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10./11/12.10.2005 - Letzte Aktualisierung: 12.10.2005 Bundesliga

Mittwoch erwartet der THW den starken Aufsteiger Kronau/Östringen

Update #2 living sports-Vorbericht und das Interview mit Gregor Werum und KN-Vorbericht ergänzt...

Das Team der SG Kronau/Östringen.
Klicken Sie für weitere Infos! Das Team der SG Kronau/Östringen.
Nach der überraschenden Champions League-Pleite im polnischen Plock ist dem THW Kiel keine Pause vergönnt. Bereits am Mittwoch müssen die Zebras in der Handball-Bundesliga wieder ihren Mann stehen, zu Gast ist ab 20.00 Uhr mit der SG Kronau/Östringen der Ex-Club von Christian Zeitz. Es gibt noch Rund 100 Karten an den Kassen der Ostseehalle.
Im vergangenen Jahr schaffte die erst im Jahr 2002 aus der Fusion der Vereine TSV Baden Östringen und HSG Kronau/Bad Schönborn hervor gegangene SG den sofortigen Wiederaufstieg in die erste Bundesliga, nachdem sie eine Saison zuvor noch aus der Bundesliga abstieg. Nach dem zweiten Platz in der zweiten Bundesliga Süd gewannen die "Kröstis" aber die beiden Relegationsspiele gegen die zuvor favorisierte Eintracht aus Hildesheim. (siehe auch Gegnerdaten SG Kronau/Östringen). Seit diesen Spielen hat sich einiges beim Aufsteiger getan. Obwohl das Ziel "Klassenerhalt" offiziell ausgegeben wurde, stuften zahlreiche Handball-Experten vor der Saison die SG wesentlich stärker ein.

Nationalspieler Oleg Velyky im Dress der SG Kronau/Östringen.
Nationalspieler Oleg Velyky im Dress der SG Kronau/Östringen.
Diese sollten schnell Gewissheit erlangen, dass ihre Tipps nicht jeder Grundlage entbehrten. Vor allem in den Heimspielen, die der Aufsteiger in der 14500 Zuschauer fassenden brandneuen SAP-Arena in Mannheim austrägt, zeigte sich das Team von Trainer Juri Schewzow als heimstarke Macht. Dies mussten sowohl der TV Großwallstadt (30:27), der VfL Pfullingen (27:22), der HSV Hamburg (30:28) und zuletzt auch der als Geheimfavorit auf die Meisterchaft gehandelte VfL Gummersbach erfahren: Die SG führte über die gesamt Spielzeit, ging auch eine Minute vor Schluss erneut in Führung. Dem Gummersbacher Ausgleich folgte ein Yoon-Foul in Lövgren-Manier, als dieser bei leerstehendem Tor die schnelle Mitte unterband. So blieb es beim 28:28-Unentschieden - nach dem sich die "Kröstis" aber als heimlicher Sieger fühlen durften.

Auch auswärts hielt Kronau bis jetzt immer gut mit, gewann beim Wilhelmshavener HV und unterlag in Nordhorn (24:30) und beim SC Magdeburg (22:25) jeweils nach einer nahezu tadellosen Leistung. In der Gesamtheit der Spiele brachte es der Aufsteiger also bisher auf 9:5 Punkte, was ihn auf den siebten Platz in der Tabelle der Bundesliga hievte.(siehe Tabelle und Gegnerkurve SG Kronau/Östringen).

