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13./15.09.2004 - Letzte Aktualisierung: 15.09.2004 Bundesliga

THW erwartet Minden zum ersten Heimspiel der Saison

Update #1 Aktualisierung vom 15.09. (#2) und vom 15.09. (#1)

Das Team von GWD Minden-Hannover.
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Am Mittwoch beginnt auch in der Ostseehalle die neue Spielzeit. Der THW Kiel empfängt zum ersten Heimspiel der Saison GWD Minden-Hannover. Die Ostwestfalen reisen mit einer deftigen 20:33-Heimniederlage gegen Flensburg im Gepäch an die Kieler Förde. Anpfiff ist um 20.00 Uhr.
Nicht nur der Name ist neu bei GWD Minden-Hannover. Die Topspiele werden die Ostwestfalen künftig in der TUI-Arena in Hannover austragen. Dadurch war ein gesteigerter Etat möglich, der GWD-Macher Horst Bredemeier auf einen einstelligen Tabellenplatz hoffen lässt. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die Mannschaft kräftig umgebaut. Fünf Spieler, darunter Aaron Ziercke, Mike Bezdicek und der Spanier Jesus Fernandez verließen den Verein, sieben Spieler kamen hinzu.

Für das Tor wurde der schwedische Nationalspieler Fredrik Ohlander verpflichtet, im Rückraum sollen neben den Eigengewächsen Arne Niemeyer (RL) und Jan Fiete Buschmann (RR) zukünftig sein Männer vom Balkan für Tore sorgen: Ognjen Backovic (RL) kommt als slowenischer Nationalspieler von Prule Ljubljana (SLO), Ivan Vukas (RR) kommt von HC Metkovic (CRO) und kann ebenfalls Länderspiele für seine Heimat vorweisen. Wichtigster Baustein dürfte jedoch der Transfer von Patrekur Johannesson sein. Der isländische Mittelmann, lange Jahre bei TUSEM Essen aktiv, kam von Bidasoa Irun (ESP) zurück in die Bundesliga und wurde sogleich zum Mannschaftskapitän erklärt. Außen und am Kreis setzt Trainer Rainer Niemeyer auf die bewährten Kräfte Lars Rasmussen (LA), Thomas Axner (RA) und Dimitri Kouzelev (Kreis) (siehe Gegnerkader Minden).

Noch läuft es überhaupt nicht bei Minden. Im ersten Saisonspiel setzte es in der 10500 Zuschauer fassenden TUI-Arena in Hannover eine 20:33 (9:12)-Pleite gegen den deutschen Meister SG Flensburg-Handewitt. 3078 Zuschauer sahen dabei eine desolate zweite Halbzeit der Grün-Weißen. Von "Angsthasenhandball" sprach später GWD-Coach Niemeyer. Einzig Torhüter Neuzgang Fredrik Ohlander hielt das Spiel in Halbzeit eins offen. Für den miserablen Ausgang der Partie machte das Mindener Tageblatt vor allem den GWD-Rückraum um Johannesson, Niemeyer und Buschmann verantwortlich. "Wir waren so harmlos, dass es mich einfach krank macht", sagte Niemeyer dem MT, und stellte fest: "Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander." Problem des Teams seien die Rekordniederlagen der vergangenen Saison gegen Gummersbach, Kiel und Flensburg. "Unser Problem ist dieses Trauma. Wenn ich mit Angst Handball spiele, dann kommt so etwas wie gegen Flensburg dabei heraus", erklärte Niemeyer gegenüber dem Mindener Tageblatt das Versagen seiner Schützlinge.

Und ausgerechnet jetzt muss Minden beim nächsten "Angstgegner" antreten, dem THW Kiel. Ob GWD in der Ostseehalle punkten kann, steht daher in den Sternen. Zuletzt gelang den Ostwestfalen in der Saison 1983/84 ein Sieg in Kiel, damals noch unter dem Namen Grün-Weiß Dankersen (siehe Gegnerdaten Minden).

Schiedsrichter der Partie am Mittwoch sind Prang (Bergheim) / Reichl (Köln).

Aktualisierung vom 15.9.

