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15./16.03.2013 - Letzte Aktualisierung: 16.03.2013 Bundesliga

THW empfängt Aufsteiger TV Neuhausen am Samstag

Update #1 KN-Vorbericht ergänzt ...

Das Team des TV Neuhausen.
Klicken Sie für weitere Infos! Das Team des TV Neuhausen.
Keine 48 Stunden nach der knappen 35:37-Hinspielniederlage in der "VELUX EHF Champions League" im rund 2.300 Kilometer entfernten Tschechow sind die Handballer vom THW Kiel bereits wieder in der DKB Handball-Bundesliga gefordert. Am Samstagnachmittag um 17.30 Uhr empfangen die "Zebras" den Aufsteiger TV Neuhausen und wollen mit einem Heimsieg die Tabellenführung in der ersten Liga auf zwei Zähler ausbauen.
Die Gründung der eingleisigen Handball-Bundesliga 1977 war ein Meilenstein in der Entwicklung des deutschen Vereins-Handballs. Der THW Kiel und der TV 1893 Neuhausen gestalteten diesen Neuanfang vor 35 Jahren als Gründungsmitglieder mit - am Samstag treffen beide Mannschaften zum zweiten Mal in der Geschichte der DKB Handball-Bundesliga auf Kieler Boden aufeinander.
Letztes Bundesliga-Heimspiel gegen Neuhausen endete 18:12
Linksaußen Marcel Schiller spielt in der kommenden Saison für Frisch Auf Göppingen.
Linksaußen Marcel Schiller spielt in der kommenden Saison für Frisch Auf Göppingen.
Der 17. September 1977 - aus dem aktuellen "Zebra"-Kader war gerade einmal Thierry Omeyer geboren - ging in die Vereinshistorie des THW Kiel ein. Nach einem etwas "holprigen" Auftakt beim TuS Hofweier, der mit der Abschaltung eines Triebwerks und der Notlandung des gecharterten Flugzeugs in Stuttgart begann und mit einer 15:19-Niederlage endete, empfingen die Kieler Handballer damals den TV 1893 Neuhausen zum ersten Heimspiel in der neugegründeten eingleisigen Handball-Bundesliga. Der Verein aus einem Stadtteil der baden-württembergischen Kleinstadt Metzingen - die übrigens seit dieser Saison auch wieder einen Frauen-Erstligisten im Handball beheimatet - war an diesem Sonnabend ein freundlicher Premierengast des THW Kiel in der damaligen Ostseehalle. Mit 18:12 siegten die "Zebras", und sie gewannen auch das Rückspiel in Neuhausen mit 18:11. Das waren vier wichtige Punkte für die Kieler im Kampf um den letztlich erfolgreichen Klassenerhalt. Der TV Neuhausen aber stieg sang- und klanglos mit 8:44 Zählern ab. Ein Schicksal, das den Verein bereits in den Spielzeiten 1973/74 und 1975/76 in der Bundesliga Süd ereilt hatte und das die Wege der beiden Gründungsmitglieder der eingleisigen Handball-Bundesliga nachhaltig trennte.
Im Eiltempo von der Ober- in die Bundesliga
Kreisläufer Alexander Becker spielte auch schon für die TSG Friesenheim in der ersten Liga.
Kreisläufer Alexander Becker spielte auch schon für die TSG Friesenheim in der ersten Liga.
Während sich der THW Kiel etablierte und sich in den neunziger Jahren schließlich dazu aufmachte, zum Non-Plus-Ultra des deutschen Handballsports zu werden, versanken die Neuhäuser in den Niederungen des Amateursports. Unter der Ägide von Trainerlegende Kurt Reusch, der den Verein bereits in den siebziger Jahren in die erste Liga führte, anschließend Pfullingen und Altmeister Göppingen zurück in die Erfolgsspur brachte und 2000 nach Neuhausen zurückkehrte, gelang 2005 der Wiederaufstieg in die viertklassige Oberliga Baden-Württemberg. Dann ging alles sehr schnell: Nur ein Jahr später folgte der Aufstieg in die Regionalliga Süd, in der man direkt oben mitmischte und schließlich 2009 in die 2. Bundesliga Süd zurückkehrte. Kurt Reusch ging, der Erfolg aber blieb: Nach zwei achten Plätzen unter dem beförderten Co-Trainer Markus Gaugisch wurde für die letztjährige Premierensaison der eingleisigen zweiten Liga der Klassenerhalt als Ziel ausgewiesen. "Saisonziel verpasst" stand daher am 26. Mai dieses Jahres auf den Shirts, die sich die Spieler nach dem 29:27-Erfolg bei der HG Saarlouis überstreiften - denn statt einer weiteren Saison in der Zweitklassigkeit machten die Neuhäuser an diesem Abend am vorletzten Spieltag sensationell den Aufstieg in die Beletage des deutschen Handballs perfekt.
Jüngste Mannschaft der Liga
Einziger Ausländer im Kader: der österreichische Nationaltorhüter Thomas Bauer.
Einziger Ausländer im Kader: der österreichische Nationaltorhüter Thomas Bauer.
Schlüssel zum Erfolg ist das beibehaltene Konzept Reuschs, Talente aus der Region in der Jugend zu fördern und in die erste Mannschaft zu integrieren. So sucht man beim TV Neuhausen, mit einem Mini-Etat von nur 900.000 Euro angetreten, auch vergeblich nach großen Namen und Profi-Handballern. Bekannteste Spieler dürften der österreichische Nationalkeeper Thomas Bauer - übrigens einziger Ausländer im Team -, der ehemalige Juniorennationalspieler Alexander Becker am Kreis sowie die drei ehemaligen Balinger Klaus Schuldt, Philipp Keinath und Alexander Trost sein. Doch auch der 21-jährige Linksaußen Marcel Schiller, der sich mit bisher 124/45 Treffern und einer Quote von 5,9 Toren pro Spiel bis auf Platz fünf der DKB Handball-Bundesliga-Torjägerliste warf, rückte in den Fokus des Interesses: Frisch Auf Göppingen verpflichtete den Neuhäuser Torschützen vom Dienst für die kommende Saison. Weil sich gegen Jahresende die Verletzungen beim Aufsteiger häuften, wurde der TVN noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv: Mit Alexander Heib verpflichteten die Ermstäler den früheren Spielmacher des TV Bittenfeld (siehe auch Gegnerkader Neuhausen).