Richtig überraschend kamen diese Erfolge jedoch nicht, hatte Kronau/Östringen vor der Saison doch mächtig in neue Spieler investiert. Und so liest sich der Kader des kommenden THW-Gegners auch nicht unbedingt wie der eines Aufsteigers. Als Trainer konnte der erfahrene Juri Schewzow vom EHF-Pokalsieger TuSEM Essen verpflichtet werden, ihm folgten der erfahrene Kreisläufer Dimitri Torgowanow und der Nationalspieler Oleg Velyky, in den letzten Jahren immer unter den Top-Ten der Liga-Toptorschützen. Aus Flensburg zog es Andrej Klimovets nach Kronau, wo der gebürtige Weißrusse nach seiner Einbürgerung ebenfalls den Sprung in Heiner Brands Team schaffte. Ebenfalls aus dem Norden - vom HSV Hamburg - kam Mittelmann Andrej Siniak, mit Tomas Moscai verhalf Kronau einem erfahrenen Halbrechten zum Bundesliga- Comeback. Kein Unbekannter ist auch Torhüter Slawomir Szmal, der vom Liga-Konkurrenten TuS N-Lübbecke zu den "Rhein-Neckar-Löwen" wechselte. (siehe auch Gegnerkader SG Kronau/Östringen)
Shootingstar: Linksaußen Uwe Gensheimer
Shootingstar: Linksaußen Uwe Gensheimer
Heimlicher Star im Team von Juri Schewzow ist aber ein anderer: Uwe Gensheimer, 18-jähriger Linksaußen der SG, ist der absolute Publiukumsliebling. Aus der eigenen Jugend gekommen, verhalf Gensheimer der SG Kronau/Östringen mit 179/48 Toren zum Aufstieg. In dieser Spielzeit machte dem Juniorennationalspieler eine Ellenbogenentzündung zu schaffen, im Spiel gegen Gummersbach feierte Gensheimer mit acht Toren sein umjubeltes Comeback, das auch Nationaltrainer Heiner Brand miterlebte: "Uwe ist jung und hat sicher große Perspektiven", attestierte der DHB-Cheftrainer dem Außenspieler. "Im Moment ist auf Linksaußen Torsten Jansen vor Dominik Klein und Yves Grafenhorst gesetzt. Aber danach schon Uwe. Ich werde ihn demnächst sicherlich mal zu einem Lehrgang einladen.", verspricht sich Brand von dem Youngster einiges.

Bisher trafen der THW Kiel und die SG Kronau/Östringen zweimal in der Bundesliga aufeinander. Beide Partien in der Saison 2003/2004 konnten die Zebras klar für sich entscheiden. In der damaligen Spielstätte der "Kröstis", der Rhein-Neckar-Halle in Eppelheim, gewann der THW mit 36:25 (siehe Spielbericht). Am letzten Spieltag gewannen die Kieler auch das Heimspiel in der Ostseehalle mit 36:20 (siehe auch Spielbericht und Gegnerdaten SG Kronau/Östringen). Doch die Vorzeichen vor der Partie am Mittwoch sind andere: Erreichte die SG damals mit Ach und Krach die Relegationsränge, dürften sich Kronau/Östringen im Jahr 2005 ganz anders in Kiel präsentieren. Mit dem Punktgewinn gegen Gummersbach im Rücken dürfte der Aufsteiger zudem mit breitem Kreuz an die Kieler Förde reisen. Für die Zebras gilt es deshalb, von Beginn an hochkonzentriert zu Werke zu gehen, soll nicht binnen vier Tagen die zweite böse Überraschung die Kieler zurück werfen.

Die Schiedsrichter der Partie am Mittwoch sind Frank Lemme und Bernd Ullrich (beide Magdeburg).

(Christian Robohm)

Lesen Sie auch den living sports-Vorbericht, das Interview mit SG-Kreisläufer Gregor Werum, den Zebra-Journal-Artikel.

Lesen Sie auch den KN-Vorbericht zum Spiel.

Dieser Vorbericht wird wie gewohnt ständig aktualisiert...

 

"Kein normaler Aufsteiger"

SG Kronau/Östringen präsentiert sich bei seiner Rückkehr in die Bundesliga exzellent verstärkt
Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra", von living sports:

Drei Spiele, drei Siege. Das hört sich ganz nach dem Saisonstart eines gestandenen Bundesligateams an. Doch diese Bilanz gehört dem Gast am Mittwoch in der Ostseehalle, der SG Kronau/Östringen. Der letztjährige Zweite der 2. Bundesliga Süd hat in der Sommerpause seine Hausaufgaben gemacht und das gerade erst wieder ins Oberhaus aufgestiegene Team hochklassig verstärkt.

