THW-Logo
09.07.2013 DHB / Nationalmannschaft

Kieler Nachrichten: Schnellboot ausgebremst

Deutscher Handballbund zieht Bewerbung um die Männer-WM 2019 zurück

Aus den Kieler Nachrichten vom 09.07.2013:

Bielefeld. Bob Hannings Mitteilungsbedürfnis wird in der Handballszene von manchen nur kopfschüttelnd ertragen. Oft trifft der in Berlin sehr erfolgreich arbeitende Manager jedoch mit seinen Einwürfen präzise ins Eck. Der "FAZ" lieferte Hanning, der Mitte September beim DHB-Bundestag dem neuen Präsidium um den designierten Chef Bernhard Bauer als Vizepräsident Leistungssport angehören will, vor drei Wochen diese markanten Sätze: "Im Verband haben zu viele sofort eine Erklärung, warum Dinge nicht gehen. Das muss sich ändern. Der DHB ist ein Tanker, der in Hamburg hält, wenn er in Bremen bremst. Wir brauchen ein paar Schnellboote."
Schmeichelhaft ist eine solche Beschreibung nicht für die Amtsinhaber in der Dortmunder Verbandszentrale. So überrascht es kaum, dass es kurz vor der geplanten Übergabe der Geschäfte zum Frontalzusammenstoß gekommen ist. Die erst vorigen Dienstag bekannt gewordene Bewerbung Deutschlands um die Austragung der Männer-Weltmeisterschaft 2019 ist erst einmal hinfällig, weil Bauer und Hanning diese offenbar ohne Wissen der Altvorderen platzierten. Noch-Präsident Ulrich Strombach (69) hat die Bewerbung, die von einem "nicht befugten und damit in diesem Fall nicht kompetenten Mitarbeiter des DHB" (Strombach) auf der Internetseite des Weltverbandes IHF hinterlegt wurde, jedenfalls zurückgezogen.

Vollbremsung in Altona, Stopp in Hamburg! Der Kapitän weiß seine Offiziere sogar "einstimmig" hinter sich. Die Absichtserklärung sei "nicht vom DHB-Präsidium autorisiert und damit nicht wirksam". Überrumpelt haben sie sich gefühlt, so viel ist klar, aber die Wahrnehmung brüskiert worden zu sein, kennt jetzt auch Bauer mit seinem Schattenkabinett. Von der international vermutlich amüsiert zur Kenntnis genommenen Peinlichkeit einer formal misslungenen WM-Bewerbung erfuhr auch er nur über Medien. "Ich weiß davon nichts. Ich habe bisher nicht mit Herrn Strombach gesprochen", sagte Bauer (62), der einst das Tor von Frisch Auf Göppingen hütete.

Offiziell begründete Strombach sein Einschreiten nun damit, dass den DHB die Ausrichtung der Frauen-WM 2017 auslaste. Dass sich Brasilien zutraut, innerhalb eines vergleichbaren Zeitraums Mega-Ereignisse wie Fußball-WM (2014) und Olympische Spiele (2016) zu stemmen, beflügelte die Phantasie des Gummersbachers keineswegs. Allerdings will Strombach der künftigen DHB-Spitze über einen Antrag auf Verlängerung der Bewerbungsfrist (2. September 2013) den Weg zur WM 2019 in Deutschland offen halten. Er beharrt aber darauf: "Sich für ein solches Großereignis wie eine Männer-WM zu bewerben, das nur 13 Monate später stattfindet, zeugt nicht von einer Reflektion der Gesamtumstände eines ehrenamtlich geführten Verbandes."

(von Torsten Ziegler, aus den Kieler Nachrichten vom 09.07.2013)


(09.07.2013) Ihre Meinung im Fan-Forum? Zur Newsübersicht Zur Hauptseite