Für das Spiel gegen Minden gibt es noch Karten in allen Preiskategorien, ca. 150 Stehplatzkarten und 100 Sitzplatzkarten.

Lesen Sie auch den Vorbericht der Kieler Nachrichten...

Aktualisierung vom 15.9.

Lesen Sie auch den Vorbericht von living sports und das Interview mit GWD-Manager Horst Bredemeier...

Dieser Vorbericht wird wie gewohnt ständig aktualisiert...

 

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 15.09.2004:

Auch in der Karibik glaubt keiner an die Sensation

Wettbüro Intertops bietet eine Quote von 1,02 für einen THW-Sieg gegen Minden
Kiel - Handball-Bundesliga, THW Kiel gegen GWD Minden-Hannover. Wer 100 Euro darauf wettet, dass die Kieler heute Abend (20 Uhr) den Tabellenletzten besiegen, der gewinnt zwei Euro. Mehr nicht. Für Michael März, der für den Sportwettenanbieter Intertops Quoten berechnet, ist das Spiel bereits entschieden. Sicher, der Sitz von Intertops online ist auf der Karibikinsel Antigua und der gute Herr März ist weit weg vom Geschehen. Doch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. "Die Quote ist gering", so März. "Aber der Fall ist auch sonnenklar."

Die letzten acht Pflichtspiele gegen den THW Kiel verlor das Team von Rainer Niemeyer. Zuletzt sogar mit Bundesligarekord (47:25). Der letzte Sieg in der Ostseehalle feierte jüngst seinen 20. Geburtstag. Ein krasserer Außenseiter hat selten das frisch lackierte Parkett der Ostseehalle betreten. Zumal Minden mit einer 20:33-Klatsche gegen Flensburg startete, während Kiel gegen Lemgo (31:26) eine Extraportion Selbstvertrauen tankte.

Für Frode Hagen und Henrik Lundström ist der Gegner heute Abend die schönste Nebensache der Welt. Die beiden Neuen fiebern ihrem ersten Heimspiel im Wohnzimmer des zehnfachen deutschen Meisters entgegen. Um die Nerven zu beruhigen, verlegte THW-Coach Noka Serdarusic gestern das Abschlusstraining in die Ostseehalle. Zum Eingewöhnen. "Ein Traum", meint Frode Hagen und blickt mit strahlenden Augen auf die leeren Ränge, die heute Abend mehr als 10000 Zuschauer füllen werden. "Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viel will und hektisch werde." Sechsmal lief der Norweger als Gast in die Halle ein. Mit Flensburg und der HSG Nordhorn. "Mit Nordhorn habe ich sogar einmal hier gewonnen." Nach seiner starken Vorstellung gegen Lemgo hat der 30-Jährige gute Karten, wieder zur ersten Sieben zu gehören. "Er stand in der Abwehr gut und spielte ohne Angst nach vorne", lobte Serdarusic. Ähnliche Lorbeeren seines Chefs verdiente sich Henrik Lundström, der nach 15 Minuten für Adrian Wagner kam und bis zum Schlusspfiff blieb. "Das sagt alles über seine Leistung." Für Lundström ist es der zweite Auftritt in der Ostseehalle. Mit Redbergslids Göteborg verlor er zum Abschied von Staffan Olsson im August letzten Jahres mit 25:35. Der Schwede warf dabei zehn Tore. "Die Stimmung in der Arena Auf-Schalke war nicht schlecht, aber hier ist sie viel besser."

Bis Donnerstag werden an den Kassen der Ostseehalle noch rund 80 Karten für das Spiel des THW Kiel in Flensburg (Sonnabend, 15 Uhr) verkauft. Die SG erhebt allerdings erstmals einen Topzuschlag. So kostet ein Ticket der zweiten Kategorie statt 18 Euro nun 34 Euro.

(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 15.09.2004)

 

 

Aus dem Zebra Journal, einer Beilage der Kieler Nachrichten vom 10.09.2004:

Provinzklub GWD Minden zieht in die Großstadt

Das Programm der Preussag-Arena in Hannover, bereits Schauplatz einiger Auftritte der Nationalmannschaft, bekommt dauerhaft eine neue Facette: Acht Bundesligaspiele trägt GWD Minden-Hannover in der kommenden Saison in der 10500 Zuschauer fassenden Halle aus.

