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27./28.10.2010 - Letzte Aktualisierung: 28.10.2010 EM 2012

EM-Quali: DHB-Team rettet Unentschieden gegen Österreich

Update #2 KN-Bericht ergänzt ...

Die Europameisterschaft 2012 findet in Serbien statt.
Die Europameisterschaft 2012 findet in Serbien statt.
Zum Auftakt der Qualifikationsrunde für die Europameisterschaft 2012 musste sich die deutsche Handball-Nationalmannschaft in Göppingen mit einem 26:26-Unentschieden gegen Österreich begnügen. Nach einer erschreckend schwachen ersten Halbzeit und 8:14-Rückstand kämpfte sich das DHB-Team heran, den einzigen Ausgleichstreffer der gesamten Partie zum Endstand markierte Adrian Pfahl wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff.
Ohne die verletzten Leistungsträger Pascal Hens, Michael Kraus, Lars Kaufmann und Sebastian Preiß fand die deutsche Mannschaft absolut gar nicht ins Spiel. Vor allem der Angriff wirkte zunächst völlig ideen- und konzeptlos, hinzu kamen allein fünf (!) verworfene Siebenmeter in den ersten 20 Minuten. Österreich spielte im Positionsspiel zwar auch nur geringfügig gefälliger, wurde aber durch deutsche Fehler zu einfachen Toren eingeladen und hatte in Nikola Marinovic den besseren Keeper. So führten die Gäste nach 18 Minuten verdient mit 7:3. Erst durch drei Zeitstrafen binnen 100 Sekunden und damit eine fast vierminütige Überzahlsituation konnte der Weltmeister von 2007 bis auf 7:8 verkürzen - obwohl Viktor Szilagyi Silvio Heinevetter auch in doppelter Unterzahl überwinden konnte und Dominik Klein in einer 6-gegen-3-Situation an Marinovic scheiterte. Doch die kleine Aufholjagd fand schnell wieder ein Ende, die Österreicher zogen bis zur Pause wieder auf 14:8 davon.

Nach dem Seitenwechsel wurde das deutsche Spiel besser: Christophersen, Haaß und der mit sieben Treffern beste Torschütze, Adrian Pfahl, läuteten die Verfolgung ein. Mitte der zweiten Halbzeit war das DHB-Team bereits auf Tuchfühlung, doch der Ausgleichstreffer zum 19:19 wollte nicht gelingen. Stattdessen zogen die Österreicher, bei denen Ex-Zebra Viktor Szilagyi sechs Treffer erzielte, wieder an und schienen beim Stand von 20:24 endgültig auf der Siegerstraße zu sein.

Heiner Brand stellte in der Schlussphase seine Abwehr auf eine 4:2-Deckung um mit den vorgezogenen Dominik Klein und Uwe Gensheimer. Österreich kam mit dieser Formation nicht klar, schien den Vorsprung aber nach einem weiteren Treffer Szilagyis zum 24:26 eine Minute vor Schluss über die Zeit retten zu können. Doch Deutschland verkürzte prompt, und als die südlichen Nachbarn 30 Sekunden vor Schluss den Ball verloren, war die erneute Chance zum Ausgleich gegeben. Wenige Sekunden vor der Sirene traf Pfahl zum umjubelten 26:26, der letzte Wurf der Österreicher von der Mittellinie wurde erfolgreich geblockt.

"Wir haben zwei total unterschiedliche Halbzeiten gesehen. Ich hoffe, die Spieler haben erkannt, dass ohne Leidenschaft nichts geht, das fängt beim Wurf an und hört in der Abwehr auf", analysierte Assistenztrainer Martin Heuberger. Und DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier meinte: "Dem Spielverlauf nach muss man von einem gewonnenen Punkt sprechen. Die Angriffsleistung in der ersten Halbzeit hatte kein internationales Niveau. Im zweiten Durchgang hat unsere Abwehr den Gegner zu Fehlern gezwungen, was uns wieder ins Spiel brachte. Mit viel Kampf sprang noch ein Zähler heraus, über den wir angesichts von sechs vergebenen Siebenmetern heilfroh sein können."

Am Sonntag steht für Deutschland bereits das zweite Qualifikationsspiel in Lettland an.

Lesen Sie bitte auch den Spielbericht der Kieler Nachrichten.

