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10./11.08.2008 - Letzte Aktualisierung: 11.08.2008 Olympia 2008 / Nationalmannschaft

Deutschland startet mit Sieg ins olympische Turnier

Update #1 Spielbericht der KN ergänzt ...

Mit einem hart erkämpften 27:23 (10:13)-Erfolg gegen Südkorea ist die deutsche Handball-Nationalmannschaft ins olympische Turnier gestartet. Eine gute Abwehrarbeit mit einem überragenden Johannes Bitter im Tor sowie eine gesteigerte Angriffsleistung im zweiten Durchgang waren die Garanten für den Erfolg, der erst in den letzten zehn Minuten unter Dach und Fach gebracht werden konnte. Bester Werfer auf deutscher Seite war Michael Kraus mit sieben Toren.
Schwer tat sich die DHB-Auswahl über weite Strecken ihres Olympia-Debüts. Vor allem Ilkoo Kang im Tor der Südkoreaner stellte das deutsche Team vor lange Zeit unlösbare Aufgaben. Nach einem ausgeglichenen Start waren zahlreiche technische Fehler in der Schlussphase der ersten Hälfte maßgeblich für die 13:10-Führung der Südkoreaner zur Pause.

Dominik Klein eröffnete mit einem blitzsauberen Dreher kurz nach Wiederanpfiff die Aufholjagd des DHB-Teams. Doch es sollte bis zur 42. Minute dauern, ehe Pascal Hens mit seinem ersten Treffer beim 17:17 den Ausgleich erzielen konnte. Kurz darauf traf Klein per Tempogegenstoß zum 18:18 - das deutsche Team schien sich nun förmlich in die Begegnung hinein zu kämpfen. Hens und Jansen per Siebenmeter besorgten elf Minuten vor dem Ende die erste deutsche Führung nach langer Zeit, doch Südkorea blieb dran. Indes: Kang hatte für die deutschen Angreifer seinen Schrecken verloren, ein Schlüssel zum Erfolg.

Hens und Kraus besorgten die erste Drei-Tore-Führung (53.) und als Roggisch für zwei Minuten auf die Bank geschickt wurde, machte das DHB-Team in Unterzahl den Sack zu: einmal Hens und zweimal Kehrmann per Tempogegenstoß - drei Treffer innerhalb einer Minute ließen den Kampfeswillen der Südkoreaner erlöschen. Fünf Minuten vor dem Ende war die Partie damit beim Stand von 26:21 für die deutsche Mannschaft vorentschieden. Am Ende jubelte das DHB-Team über einen letztlich gelungenen Start ins Turnier, der nach den Schwächen der ersten Hälfte aber noch deutlich Luft nach oben ließ.

Im nächsten Spiel der Gruppe B trifft die deutsche Auswahl am Dienstag auf Island, das im ersten Turnierspiel Russland mit 33:31 besiegte.

(Christian Robohm)

Gruppe B, 1. Spieltag: 10.08.08, So., 15.45: Deutschland - Südkorea

Flagge GER Deutschland:
Fritz (1.-16. Minute, 1 Parade), Bitter (16.-60., 15 Paraden); Hens (4), Roggisch, Klein (2), Schwarzer (3), Köhrmann, Glandorf (4), Zeitz, Jansen (3/2), Klimovets, Kraus (7), Kehrmann (4), Haaß (n.e.); Trainer: Brand
Flagge KOR Südkorea:
Han (13 Minuten, 4 Paraden), Kang (47 Minuten, 11 Paraden); Jeong (4), Kim (1), Jung (2), J. Park (1), C. Park, K. Yoon (2), Cho (7/5), T. Lee (1), J. Lee (1), Paek (1), Ko (n.e.), K. Yoon (3)
Siebenmeter:
Deutschland: 2/2;
Südkorea: 7/5 (Bitter hält Yoon und Cho)
Zeitstrafen:
Deutschland: 3 ((Zeitz (28.), 2x Roggisch (39., 54.));
Südkorea: 3
Schiedsrichter:
Canbro / Claesson (SWE)
Spielfilm:
1. Hz.: 3:2, 6:7, 8:8 (17.), 10:11 (27.), 10:13;
2. Hz.: 12:13 (34.), 12:15 (36.), 14:16, 15:17 (39.), 17:17 (42.), 18:19 (48.), 21:19 (51.), 21:20, 23:20 (53.), 23:21, 26:21 (55.), 27:22 (57.), 27:23