Der Verein aus der ostwestfälischen Provinz hat dafür seinen Namen auf GWD Minden-Hannover umgetauft. Die Zusammenarbeit ist zunächst auf drei Jahre angelegt und für Mindens Manager Horst Bredemeier die einzige Chance, GWD mittelfristig erstklassige Perspektiven zu erhalten, schließlich bietet sich die Gelegenheit, den Etat mit Hilfe der Preussag-Arena von 1,5 auf 2,6 Millionen Euro zu erhöhen. "Seriös und zurückhaltend" habe man das Projekt kalkuliert, sagt Bredemeier.

Mike Bezdicek: "Ziel unbekannt".
Klicken Sie für weitere Infos! Mike Bezdicek: "Ziel unbekannt".
Dem Zahlenwerk liegen 4000 Besucher bei Spielen in Hannover, sowie 2000 in der Mindener KAMPA-Halle zugrunde. Mit neuer wirtschaftlicher Kraft könnten also Topspieler oder, wie Bredemeier sagt, "ein paar Kracher" verpflichtet werden. Aber wie ist es dann um die künftige Philosophie der vor allem wegen ihres Jugendstils geschätzten Ostwestfalen bestellt? "Mit sauberer Grundlage noch intensiver Jugendarbeit betreiben", sagt Bredemeier und spricht sich in seiner Rolle als DHB-Vize-präsident Leistungssport aus der Seele: "Es muss Vereine geben, die für die Ausbildung junger Spieler verantwortlich sind." Und so angehende Nationalspieler wie Arne Niemeyer heranziehen. Übrigens: Die Liaison zwischen Minden und Ex-Nationalspieler Mike Bezdicek ist endgültig beendet. "Bezze", der auch einen Kurzauftritt im THW-Trikot hatte, firmiert unter der Spalte Abgänge mit "Ziel unbekannt."

(Aus dem Zebra Journal, einer Beilage der Kieler Nachrichten vom 10.09.2004)

 

 

Neuer Name, alte Gesichter

Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra", von living sports:

Der erste Heimgegner der neuen Saison hat schon einen interessanten Werdegang hinter sich. Nach den ersten frühzeitig gescheiterten Vorreitern der Dankerser Sportbewegung entschlossen sich im Jahre 1924 einige Sportfreunde dazu, einen eigenen Sportverein zu gründen. Es waren überwiegend junge Männer; mehr als die Hälfte von ihnen war erst 18 Jahre alt und jünger. Sie nannten ihren neuen Verein Turnverein "Eiche" Dankersen DT. (Deutsche Turnerschaft), was die Geburtsstunde und zugleich der Gründungsname des Sportvereins TSV GWD Minden e.V. war, dessen Zunamen "Minden" sich aus der Einverleibung der Gemeinde Dankersen als Mindener Stadtteil ergab. Von der heutigen Saison an wird der Handball-Bundesligist als GWD Minden- Hannover antreten und für acht Heimspiele der Saison 2004/2005 in die Tui-Arena (10500 Zuschauer) in Hannover umziehen.

Die Mindener haben sich mit dem Arena-Betreiber endgültig auf einen Dreijahres-Vertrag geeinigt, nachdem bereits vor eineinhalb Jahren auch über einen Wechsel der HSG Nordhorn in die niedersächsische Landeshauptstadt spekuliert worden war. "Uns wurde von Seiten der Tui-Arena ein überragendes Sponsoring-Angebot gemacht", sagt GWD-Manager Horst Bredemeier, dessen Verein rund eine Millionen Euro pro Saison ausgezahlt bekommt. Er sehe in dem Projekt durchaus Parallelen zu den Umzügen der Gummersbacher in die Köln-Arena, sieht aber auch kleine Unterschiede: "Die Sache gestaltet sich bei uns nicht allzu dramatisch, da wir bereits in den 70er Jahren viele unserer Europacup-Spiele in Hannover ausgetragen haben", so "Hotti", "einen echten Heimvorteil müssen wir uns dort aber sicherlich noch erarbeiten". Neben den DEL-Eishockey-Spielen der Hannover Scorpions wird künftig also auch Handball auf höchstem Niveau zu sehen und Hannover um eine Spitzensportart bereichert sein - die Attraktivität der Spiele soll eine Auswahl ausschließlicher Top-Spiele in Hannover garantieren. Gegner wie Flensburg, Magdeburg und auch der THW, mit dem noch Terminabsprachen gehalten werden müssen, sollen in der Tui-Arena gastieren dürfen.

