26.01.2004 | EM 2004 / Nationalmannschaften |
Slowenien, nur halb so groß wie die Schweiz und bewohnt von rund zwei Millionen Menschen, hat sein großes Turnier bereits. Es löst Begeisterung in der Bevölkerung aus und hohe Anerkennung bei den Teams mitsamt Anhang. An allen vier Spielorten Ljubljana, Celje, Velenje und Koper schwärmen die Beteiligten über eine perfekte Organisation. In den Hallen und den Arbeitsbedingungen gibt es keine Beschwerden. "Außerdem sind die Leute in Slowenien total freundlich und zuvorkommend", sagt Henning Fritz, die Kieler Nummer eins im deutschen Tor.
Lob gibt es auch von höchster Trainerstelle. "Sehr gut. So etwas habe ich bisher nirgendwo erlebt", schwärmt Deutschlands Chef-Übungsleiter Heiner Brand. Der 51-Jährige ist als Trainer und Spieler schon bei vielen Turnieren gewesen, er weiß, wovon er spricht.
Es läuft tatsächlich rund. Lange vor dem Startschuss waren Hallen und Arbeitsbereiche fertig gestellt. Die Spiele sind fast überall ausverkauft, das Interesse im Lande ist riesig, selbst bei Begegnungen ohne slowenische Beteiligung. Ein fachkundiges und begeisterungsfähiges Publikum verwandelte auch die Begegnungen in Koper, dem deutschen Vorrunden-Ort, zu Veranstaltungen mit hohem Spaß-Faktor. 3000 waren live dabei, weitere 1500 auf einer Großbild-Leinwand in einem Zelt direkt neben der Arena mit Musik und Getränken.
Alles funktioniere so prächtig, weil sich die Helfer so vorbildlich einsetzten, erklärt Robert Rakar, der Pressechef von Koper. Voraussetzung sei die Handball-Begeisterung im Lande, und die sei in dem erst seit 1991 unabhängigen Slowenien mit der Qualifikation für Sydney 2000 enorm angestiegen: "Vor zwei Jahren haben wir die EM bekommen. Es ist ein institutioneller Erfolg, der sich zum sportlichen gesellt."
Sloweniens Handball-Präsident Zoran Jankovic gibt sich mit dem Erreichten allerdings längst nicht zufrieden. Man befinde sich jetzt auf der Spitze des Berges und wolle nicht mehr herunter, formuliert er. Als nächstes Ziel definiert Jankovic "die Frauen-WM oder die bei den Männern." Ein neuer Konkurrent also für Deutschland, ein potenter dazu. Und mit einem Präsidenten, der weiß, wie es geht: "Es ist wie in der Wirtschaft. Wenn man ein gutes Produkt besitzt, aber ein schlechtes Management, dann bleibt der Erfolg aus." Gut möglich, dass Deutschland noch lange warten muss.
(Von Reimer Plöhn, aus den Kieler Nachrichten vom 26.01.2004)
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