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 11.08.2008:

Erleichterung nach einer späten Geburt

DHB-Team tat sich gegen Südkorea schwer
Peking - Als Heiner Brand 20 Minuten nach Abpfiff eine Absperrung überwinden wollte, stellte sich ihm eine diensteifrige Dame in den Weg. Die junge Chinesin ging freundlich, aber bestimmt zur Zonendeckung über und erwies sich für den Handball-Bundestrainer als unüberwindliches Hindernis. Seinem Team wäre es zuvor im Auftaktspiel gegen Südkorea fast ebenso ergangen.

Bis das 27:23 als Ergebnis auf der Anzeigentafel aufleuchtete, hatte der Weltmeister bange Minuten zu überstehen. 13:10 führten die Asiaten bei Halbzeit und 17:15 nach zwei Dritteln der Spieldauer. "Da hatte ich ein bisschen Angst, dass es schiefgehen könnte", gab Johannes Bitter zu. Dass dieser unangenehme Zustand überwunden werden konnte, lag entscheidend am deutschen Torhüter, der Henning Fritz Mitte der ersten Halbzeit nach nur einem gemeisterten Wurf abgelöst hatte und anschließend 52 Prozent aller auf ihn zufliegenden Bälle hielt. "In der zweiten Hälfte hat Bitter überragend gehalten", lobte der 35 Jahre alte Kyung-Shin Yoon, der die vergangenen beiden Spielzeiten gemeinsam mit Bitter beim HSV Hamburg verbracht hat und nun seine große Karriere in Peking ausklingen lässt. "Ich betrachte es als Geschenk, dass ich mit ihm spielen durfte", sagt Bitter über den siebenfachen Torschützenkönig der Bundesliga, Yoon sei der "höflichste Mensch, den ich kenne".

Für Höflichkeit ist im Sport wenig Platz, bei Olympia schon gar nicht. Es lag jedenfalls nicht am Naturell des Welthandballers von 2001, dass der spät, aber nicht zu spät einsetzende deutsche Angriffswirbel seine Wirkungskraft entfalten konnte. In der 49. Minute brachte Torsten Jansen den Weltmeister erstmals seit der 4. Minute beim 20:19 in Führung, danach überrollte die "zweite Welle" unaufhaltsam die flexible 3:3-Deckung der Asiaten. Hinterher waren alle mächtig erleichtert. "Südkorea hatte in der Vorbereitung zweimal Polen weggehauen, deshalb war unser Respekt groß", atmete Bitter auf. "Nach einigen aufregenden Minuten sind wir jetzt im Turnier drin", freute sich Routinier Christian Schwarzer.

THW-Linksaußen Dominik Klein, der zu Beginn der zweiten Halbzeit erstmals mitwirken durfte und nur 28 Sekunden brauchte, um dem starken Torhüter Ilkoo Kang einen Dreher ins Netz zu mogeln, ordnete die Partie als "schwierigstes Spiel der Vorrunde" ein: "Wir wussten, dass die Südkoreaner schnelle Beine haben würden, aber wir haben die Ruhe bewahrt, auch wenn es auf der Bank zeitweise hektisch zuging."

Etwas mehr Ruhe und weniger Hektik hätte auch Christian Zeitz gut gebrauchen können. Der Kieler kam nach 15 Minuten für Holger Glandorf, leistete sich zwei Fehlwürfe sowie einen Fehlpass und handelte sich beim Stand von 10:11 auch noch eine Zeitstrafe ein. Danach war die Partie für den Linkshänder vorzeitig beendet. "Es war halt ein typisches Auftaktspiel, man hat den Druck gespürt", befand Heiner Brand.

(von Gerhard Müller, aus den Kieler Nachrichten vom 11.08.2008)


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