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19.-21.10.2005 - Letzte Aktualisierung: 21.10.2005 Bundesliga

Zebras kamen zu ungefährdetem Premieren-Kanter-Sieg bei Concordia Delitzsch

Bundesliga, 9. Spieltag: 19.10.2005, Mi., 19.30: Concordia Delitzsch - THW Kiel: 20:40 (11:16)
Update #4 (Foto-Update) Fotos ergänzt, Spielbericht der KN, Stimmen, Statistik und Spielbericht ergänzt...

Christian Zeitz wird gestoppt.
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"Ein wenig ärgern" wollte Aufsteiger Concordia Delitzsch den THW Kiel beim überhaupt ersten Aufeinandertreffen beider Teams in der Geschichte der Bundesliga. Zu mehr reichte es am Mittwoch Abend für den Gastgeber vor 3678 Zuschauern in der schmucken Arena Leipzig nicht, denn die Zebras konnten mit einem locker heraus gespielten 40:20 (16:11) - Kantersieg die Heimreise antreten.
In Leipzig begannen die Kieler so engagiert, dass sich Delitzschs Trainer Jungandreas bereits nach sechs Minuten genötigt sah, eine Auszeit zu nehmen. Zu diesem Zeitpunkt führten die Zebras bereits mit 5:1, schienen den Gastgeber dabei aus einer sicheren Abwehr mit einem guten Mattias Andersson im Rücken überrolen zu wollen. Doch die Auszeit tat Gutes für Delitzsch, kam die Heimmannschaft doch auf 4:5 heran. Die Antwort des THW Kiel ließ indes nicht lange auf
Hagen gegen Kurtschew.
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sich warten, angetrieben von Stefan Lövgren und mit einer guten Chancenverwertung im Angriff erhöhten die Kieler wieder das Tempo, zogen über 8:4 (12.) auf 10:6 davon. Besonders Marcus Ahlm profitierte zu diesem Zeitpunkt vom energischen - aber konzentrierten - Spielaufbau des Deutschen Meisters, ein ums andere Mal konnte dieser eine Lücke in der insgesamt recht sicher wirkenden Concordia-Abwehr finden. So gelang es den Gastgebern zunächst auch nicht, sich wieder an die Zebras hean zu robben. Dies ermöglichte ihnen erst eine kleine Schaffenspause der THW-Abwehr gegen Ende der ersten Hälfte. Jubel brandete in der Arena Leipzig auf, als Streitenberger nach 26 Minuten zum 11:13 aus Sicht der Gastgeber traf. Sollte Leipzig tatsächlich eine Überraschung erleben? Die Antwort auf diese Frage nahmen die Kieler selbst in die Hand: Zweimal Kavticnik und Ahlm erhöhten noch bis zum Pausentee auf 16:11 für die Schwarz-Weißen, während die gut stehende Kieler 6:0-Deckung keinen weiteren Treffer mehr zuließ.

Lövgren stoppt Kurtschew.
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Nach der Pause schienen die Zebras die endgültige Entscheidung schnell suchen zu wollen. Binnen drei Minuten erhöhten sie das Tempo und den Vorsprung durch einen Doppelpack des kaum noch zu stoppenden Ahlm und zwei erfolgreich verwandelte Tempogegenstöße von Adrian Wagner auf 20:12 (33.). Delitzsch versuchte gegenzuhalten, blieb allerdings in der eigenen Offensive zu blass, um den THW ernsthaft in Gefahr zu bringen. So waren es die Treffer von Malzev und die verwandelten Siebenmeter von Kurtschew, die den Gastgeber-Rückstand im Rahmen hielten. Als Dennis Klockmann binnen zwei Minuten gleich zweimal dem bis dato fehlerlosen Kurtschew beim Siebenmeter den Schneid abkaufte, lief der Zebra-Express unaufhaltsam in Richtung Kantersieg. Nach Ahlms 27:18 (45.) durfte sich dieser ausruhen,
Pelle Linders am Kreis.
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Pelle Linders übernahm seine Posten. Auch der heute starke Lövgren durfte verschnaufen, für ihn führte Viktor Szilagyi die letzten dreizehn Minuten Regie. Nur einer durfte und wollte nicht raus: Mattias Andersson, bärenstarker Rückhalt krönte seine Weltklasse-Leistung in der 56. Minute mit einem gehaltenen Strafwurf - die insgesamt 22. Parade des Torhüters in diesem Spiel. Vier Tore von Kim Andersson in Folge - davon drei sichere Siebenmeter - hatten da schon zur zwischenzeitlichen 32:19-Führung (52.) geführt. Der Kieler Torhunger an diesem Abend war da aber noch lange nicht gestoppt, jeder Kieler Spieler durfte sich nun versuchen, da Noka Serdarusic den klaren Vorsprung zur Schonung seiner Stamm-Mannschaft nutzte. Und seine Mannen wollten es ihrem Coach recht machen, jeder Feldspieler trug sich gegen die zunehmend kraftloser werdenden Gastgeber in die Torschützenliste ein.