Mit Oleg Velyky, Andrej Siniak und Andrej Klimovets wurden erfahrene Spieler in den Süden der Republik gelockt. Der jüngste Neuzugang schlug allerdings die höchsten Wellen. Mit Dimitri Torgovanov konnte ein Spieler von Weltformat verpflichtet werden, der zwar noch an einer Schulterverletzung laboriert, jedoch an seine alten Leistungen anknüpfen will. "Mitte Oktober steige ich ins Mannschaftstraining ein, vielleicht werde ich Ende Oktober wieder auflaufen", macht der Kreisläufer sein persönliches Zeitfenster auf.

Doch es sind nicht allein die hoch dekorierten Spieler wie Olympiasieger Torgovanov oder Deutschlands Nationalspieler Oleg Velyky, die den Erfolg zurück nach Baden brachten. Bei den "Kröstis" stimmt die Mischung aus jungen und alten, erfahrenen Spielern, die schnell zu einer Mannschaft gewachsen sind. Bestes Beispiel für die "Jungen Wilden" ist Linksaußen Uwe Gensheimer, der als Kronauer Eigengewächs 2003 zur Bundesligamannschaft stieß. Gensheimer gehört mit seinen gerade einmal 18 Jahren zum erfolgreichen Gerüst der "Rhein-Neckar-Löwen", wie sich die SG Kronau/Östringen seit kurzem nennt. Trotz der Tatsache, dass die SG Kronau/Östringen ein Aufsteiger ist, kamen die Erfolge für Beobachter der Handball-Bundesliga nicht überraschend. "Das Team wurde gezielt verstärkt", sagt beispielsweise Bundestrainer Heiner Brand und sei daher "höher anzusiedeln als ein normaler Aufsteiger."

Ein weiteres Mosaiksteinchen: Mit Iouri Chevtsov wurde ein erfahrener und bisweilen sehr erfolgreicher Trainer verpflichtet. Der 45-Jährige Russe war zuvor unter anderem beim TBV Lemgo und zuletzt bei TUSEM Essen tätig und konnte Titel wie die Deutsche Meisterschaft, den EHF-Pokal und den DHB-Pokal gewinnen. Das alles würde sich auch auf dem Briefkopf der bis dato international unerfahrenen "Kröstis" gut machen. Dass mit Chevtsov der ideale Coach gefunden wurde, weiß auch Neuzugang Torgovanov, der ihn bereits aus der gemeinsamen Zeit beim TUSEM Essen kennt: "Iouri will immer irgendwie nach oben." Und dass es für die SG Kronau/Östringen nach oben gehen kann, haben bereits die ersten Partien gezeigt.

Neben den hochklassigen Personalien konnte noch ein Erfolg versprechender Partner an Land gezogen werden. Seit dieser Spielzeit werden die Heimspiele des ambitionierten Aufsteigers in der Mannheimer SAP-Arena ausgetragen. Die Halle fasst 14.600 Zuschauer und liegt äußerst günstig an der Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, so dass nicht nur die Badener Handballfreunde die Heimspiele besuchen, sondern auch die Pfälzer die Möglichkeit haben, hochklassigen Handball in ihrer Nähe zu sehen. Die einjährige Pause von der 1. Bundesliga hat der Euphorie dabei keinen Abbruch getan, die Spiele werden vom Publikum begeistert aufgenommen.

Nun treten die Löwen also nach einem Jahr Abstinenz wieder bei den Zebras an. Beim letzten Besuch an der Kieler Förde wurden sie noch zu einer leichten Beute einer torhungrigen Zebraherde und gingen mit 36:20 (siehe Spielbericht) unter. In diesem Jahr haben sie auf ihrem Beutezug durch die Bundesliga jedoch schon so manch einem vermeintlichem Favoriten ein Bein gestellt. So wollen die Löwen, die im Volksmund als "Könige der Tiere" gelten, ihren Anspruch auf Erfolg auch in der Ostseehalle geltend machen. Ob sich dieser Wunsch erfüllen lässt, ist allerdings eine andere Frage. Denn in Kiel ist die Hierarchie der Tierwelt ein wenig verschoben. Hier regieren seit Jahren die Zebras, die sich auch, wie die Vergangenheit gezeigt hat, nicht so schnell vom König der Tiere erschrecken lassen.

(Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra")

 

Vom guten Start überrascht - Gregor Werum über das neue Kronau/Östringen

Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra", von living sports:

Gregor Werum: "In Kiel zu gewinnen, ist immer noch schöner, als  die Punkte woanders zu holen."
Gregor Werum: "In Kiel zu gewinnen, ist immer noch schöner, als die Punkte woanders zu holen."
Gregor Werum ist seit der Saison 2004/2005 etatmäßiger Kreisläufer der SG Kronau/Östringen. Im Gespräch mit ZEBRA erzählte der 28-Jährige von der neuen Situation bei den Badenern, der neuen Konkurrenz am Kreis und wagte am Ende einen vorsichtigen Blick in die Zukunft des südlichsten Aufsteigers.

Zebra:
Gregor, die SG Kronau/Östringen hat sich enorm verstärkt, obwohl der Verein erst aus der zweiten Liga aufgestiegen ist. Was hat sich innerhalb der Sommerpause alles getan?
Gregor Werum:
Die Mannschaft hat sich komplett verändert. Es sind zwar acht Spieler gegangen, aber wir haben mit Andrej Siniak, Oleg Velyky und Dimitri Torgonvanov sehr gute Neuzugänge bekommen. Wir haben hier eine ziemlich starke Mannschaft zusammen, mit der auch mehr trainiert wird als in der vergangenen Saison. Auch der Verein selbst arbeitet professioneller.
Zebra:
Hatten Sie erwartet, dass Sie so erfolgreich in die Saison starten?
Gregor Werum:
Um ehrlich zu sein, hatte ich das so nicht erwartet. Vom Start in die Saison bin ich überrascht. Wir wissen, dass wir starke Einzelspieler haben, die das Handballspiel verstehen. Aber viele gute Spieler zu haben, heißt noch lange nicht, dass sie auch eine gute Mannschaft bilden und zusammen spielen können. Gewinnt man das erste Heimspiel, ist die Euphorie groß, aber wenn man Pech hat, geht es dann mit 0:6 Punkten weiter.

Unsere bisherigen Spiele waren zwar nicht schön anzusehen, aber wir haben gewonnen - das ist das einzige, was zählt. Wir haben zu Hause gegen Hamburg gewonnen und konnten die Euphorie aus den erfolgreichen Spielen auf die nächsten Partien übertragen. Gegen Nordhorn konnten wir auswärts 45 Minuten gut gegen halten. Die Chancen, auch schwere Spiele zu gewinnen, sind also vorhanden.

