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29.11.2009 Mannschaft

Zebra: Kim Andersson - Der weiße Zaun fehlt noch

Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra", von living sports:

Kim Andersson.
Klicken Sie für weitere Infos! Kim Andersson.

Es hatte ihn so richtig außer Gefecht gesetzt: Vor zwei Wochen musste Kim Andersson vom Trainings- und Handballalltag pausieren, da ihn eine Erkältung heimgesucht hatte. Währenddessen fand er jedoch Zeit, mit ZEBRA über sein "neues Leben" zu plaudern. Dabei verriet er einige Geheimnisse.
Mitte Oktober erblickte der kleine Milo Verner Andersson, stolze 3750 Gramm schwer und 58 Zentimeter groß, das Licht der Welt. "Es ist ein unbeschreibliches Gefühl Papa zu sein", strahlt Kim Andersson auch noch einige Wochen nach der Geburt. "Er ist das erste Kind von Sandra und mir. Wir entdecken jeden Tag noch so viel Neues und Spannendes im Umgang mit dem Kleinen", beschreibt er begeistert. Die meisten jungen Eltern bestehen oftmals darauf, dass sie anders wären als ihre eigenen Eltern. Viele wollen andere Wege in der Kindererziehung einschlagen und alles besser machen. "Wir haben von unseren Eltern eine Menge Tipps mit auf den Weg bekommen. Sicherlich werden wir viele davon auch dankend annehmen und ein Stück weit genauso handeln wie unsere eigenen Eltern es vor Jahrzehnten gemacht haben", denkt Andersson nach. Viele Bücher habe er über das Vaterwerden gelesen und sich informiert, was alles auf ihn und seine Frau zukomme. "Ich habe die Ratgeber eingehend studiert. Nach der Geburt bin ich aber vor allem um eins schlauer: Man muss seine Erfahrungen einfach selber machen", lacht der Schwede herzhaft. Er wolle nicht nach dem Ideal eines perfekten Papas streben. "Perfekt sein - das kann man gar nicht." Aber, und da ist sich der Jung-Vater sicher, "mit viel Liebe kann man alles durchziehen". Jeden Tag wolle er sich gemeinsam mit seinem Sohn weiter entwickeln und Neues dazu lernen. Dass er und seine Frau dabei sicher auch mal den einen oder anderen Fehler machen werden, sei normal. "Mit viel Zuwendung und Liebe schaffen wir jedoch fast alles."

Eine Einstellung, die nicht erst in den vergangenen neun Monaten, in denen er Zeit hatte, sich auf die neue Rolle als Vater vorzubereiten, gereift sein kann, sondern die einen viel tieferen Beweggrund haben muss. "Neun Monate - klar konnten wir uns gut auf das, was kommt, einstellen", gibt er zu. Man habe sich verschiedene Szenarien ausgemalt, wie es wohl sein könne, wenn neben dem Hund Baloo noch ein weiteres Familienmitglied hinzukommt. "Ist das Baby aber erst einmal da, sieht alles ganz anders aus." Diese Erfahrung, die schon viele Eltern vor den Anderssons gemacht haben, hat nun auch bei Kim und Sandra eingesetzt.

Es sieht anders aus - aber schön: Der Linkshänder des THW Kiel genießt sein neues Leben als Familienvater, sieht wach und ausgeschlafen aus und zeigt sein Glück: "Milo Verner ist ein sehr pflegeleichtes Baby. Er schläft viel und hat einen guten Appetit. Wenn ich zuhause bin, dann wechsele ich ihm auch gern die Windeln." Gerne würde er seiner Frau Sandra häufiger bei der "Arbeit" mit dem kleinen Andersson unter die Arme greifen - der Spielplan verhindert das aber. "Leider bin ich häufig unterwegs. Oftmals spielen wir zwei Mal in der Woche auswärts, so dass ich mehr im Flieger oder Bus sitze als bei meiner Familie." Früher habe ihm das Wegsein nicht ganz so viel ausgemacht. Heute bereite es dem Rückraumspieler schon wesentlich mehr Kopfschmerzen. "Sind wir unterwegs, und sitze ich im Flugzeug, dann mache ich mir Gedanken darüber, was passiert, wenn mir etwas zustoßen würde. Was würde dann aus meiner Familie werden?", lässt Andersson tief in seine Seele blicken. Seit einigen Wochen trägt der 26-Jährige noch mehr Verantwortung für seine Liebsten als zuvor. "Ich bin nachdenklicher geworden", gibt der Rückraumspieler unumwunden zu.

