Wenn man gesehen hat, wie viel die Füchse gewechselt haben und was wir mit diesem kleinen Haufen Mannschaft zu Stande gebracht haben, dann ist das aller Ehren wert. Wenn wir weiter so machen, dann werden wir noch unsere Punkte holen." Mit der Rückkehr einiger verletzter Leistungsträger, dem Erfolg gegen Minden und dem Verlassen der Abstiegsränge kehrte auch die Ruhe in die Mannschaft von Dirk Beuchler zurück. "Bei unserem Auswärtsspiel in Kiel werden wir nun befreit aufspielen", kündigte der TBV-Coach an.
Lemgo mit einem der jüngsten Kader der Liga
Rückraumspieler Finn Lemke war der Shootingstar der vergangenen Rückrunde und hat erneut bereits 35 Saisontreffer erzielt.
Rückraumspieler Finn Lemke war der Shootingstar der vergangenen Rückrunde und hat erneut bereits 35 Saisontreffer erzielt.
Ursprünglich hatte Dirk Beuchler ungeachtet der Probleme Platz sieben als Ziel ausgegeben: "Diesen Platz aus der Vorsaison wollen wir verteidigen. Ich hoffe, dass wir in zwei bis drei Jahren wieder europäisch spielen." Davon ist der TBV Lemgo in der aktuell angespannten Situation weit entfernt. Aufgrund der finanziellen Probleme konnte der Verein erneut keine großen Sprünge auf dem Transfermarkt machen. Mit Kreisläufer Hendrik Pekeler vom Bergischen HC, der am Sonntag wie Positions-Kollege Sebastian Preiß eine Reise in seine "Zebra"-Vergangenheit unternimmt, dem torgefährlichen Regisseur Timm Schneider (kam aus Hüttenberg), Linksaußen Patrick Zieker und Torhüter Dennis Doden (Wilhelmshavener HV) wurden vier junge Spieler verpflichtet, die die Abgänge der erfahrenen Akteure wie Christoph Theuerkauf, Manuel Liniger (beide nach Balingen), Avishay Smoler sowie von Sebastian Schneider (ASV Hamm-Westfalen) und Torjäger Mait Patrail (Hannover) kompensieren sollen. Zudem rückten aus den Nachwuchsmannschaften Rechtsaußen Arjan Haenen und der 2,10 Meter große Halblinke Finn Lemke in den Profi-Kader. "Wenn man jungen Spielern eine Chance geben möchte, muss man das jetzt riskieren", hatte Beuchler vor der Saison gesagt - wohl wissend, dass es dazu wohl keine Alternative gegeben hätte. "Das hängt auch mit unserer finanziellen Situation zusammen."

Junioren-Nationalspieler Patrick Zieker kam vom Zweitligisten SG BBM Bietigheim.
Junioren-Nationalspieler Patrick Zieker kam vom Zweitligisten SG BBM Bietigheim.
Mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren stellen die Lemgoer jetzt gemeinsam mit dem VfL Gummersbach sowie den beiden Aufsteigern aus Neuhausen und Essen das jüngste Team der DKB Handball-Bundesliga. Was Bundestrainer Martin Heuberger freuen dürfte, ist die hohe Anzahl von deutschen Junioren-Nationalspielern, die, so Beuchler, "beim TBV reifen können": Tatsächlich stehen in dem jungen Kader der Ostwestfalen mit dem Niederländer Haenen und dem Schweden Patrik Johanson nur zwei ausländische Akteure.