Zebra:
Mit Dimitri Torgovanov und Andrej Klimovets wurden zwei neue Kreisläufer bei der SG Kronau/Östringen verpflichtet. Ist der Konkurrenzdruck innerhalb der Mannschaft sehr groß?
Gregor Werum:
Ich sehe die Neuverpflichtungen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Konkurrenz ist zwar gut, aber jeder will verständlicherweise spielen. Torgovanov ist allerdings noch nicht richtig fit, Andrej Klimovets ist ein toller Spieler, mit dem ich mich gut verstehe. Aber mein oberstes Ziel ist es natürlich, so viel und so lange wie möglich zu spielen.
Zebra:
Würden Sie auch einen Wechsel in Kauf nehmen, um Stammspieler zu werden?
Gregor Werum:
Sich darüber schon groß Gedanken zu machen kommt viel zu früh. Ich muss sehen, wie es ist, wenn Torgovanov wieder fit ist. Somit ist das alles noch Zukunftsmusik. Es wäre auch ein Schritt zu früh, sich über einen eventuellen Wechsel Gedanken zu machen. Man muss jetzt abwarten, wie sich die Situation entwickelt.
Zebra:
Ihr letzter Verein, die SG Wallau/Massenheim musste aufgrund von Lizenzproblemen in der Regionalliga neu anfangen. Besteht bei Ihnen die Angst, dass sich derartiges auch bei der SG Kronau/Östringen wiederholen könnte?
Gregor Werum:
Ein gewisses Risiko besteht immer. Viele Vereine haben ihre Lizenzen in diesem Jahr nur gegen Auflagen erhalten. Vereine wie der THW Kiel haben da keine Probleme, die sind für die nächsten zehn Jahre gesichert. Wir haben mit der SAP-Arena eine schöne Halle und ein sehr gutes und gesichertes Umfeld, das professionell und bedacht arbeitet. Somit habe ich nicht die Befürchtung, dass solche Sachen wie Lizenzprobleme hier ein Thema werden.
Zebra:
Sie haben mit der SG Wallau-Massenheim vor knapp zwei Jahren gegen den THW Kiel gewonnen. Konnten Sie Ihren Kronauer Mannschaftskollegen ein paar Tipps geben, wie man die Zebras schlagen kann?
Gregor Werum:
Die Mannschaft des THW Kiel hat sich in den letzten zwei Jahren geändert und deutlich verstärkt. Die einzige Möglichkeit, in der Ostseehalle erfolgreich zu sein, ist eine geschlossene Mannschaftsleistung unsererseits. So haben wir auch schon in der Vergangenheit Spiele gegen stärkere Mannschaften gewinnen können. Und in Kiel zu gewinnen, ist immer noch schöner, als die Punkte woanders zu holen.
Zebra:
Wagen Sie einen kurzen Blick in die Zukunft? Wo landet die SG Kronau/Östringen am Ende der Saison?
Gregor Werum:
Wir haben einen dünnen Kader. Wenn wir aber vom Verletzungspech verschont bleiben, können wir uns am Ende der Saison in den Tabellenregionen finden, in denen wir jetzt stehen. Außerdem glaube ich, dass wir noch einige große Mannschaften mit Siegen von uns ärgern können.
(Aus dem offiziellen THW-Bundesliga-Magazin "zebra", das Interview führte Rika Finck für living sports.)

 

Löwen bitten in der SAP Arena zum Tanz

Kronau-Östringen spielt in einer 14.500-Zuschauer-Halle
Aus dem Zebra-Journal der Kieler Nachrichten vom 02.09.2005:

Die SG Kronau-Östringen ist noch sehr jung und hat trotzdem schon viel erlebt. 2002 schlossen sich die beiden Stammvereine HSG Kronau/Bad Schönborn und TSV Östringen zu dieser Spielgemeinschaft zusammen, die bereits im ersten Jahr den Bundesliga-Aufstieg schaffte. Nachdem die Truppe in der Relegation einen Neun-Tore-Vorsprung vergeigte, folgte postwendend der Gang nach unten. Doch eine furiose Aufholjagd in der Rückrunde krönte die SG mit der sofortigen Rückkehr ins Oberhaus.

Nun wollen es die Rhein-Neckar Löwen in der neuen, 14.500 Zuschauer fassenden Mannheimer SAP Arena - der größten Multifunktionshalle Baden-Württembergs und einer der modernsten Sport- und Veranstaltungsarenen Europas überhaupt - besser machen als bei ihrem ersten Besuch in der Beletage.

Der Klassenerhalt hat zunächst oberste Priorität, wenngleich die Verantwortlichen insgeheim mit einem einstelligen Tabellenplatz liebäugeln. Ihr Optimismus gründet sich auf große Namen. Denn auf der Trainerbank nimmt mit Juri Schewzow ein Mann Platz, der weiß, wie man Titel holt. Das gelang ihm auf Anhieb bei seinem Engagement in Lemgo (1997) mit der deutschen Meisterschaft und im Mai vor seinem Abschied aus Essen mit dem EHF-Pokal. Zudem neu bei den Löwen: Nationalspieler Oleg Velyky, einer der besten Individualisten im Welthandball. Der gebürtige Ukrainer folgte Schewzow aus Essen nach Baden. Andrej Klimowets, seit Jahren einer der Top-Kreisläufer in der Bundesliga und dreimal Pokalsieger sowie einmal Meister kam von der SG Flensburg-Handewitt, Spielmacher Andrej Siniak vom HSV Hamburg, der Halbrechte Tamas Mocsai vom schweizerischen SHL-Ligisten Pfadi Winterthur, die Torhüter Slawomir Szmal von TuS N-Lübbecke und Kevin Klier vom TV Großwallstadt.