Der TV Neuhausen profitiert auch von der erfolgreichen Kooperation der Vereine mit dem Handballverband Württemberg, der mit Frisch Auf Göppingen und HBW Balingen-Weilstetten noch zwei weitere Erstligisten beheimatet. "Das Förderkonzept des HVW ist zielgerichtet darauf ausgelegt, die Spieler individuell zu fördern. Darin beinhaltet ist zum Beispiel auch das offensive Abwehrkonzept, das sicherlich einen großen Beitrag zu unserem erfolgreichen Abschneiden in den vergangenen Jahren beigetragen hat", verriet Markus Gaugisch. "Die Stärke unserer Mannschaft ist die Begeisterung, der Willen und der Zusammenhalt. Diese Komponenten tragen dazu bei, unseren Handball zu spielen. Wir werden uns auf dem Spielfeld zerreißen und um jeden Zentimeter Hallenboden kämpfen."

Neuhausen träumt weiter vom Klassenerhalt
Trainer Markus Gaugisch: "Wir werden um jeden Zentimeter Hallenboden kämpfen."
Trainer Markus Gaugisch: "Wir werden um jeden Zentimeter Hallenboden kämpfen."
Das stellten die Spieler des TV Neuhausen bisher eindrucksvoll unter Beweis. Denn so chancenlos, wie viele Handball-Experten den Aufsteiger vor der Saison eingeschätzt hatten, sind die Süddeutschen keineswegs: Vielmehr spielen die Neuhäuser im spannenden Abstiegskampf so etwas wie das Zünglein an der Waage. Die mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren jüngste Mannschaft der Liga verließ zwar bisher erst an fünf Spieltagen die Abstiegsränge, darf sich aber trotzdem noch große Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen. Für Aufsehen sorgte bei der Punktejagd unter anderem das 28:28-Unentschieden gegen den HSV Hamburg, aber auch der Erfolg im Landes-Derby gegen Balingen und der 29:26-Sieg gegen den Altmeister VfL Gummersbach machten den TVN auch außerhalb der handballbegeisterten Region bekannt.

