01.10.2008 | Bundesliga / Mannschaft |
Vertreter der drei nördlichen Handball-Bundesligisten, allesamt mit ihren Teams Extraklasse der "stärksten Liga der Welt", hatten gestern im Kieler "Haus des Sports" zusammengefunden, um sich traditionell den Fragen der Mitglieder der Vereinigung Schleswig-Holsteinischer Sportjournalisten zu stellen. Mit einem Monat Verspätung übrigens, die Olympischen Spiele machten einen Strich durch den gewohnten Termin vor der Handball-Saison. Terminhetze war gestern auch ein Hauptanliegen in der Diskussionsrunde. Es habe sich eine eigene Arbeitsgruppe gegründet, um alle Möglichkeiten auszuloten, den Spielbetrieb verträglicher zu gestalten, nannte Uwe Schwenker als ein Ergebnis der Zusammenkunft zwischen Vereinen und der Europäischen Handball Föderation (EHF) vom Wochenende in Wien. "Bis zum Jahr 2012 wird aber nichts passieren."
Der Rhythmus mit der Belastung von fünf großen Turnieren für Nationalmannschaften in vier Jahren wird also vorerst bestehen bleiben. "Und weiterhin auf den Schultern der immer gleichen Spieler ausgetragen", monierte Martin Schwalb. "Bei Europa-, Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen wollen Fans, Fernsehsender oder Sponsoren eben nur die Besten sehen." Die Vereine hätten allerdings ein großes Interesse daran, "unser Kapital, und das sind die Spieler, zu schätzen", bezog Dahl-Nielsen Stellung für die Klubs. "Zuletzt war es nicht mehr seriös, was wir den Spielern und Fans zu bieten hatten. Die Jungs sind nicht mehr fit."
Das gehe tatsächlich weit über die Schmerzgrenze hinweg, bestätigte HSV-Manager "Piet" Krebs. Gedankenspiele, die Liga auf 16 oder 14 Vereine zu reduzieren, erteilte Schwenker eine klare Absage. Finanziell sei das nicht machbar, "zwei Vereine weniger bedeutet allein für den THW 300 000 Euro Mindereinnahmen." Eine Idee, die Martin Schwalb ("Im Herzen bin ich ein kleiner Revoluzzer") indes diskussionswürdig fand. "Bevor in vier Jahren eine Entscheidung gefallen ist, verlieren wir eine Handballgeneration." Schwenker warf dagegen den Spielern Heuchelei vor: "Die fahren gerne zur Nationalmannschaft, denn dort bekommen sie viel Geld als Abstellgebühr." In Dänemark bis zu 50 000 Euro, bestätigte Dahl-Nielsen. "Da müssen wir ran, das ist auch bei uns ein wichtiges Thema." rp
(Von Reimer Plöhn, aus den Kieler Nachrichten vom 01.10.2008)
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