Arne Niemeyer, Mindener Eigengewächs und Shooting-Star der letzten Saison sieht die neue Heimstätte mit gemischten Gefühlen: "Irgendwo ist es schon schade. Vielleicht sehe ich das als einer der wenigen Spieler anders. Ich hätte als Eigengewächs gern in der Kampa-Halle weiter gespielt. Dennoch freue ich mich aber auch auf Hannover. Es wäre ein tolles Gefühl, wenn dort vielleicht mal 8000 oder 9000 Zuschauer deinen Namen rufen".

Die Finanzspritze der Hannoveraner scheint sich schon jetzt ein wenig in den starken Neuzugängen der GWD widerzuspiegeln. Neben drei eigenen Jugendspielern, welche der traditionell starken Talentschmiede der Mindener entstammen, konnte man sich die Dienste des schwedischen Torhüters Fredrik Ohlander vom FC Barcelona und der Rückraumspieler Ivan Vukas aus Metkovic, Ognjen Backovic aus Ljubljana und Patrekur Johannesson von Bidasao Irun sichern. Bredemeier sieht seine Mannschaft gut aufgestellt und etwas stärker als im letzten Jahr. "Wir wollen einen einstelligen Mittelfeldplatz erreichen, aber wir hatten noch keine ernsthaften Leistungstests, wir wollen mal abwarten, was dabei herauskommt", liebäugelt "Hotti" konkret mit mindestens 34 Saisonpunkten. Die Vorbereitung der Mindener lief laut Aussage des Managers recht ordentlich, zumal Trainer Rainer Niemeyer auf keinen seiner Schützlinge olympiabedingt verzichten musste. Doch gerade dessen Sohn Arne Niemeyer, bester Feldtorschütze der vergangenen Saison, war natürlich ein wenig enttäuscht, nicht mit Athen fahren zu dürfen: "Athen wäre ein Traum gewesen, ich würde lügen, wenn ich insgeheim nicht gehofft hätte, bei diesem Riesenevent doch dabei sein zu können", sagt der 22-jährige, der aber sogleich erkennt, dass seine große Zeit vielleicht noch später kommen könnte, "Die WM 2007 im eigenen Land ist für mich noch weit weg, aber sie ist gut für den deutschen Handball und es wäre schön, wenn ich dann auch auf dem Parkett stehen würde". Bis dahin wird er und seine Mitstreiter noch viele Tore werfen, wie viele es in der heutigen Partie werden, vermag auch Horst Bredemeier nicht zu erraten, sieht Minden aber deutlich in der Außenseiterrolle: "Wir werden in das Spiel natürlich ganz locker reingehen. Alles andere als eine deftige Niederlage bringt uns ja nach vorne".

(Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra", von living sports)

 

 

"Stärker als im Vorjahr" - Horst Bredemeier im Interview

Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra", von living sports:

Mit dem neuen Namen GWD Minden-Hannover, einer neuen Heimstätte und mit vier Neuzugängen starten die Grün-Weißen runderneuert in die Saison 2004/05. Manager und Steuermann dieser Entwicklung ist jedoch ein alt Bekannter. Horst Bredemeier, der in Athen als DHB-Delegationsleiter der Nationalmannschaft den Gewinn der Silbermedaille miterlebte, stand ZEBRA Rede und Antwort über die Highlights von Olympia, Pleite-Gerüchte des Verbands und die neuen Perspektiven für den Dankernser Traditionsverein in der Bundesliga.