Allerdings verpassten die Neuhäuser nach dem klaren 34:28-Erfolg gegen Mitaufsteiger GWD Minden zuletzt zwei weitere wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg: Gegen den bis dato erst einmal siegreichen TuSEM Essen, gegen den der TVN in der Hinrunde seinen bisher einzigen Auswärtssieg feierte, versagten bei den Schwaben alle Systeme. Am Ende jubelten die Essener über einen deutlichen 32:24-Erfolg beim Mitaufsteiger (siehe auch Kurve Neuhausen). "Der Sieg ging absolut in Ordnung, auch in der Höhe", fasste Markus Gaugisch die einseitige Partie zusammen.

Spitzname "Bamm Bamm": Rückraumshooter Andreas Schröder erzielte bereits 95 Saisontreffer.
Spitzname "Bamm Bamm": Rückraumshooter Andreas Schröder erzielte bereits 95 Saisontreffer.
An der neuen Halle, der rund 2.400 Zuschauern Platz bietenden Paul-Horn-Arena in Tübingen, lag es indes nicht, dass die Neuhäuser einen weiteren Erfolg auf dem Weg zum Klassenerhalt verpassten. Neun der bisher elf Punkte holte der TVN in der komplett in Pink gestrichenen Arena, in die der Aufsteiger umziehen musste, weil die eigene, kleine Hofbühlhalle nicht den Erstliga-Anforderungen entsprach. Die Befürchtung, dass der Heimvorteil im rund 30 Kilometer entfernten Tübingen abhanden kommen könnte, bewahrheitete sich nicht. "Geile Halle, geile Stimmung", brachte es TVN-Keeper Magnus Becker auf den Punkt, und auch Gaugisch bezeichnete die Stimmung in der neuen Heimat als "unbeschreiblich".

Insgesamt ist man mit dem bisherigen Saisonverlauf bei den Süddeutschen aber natürlich nicht unzufrieden: "Wenn man sich die so unterschiedlichen Voraussetzungen anschaut, mit denen wir im Vergleich zur Konkurrenz in die Saison gegangen sind, dann ist die gegenwärtige Platzierung ein Wunder", sagte TVN-Manager Dieter König, der auch noch mit einer halben Stelle seinem Beruf als Lehrer nachgeht, "ich bin fest davon überzeugt, dass wir zurecht da stehen, weil die Leistungen, die das Team bringt, phänomenal sind." Man wolle den TV Neuhausen mittelfristig gerne unter den 25 besten deutschen Mannschaften positionieren, so König. "Natürlich gerne auch in Liga eins." Denn noch einmal 35 Jahre warten, bis man wieder in der Sparkassen-Arena in Kiel auflaufen kann, möchte man beim TV 1893 Neuhausen nun wirklich nicht.

Die Schiedsrichter am Sonnabend sind Peter Behrens und Marc Fasthoff.

 

Dieser Vorbericht wird wie gewohnt ständig aktualisiert...

 

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Aus den Kieler Nachrichten vom 16.03.2013:

König: "Wir sind keine Müsli-Truppe"

Ein Profi, viele Studenten: Neuhausen will sich in Kiel gut verkaufen
Kiel. Knapp 48 Stunden nach dem Champions-League-Spiel in Moskau ist der THW Kiel in der Handball-Bundesliga gefordert. Gast ist heute Nachmittag (17.30 Uhr) der wackere Aufsteiger TV Neuhausen, der sich trotzdem keine Chance ausrechnet. Aus gutem Grund, war doch die Konstellation vor dem mit 20:39 verlorenen Hinspiel im November ähnlich.