Kurzpflichtige Verpflichtungen ausgeschlossen
"Wir wissen um unsere Situation", beschönigte Geschäftsführer Christian Sprdlik nichts, "aber wir stecken nicht den Kopf in den Sand." Das Wort "Abstieg" werde er deshalb auch nicht in den Mund nehmen. "Wir werden mit breiter Brust in die nächsten Spiele gehen." Unterstützung bekommt er vom Beiratsvorsitzenden Haverkamp: "Nachdem wir die größte personelle und finanzielle Dramatik hinter uns gebracht haben, trifft uns die aktuelle Verletzungsserie hart. Bei der Struktur unseres Kaders bleibt das nicht ohne Folgen." Kurzfristige Verpflichtungen schloss er indes aus: "Wir müssen Ruhe bewahren und der Mannschaft die notwendige Unterstützung zukommen lassen. Unser Konzept ist auf Langfristigkeit ausgelegt und präferiert den Aufbau junger Talente. Wir werden keine Verpflichtungen eingehen, die wir uns nicht leisten können." Beuchler hofft vor allem auf ein Ende der Verletzungsserie, um wieder für positive Schlagzeilen zu sorgen: "Wenn ich erst einmal wieder mehr als sechs Leute für fünf Positionen habe, Torhüter und Kreisläufer ausgenommen, werden wir auch die knappen Spiele wieder gewinnen."
Bilanz spricht für den THW
67 Treffer in elf Spielen: Ex-Nationalspieler Rolf Hermann spielt bislang eine starke Saison.
67 Treffer in elf Spielen: Ex-Nationalspieler Rolf Hermann spielt bislang eine starke Saison.
Der THW Kiel sollte aber dennoch gewarnt sein, denn in den vergangenen Spielzeiten stellte der TBV Lemgo desöfteren einen Stolperstein für die "Zebras" dar: In der Rekordsaison 2008/09 brachten die Lipperländer dem THW beim 34:27 die einzige Liga-Niederlage bei. Und auch in der Spielzeit darauf ärgerten sie die Kieler, holten in der Sparkassen-Arena ein 27:27-Unentschieden und siegten im Gerry-Weber-Stadion mit 32:30. Seitdem aber gewann der THW die letzten vier Ligaduelle mit dem TBV und weist nun eine Bilanz von 44 Siegen aus 73 Pflichtspielen (bei sechs Remis und 23 Niederlagen) auf (siehe auch Gegnerdaten Lemgo). Beim letzten Kieler Heimspiel gegen Lemgo am 12. November 2011 waren Kim Andersson mit sieben und Daniel Kubes mit fünf Treffern die besten Torschützen beim

Die Schiedsrichter am Sonntag in der Sparkassen-Arena sind Fabian Baumgart und Sascha Wild.

Lesen Sie bitte auch

Dieser Vorbericht wird wie gewohnt ständig aktualisiert...

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 24.11.2012:

Lemgo: Großer Name kommt als Kellerkind

Meister THW Kiel empfängt einen Traditionsverein in der Krise
Kiel. Ein Verein in Not. Der TBV Lemgo, morgen (17.30 Uhr/Sport1) zu Gast beim Rekordmeister THW Kiel, blickt auf turbulente Monate zurück. Darauf, auf einem Abstiegsplatz in der Handball-Bundesliga zu stehen. Darauf, beide Geschäftsführer innerhalb weniger Wochen verloren zu haben. Darauf, dass im auf vier Millionen Euro geschätzten Etat 400 000 Euro fehlen.

Warum der Traditionsverein im Juni nur knapp der Insolvenz entging und seitdem einen Ausgang aus dem Chaos sucht, ist im Detail unklar. Klar ist, dass die Club-Bosse Strafanzeige gegen Volker Zerbe gestellt haben, der an einem Burn-out erkrankt ist und seinen Posten als Geschäftsführer Sport geräumt hat. Unter anderem soll der 286-malige Nationalspieler einen Leasingvertrag für eine Telefonanlage abgeschlossen haben, die bis heute nicht existiert. Ein Vertrag, der sogar um weitere 72 Monate verlängert worden ist. Es geht um eine Italien-Reise, die knapp 70 000 Euro kostete. Eine Reise, die Zerbe allerdings nie antrat. Trotz der Vorwürfe, die der Beirat nun öffentlich gemacht hat, bleibt es schwer vorstellbar, dass der Bankangestellte, bis dato ein Sinnbild für Seriosität, sich am Meister von 1997 und 2003 bereichert haben soll.