Zwar ist Kronau-Östringen ein Aufsteiger, der Großteil der Akteure hat jedoch bereits Bundesligaerfahrung gesammelt. Dabei bleibt abzuwarten, inwieweit die neue Arena dem Team Schwung verleiht und nicht zur Belastung wird. Sollte die SG aber aus der Atmosphäre schnell Kapital schlagen und es Coach Schewzow gelingen, den Kader zügig einzuspielen, ist ein Platz im gesicherten Mittelfeld realistisch. Kurzfristig mit dem Abstieg nichts zu tun haben und langfristig unter die Top sechs: So lautet die Prämisse der Badener, die für dieses Ziel mit Schewzow einen erfahrenen, erfolgsorientierten Trainer geholt haben. Bereits Anfang Februar hat der 45-Jährige bei den Rhein-Neckar-Löwen einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Die Mannschaft, das Umfeld, die Perspektiven mit der Mannheimer SAP Arena haben den Weißrussen überzeugt. Nun will er aus der SG Kronau-Östringen einen frechen Aufsteiger formen, der attraktiven Handball spielt. "Als Neuling kannst du nicht gleich große Ziele ausgeben. Da hast du es in der Bundesliga immer schwer, egal welche Spieler du verpflichtet hast." Seine Vorgabe lautet: "Wenn wir in der stärksten Liga der Welt bestehen wollen, müssen wir mehr tun als alle anderen." Dabei haben die beiden Ausfälle von Rechtsaußen Holger Löhr, mit dem nach einer Innenband-OP erst wie der in zwei bis drei Monaten zu rechnen ist, sowie von dem Halblinken Gunnar Berg Viktorsson, der sich zwei Schulteroperationen unterziehen musste und erst wieder in der Rückrunde auflaufen kann, die Planungen kräftig durcheinander gewirbelt.

Fest steht: Die SG wird mit einem kleinen, aber feinen Kader an den Start gehen. Personelles Nachlegen ist allerdings nicht ausgeschlossen. "Aber dieser Mann muss zu uns passen. Wir schauen uns weiter um. Ansonsten vertraue ich dem Team, das mir zur Verfügung steht", sagt der Weißrusse, der inzwischen Abwehrspezialist Steffen Ahrens aus der Regionalliga-Mannschaft rekrutiert hat. Und mit diesem freut sich "Löwen-Dompteur" Schewzow auf die SAP Arena und hofft auf viele handballhungrige Fans. "Wir sind Artisten und spielen für die Zuschauer. Sind mehr da, motiviert uns das natürlich zusätzlich." Geschäftsführer Uli Schuppler kalkuliert mit einem Schnitt von 5000 bis 6000 Besuchern. "Der Wechsel nach Mannheim bedeutet für uns einen großen Schritt und eine riesige Herausforderung, nicht nur im sportlichen Bereich", betont Schuppler, und Beiratschef Dieter Matheis ergänzt: "Wir bauen auf unsere Stammanhänger und möchten nun natürlich in Mannheim und der gesamten Rhein-Neckar-Region neue Anhänger für uns gewinnen."

Die Perspektiven mit der SAP Arena überzeugten Andrej Klimowets, nach sieben Jahren an der Förde seine Zelte abzubrechen und in Baden ein neues Kapitel aufzuschlagen. Der 112-malige weißrussische Auswahlakteur unterschrieb für drei Jahre. Vielleicht wirft das Kraftpaket (1,97 Meter groß und 103 Kilogramm schwer) schon bald die Bälle für die DHB-Auswahl. "Der deutsche Pass ist beantragt, die Sache läuft", bestätigt "Klimo" und fügt an: "Wenn ich die neue Staatsbürgerschaft habe und eingeladen werde, laufe ich sehr gern für Deutschland auf."