Zebra:
Sie haben dem DHB-Team bei Olympia als Delegationsleiter zur Seite gestanden. Was nehmen Sie an Eindrücken von Athen mit?
Horst Bredemeier:
Das ist richtig. Ich habe das Team im organisatorischen, als auch im repräsentativen Bereich vertreten, wie es nun mal mein Job ist. Von den Olympischen Spielen nehme ich sehr positive Eindrücke mit. Ich denke, es ist generell eine fantastische Leistung dieser Generation von Spielern, in drei Jahren alleine vier Mal in einem internationalen Endspiel gestanden zu haben. Einmal, bei der letzten Europameisterschaft, standen wir ganz oben auf dem Podest, es hätten aber auch gut mehrere Male sein können, wie z.B. im Endspiel der EM gegen Schweden oder auch zuletzt in Athen. Es war uns nun einmal nicht vergönnt. Ich kann die Leistung der Mannschaft aber gar nicht genug loben, die nach dem Ausfall des für uns wichtigen Rückraumschützen Pascal Hens wahnsinnig gekämpft hat und toll aufgetreten ist. Wir haben eine Mannschaftsleistung gesehen, die Spaß gemacht hat.
Zebra:
Überwiegt die Freude oder die Trauer ob der verpassten Goldmedaille?
Horst Bredemeier:
Absolut die Freude! Für mich persönlich ist die Finalniederlage nicht so ärgerlich, auch wenn ein Sieg natürlich noch besser gewesen wäre. Man kann sagen, dass aus der Weltspitze fünf Teams bei diesem Turnier gleichwertig waren. Schon, dass wir uns im Halbfinale gegen Spanien durchgesetzt haben, ist ein riesiger Erfolg; auch Frankreich oder Russland hätten den Finaleinzug verdient gehabt. Kroatien hat eine sehr starke Mannschaft und hat ein tolles Turnier gespielt - letztendlich haben sie sich das Olympia- Gold hart erkämpft und verdient gewonnen. Dem DHB-Team ist kein Vorwurf zu machen, Spieler wie Zerbe und Petersen haben sicherlich einen Höhepunkt ihrer langen DHB-Karriere erlebt und wenn man bedenkt, dass Handballmächte wie Dänemark und Schweden nicht einmal vertreten waren, ist der Erfolg gar nicht hoch genug einzuschätzen.
Zebra:
Wo steht der deutsche Handball, bzw. wie sehen Sie das Team nach dem Umbruch, der nach dem Ausscheiden alt gedienter Leistungsträger, wie z.B. Stefan Kretschmar oder Petersen, jetzt unweigerlich kommen muss. Fällt die Nationalmannschaft nun in ein tiefes "Loch"?
Horst Bredemeier:
Darüber ist mir nicht allzu bange. Der Umbruch wird in den nächsten Tagen beim DHB ausführlicher besprochen. Es ist klar, dass sich einige Spieler nun von der Nationalmannschaft verabschieden werden, aber wenn man sieht, dass die U21-Mannschaft gerade erst Europameister gegen Dänemark geworden ist, haben wir eine gute Grundlage, eine neue Mannschaft aufzubauen. Unsere Pläne sind nicht kurzfristiger Natur, sondern beziehen sich primär auf die Handball-WM 2007 im eigenen Land und Olympia in Peking 2008. Es wird frische Kräfte geben, manche Spieler werden nicht einfach zu ersetzen sein, das ist für mich aber noch lange kein "Loch". Wir haben schon noch etwas in der Hinterhand.
Zebra:
Es heißt, trotz des guten Abschneidens der Nationalmannschaft in den letzten Jahren bei großen Turnieren konnte man von Seiten des DHB die Erfolge nicht in bare Münze umwandeln, stattdessen stünde der Verband vor großen finanziellen Problemen.
Horst Bredemeier:
Was diese Frage betrifft, müssen wohl einige Missverständnisse, die in den Medien und in der Öffentlichkeit rumgeistern, klargestellt werden. Solche Schlagzeilen wie "Der DHB ist pleite" und "Der DHB kann Erfolge nicht umsetzen" sind zwar sehr schlagzeilenkräftig, entsprechen jedoch nicht unbedingt der Wahrheit. Man muss in dieser Sache sehr stark relativieren. Fakt ist, dass es in diesem Jahr eine Unterdeckung von ca. 300000 Euro gibt, was jedoch längst nicht heißt, dass man kurz vor dem Konkurs steht. Dies ist allerdings auch nichts neues, sondern ist seit über zehn Monaten bekannt und hat vielfältige Gründe. Zunächst einmal zahlt die Liga seit ihrer Verselbständigung weniger Geld an den DHB als zuvor - was ja auch in Ordnung ist. Zum anderen sind auch die TV-Gelder geringer ausgefallen als im Vorjahr, trotz der längeren Sendezeiten, worauf man kurzfristig leider keinen Einfluss nehmen konnte. Die Fernsehsender waren nach der Europameisterschaft zwar durchaus dazu bereit, mit dem DHB einen eigenen Sendevertrag, abzuschließen. In diesem Fall war der DHB aber so loyal, dass er dies ablehnte, um diesbezüglich weiterhin mit der Liga zusammenzuarbeiten, obwohl man sicherlich bessere Konditionen hätte aushandeln können. Die Behauptung, der DHB könne seine Erfolge nicht versilbern, ist ebenfalls unfair und entspricht so nicht der Tatsache. Realistisch gesehen ist die Männer- Nationalmannschaft diejenige, die den gesamten Verband mit allen seinen Jugend- und Damenmannschaften finanziert. Würde man, wie bei einem Ligaverein die 1. Mannschaft als GmbH, die Nationalmannschaft aus dem Verband ausgliedern, so könnte von Problemen der Vermarktung der Nationalmannschaft oder ähnlichem keine Rede sein. Das reine A-Team ist zwar nicht auf Rosen gebettet, aber es geht ihm gut.
Zebra:
An den Mindener Spielern lief Olympia mehr oder weniger vorbei, d.h. Ihr Verein musste keine Nationalspieler freistellen. Ist das ein Vorteil gegenüber Vereinen wie Kiel oder Lemgo, da die Mannschaft sich besser gemeinsam vorbereiten konnte?
Horst Bredemeier:
Wir hätten zwar drei Spieler dabei haben können, es hat sich letztlich aber so ergeben, dass unser Trainer Rainer Niemeyer auf niemanden Olympia bedingt verzichten musste. Von einem Vorteil gegenüber Vereinen wie Kiel oder Lemgo möchte ich jedoch keinesfalls sprechen, da wir uns mit diesen Mannschaften ganz einfach nicht messen können. Minden ist ein Verein, der vor allem von seiner guten Jugendarbeit lebt - aktuell haben wir z.B. vier Eigengewächse in der 1. Mannschaft. Die ersten Sechs der Liga, zu denen ich neben den bereits genannten noch Magdeburg, Flensburg und deren Verfolger HSV und Gummersbach zähle, spielen in einer anderen Liga als wir. Das Mehr an Belastung machen die Nationalspieler durch die internationale Erfahrung und Spielpraxis wett und nach einer kurzen Regenerationsphase sind sie auch schon wieder frisch. Wir konnten uns aber zumindest ordentlich vorbereiten, das ist positiv.
Zebra:
Der Mannschaftskader wurde nach vier Abgängen wieder mit vier neuen Spielern aufgefüllt. Wie beurteilen Sie den Stand der Integration?
Horst Bredemeier:
Wir haben bis zu diesem Zeitpunkt noch keine ernsthaften Tests gehabt, wir müssen abwarten, wie es nach den nächsten Testspielen und dem anschließenden Trainingslager aussieht. Wir gucken einfach mal, wie die Saison angeht, wir lassen uns da gerne auch positiv überraschen.
Zebra:
Ist die GWD Minden stärker als in der letzten Saison? Was sind Ihre Zielvorgaben?
Horst Bredemeier:
Wir dürften etwas stärker sein als in der letzten Saison. Das ist zumindest unser Anspruchsdenken. Unser Ziel ist ein einstelliger Tabellenplatz im Mittelfeld. Konkret haben wir uns vorgenommen, möglichst 34 Punkte zu holen. Ich hoffe, dass wir uns steigern können.
