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07.01.2008 Nationalmannschaften

Licht und Schatten für Schweden auf dem Balkan

Von Dr. Oliver Schulz:

Am Dreikönigswochenende nahm Schweden im Rahmen seiner EM-Vorbereitung am traditionellen Croatia-Slovenia Cup teil. Bereits im Vorfeld aber auch während der Anreise trafen für das Team einige ungeplante Ereignisse ein. Am Samstag verlor es dann zunächst gegen das stark verjüngte Kroatien mit 31:26. Tags darauf bezwangen die Blau-Gelben Slowenien mit 34:31.
Haushaltsunfall zwingt Ahlm zum Zuschauen
Kiels Weltklasse-Kreisläufer Marcus Ahlm verletzte sich am Mittwoch beim Versuch, eine Avocado aufzuschneiden, am linken Zeigefinger. Das Infektionsrisiko der Wunde, die im Krankenhaus mit drei Stichen genäht werden mußte, zwingt den Schoninger zu einer knapp einwöchigen Trainingspause. Somit verpasst Ahlm zwar wichtige Vorbereitungstage mit der Mannschaft, sein Einsatz bei der EM ist jedoch nicht gefährdet.

Für Ahlm nominierte Trainer Ingemar Linnell den Kopenhagener Mattias Gustavsson nach. Zudem verzichtete der Coach auf dem Balkan auf den erkälteten Abwehrstrategen Magnus Jernemyr, seinen erfahrenen Torhüter Tomas Svensson, der sich in Spanien fit hielt, sowie Henrik Lundström, der zu Silvester Vater geworden war.

Vor der Abreise mit Kurs Südost trafen sich die Spieler am Donnerstag in der Söderkulla Sporthall in Malmö zu einem lockeren Training - jener Halle also, in der einst Torhüterlegende Mats Olsson seine erfolgreiche Karriere im Trikot von Dalhems IF begonnen hatte. Der verletzte Ahlm weilte nur als Zuschauer bei der Übungseineit. Während seine Kollegen direkt im Anschluss zum Kopenhagener Flughafen Kastrup mit Ziel Zagreb aufbrachen, trat der Ausnahme-Kreisläufer die Reise nach Kroatien nicht an. Für ihn stand dagegen Kraft- und Fitnesstraining in der Heimat auf dem Programm.

Reisegepäck traf verspätet ein
Mit deutlicher Verspätung traf der schwedische Tross schließlich Donnerstag Nacht gegen 2.30 Uhr im Hotel im kroatischen Porec ein. Zu diesem Zeitpunkt fehlte eine ganze Reihe privater und trainingsrelevanter Gepäckstücke, die die Fluggesellschaft später anlieferte. Ein kleines Ausmaß an Belastung durchleben zu müssen, sei durchaus von Nutzen. Die Sache mit dem Gepäck sei nicht so gefährlich. Wirklich unglücklich dagegen sei, dass Marcus Ahlm das Trainingslager verpasse, zumal dieser doch ein eminent wichtiger Bestandteil des Mannschaftsgefüges sei, stellte Co-Trainer Ola Lindgren gegenüber "Göteborgs Posten" fest.
Auftaktniederlage gegen Kroatien
Am Samstag feuerten 2300 Zuschauer den WM-Fünften Kroatien im heimischen Pula an. Deren Trainer Lino Cervar gönnte seinem kompletten erfahrenen Rückraum - Blazenko Lackovic, Ivano Balic und Kapitän Petar Metlicic - eine Pause und probierte statt dessen eine Reihe taktischer Varianten mit vielversprechenden Nachwuchskräften wie Duvnjak, Kopljar, Josip Valcic und Vukovic aus. Die junge Truppe setzte die Gäste aus dem hohen Norden nichtsdestoweniger gehörig unter Druck. Zudem war Kim Andersson der einzige Schwede, der einen Siebenmeter verwandeln konnte. Drei von vier Strafwürfen verfehlten ihr Ziel.