Am Ende hatte Leipzig das gesehen, was es wohl erwartet hatte: Einen klar dominanten THW Kiel, der in der Abwehr auch dann noch kompromisslos zupackte, als die Vorentscheidung bereits gefallen war. Sie hatten Zebras beobachten können, die ihren Torhunger endlich einmal mit einer guten Trefferquote stillen konnten. Und sie hatten Kieler gesehen, die entschlossen wie selten gegen unterlegene Mannschaften wirkten. Die Bundesliga-Pflicht hat der THW Kiel am Mittwoch Abend eindrucksvoll erfüllt: Die Champions League-Kür gegen Wisla Plock kann kommen...

(Christian Robohm)

Lesen Sie auch den ausführlichen Spielbericht der Kieler Nachrichten.

Aus kiel4kiel.de:

THW feiert Schützenfest bei Kellerkind Delitzsch

Der THW Kiel bleibt Tabellenführer SC Magdeburg in der Handball Bundesliga weiter dicht auf den Fersen. Am Mittwoch gewannen die Zebras in Leipzig beim noch sieglosen Schlusslicht Concordia Delitzsch souverän mit 40:20 (16:11) und können sich nun ganz auf die Champions League Revanche am Samstag gegen Wisla Plock konzentrieren. Gegen am Ende völlig überforderte und hilflose Gastgeber traf Marcus Ahlm gleich zehnmal und ragte damit aus einer starken geschlossenen Mannschaftsleistung heraus.

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Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Noka Serdarusic:
Zum Spiel kann ich nur das sagen, was alle gesehen haben. Die ersten 30 Minuten waren für die Zuschauer die schönere Halbzeit. Es wurde schnell gespielt und beide Torwarte haben einige schöne Bälle gehalten.

In der zweiten Halbzeit hat Mattias Andersson so weiter gemacht, Vaskevicius nicht. Ich hatte das Gefühl, dass Delitzsch die Lust am Spiel verloren und sich aufgegeben hat.

Concordia-Trainer Uwe Jungandreas:
20 Tore Minus sind zu viel. Ich dachte, wir wären nach dem Gummersbach-Spiel einen Schritt weiter. 5 Tore Rückstand zur Pause ist ok. In der ersten Halbzeit hat der THW Kiel uns die Hand gereicht. Wir haben sie nicht angenommen. Das hat sich gerächt.

Lesen Sie auch Zwei Minuten: Die THW-Kolumne nach dem Spieltag mit Stefan Lövgren.

9. Spieltag: 19.10.05, Mi., 19.30: Concordia Delitzsch - THW Kiel: 20:40 (11:16)

Logo Concordia Delitzsch:
Vaskevicius (1.-46., 10 Paraden), Resimius (47.-50., 3 Paraden); Andrä, Melzer (3/1), Voigt, Kurtschew (6/5), Streitenberger (2), Oehlrich (1), Göthel (1), Malzev (5), Göde (1), Nowak, Uematsu, Lindt (1); Trainer: Jungandreas
Logo THW Kiel:
Fritz (1 Siebenmeter, 0 Paraden), M. Andersson (1.-60., 22 Paraden) Klockmann (5 Siebenmeter, 2 Paraden); Linders (2), K. Andersson (5/3), Lundström (4), Kavticnik (3), Hagen (3/1), Lövgren (3), Wagner (2), Ahlm (10), Szilagyi (1), Zeitz (3), Karabatic (4/1); Trainer: Serdarusic
Schiedsrichter:
Hagen Becker / Axel Hack (beide Halberstadt)
Zeitstrafen:
Delitzsch: 4 (2x Oehlrich (10., 36.), Voigt (25.), Göde (36.));
THW: 4 (Zeitz (9.), Ahlm (25.), Hagen (35.), Kavticnik (56.))
Siebenmeter:
Delitzsch: 9/6 (Klockmann hält zweimal Kurtschew (42., 44.), Andersson pariert Melzer (56.)) ;
THW: 6/5 (Vaskevicius hält Kavticnik (35.))
Spielfilm:
1. Hz.: 0:1 (2.), 1:5 (6.), 3:5 (8.), 4:6 (10.), 5:8 (12.), 5:9 (15.), 6:10 (18.), 8:12 (21.), 10:13 (24.), 11:15 (28.), 11:16
2. Hz.: 12:18, 15:21 (38.), 17:23, 18:27 (45.), 19:35 (55.), 20:37, 20:40
Zuschauer:
3678 (Arena Leipzig, Leipzig)