27.10.10, Mi., 18.15: Deutschland - Österreich: 26:26 (8:14)

Deutschland:
Heinevetter, Lichtlein (n.e.); Kneer (1), Gensheimer (3), Roggisch, Klein (1), Pfahl (7/1), Strobel, Heinl, Flohr (1), Glandorf (1), Christophersen (4), Späth, Schöne (1), Sprenger (2), Haaß (5); Trainer: Brand
Österreich:
Bauer (n.e.), Marinovic; Fölser (3), Djukic, Bozovic (3), Wöss, Mayer, Szilagyi (6), Posch, Wilczynski (3/2), Friede, Schlinger (5), Wagesreiter (1), Vizvary, Weber (5/1), Lint; Trainer: Andersson
Schiedsrichter:
Kim Andersen / Per Morten Sodal (Norwegen)
Zeitstrafen:
Deutschland: 2 (Sprenger, Haaß);
Österreich: 7 (2x Fölser, 2x Schlinger, Bozovic, Wagesreiter, Wilczynski)
Rote Karte:
Österreich: Wagesreiter (38.)
Siebenmeter:
Deutschland: 7/1 (Gensheimer an die Latte; Haaß, Gensheimer, Klein und 2x Pfahl scheitern an Marinovic);
Österreich: 5/3 (Wilczynski an die Latte, Weber scheitert an Heinevetter)
Spielfilm:
1. Hz.: 0:4, 1:4 (7.), 3:5, 7:8 (22.), 8:14;
2. Hz.: 12:16, 18:19 (45.), 19:23, 23:25, 24:26, 26:26.
Zuschauer:
5.200 (ausverkauft) (EWS-Arena, Göppingen)

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 28.10.2010:

Adrian Pfahl verhinderte Blamage

Last-Minute-Tor zum 26:26 gegen Österreich
Göppingen. Die deutschen Handballer haben in letzter Sekunde eine Blamage abgewendet und sich gestern zum Auftakt der EM-Qualifikation zu einem Punktgewinn gezittert. Adrian Pfahl rettete dem ersatzgeschwächten Ex-Weltmeister mit seinem Tor vier Sekunden vor Schluss das 26:26 (8:14) gegen Österreich. Das deutsche Team zeigte aber rund drei Monate vor der WM in Schweden (13. bis 30. Januar) eine der schwächsten Angriffsvorstellungen seit Jahren.

"Ich bin trotzdem froh, dass wir nach dieser Schlussphase noch einen Punkt geholt haben. Österreich hat das Spiel dominiert. Wir sind an unsere Grenzen gestoßen", sagte Brand und forderte: "Diese Mannschaft muss und kann besser spielen." Holger Glandorf sprach nach den vielen vergebenen Chancen in der ersten Hälfte von einem "gewonnenen Punkt".

Vor 5100 Zuschauern in Göppingen waren Pfahl (7/1/Gummersbach) und Michael Haaß (5/Göppingen) die besten deutschen Werfer. Bereits am Sonntag könnte der Weltmeister von 2007 mit einem Sieg im Auswärtsspiel in Lettland (13 Uhr) einen Schritt Richtung EM in Serbien 2012 machen. Dritter Gruppengegner ist der stark einzuschätzende Olympiazweite Island. Nur die ersten beiden Mannschaften der Staffel lösen nach sechs Spielen das EM-Ticket.

Die Gastgeber legten einen Fehlstart hin und lagen nach sechs Minuten bereits 0:4 zurück. Der Favorit konnte gegen den EM-Neunten von 2009 die Ausfälle der Rückraumspieler Pascal Hens (Muskelfaserriss), Michael Kraus (Achillessehnen-Beschwerden/beide Hamburg) und Lars Kaufmann (Schulterverletzung/Göppingen) nicht kompensieren. Erst in der siebten Spielminute gelang Linksaußen Dominik Klein (Kiel) der erste deutsche Treffer.

Nicht zuletzt dem Berliner Torhüter Silvio Heinevetter war es zu verdanken, dass der Rückstand nicht noch größer wurde. Bezeichnend, dass im ersten Abschnitt nur einer von sechs Siebenmetern verwandelt werden konnte. Zudem zeigte Kapitän Holger Glandorf (Lemgo) eine erschreckend schwache Leistung im Rückraum.

Eine Nationalmannschafts-Rückkehr von Christian Zeitz vom THW Kiel ist aber trotz der schwachen Vorstellung offenbar kein Thema. Der Linkshänder hatte 2008 nach einem Zerwürfnis mit Brand seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt, weil er sich über mangelnde Rückendeckung des Bundestrainers in der Öffentlichkeit beklagt hatte. "Christian hat gesagt, er will nicht mehr. Es ist nicht meine Aufgabe, ihn umzustimmen", meinte Brand, zeigte sich aber gesprächsbereit: "Ein erster Schritt wäre ein Anruf von ihm." Der DHB-Coach hatte in der Vergangenheit oftmals den Eigensinn von Zeitz kritisiert. Geht es nach Kiels Trainer Alfred Gislason, dann gehört der 30-jährige Zeitz allerdings in die Nationalmannschaft. "Er ist mit Abstand der beste Linkshänder in der Bundesliga mit deutschem Pass", sagte der Isländer. In neun Ligaspielen in dieser Saison hatte Zeitz 55 Treffer erzielt.

(Aus den Kieler Nachrichten vom 28.10.2010)


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