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02.06.2010 Mannschaft

ZEBRA: Daniel Narcisse: Air France fliegt wieder

Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "ZEBRA", von living sports:

Daniel Narcisse.
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Seit Anfang der laufenden Saison ist Daniel Narcisse nun ein Teil der Zebraherde, doch von Verletzungen gebeutelt kommt der 30-Jährige erst seit einigen Wochen wieder so richtig in Fahrt - oder besser: ins Fliegen.
Nur wenige Tage vor dem Start in die laufende Saison sorgte der THW Kiel für einen echten Transfer-Coup: "Air France in Kiel gelandet." So titelten die Gazetten im vergangenen Jahr, doch damit war keinesfalls ein spektakulärer Standortwechsel der französischen Fluggesellschaft in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt gemeint. "Air France", das ist im Handball-Sprachgebrauch der französische Neuzugang Daniel Narcisse, der die Kieler Zebraherde seit Ende August vergangenen Jahres verstärkt. Narcisse erhielt jenen Spitznamen aufgrund seiner gewaltigen Sprung- und Flugfähigkeiten. Sieht man ihn in Aktion, weiß man, warum der 30-Jährige diesen Beinamen trägt, den ihm die Presse einst gab. Problemlos und galant schraubt er sich beim Wurf in die Höhe und fliegt übers Handballparkett, als sei es das Einfachste und Natürlichste auf der Welt. Als Grund für seine außergewöhnliche Sprungkraft gibt er die guten Gene an, die ihm seine Eltern mit auf den Weg gaben, weiß aber auch, dass er es durch gezielte Talentförderung in die Beletage des Handballs geschafft hat.

Doch es war ein langer Weg, ehe Narcisse, der mit der französischen Nationalmannschaft bereits alle möglichen Titel gewann, in die schwarz-weiße Zebra-Tracht springen konnte. Sein ehemaliger Arbeitgeber, der französische Spitzenclub Chambery Savoie HB, war im vergangenen Jahr in Finanznöte geraten, und der Verkauf Narcisses sollte wieder Geld in die leeren Kassen spülen. Daraufhin begann der Poker um den Topmann, der vor 30 Jahren auf der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion im Indischen Ozean geboren wurde. Die Kieler bekundeten Interesse, doch waren auch andere Topclubs aus ganz Europa hinter dem hochdekorierten Mittelmann her. Beinahe jeden Tag kamen neue Wasserstandsmeldungen, ehe Ende August das Tauziehen endgültig entschieden war und berichtet werden konnte: "Air France in Kiel gelandet". Trotz einer Rekordablösesumme, die für ihn bezahlt wurde, um ihn nach Kiel zu lotsen, macht sich der Vater eines Sohnes und einer Tochter selber keinen Druck. Er wisse nicht, wie viel er tatsächlich gekostet habe, er wolle lieber Titel gewinnen und sich mit den besten Spielern der Welt messen.

Doch mit dem Kräftemessen war es in dieser Saison nicht so leicht - so kam im Dezember die erste verletzungsbedingte Pause auf den Mittelmann zu. Im Spiel gegen den TuS N-Lübbecke verletzte sich Narcisse, der von 2004 bis 2007 schon beim VfL Gummersbach in der Bundesliga spielte - davon auch einige Zeit unter THW-Trainer Alfred Gislason - den kleinen Finger der rechten Wurfhand. Eine Operation und eine daraus resultierende Pause waren die Folge. Wieder genesen konnte der Ehrenbürger seiner Heimatstadt Joinville zur Europameisterschaft nach Kroatien fahren, erkaufte sich den Gewinn des kontinentalen Titels jedoch sehr teuer. Zum Ende der Finalpartie gegen den Gastgeber Kroatien stauchte sich der 1,89-Meter-Mann das Knie, in Kiel kam dann die ganze Hiobsbotschaft ans Licht. Das MRT zeigte freie Gelenkkörperchen und einen beschädigten Außenmeniskus. Die notwendige Operation hatte ein erneutes mehrwöchiges Flugverbot für "Air France" zur Folge, doch ließ sich der Olympiasieger aus dem Jahr 2008 davon nicht klein kriegen. Er arbeitete hart und akribisch an seiner Genesung und konnte Anfang März sein lang erwartetes Comeback feiern. In der Champions-League-Partie gegen Vardar Skopje knüpfte Narcisse zwar noch nicht gleich an seine früheren Leistungen an, freute sich aber über die Jubelstürme, die aufbrandeten, als er nach drei Monaten das erste Mal wieder die Bretter der heimischen Sparkassen-Arena betrat. Mitte April traf ihn daraufhin dann doch noch einmal ein Flugverbot - jedoch kein verletzungsbedingtes. Narcisse weilte mit seinen Nationalmannschaftskollegen auf Island und wurde vom Asche speienden Vulkan Eyjafjallajökull gestoppt - sportlich jedoch war "Air France" zu diesem Zeitpunkt bereits längst wieder auf steigendem Kurs.

(von Rika Finck, aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "ZEBRA", von living sports)


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