Zebra:
Acht von 18 Bundesliga-Mannschaften wurde die Lizenz nur mit Auflagen erteilt, Minden ist eine davon. Wie sieht es finanziell in Minden aus?
Horst Bredemeier:
Minden wird voraussichtlich auch die nächsten sieben Jahre noch dazugehören, was uns aber keineswegs beunruhigt. Wir sind einer der wenigen Vereine, die ihren Verein damals nicht haben Konkurs gehen lassen, wie es viele andere gemacht haben, sondern wir sind dabei, den bis zum 30. Juni 1997 angehäuften Schuldenberg von umgerechnet 1,7 Mio Euro jährlich mit rund 100000 Euro abzuarbeiten. Dieser Altlastenabbau wird uns seitdem jede Saison zur Auflage gemacht, operativ ist der Verein aber gesund.
Zebra:
Die Mannschaft tritt dieses Jahr erstmalig unter dem Doppelnamen GWD Minden-Hannover an. Was steckt konkret hinter diesem Namen?
Horst Bredemeier:
Wir haben den Zusatz Hannover dazu genommen, weil wir in dieser Saison insgesamt acht Spiele in der Tui-Arena in Hannover austragen werden. Uns wurde von Seiten der Tui-Arena ein überragendes Sponsoring-Angebot gemacht. Wir kriegen rund eine Million Euro pro Saison ausgezahlt, im Gegenzug dazu tragen wir dort acht Meisterschaftsspiele aus. Es handelt sich hier also nicht etwa um einen Zusammenschluss zweier Mannschaften oder ähnliches, es wurde lediglich der Name geändert, bzw. ergänzt.
Zebra:
Sie folgen also dem Gummersbacher Vorbild?
Horst Bredemeier:
Das kann man so sehen. Allerdings gestaltet sich die Sache bei uns nicht allzu dramatisch, da wir bereits in den 70er Jahren viele unserer Europacup-Spiele in Hannover ausgetragen haben.
Zebra:
Mit wie viel Resonanz rechnen Sie in Hannover und darf sich der THW Kiel darauf einstellen, dass auch er in der Tui-Arena gastieren darf?
Horst Bredemeier:
Wir gehen da ganz vorsichtig ran, in unserer Kalkulation rechnen wir mit nur 4000 Zuschauern durchschnittlich. Wir freuen uns dann natürlich umso mehr über jeden zusätzlichen Zuschauer. Der THW ist für Hannover eingeplant, unschlüssig ist nur noch der Austragungstermin, da zu dem eigentlichen Zeitpunkt die Halle für eine Woche belegt ist. Wir suchen noch gemeinsam mit dem THW nach einem Ausweichtermin und ich bin zuversichtlich, dass wir das schon hinkriegen werden.
Zebra:
Wird die GWD in Hannover auch als Heimmannschaft angesehen?
Horst Bredemeier:
Das müssen wir uns erarbeiten. Wir können nicht einfach ankommen und sagen "Wir sind eure neue Heimmannschaft", so einfach ist es natürlich nicht. Aber ich hoffe, dass wir uns diesen Status verdienen können, das ist unsere Zielsetzung.
Zebra:
Wie gehen Sie in das Spiel gegen den THW? Gegen einen guten Saisonstart wäre sicherlich nichts einzuwenden, oder?
Horst Bredemeier:
Wir werden in das Spiel natürlich ganz locker reingehen. Alles andere als eine deftige Niederlage bringt uns ja nach vorne. Wir werden in der ersten Woche sicherlich auch einige Probleme bekommen, das erste Heimspiel ist gegen Flensburg, danach Kiel, dann Gummersbach - wir haben uns schon auf einen schlechten Saisonstart eingestellt. In der Hinsicht haben wir nichts zu verlieren und haben auch keine Angst, diesen Start zu machen. Wir werden unser Bestes geben, Punkte sind aber nicht eingeplant.
(Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra", das Interview führte Thomas Fischer für living sports.)

 

 

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