Fynn Holpert, der kaufmännische Geschäftsführer trat zurück, nachdem Einzelheiten über einen Immobiliendeal bekannt wurden, der in seinen Dimensionen abenteuerlich ist. So sollte im beschaulichen Lemgo, direkt neben der beschaulichen Lipperlandhalle, für rund 60 Millionen Euro ein Shopping-Boulevard mit einem exklusiven Hotel-Komplex entstehen, den, so die Vision, Touristen aus dem reichen Emirat Katar mit verbindlicher Regelmäßigkeit bis auf das letzte Bett belegen werden. Ein Deal, der dem klammen TBV auch einen potenten Hauptsponsor hätte einbringen sollen. "Holpert glaubte bis zum Ende daran", sagte Beirats-Vorsitzender Siegfried Haverkamp der Handballwoche. "Unter dieser Aussicht hat er seine Vernunft geopfert."

Eine Telefonanlage ohne Telefone, dazu ein Luftschloss - was ist bloß in Lemgo los? "Die Situation ist nicht einfach", sagt Trainer Dirk Beuchler, dessen Sorgen ausreichen, um nicht über Telefone und Schlösser nachdenken zu müssen. Teilweise trugen vier seiner Spieler gleichzeitig Gips. Nicht weil sie es schick fanden, sondern diverse Knochenbrüche es nötig machten. Bei der 22:33-Niederlage in Flensburg reisten die Ostwestfalen nur mit zwei Rückraumspielern an. Als Max Höning (19) für Kapitän Florian Kehrmann eingewechselt wurde, hatte die Gäste-Sieben ein Durchschnittsalter von 20,5 Jahren. "Das jüngste TBV-Team aller Zeiten", sagt Beuchler, der nach dem jüngsten 32:25-Erfolg im Derby gegen Minden wieder etwas gelassener in die Zukunft schauen kann. "Kiel ist für uns das leichteste Spiel der Saison. Keiner erwartet etwas von uns." Zudem hat sich bis auf den Langzeitverletzten Patrik Johansson der gesamte Kader zurückgemeldet. Zumeist sind es junge Spieler, denen eine große Zukunft zugetraut wird. So wie Kreisläufer Hendrik Pekeler, der wegen anhaltender Disziplinlosigkeit einst in Kiel ausgemustert wurde. Oder der 2,10 Meter große Rückraumraumspieler Finn Lemke. Oder der 2,03 Meter große Rückraumspieler Gunnar Dietrich. Getragen wird das Team von Routiniers wie Kehrmann, Sebastian Preiß, dem bislang 67-maligen Torschützen Rolf Herrmann und Torhüter Carsten Lichtlein. Wozu Lichtlein & Co fähig sind, zeigten sie gerade in Berlin (19:21). Noch in der 58. Minute (18:18) standen die Füchse am Rande einer Niederlage. Warum? Weil Lichtlein fünf Siebenmeter parierte, und das Beuchler-Team in der Lage ist, eine sehr kompakte 6:0-Deckung auf die Beine zu stellen.

"Eine gefährliche Mannschaft, die zuletzt sehr ordentlich gespielt hat", sagt Alfred Gislason, der wohl auf Christian Sprenger verzichten muss. Der Rechtsaußen knickte beim 30:26-Sieg gegen Celje um und schaute zu, wie Vertreter Niclas Ekberg neun Tore warf. Auch Rene Toft Hansen (Rippenprellung) wird wohl erst gegen die RN Löwen (28. November) oder Madrid (2. Dezember) wieder dabei sein. Was seine Mannschaft gegen Lemgo noch beachten sollte? "Wir dürfen nicht an die Löwen denken", sagt der THW-Trainer. "Erst nach dem Sieg gegen Lemgo."

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 24.11.2012)

 

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