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 20.10.2005:

Zebras ließen aus Delitzsch die Luft heraus

Meister Kiel beim 40:20-Sieg über den Aufsteiger mindestens eine Klasse besser
Leipzig - Das hatte sich der THW Kiel schwerer vorgestellt. Die Hürde 1. SC Concordia Delitzsch erwies sich gestern Abend für den deutschen Meister nur als flache Schwelle. Souverän mit 40:20 (16:11) setzten sich die Zebras in der mit knapp 3700 Zuschauern gut gefüllten "Arena Leipzig" durch.

Gerade einmal fünf Minuten waren gespielt, da holte ein genervter SC-Trainer Uwe Jungandreas seine völlig kopflose Truppe von der Platte. Nervös und ängstlich schaute der Tabellenletzte ehrfürchtig zu, wie die Kieler blitzschnell mit 5:1 führten. Mattias Andersson erwischte im Zebra-Kasten einen guten Start und fütterte seine Kollegen mit Bällen, die auf schnellen Füßen ins Tor getragen wurden. Doch so konsequent die Gäste anfangs trafen, so rasch ließ die Konzentration im Angriff auch wieder nach. Reihenweise versiebten sie klarste Chancen und versäumten eine schnelle Entscheidung. So lief Nikola Karabatic alleine auf das vom Litauer Arunas Vaskevicius zunächst gut gehütete Tor zu, sprang kraftvoll in den Kreis und hämmerte den Ball mit Wucht an den Pfosten. Rechtsaußen Vid Kavticnik hatte beim Mischen seines Zielwassers ein falsches Rezept erwischt und auch "Mr. Zuverlässig", Marcus Ahlm, brauchte eine Aufwärmphase. Einzelbeispiele, an dieser Stelle könnten auch viele andere Namen stehen.

Glück für den THW Kiel, dass der Aufsteiger noch fahrlässiger mit seinen Chancen umging. Wenn der starke Andersson sie nicht stoppte, dann standen sie sich selbst im Weg. Allein in der ersten Halbzeit vergaben die Sachsen gleich siebenmal frei vor dem THW-Tor. Einen Höhepunkt ihrer Großzügigkeit lieferten sie in der 26. Minute ab, als es Linksaußen Ulrich Streitenberger mit einem frechen Heber über Andersson versuchen wollte - vergeblich. Ein Tor und der Tabellenletzte wäre gegen einen fahrigen THW Kiel auf 12:13 heran gekommen. Es blieb die letzte Gelegenheit einer Mannschaft, der fünf Niederlagen in Folge und die sterile Atmosphäre in der für sie ungewohnten "Arena Leipzig" sichtlich zu schaffen machte. Meist war die Lüftungsanlage, die leise unter der Hallendecke brummte, allein für die museumsartige Geräuschkulisse verantwortlich. "Kiel hat uns in der ersten Halbzeit die Hand gereicht", schimpfte Jungandreas. "Aber wir haben sie nicht angenommen."

Nach der Pause zog Kiel dann flott auf 20:12 davon und ließ die letzte Luft aus dem ungleichen Gegner. "Wir haben zwar viele Bälle verpulvert", meinte THW-Kapitän Stefan Lövgren. "Aber in der Abwehr haben wir endlich 60 Minuten lang konzentriert gearbeitet. Das war zuletzt ja nicht immer so."

Besonders genau machte es nun der zehnfache Torschütze Ahlm, der seinem Gegenspieler Thomas Oehlrich eine Lehrstunde erteilte. Gut für den 21-Jährigen, dass er tagsüber als Polizist unterwegs ist und schnell andere Erinnerungen sammeln wird. "Das ist der beste Kreisläufer der Welt", schnaufte ein beeindruckter Rico Göde, zweiter Teil des porösen Mittelblocks. 2,07 Meter hoch, 23 Jahre jung und mit der Atmung eines gestrandeten Goldfisches. "Wir waren am Ende alle total platt." Als Kiel von 25:18 (43.) schließlich auf 40:20 davonlief und ein Bundesligaspiel zum Trainingsabend mutierte, durfte sich jedes Zebra für die Partie am Sonnabend in der Ostseehalle (15 Uhr) aufwärmen. Dann, wenn in der Champions League mit dem polnischen Meister Wisla Plock ein Gegner ganz anderen Formats kommt.

(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 13.10.2005)


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