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08.04.2011 Bundesliga / Mannschaft

Kieler Nachrichten: Katerstimmung bei den "Zebras"

Direkte Qualifikation für die Handball-Champions-League in Gefahr

Aus den Kieler Nachrichten vom 08.04.2011:

Kiel. Manchmal ist das Kieler Feld der Träume nur geliehen. Am Mittwochabend schrieben einmal nicht die "Zebras" des Handball-Rekordmeisters schwarzweiße Geschichte. Es war ein Kapitel, das gelb, in der Farbe der Rhein-Neckar Löwen leuchtete. Hauptdarsteller beim 31:33 waren andere. In den Nebenrollen: die konsternierten Spieler des THW Kiel.
Der Blick zurück in die Vereinsgeschichte, er sagt mit deutlichen Worten: so etwas konnte es eigentlich gar nicht mehr geben. Endergebnisse damals, 1978, sind heute zuweilen kaum noch Halbzeitstände. Am 14. Oktober 1978 unterlagen die "Zebras" dem TuS Hofweier mit 12:14, am 12. November im nächsten Heimspiel kassierten Predrag Timko, Holger Oertel und Co. ein empfindliches 15:18 gegen den VfL Gummersbach. Gerd Welz löste wenig später Werner Kirst als Trainer ab. Kein Wunder, dass der Ex-Kieler Henning Fritz am Mittwoch mit einem Dauergrinsen in die Kabine trottete. Nicht ein einziges Mal hatte der Torwart die Ersatzbank verlassen, beobachtete 60 Minuten lang, wie sich "Kasa" Szmal anschickte, die beste Hauptrolle des Abends an sich zu reißen, und spendete nach dem Abpfiff verbalen Beifall: "Das ist auch für mich ein Highlight, denn ich konnte mit einer anderen Mannschaft noch nie in der Ostseehalle gewinnen." Da waren die Löwen also ohne ihren etatmäßigen Mittelblock in Kiel angereist, mussten auf Börge Lund (Rücken) und Bjarte Myrhol (Oberschenkel) verzichten und wuchsen in der Abwehr über sich hinaus. "Not macht eben erfinderisch", so Henning Fritz.

Beim THW und Alfred Gislason herrschte gestern Katerstimmung. Trotz der eklatanten Schwächen in den letzten beiden Partien wollte der Trainer nicht verraten, ob er ein Sonder-Siebenmeter-Training auf die Agenda gesetzt hatte: "Kein Kommentar. Aber einige Sachen am Mittwoch waren katastrophal." In der Tat hatten die sechs verworfenen Strafwürfe oder klarste vergebene Chancen dem Isländer graue Haare wachsen lassen. Dominik Klein hatte sich in der Partie nach einem am Tor vorbei gesetzten Dreher eine "Standpauke" seines Trainers eingebrockt. "Ich weiß nicht, ob es lässig ist oder der Frust über die verpasste Meisterschaft", so Gislason. "Aber verschenkte Bälle können wir nicht gebrauchen. Ein paar Leute sind verunsichert. Ein paar haben vielleicht Probleme mit sich selbst. Aber unsere nächsten Aufgaben sind jetzt lebenswichtig für die Champions-League-Qualifikation."

"Nicht wirklich" sei die Meisterschaft vor dem Löwen-Duell abgehakt gewesen. Doch jetzt, bei acht Punkten Rückstand auf den HSV, gebe es keinen Zweifel mehr. "Das ist eben die Realität. Schwer zu sagen, ob sich dieser Rückschlag jetzt auf das Selbstbewusstsein und die anderen Wettbewerbe auswirken wird", sagt Alfred Gislason. Trotz alledem hatte er gegen die Löwen ein "besseres Spiel als gegen Großwallstadt", eine "gute Taktik" gesehen. Mit Aron Palmarsson und Filip Jicha im Angriff war Gislason zunächst zufrieden, sah keinen Grund, Daniel Narcisse oder Jerome Fernandez früher zu bringen. Später war er zum Umstellen gezwungen, versetzte Christian Zeitz nach Rechtsaußen, brachte Kim Andersson ("Das war nicht das, was er vorher im Training gebracht hat"), Narcisse ("Es war klar, dass er nur zehn Minuten spielen kann") und wurde enttäuscht. Platz drei, der die direkte Champions-League-Qualifikation bedeutet, könnte so plötzlich in Gefahr geraten. "Darüber will ich nicht diskutieren", sagt Gislason. "Wir denken von Spiel zu Spiel, die Vorbereitung auf das Spiel in Wetzlar hat begonnen."

(von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 08.04.2011)


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