(Aus dem Zebra-Journal der Kieler Nachrichten vom 02.09.2005:)

 

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 12.10.2005:

Den Frust von der Seele spielen

THW brennt gegen Kronau auf Wiedergutmachung für Plock
Kiel - Wie man am wirkungsvollsten das Trauma einer blamablen Niederlage verarbeitet? Mit einem Sieg. Handballmeister THW Kiel kann sich heute, vier Tage nach der überraschenden 31:32-Schlappe in der Champions Leaguey gegen Polens Meister Wisla Plock, den Frust in der Bundesliga von der Seele spielen. Gegner in der Ostseehalle ist um 20 Uhr Neuling SG Kronau-Östringen.

Normale Aufsteiger sehen allerdings unbedarfter aus als diese Kronauer. Nach dem Fahrstuhl-Jahr 2004 mit Erstliga-Auf- und Abstieg, haben die Schwaben vor ihrer Rückkehr ins Oberhaus eine Total-Runderneuerung vollzogen. Erst einmal verpassten sie sich den Furcht einflößenden Markennamen "Rhein-Neckar-Löwen", verkündeten dann ihren Umzug aus der heimatlichen Sporthalle in die taufrische, gigantische und 14 500 Zuschauer fassende SAP-Arena in Mannheim und stellten schließlich mit frischem Geld einen auch international wettbewerbsfähigen Kader auf die Beine. Mit Juri Schewzow angelte man sich vom Zwangsabsteiger TuSEM Essen einen sehr profilierten Trainer, und dessen Wunschzettel, beschrieben mit lauter Assen, wurde fast komplett erfüllt. THW-Linkshänder Christian Zeitz, der das Handball-ABC in Kronau paukte, wird heute nur wenige ehemalige Mitspieler begrüßen können: Maros Kolpak, Andre Bechtold und Steffen Ahrens. Das war's. Außerdem noch Ulli Schuppler, der aber hat inzwischen das Trikot gegen den Manager-Anzug eingetauscht. Holger Löhr (35), der 95-Mal für Deutschland spielte, hingegen hat seine Karriere gestern für beendet erklärt. Sein rechtes Knie ist nach zwei Innenbandrissen nicht mehr belastbar.

Neu hinzugekommen sind Hochkaräter wie Oleg Velyky, Dimitri Torgowanow oder Andrej Siniak sowie Andrej Klimowets, den es aus Flensburg in den Süden zog. Zuletzt machte der gebürtige Weißrusse - seit Frühjahr im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft - Schlagzeilen durch die Nominierung für den Kader der deutschen Nationalmannschaft. Beim Supercup vom 24. bis 30. Oktober in Deutschland will Bundestrainer Heiner Brand den Kreisläufer auf seine Bundesadler-Tauglichkeit prüfen. SG-Publikumsliebling ist indes der 18-jährige Jungspund Uwe Gensheimer. Mit 179 Toren war der Linksaußen maßgeblich an der Bundesliga-Rückkehr beteiligt. Interesse am "Aufsteiger des Jahres" meldeten neben Heiner Brand ("Ich werde ihn demnächst einladen") schon etliche Klubs an. "Ein interessanter junger Mann. Es wäre fahrlässig, sich nicht um ihn zu kümmern", sagt auch THW-Manager Uwe Schwenker.

Derweil brennen die Zebras auf Wiedergutmachung für Plock. "Wenn man gegen einen besseren Gegner verliert, ist alles in Ordnung", sagt Kapitän Stefan Lövgren, "wir aber haben es selbst verbockt." Kronau sei jetzt genau der richtige Gegner, um sich aufzubauen. "Eine starke Mannschaft, die viel Euphorie getankt hat. Für einen Sieg werden wir alles geben müssen. Das sind Spiele, die richtig viel Spaß machen."

(Von Reimer Plöhn, aus den Kieler Nachrichten vom 12.10.2005)

 


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