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08./09.12.2013 - Letzte Aktualisierung: 09.12.2013 Bundesliga

Starke "Zebras" triumphieren im Berliner Fuchsbau

Bundesliga, 17. Spieltag: 08.12.2013, So., 15.00: Füchse Berlin - THW Kiel: 29:33 (12:18)
Update #2 KN-Bericht, weitere Stimmen, Fotos und Spielbericht ergänzt ...

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Der THW Kiel hat am zweiten Adventssonntag zwei "Big Points" im Kampf um die deutsche Meisterschaft eingefahren: Vor 10.000 Zuschauern in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle behielten die "Zebras" im Spitzenspiel bei den Füchsen Berlin kühlen Kopf und siegten hochverdient mit 33:29 (18:12). Bis zur 40. Spielminute hatten sich die Kieler um den überragenden Torschützen Marko Vujin (11/2 Treffer) nach dem ersten Bundesligator von Andreas Palicka einen Neun-Tore-Vorsprung erarbeitet, ehe die Gastgeber mit einer offensiven Deckung noch einmal verkürzen konnten. Der THW-Sieg geriet allerdings nicht mehr in Gefahr.
Handballparty vor 10.000 Fans
Alles war angerichtet im Berliner "Fuchsbau" nach einer ereignisreichen Woche voller positiver Nachrichten für die Bundeshauptstädter: Nachdem sie am vergangenen Wochenende die Gruppenphase im EHF-Pokal erreicht hatten, erhielen sie die Zuschlag, das Finalturnier um den zweitwichtigsten europäischen Vereinswettbewerb auszutragen. Am Sonntagvormittag hatte Geschäftsführer Bob Hanning seinen Vertrag um gleich fünf Jahre verlängert, zudem bezwang die A-Jugend im Vorspiel in der Max-Schmeling-Halle die Junioren des SC Magdeburg mit 28:26. Dank der aufgebauten Zusatztribüne war die Halle im Prenzlauer Berg mit 10.000 Zuschauern restlos ausverkauft, auf den Rängen wollten sich Bundestrainer Martin Heuberger und Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit das Spitzenspiel nicht entgehen lassen. Keine Frage: Berlin war im Handballfieber, es kribbelte auch bei den hunderten mitgereisten Kieler Schlachtenbummlern schon vor dem Anpfiff.
THW mit gutem Start
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Die "Zebras" behielten im Fuchbau aber von Beginn an kühlen Kopf. Filip Jicha legte zweimal per Sprungwurf vor, Konstantin Igropulo glich jeweils postwendend aus. Doch schon dann setzten die Kieler erste Nadelstiche: Aron Palmarsson ließ eine "Fackel" zum Kieler 3:2 los, dann parierte Sjöstrand gegen Berlins besten Saisonschützen Fredrik Petersen sowie gegen Igropulo, während Sprenger per Gegenstoß auf 4:2 stellte. Der Kieler Rechtsaußen war trotz seines großen Jubels nach dem Treffer wieder schnell hinten, sicherte gegen Zachrisson den Ball und ermöglichte damit, dass Vujin per Sprungwurf zum 5:2 traf. Keine fünf Minuten waren in der Max-Schmeling-Halle gespielt, da hatten die Kieler bereits ihre Muskeln spielen lassen.
Jaszka hält Füchse fast allein im Spiel
Den Füchsen fiel gegen die Kieler 6:0-Deckung - wie zuletzt mit Rene Toft Hansen und Patrick Wiencek im Mittelblock - nur wenig ein, Rückraumhüne Pavel Horak war komplett abgemeldet, und auch die beiden Außen Zachrisson und Petersen konnten nicht in Szene gesetzt werden. Lediglich Spielmacher Bartlomiej Jaszka sorgte ständig für Gefahr und hielt mit seinen Durchbrüchen und verdeckten Schlagwürfen seine Mannschaft zunächst im Spiel. Pech hatte dabei Johan Sjöstrand, der mehrfach den Ball touchierte, aber ihn nicht festhalten konnte. So pendelte sich der Kieler Vorsprung zunächst bei zwei bis drei Treffern ein, weil der THW mit viel Spielwitz und der starken Rückraumachse um Palmarsson, Jicha und Vujin eine hohe Effizienz an den Tag legte. Nachdem Igropulo aber einen Sprungwurf übers Tor setzte und Petersen einen Siebenmeter per Heber an die Latte bugsierte, sorgte Vujin nach einer Viertelstunde beim 9:5 endlich für die erste Vier-Tore-Führung für den THW.
Trotz Manndeckung gegen Jicha zur deutlichen Pausenführung
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Doch noch blieben die Füchse dran, zwei weitere Treffer Jaszkas bedeuteten das 7:10, ehe Alfred Gislason Andreas Palicka für den glücklosen Sjöstrand einwechselte. Nun hatten die "Zebras" ausnahmsweise Glück, als Jichas Wurf bei drohendem Zeitspiel abgefälscht wurde und zum 11:7 ins Tor trudelte. Dann aber zeigte Palicka seine Klasse, parierte erst gegen Jaszka, wenig später auch gegen Linksaußen Petersen, ehe sich Jicha zum Kieler 12:7 durchtankte. Füchse-Coach Dagur Sigurdsson nahm nun seine Auszeit, brachte Colja Löffler als Sonderbewacher für Jicha aufs Parkett. Der THW ließ sich aber auch davon nicht beeindrucken: Palmarsson und Vujin fanden auch ohne ihren Kapitän die Mittel, mit denen man das Berliner Abwehrbollwerk knacken kann: So bediente Palmarsson Sprenger, der aus spitzem Winkel zum 14:8 traf. So tauchte Niclas Ekberg in Kieler Unterzahl plötzlich am Kreis auf und wurde von Vujin mustergültig bedient zum 15:9. Die Füchse hatten sich aber zumindest im Angriff ein bisschen freigeschwommen und ließen den Kieler Vorsprung nicht weiter anwachsen. Igropulo versenkte zwei Strafwürfe und der bislang unauffällige Zachrisson traf per sehenswertem Heber. Die letzten Ausrufezeichen einer rasanten ersten Halbzeit setzten aber noch einmal die "Zebras": Vujin donnerte den Ball mit seinem fünften Treffer zum 18:12 in die Maschen, während Palicka einen Siebenmeter Igropulos entschärfte.