Vater, Mutter, Kind, Haus und Hund - Kim Andersson hat alles, was zu einer richtigen Familie dazu gehört. In Schweden sieht man das laut einem Sprichwort jedoch anders. "In unserer Heimat sagt man, man habe erst dann eine Familie, wenn man zu alldem auch noch einen Volvo fährt und einen weißen Zaun ums Haus herum hat", erzählt Kim Andersson von den Traditionen und Weisheiten aus seinem Land. Ganz so weit von dem schwedischen Idealbild einer Familie ist der Zwei-Meter-Mann allerdings auch nicht entfernt. Neben dem obligatorischen Audi fährt seine Familie auch Volvo, zusammen mit Frau Sandra, Kind und Hund bewohnt er eine Doppelhaushälfte, nur der weiße Zaun fehlt noch. "Der ist bei uns in Klausdorf grün, daran kann man jedoch in der Zukunft noch arbeiten", scherzt er. Weiter möchte er auch an seiner sportlichen Laufbahn arbeiten. Viele hätten dem Schweden gesagt, dass man nach der Geburt schlechter Handball spielen würde. Andersson möchte damit nichts entschuldigen, er wisse nur, dass sich der Ärger im Beruf beziehungsweise im Handball nach der Geburt des Sohnes leichter verdauen ließe. "Komme ich nach einem durchwachsenen Spiel oder einer nicht ganz so guten Trainingseinheit nach Hause, dann habe ich wenig Zeit darüber zu grübeln. Viel mehr lenken mich Frau, Hund und vor allen Dingen unser Sohn ab. Alle sorgen dafür, dass der Handball nicht allzu lange im Kopf bleibt, und das ist gut so!" Ganz verschwindet der Handball jedoch nie, so hatte auch Andersson vor der Saison Bedenken, ob der Erfolg der vergangenen Jahre zu wiederholen wäre. "Wir sind nicht so gut in die Spielzeit gestartet. Ich hatte dann das Gefühl, dass es sicher nicht so leicht wird wie früher", gibt er zu. Ernsthafte Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit des THW habe er allerdings nie gehabt, auch heute sei die Mannschaft noch nicht an ihrem Limit angekommen. Viereinhalb Jahre ist Andersson nun ein Zebra. Jedes Jahr stand er mit mindestens einem Titel auf dem Rathausbalkon, somit stehe der THW Kiel für ihn für Kontinuität. "Das ist schon etwas Einmaliges hier in Kiel. Nicht nur das Team hat eine Top-Qualität, sondern auch das Team ums Team arbeitet reibungslos." Dies ist sicherlich auch einer der Gründe, weshalb der THW Kiel gerade für ihn und für alle Schweden ein Traumverein ist. "Ich fühle mich hier richtig wohl. Und ich kann mir zurzeit nicht vorstellen, bei einem anderen Verein zu spielen."

ZEBRA:
Wie läuft die erste Saison ohne Stefan?
Kim Andersson:
Wir spielen ja nicht nur ohne Stefan Lövgren, sondern auch ohne Nikola Karabatic und Vid Kavticnik. Mit sieben Neuzugängen haben wir ein fast komplett neues Team. Dafür, dass Stefan der Kopf des Team war und nun nicht mehr da ist, läuft es ganz gut. Alle drei Spieler waren wichtig für uns, doch die Neuen passen ebenso perfekt ins Team.
ZEBRA:
Ist eine Ordnung im Team vorhanden?
Kim Andersson:
Einige Spieler mussten ihre Positionen ändern und auf dem Spielfeld neue Aufgaben erfüllen. Gerade auf der Mitte-Position springen einige ein und machen ihre Sache gut. Aron Palmarsson kann, wenn er noch mehr Routine bekommt, ein ganz großer werden. Von Daniel Narcisses individueller Stärke bin ich jedoch auch beeindruckt. Wir sind aber alle Profis und halten als Mannschaft zusammen. Keiner allein kann Stefan ersetzen, wir können aber die Lücke, die er hinterlassen hat, so gut es geht versuchen zu füllen.
ZEBRA:
Du sagtest im vergangenen Jahr, dass wahrscheinlich kein Spieler allein Stefans Position so ausfüllen kann. Wie siehst du das heute?
Kim Andersson:
Stefan hat große Schuhe angehabt, in die einer alleine gar nicht rein passt. Marcus Ahlm ist ein toller Kapitän, aber auch er braucht Zeit für diese Aufgabe. Und wir sind nun alle da, um gemeinsam diese Aufgabe mit zu erfüllen.
ZEBRA:
Wir schwer fällt es dir, so oft von zu Hause weg zu müssen?
Kim Andersson:
In der letzten Zeit war es unfassbar schwer zu gehen. Auch als meine Frau Sandra noch schwanger war und ich nicht alles miterleben konnte. Ein "normaler" Beruf erfordert aber auch Arbeitszeiten von 7 Uhr morgens bis abends 17 Uhr - viel mehr Zeit bleibt dann vielleicht auch nicht für die Familie als bei mir als Handballspieler.
ZEBRA:
Der Handball ist dein Leben - aber du freust dich auf jetzt schon auf das Leben danach in deinem Haus in Ystadt?
Kim Andersson:
Ja natürlich. Wir haben dort ein Haus mit Garten. Ich habe aber nun wirklich keinen grünen Daumen. Ich bin zwar gern im Garten, auch hier in Kiel, ich entspanne dort, aber arbeiten - nein. Ich habe einfach zwei linke Hände, was das anbelangt!
ZEBRA:
Entspannung steht nun erst einmal nicht an - im Januar geht's zur Europameisterschaft nach Österreich ...
Kim Andersson:
Wir wollen besser sein als beim letzten Mal. Also müssen wir dafür Platz vier erreichen. Dafür benötigen wir allerdings eine ordentliche Portion Glück, denn wir sind mit Slowenien und Deutschland in keiner leichten Gruppe gelandet. Ich hoffe, dass die knappe Zeit vorher reicht, damit die Mannschaft eine Einheit wird. Vor uns steht eine schwere Aufgabe. Ich bin allerdings der Meinung, dass für uns alles drin ist!
(aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra", von living sports)


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