Die Kieler hatten zwei Tage zuvor in der Gruppenphase der Champions League bei Atletico Madrid mit 32:27 gesiegt und auf der Rückreise noch zwei Punkte in Baden-Württemberg eingesammelt. Die "Zebras" führten damals nach einer Viertelstunde bereits mit 16:4. "Das war eine Lehrstunde", sagt Dieter König, der in Personalunion Lehrer und Geschäftsführer des Tabellen-16. ist. "In Kiel wollen wir zeigen, dass wir zurecht in der Liga sind. Zu glauben, dass wir da punkten können, wäre vermessen."

Zumal die Anreise kaum entspannter sein dürfte als die Rückfahrt der Kieler aus Moskau. Um Geld zu sparen, bewältige der TVN die 800 Kilometer lange Strecke im Bus. Ursprünglich hatten die Süddeutschen einen Flug nach Hamburg gebucht, doch nach der Verlegung des Spiels, das ursprünglich am Mittwoch ausgetragen werden sollte, mussten die Tickets storniert werden. "Das hat uns 2000 Euro gekostet, die uns keiner erstattet. Für uns ist das viel Geld", sagt König, der den Team-Etat auf rund 900 000 Euro beziffert. Dem THW Kiel (Etat 9,5 Millionen Euro) macht er dabei keinen Vorwurf, er prangert stattdessen den Terminkalender an. "Das ist ein kolossaler Witz", sagt König, der sich wünscht, dass die Wochenenden für den Liga-Alltag geblockt werden. "Dann hätten wir Planungssicherheit." Zustände wie die im April, in dem der TVN drei Wochen lang auf ein Pflichtspiel warten wird, könnten so vermieden werden.

Mit dem österreichischen Nationalspieler Thomas Bauer hat das Gründungsmitglied der eingleisigen Bundesliga nur einen Ausländer unter Vertrag, mit Ralf Bader lediglich einen Profi. Allerdings sieht der Arbeitsvertrag des Kapitäns vor, dass er sich als Jugendkoordinator auch um den Nachwuchs kümmert. Das Gros im Team von Markus Gaugisch (38) studiert. Der Trainer arbeitet im zweiten Leben als Lehrer für Sport und Deutsch am Dußlinger Karl-von-Frisch-Gymnasium. Allerdings, so König, wäre der TV Neuhausen alles andere als "eine Müsli-Truppe". Ginge es um Punkte, würde auch schon einmal die eine oder andere Vorlesung ausfallen. Dass die Rasselbande (Altersdurchschnitt 22 Jahre) keinesfalls als Selbstbedienungsladen durch die Liga reist, mussten bereits Stefan Kretzschmar und der HSV Hamburg erfahren. Der Sport1-Experte leistete mittlerweile Abbitte, hatte er dem "gallischen Dorf" doch voreilig ein lediglich einjähriges Gastspiel prophezeit. Und der Meister des Jahres 2011 gab beim TVN, der auf sehr schnellen Beinen eine sehr offensive Deckung spielen kann, sogar einen Punkt ab.

Ein Remis, das die Macher daran glauben lässt, den Klassenerhalt schaffen zu können. "Für uns wäre das finanziell interessant, und es würde uns viel leichter fallen, die Strukturen zu verbessern", sagt König. Eine Geschäftsstelle hat der Verein, der sich HBW Balingen-Weilstetten zum Vorbild gemacht hat, mittlerweile. Im Sommer wird Rechtsaußen Alexander Trost ins Management aufsteigen und König unterstützen. Dass auch die Mannschaft bleiben will, wurde im letzten Punktspiel deutlich, als das Gaugisch-Team zu Hause gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten TuSEM Essen erstmals Angst vor einer Niederlage offenbarte und prompt 24:32 verlor. "Da war auf einmal die Unbekümmertheit weg. Die Hände haben gezittert", sagt König, der weiß, dass spätestens heute die Leichtigkeit zurückkehren wird. Dann, wenn die Gäste aus dem 4000-Seelen-Ortsteil von Metzingen krasser Außenseiter in Kiel sein werden.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 16.03.2013)

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