Füchse mit siebtem Feldspieler
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Auch die erste gelungene Aktion nach Wiederanpfiff gehörte Andreas Palicka: Kiels schwedischer Keeper parierte erneut gegen Igropulo, auf der Gegenseite sorgte Vujin gar für die erste Sieben-Tore-Führung. Dagur Sigurdsson hatte sich in der Kabine indes einen neuen Schachzug überlegt: Berlin spielte fortan im Angriff mit einem siebten Feldspieler, der in der Abwehr sowieso nicht eingesetzte Bartlomiej Jaszka zog sich dafür das gelbe Leibchen über. Zu siebt kamen die Füchse im Angriff tatsächlich zum Erfolg, doch die Treffer von Horak, Nielsen und Igropulo halfen nicht, um den Rückstand zu verkürzen. Denn die "Zebras" spielten weiterhin effizient im Angriff, hatten in Marko Vujin einen bestens aufgelegten Goalgetter, der aber auch mit feinen Anspielen glänzte wie beispielsweise zum 22:15 durch Toft Hansen.
Jicha und Palicka treffen ins leere Tor
Was nun folgte, riss die Kieler Fans in der Halle und an den Fernsehbildschirmen endgültig von ihren Sitzen: Zunächst biss sich der Berliner Sieben-Mann-Angriff an der Kieler Deckung so lange die Zähne aus, bis die guten Schiedsrichter Pritschow/Pritschow bei einem verzweifelten Durchbruchsversuch Igropulos auf Stürmerfoul entschieden. Filip Jicha reagierte sofort und warf den Ball über das gesamte Spielfeld ins verwaiste Tor zum 23:15. Dann entschärfte Andreas Palicka eine Jaszka-Wurf und versuchte sich ebenfalls erfolgreich als Fernschütze - nach dem ersten Bundesligatreffer Palickas führten die "Zebras" nun sogar mit neun Toren Vorsprung, Dagur Sigurdsson trommelte seine Mannschaft zusammen und packte das gelbe Leibchen wieder ein. Stattdessen versuchten es die Füchse nun mit einer sehr offensiven Deckung, neben Jicha bekam nun auch Palmarsson einen persönlichen Wachfuchs zur Seite gestellt.
Berliner blasen zur Aufholjagd
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Bis zum 26:17 durch einen tollen Palmarsson-Schlagwurf hielt die Kieler Neun-Tore-Führung, doch in Überzahl pirschten sich die Gastgeber durch Zachrisson, eine Stochl-Parade beim Vujin-Wurf von Rechtsaußen und einen Schlagwurf Romeros ein bisschen heran. Alfred Gislason legte nun die grüne Auszeitkarte auf den Tisch, nach Wiederanpfiff sorgte einmal mehr Vujin für das 27:19 aus Kieler Sicht. Doch dem THW unterliefen nun zu viele Unkonzentriertheiten: Sprenger scheiterte an Stochl und Jichas Querpass wurde von Romero abgefangen, Vujin unterlief ein technischer Fehler. Da Talentfuchs Fabian Wiede mit zwei tollen Treffern sein Potenzial andeutete, verkürzten die Berliner in dieser Phase mit vier Treffern in Folge bis auf 23:27 - obwohl die THW sogar einige Minuten davon in Überzahl agierten.
THW sorgt für frühzeitige Vorentscheidung
Alfred Gislason trommelte seine Mannschaft in der 49. Minute erneut zusammen und mahnte zur Ruhe. Dann war es erneut Vujin, der das wichtige 28:23 markierte. Als Jaszkas Pass auf Wiede im Seitenaus landete, sorgte Sigurdsson auf der Gegenseite für das 29:23. Und nachdem der ins Tor zurückgekehrte Sjöstrand dann gegen Wiede zur Stelle war und Vujin per Bodenpass Aron Palmarsson am Kreis bediente, war das Spitzenspiel beim Stand von 30:23 neun Minuten vor der Sirene vorentschieden.
Mittwoch Pokalkracher gegen Löwen
Die Füchse versuchten zwar bis zum Schluss alles und bestraften die Fehler im Kieler Angriffsspiel jetzt konsequent. Als Vujin per Siebenmeter an Stochl scheiterte und Iker Romero zweieinhalb Minuten vor Spielende auf 28:31 verkürzte, hofften die Berliner Fans noch einmal und erhoben sich von ihren Plätzen. Doch mit seinem elften Treffer begrub Marko Vujin diese Hoffnungen postwendend. Der THW feierte damit den 14. Sieg im 16. Spiel und bleibt der SG Flensburg-Handewitt (43:24 gegen Eisenach) dicht auf den Fersen. Mit einem Sieg im Nachholspiel gegen den TBV Lemgo am 18. Dezember können sich die "Zebras" dann nachträglich noch zum "Hinrundenmeister" krönen. Bis dahin aber stehen noch zwei weitere knifflige Aufgaben an. Bevor es in der Liga am nächsten Sonnabend (14. Dezember) beim Bergischen HC weitergeht, steht am Mittwoch erst einmal der Pokalkracher gegen die Rhein-Neckar Löwen auf dem Spielplan. Angepfiffen wird die Partie am Mittwoch um 20.15 Uhr, im Vorverkauf sind noch Tickets erhältlich (siehe Extrabericht).