Für Blau-Gelb trugen sich nicht weniger als elf Mann in die Torschützenliste ein. Bester Werfer war Ciudad Reals Linksaußen Jonas Källman, der fünf Treffer markierte. Der frühere Kieler Martin Boquist war in seinem 200. Länderspiel dreimal erfolgreich. Bei den Hausherren hinterließen die beiden jungen Zagreber, Mittelmann Domagoj Duvnjak (19) und der 2.10 Meter lange Halbrechte Marko Kopljar (21), einen ausgezeichneten Eindruck. Ihr erfolgreichster Schütze war der Gummersbacher Vedran Zrnic mit sechs Toren.

Sein Team habe zuviele technische Fehler begangen, um ein solches Spiel nach Hause zu fahren. Es habe in beiden Halbzeiten zwar gut angefangen, sei in der Abwehr aber nicht voll zur Sache gegangen. Der eigene Einsatz habe ein wenig wie eingerostet gewirkt. Dadurch sei der Gegner zu leicht in gute Positionen gekommen. Kroatien habe zudem einige neue Akteure aufgeboten, die darauf gebrannt hätten, ihr Können unter Beweis zu stellen, kommentierte Linnell gegenüber der Nachrichtenagentur TT.

05.01.08, Sa., 16.00: Kroatien - Schweden: 31:26 (14:11)

Kroatien:
Alilovic (9 Paraden), Somic (3 Paraden); Sulic (3), Duvnjak (2), Zrnic (6), Kopljar (3), Vori (3), Horvat (1), Vukovic (3), Spoljaric (4), Josip Valcic (2), Vukic (4)
Schweden:
Beutler (9 Paraden); Källman (5), Andersson (4/1), Boquist (3), Petersson (2), Lennartsson (2), Doder (2), Arrhenius (2), Carlen (2), Gustavsson (2), Larholm (1), Petersen (1)
Schiedsrichter:
Krstic / Ljubic (SLO)
Zeitstrafen:
Kroatien: 3;
Schweden: 1
Siebenmeter:
Kroatien: 3/2;
Schweden: 4/1
Zuschauer:
2300 (Dom Sportova, Pula (CRO))
Abschließender Sieg gegen Slowenien
Gegen Slowenien zeigte sich das schwedische Team deutlich verbessert. Im zweiten Durchgang machte sich die solide Abwehrarbeit der Nordeuropäer bezahlt, als Kapitän Uros Zorman & Co. innerhalb von 20 Minuten nur sechs Bälle im mittlerweile von Dan Beutler gehüteten Tor unterbringen konnten. Nach der Pause sei man viel selbstbewusster aufgetreten, schilderte Kim Andersson TT und sah die hohe Zahl der Torschützen als wichtige Stärke seiner Mannschaft an.

Unter den neun schwedischen Schützen ragte Kreisläufer Robert Arrhenius mit acht Treffern heraus. Im Gegensatz zur mageren Strafwurfausbeute vom Vortag wurden diesmal alle fünf Siebenmeter verwandelt. Slowenien hatte seine erfolgreichsten Werfer in Linksaußen Luka Zvizej (7/2) und Miladin Kozlina (6). Vid Kavticnik trug drei verwandelte Siebenmeter bei, wohingegen Roman Pungartnik ein Tor gelang.

Am Vormittag nach der Niederlage gegen Kroatien sei man die Sache ruhig angegangen und habe die Partie noch einmal unter taktischen Gesichtspunkten durchgesprochen. Das habe gefruchtet, ließ ein sichtlich zufriedener Ingemar Linnell verlauten. Am Anfang habe das schwedische Spiel nicht funktioniert. In der zweiten Halbzeit sei es dann lockerer zugegangen, und seine Mannschaft habe mit fünf, sechs Toren geführt. Dabei seien die Treffer sowohl von außen als auch über die Mitte gefallen. Für die folgenden Partien sehe es daher vielversprechend aus, fuhr der Coach fort.

