01./02.02.2004 - Letzte Aktualisierung: 02.02.2004 | EM 2004 / Nationalmannschaft |
Update #3 | Aktualisierung vom 02.02... |
Deutschland ist Europameister! |
"Kretzsche" im Petersen-Trikot und "Schorsch" sahen ein souveränes deutsches Team. |
Florian Kehrmann, hier beim 7:4, war mit neun Toren bester deutscher Schütze. |
Im zweiten Durchgang erhöhte die Lemgoer Achse die deutsche Führung schnell: Schwarzer traf vom Kreis nach Anspiel von Kehrmann zum 17:11, Kehrmann traf ebenfalls vom Kreis nach Pass von Zerbe zum 18:11 (34.). Als die DHB-Equipe mit 20:16 führte, beriet sich Henning Fritz mit seinem Torhüter-Kollegen Christian Ramota, der nun ins Tor kam. Ramota konnte in einer Phase, als Slowenien durch zwei Treffer von Vid Kavticnik auf 18:21 (42.) anschloss, mit mehreren Paraden wichtige Akzente setzen.
Henning Fritz pariert hier einen Siebenmeter gegen Vugrinec. |
Pascal Hens trifft zum 29:23. |
Glückwunsch an das deutsche Team, das mit einer tollen Mannschaftsleistung während der gesamten EM verdient Europameister wurde. Glückwunsch aber auch an Slowenien und seine Mannschaft. Slowenien richtete eine tolle EM aus und sein Team und seine Fans bewiesen gerade in den Spielen gegen Deutschland eine große Sportlichkeit.
Schon kurz vor Spielende Jubel auf der deutschen Bank. |
Das Team auf dem Siegerpodest. |
Der Pokal des Europameisters. |
Bundestrainer Heiner Brand mit Goldmedaille und Schnauzer, der noch am Abend abrasiert werden sollte. |
Die Mannschaft hat einen tollen Charakter. Was die Mannschaft geleistet hat, ist unbegreiflich - dieser Zusammenhalt... Eine Mannschaftsgefüge, wie ich es ganz selten oder noch nie erlebt habe. Diesen EM-Titel schätze ich nicht geringer als den Weltmeistertitel 1978, denn hier gab es nur Top-Teams, kein einfaches Spiel, dazu fehlten uns einige Spieler - das ist sensationell hoch einzustufen.
Ich bin gerade ganz ruhig, ich habe keine Kraft mehr, so richtig zu begreifen, was passiert ist, daher habe ich mich auch auswechseln lassen und Christian Ramota hat das dann ja auch sehr gut gemacht.
In Portugal hatte das DHB-Team 2003 WM-Silber geholt, weil es nach einer Siegesserie im letzten Spiel verlor. Bei der Europameisterschaft in Slowenien drehte Brands Mannschaft den Spieß um, genehmigte sich zum Auftakt gegen Serbien & Montenegro einen Aussetzer und drehte dann auf. Nach dem 22:20 im Halbfinal-Krimi gegen Dänemark ließen sich die Mannen um Kapitän Daniel Stephan im gestrigen Finale auch von Gastgeber Slowenien nicht mehr stoppen und gewannen die einseitige Partie sehr souverän mit 30:25 (16:10). Als Staffan Holmquist, schwedischer Präsident der Europäischen Handball Föderation (EHF), die goldene Siegerschale an Daniel Stephan überreichte, war der "Final Fluch" mit den Endspiel-Niederlagen von der EM 2002 und der WM 2003 Vergangenheit und der erste internationale Titel seit der WM 1978 perfekt.
Gleich drei Kieler tollten in der Jubeltraube mit: Henning Fritz, Klaus-Dieter Petersen und Christian Zeitz. Fritz hatte gar doppelten Grund zur Freude. Die Jury wählte den THW-Schlussmann zusammen mit dem Lemgoer Volker Zerbe ins All-Star-Team (siehe Bericht). Zum zweiten Mal nach der WM von Portugal übrigens. Es war ein großer Moment für den gebürtigen Magdeburger. "Da kommen Erinnerungen hoch", schnaufte der 28-Jährige. Als kleiner Junge habe er sein großes Vorbild Wieland Schmidt bewundert, wenn dieser geehrt wurde. "Und jetzt stehe ich selbst im Mittelpunkt. Ein unbeschreibliches Gefühl."