(Sascha Krokowski)

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Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason:
Ich bin sehr, sehr stolz auf meine Mannschaft. Wir haben richtig gut Handball gespielt. Im Angriff war das in der ersten Halbzeit mit Abstand das Beste in dieser Saison. Auch die Abwehr stand gut. Nach der Neun-Tore-Führung sind wir leichtfertig geworden und haben sogar in Überzahl Tore kassiert. Ich hätte nie erwartet, überhaupt so hoch in Führung zu liegen. Aber wir sind rechtzeitig wieder in die Spur gekommen. Wir haben verdient gewonnen, dieser Sieg ist sehr wichtig für uns.
Berlins Trainer Dagur Sigurdsson:
Wir hatten nicht den schlechtesten Tag, aber der THW hat einfach besser gespielt. Die erste Halbzeit vom THW war aller Ehren wert.
Berlins Geschäftsführer Bob Hanning:
Der THW hat unglaublich gut gespielt in den ersten 30 Minuten. Wenn man so eine große Mannschaft schlagen will, muss alles passen. Sensationen gibt es nicht jede Woche. Für Handball in Berlin war das aber eine tolle Woche mit der Final-Four-Vergabe, dem heutigen Spiel und unserer Qualifikation für Europa.
THW-Geschäftsführer Klaus Elwardt:
Das war ein tolles Handballspiel, Glückwunsch an Berlin für dieses Event. Ich hoffe, die Zusatztribüne bleibt stehen. Vielleicht hat meine Mannschaft heute so gebrannt, weil wir in Flensburg die Punkte liegen gelassen haben. Jetzt wollen wir Mittwoch gewinnen, das wird der nächste Kracher.
THW-Kapitän Filip Jicha gegenüber den KN:
Wir hatten einen ordentlichen Plan, wie wir hier auftreten wollten. Den haben wir sehr gut umgesetzt, Berlin musste improvisieren, machen, was wir wollten. Es ist ein wunderschönes Gefühl, hier gewonnen zu haben.
THW-Rückraumspieler Marko Vujin gegenüber den KN:
Wir haben in Flensburg schlecht gespielt, das wollten wir unbedingt besser machen. Berlin kam zwar noch einmal ran, aber Spielstände zählen für uns nicht. Wir wollen einfach immer nur gewinnen. Titel, Titel, Titel...
THW-Rechtsaußen Christian Sprenger gegenüber den KN:
Wir hatten uns vorgenommen, eine starke Abwehr zu stellen. Das ist uns gut gelungen, wir hatten die Berliner von Anfang an im Griff. Am Ende wurde es noch einmal kritisch, Angst, dass die Partie kippen könnte, hatte ich aber keine.
Füchse-Rückraumspieler Sören Christophersen gegenüber den KN:
Das ist bitter, vor so einer Kulisse als Verlierer vom Feld zu gehen. Neun Tore Rückstand waren zu viel, außerdem gehen wir alle mit unguten Gefühlen gegenüber den Herrn in Grün (Schiedsrichter Pritschow/Pritschow, d. Red.) aus der Halle.