06.01.08, So., 14.30: Slowenien - Schweden: 31:34 (21:20)

Slowenien:
Rezar (5 Paraden), Skof (4 Paraden), Lapajne (1 Parade); Kozlina (6), Jure Dobelsek, Backovic (2), Kavticnik (3/3), Mlakar (1), Kavas (4), Pungartnik (1), Spiler (4), Praznik, Gajic (1), Scurek (1), Luka Zvizej (7/2), Zorman (1)
Schweden:
Sandström (3 Paraden), Beutler (6 Paraden); Boquist (2), Petersen (2), Andersson (4/3), Källman (3), Petersson (4), Lennartsson (2), Doder (5), Gustafsson, Arrhenius (8), Larholm (4/2), Carlen, Karlsson
Schiedsrichter:
Krstic / Ljubic (SLO)
Zeitstrafen:
Slowenien: 2;
Schweden: 6
Rote Karte:
Schweden: Andersson (50.) nach dritter Zeitstrafe
Siebenmeter:
Slowenien: 6/5;
Schweden: 5/5
Zuschauer:
2000 (Halle Bonifika, Koper (SLO))
Die restlichen Spiele des Croatia-Slovenia Cups

05.01.08, Sa.: Slowenien - Bosnien/Herzegowina: 29:28 (15:16)

Slowenien:
Rezar (10 Paraden), Lapajne (8 Paraden), Skof (5 Paraden); Kozlina (1), Jure Dobelsek, Backovic (3), Kavticnik (2), Mlakar (1), Kavas (2), Pungartnik (3), Spiler (2/1), Praznik, Gajic, Scurek (1), Luka Zvizej (7/2), Zorman (7)
Bosnien/Herzegowina:
Tahirovic (21 Paraden), Grahovac, Sabanovic; Jaskic (7/3), Doborac (1), Malesevic, Veselinov (1), Cakic, Obradovic (2), Harmandic (2), Cehajic, Mustafic, Prce (6), Stojanovic (3/1), Terzic, Toromanovic (5)
Schiedsrichter:
Saraljic/Vukosic (CRO)
Zeitstrafen:
Slowenien: 5;
Bosnien/Herzegowina: 3
Siebenmeter:
Slowenien: 6/3;
Bosnien/Herzegowina: 7/4
Zuschauer:
2000 (Halle Bonifika, Koper (SLO))

06.01.08, So.: Kroatien - Bosnien/Herzegowina: 32:28 (14:16)

Kroatien:
Jerkovic (3 Paraden), Alilovic (4 Paraden); Kaleb, Sulic (2), Duvnjak (2), Zrnic (4), Kopljar (1), Vori (2), Dominikovic, Horvat (3), Vukovic (7), Spoljaric (2), Josip Valcic (1), Vukic (3), Tonci Valcic (5)
Bosnien/Herzegowina:
Grahovac (2 Paraden), Sabanovic (12 Paraden); Jaskic (6), Doborac (3), Malescevic (1), Veselinov (1), Cakic, Obradovic, Harmandic (1), Cehajic, Mustafic, Prce (2), Stojanovic (8), Terzic (2), Toromanovic (4)
Zuschauer:
1000 (SRC Veli Joze, Porec (CRO))
Schwedens letzte Etappe vor der EM
Vor dem Startschuss zur EM trifft die schwedische Mannschaft nach einigen gemeinsamen Tagen in der Hauptstadt noch zweimal auf die Schweiz. Die Eidgenossen werden zunächst am Donnerstag den 10. Januar in der Stockholmer Eriksdalshalle - Heimspielstätte von Meister Hammarby - empfangen. Tags darauf stehen sich beide Länder in der Anlage Fyrishov im 70 Kilometer entfernten Uppsala erneut gegenüber. Hier werde es um die Abstimmung von Feinheiten gehen, verriet Lindgren "TV4". Im schwedischen Lager geht man davon aus, bis dahin Ahlm, Jernemyr und Svensson wieder an Bord zu haben.

Slowenien misst sich an den gleichen Tagen in Bratislava zweimal mit der Slowakei. Die Slowaken wiederum werden bei der EM einer der Gruppengegner des Tre Kronor Teams sein.

(von Dr. Oliver Schulz)


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