Wie man feiert, weiß "Pitti" Petersen aus THW-Erfahrung am besten. Auch gestern schnappte er sich die Goldschale, spurtete mit in die Höhe gerissener Trophäe von einer Fan-Kurve in die nächste, stand auf Stühlen und genoss den Jubel. "Wir haben gezeigt, dass wir erfrischenden Angriffshandball spielen können und in der Abwehr nicht kloppen, sondern den Gegner auf schnellen Beinen bremsen", sagte der 35-jährige Routinier mit stolz geschwellter Brust: "Wir sind ein würdiger Europameister.
Grundlage der deutschen Überlegenheit im Finale war erneut die überragende Abwehrarbeit mit dem Mittelblock Zerbe/Petersen und einem guten Torhütergespann Fritz/Ramota. "Das war ein hoch verdienter deutscher Sieg", bestätigte auch Roman Pungartnik. Der verletzte Slowene vom THW Kiel war nach seinem Kreuzbandriss zum Zuschauen verurteilt, strahlte aber trotzdem. "Wir sind total glücklich über die Silbermedaille, die ist Gold wert."
Als "Strahlemann" lief auch Heiner Brand umher. "Es ist eine herausragende Leistung meiner Mannschaft, dass sie zum dritten Mal das Finale erreicht hat. Wir sind die einzigen, die das drei Jahre hintereinander geschafft haben. Ich bin stolz auf diese Jungs", lobte der Bundestrainer.
Am Ende fielen Haare. Mark Dragunski, Jan-Olaf Immel, Henning Fritz und Klaus-Dieter Petersen kehren heute mit blankem Haupt nach Deutschland zurück. Heiner Brand musste sich von seinem riesigen Walross-Bart trennen. Er tat es gerne. "Wenn der weg ist", sagte der Gummersbacher, "steht doch fest, dass wir Europameister sind." Und dass Deutschland nun als Olympia-Favorit gehandelt wird, macht dem Weltmeister von 1978 gar nichts aus: "Lieber bin ich in Athen Favorit, als dass wir hier Dritter geworden wären."
(Von Reimer Plöhn, aus den Kieler Nachrichten vom 02.02.2004)
Heiner Brand ist der Architekt des größten deutschen Triumphes seit dem WM-Gewinn von 1978 in Kopenhagen. Der Bundestrainer hat nach dritten und zweiten Plätzen weiter an seiner Mannschaft gebastelt, mit ihr gearbeitet und sie fit für den großen Wurf gemacht. Er bewies vor allem Fingerspitzengefühl bei der Zusammenstellung des Kaders. Neben der sportlichen Qualifikation spielt die menschliche Komponente eine gewichtige Rolle. Titel sind gerade im Handball nur in Teamwork zu schaffen.
Weil der Zusammenhalt stimmt, steckte die Mannschaft personelle Rückschläge klaglos weg. Vorauseilende Ausreden für ein mögliches Scheitern wie Verletzungspech sind nicht ihre Sache. Stefan Kretzschmar und Frank von Behren passten vor den Titelkämpfen, Markus Baur erwischte es mit einer Knieverletzung während des Turniers. Andere sprangen ein. Christian Zeitz traf gegen Ungarn, als bei den Etablierten nichts ging, Jan- Olaf Immel schockte Dänemark. Er werde jeden Einzelnen noch brauchen, hatte Brand schon vor Slowenien prophezeit - und Recht behalten.
Brands Werk mit "seiner" Mannschaft ist allerdings nicht beendet. Athen steht vor der Tür, dort will der 51-Jährige seine jahrelange Aufbauarbeit mit dem Olympiasieg krönen. Mit diesem Team ist auch das möglich.
(Kommentar von Reimer Plöhn aus den Kieler Nachrichten vom 02.02.2004)
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