17. Spieltag: 08.12.13, So., 15.00: Füchse Berlin - THW Kiel: 29:33 (12:18)

Logo Füchse Berlin:
Heinevetter (1.-24., 31.-40. und bei einem Siebenmeter, 6/1 Paraden), Stochl (24.-30., 40.-60., 4/1 Paraden); Löffler (2), Wiede (3), Spoljaric, Romero (4/1), Zachrisson (5), Jaszka (6), Horak (1), Igropulo (6/2), Nielsen (2), Christophersen, Petersen; Trainer: D. Sigurdsson
Logo THW Kiel:
Sjöstrand (1.-18., 48.-60. und bei einem Siebenmeter, 4 Paraden), Palicka (18.-48., 7/1 Paraden, 1 Tor); Toft Hansen (2), G. Sigurdsson (3), Sprenger (2), Wiencek, Ekberg (2), Zeitz (1), Jallouz (n.e.), Palmarsson (4), Klein (1), Jicha (6), Vujin (11/2); Trainer: Gislason
Schiedsrichter:
Andreas Pritschow / Marcus Pritschow
Zeitstrafen:
Berlin: 4 (Spoljaric (27.), Horak (29.), D. Sigurdsson (46.), Nielsen (48.));
THW: 2 (Sprenger (24.), Palmarsson (41.))
Siebenmeter:
Berlin: 5/3 (Petersen gegen Sjöstrand an die Latte (14.), Palicka hält Igropulo (30.));
THW: 4/2 (Heinevetter hält Jicha (8.), Stochl hält Vujin (58.))
Spielfilm:
1. Hz.: 0:1, 1:1, 1:2, 2:2, 2:5 (5.), 3:5, 3:6, 4:6, 4:7, 5:7 (11.), 5:9 (15.), 6:9, 6:10, 7:10 (17.), 7:13 (22.), 8:13, 8:14, 9:14, 9:15 (25.), 10:15, 10:16, 11:16, 11:17, 12:17, 12:18;
2. Hz.: 12:19, 13:19, 13:20, 14:20 (34.), 14:21, 15:21, 15:24 (39.), 16:24, 16:25, 17:25, 17:26, 19:26 (43.), 19:27, 23:27 (49.), 23:30 (51.), 25:30, 25:31, 28:31 (58.), 28:32, 29:32, 29:33.
Zuschauer:
10.000 (ausverkauft) (Max-Schmeling-Halle, Berlin)
Spielgrafik:
Spielgrafik

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 09.12.2013:

Zebras demonstrierten im Fuchsbau ihre Stärke

THW spielte beim 33:29 in Berlin 45 Minuten wie aus einem Guss - Überragender Vujin
Berlin. Das Auswärtsspiel Nummer eins nach der Derby-Pleite in Flensburg nutzte der THW Kiel zu einer Demonstration der Stärke. Die Zebras, die 45 Minuten lang Handball aus dem Lehrbuch präsentierten, besiegten gestern die Füchse Berlin in deren Max-Schmeling-Halle verdient mit 33:29 (18:12).

Die Gastgeber hatten nichts unversucht gelassen, um zum zweiten Mal den THW zu besiegen. Auf der Facebook-Seite lief zuletzt ein Video von Sieg Nummer eins, der sich im September 2010 (26:23) zutrug. Daneben stand: "Das soll sich am Sonntag wiederholen." Mit einer Zusatztribüne hatten die Füchse ihre Halle aufgepolstert, mehr als 10 000 Zuschauer waren gekommen, so viele wie noch nie bei einem Heimspiel des Bundesligisten. Das Team lief durch das Maul eines riesigen Fuchses ein, die Eckzähne hätten auch in das Gebiss eines stattlichen Tigers gepasst. Bürgermeister Klaus Wowereit saß erstmals auf der Tribüne, unmittelbar vor dem Anpfiff gab Klub-Präsident Frank Steffel bekannt, dass Bob Hanning am Morgen seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert hatte. Aus tiefer Liebe, wie der Manager sagte. "Hier bin ich zu Hause."

Diese Unterschrift sollte dem Team von Dagur Sigurdsson den letzten Schub geben, um die Zebras zu bremsen. Doch denen gelang ein Start aus dem Lehrbuch. In der Deckung wach und kompakt, im Angriff schnell und diszipliniert - wenn Kiel so spielt, dann hat der Gegner keine Chance. Auch einer, der das herausragende Format der Füchse Berlin besitzt.

Der verletzte Rasmus Lauge hatte die Kollegen in die Hauptstadt begleitet, saß auf der Bank, führte für seinen Trainer Alfred Gislason die Statistik. Lauge hatte nicht viel zu tun, der THW spielte 45 Minuten lang fehlerlos.

Symptomatisch war eine Szene in der 22. Minute, als ausgerechnet Bartlomiej Jaszka, der stärkste Berliner, bei einer Rettungstat am eigenen Kreis dem Kieler Filip Jicha den Ball in die Hände spielte. Der Tscheche, in Berlin längst ein lebendig gewordener Alptraum, warf ohne Mühe sein fünftes Tor. Es war der Treffer zum 13:7, der THW führte erstmals mit sechs Toren. Sehenswert auch, wie Rechtsaußen Niclas Ekberg in Unterzahl an den Kreis auflöste, um von hier zum 15:9 zu treffen.

Der zweite Durchgang begann mit einer Parade von Andreas Palicka gegen Konstantin Irgopulo, im Gegenzug warf der überragende Marko Vujin das sechste seiner elf Tore. Die Berliner waren verzweifelt, griffen schon jetzt zum letzten Strohhalm. Für Silvio Heinevetter kam nun bei jedem Angriff ein siebter Feldspieler, mit sechs, das war die Erkenntnis der ersten Halbzeit, war dieser THW-Riegel nicht zu knacken. Als Jaszka & Co sich einmal mehr festgerannt hatten, schnappte sich Jicha den Ball und warf ihn in den leeren Kasten. Sekunden später traute sich auch Palicka - mit Erfolg, der Schwede warf sein erstes Tor in der Bundesliga. Den Berlinern, die in ihrer Ratlosigkeit auch in der Deckung zu unkonventionellen Maßnahmen griffen, drohte in dieser 39. Minute ein Debakel. Klar war auf jeden Fall, dass der siebte Feldspieler als taktisches Mittel wieder in der Mottenkiste verschwand.

Die Füchse gaben trotz eines zwischenzeitlichen Neun-Tore-Rückstands nicht auf, kämpften sich mit ihrem breiteren Kader gegen eine Kieler Mannschaft heran, die mit der hohen Führung im Rücken die Konzentration verlor. Gislason nahm beim Stand von 27:23 (48.) eine Auszeit, wollte die Talfahrt stoppen. Sein Wunsch ging in der Hektik und Hitze, die den Fuchsbau nun fest im Griff hatte, zunächst unter. Als der Pfiff ertönte, war Ekberg bereits auf dem Weg zum Tor - es zählte nicht. Pech für den THW, der sich aber nicht aus der Ruhe bringen ließ und eiskalt die nächsten drei Treffer erzielte. Die Vorentscheidung, auch wenn die Füchse bis zum Abpfiff einer großartigen Partie noch einmal ihre intakte Moral unter Beweis stellen sollten.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 09.12.2013)


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