Am Mittwoch empfängt der THW Kiel den TUSEM aus Essen zum ersten
Heimspiel der Saison. Beide Teams konnten in ihrem ersten Spiel
nicht gewinnen, der THW spielte in
Großwallstadt
unentschieden, TUSEM unterlag in Wilhelmshaven sogar völlig überraschend.
Anpfiff in der Ostseehalle ist um 20.00 Uhr.
Essen, als einer der Mitfavoriten für den Titel gehandelt,
verpatzte den Saisonstart völlig. Mit 22:29 (10:12) unterlag
das mit Stars gespickte Ensemble beim Underdog Wilhelmshavener HV.
"Welch ein Fiasko", schreib die Neue Ruhr-Zeitung.
Dem im Urlaub weilenden TUSEM-Macher Klaus Schorn soll laut NRZ
bei der Übermittlung der ersten Zwischenstände
sogar "fast die Kaffeetasse aus der Hand gefallen" sein.
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Oleg Velykky stemmte sich als einer der wenigen
gegen die TUSEM-Pleite in Wilhelmshaven.
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TUSEM |
Der sportliche Leiter Hade Schmitz urteilte hart: "Eine absolute Katastrophe!"
Torhüter Chrischa Hannawald sagte der NRZ: "Das war eine Frechheit, was wir uns geleistet haben."
Besonders der stark besetzte Rückraum (
Szilagyi, Caillat,
Lauritzen, Cazal) der Essener war ein Totalausfall - einzig der zukünftige
Deutsche Oleg Velykky (10/3 Tore) stemmte sich gegen die Niederlage.
Sport1 sprach von einem "kollektiven Blackout".
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der
Essener Kader kaum verändert.
Einziger namhafter Neuzugang ist der Rückraumspieler Christian Caillat
vom Wilhelmshavener HV. Er soll den Abgang des Isländers Patrekur
Johannesson nach Irun (ESP) kompensieren. Neben dem in Normalform
starken Rückraum kann der TUSEM mit Jesper Larsson und Chrischa Hannawald
zwei starke Torhüter, mit Schmetz, Krebietke und Sigurdsson drei
gefährliche Außen und mit Torgowanow und Roggisch zwei erfahrene
Kreisläufer aufbieten.
In der vergangenen Saison schlug der THW TUSEM mit 34:27
(16:13) (siehe Bericht
und Gegnerdaten).
Schiedsrichter der Partie sind
Becker / Hack (Halberstadt).
THW-Coach
Noka Serdarusic weiß,
dass der Gegner TUSEM Essen nach dem verpatzten Start mit
dem Rücken an der Wand steht.
"Dabei brauchen wir gerade jetzt Ruhe",
sagt
Serdarusic den Kieler Nachrichten.
Dennoch glaubt der Kieler Trainer an einen Sieg seines THW,
"wenn wir halbwegs unser
Leistungsvermögen abrufen, tausendprozentig Herz zeigen und unsere Torhüter
wieder mit gewohnter Klasse aufwarten."
Der THW muss weiter ohne Stefan Lövgren
auskommen, der erst in circa 14 Tagen ins Training einsteigen kann.
Und auch der Einsatz von Christian Zeitz
ist gefährdet. Vermutlich ist es der Blinddarm, der den 22-Jährigen
zuletzt zusetzte und vom Trainingsbetrieb ausschloss.
Serdarusic: "Sollte
Christian spielen können, dann sicher nicht
mit der Power, die ihn normal auszeichnet."
Die Torhüter und Linksaußen seien besonders schräge Vögel, sagt man in Handballer-Kreisen.
Und in Bezug auf Chrischa Hannawald hat man damit wohl recht. Der 32-jährige
Nationalkeeper des TUSEM Essen ist ein echter Typ, die kurzen Hosen und
der Mundschutz sein Markenzeichen. Mit seiner emotionalen Art kommt er beim
Publikum an. Aber wenn er in der Ostseehalle die Fans nicht auf seiner Seite hat,
dann liegt es wohl allein daran, dass hier schon dreimal als Sieger vom Parkett
ging, während die heimischen Zebras gegen ihn leer ausgingen. Und das motiviert
ihn ungemein zusätzlich, wie Chrischa Hannwald im ZEBRA-Gespräch verrät.
- Zebra:
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Herr Hannawald, die 29:22-Niederlage Ihres TuSEM Essen in Wilhelmshaven war, das
darf man wohl sagen, ein klassischer Fehlstart. Wie haben Sie den Saisonauftakt
erlebt?
- Chrischa Hannawald:
-
Das war ganz sicher kein gelungener Start. In der Vorbereitung hatten wir noch
sehr, sehr gut gespielt und waren entsprechend klasse drauf. In Wilhelmshaven
allerdings haben wir urplötzlich einfach katastrophal gespielt. Warum, wieso und
weswegen? Ich habe noch immer keine Ahnungâ
- Zebra:
-
Stehen Sie, zumal sich Ihr Verein an der Tabellenspitze orientiert, dadurch schon
gleich unter Zugzwang? Sie spielen heute in Kiel, danach zuhause gegen Wetzlar und
wieder auswärts beim TBV Lemgo.
- Chrischa Hannawald:
-
In jedem Fall war es absolut dumm in Wilhelmshaven zu verlieren. Wenn man wie wir
oben mitspielen will, dann darf man dort einfach nicht verlieren. Am Ende sind es
diese zwei Punkte, die dir fehlen Ðÿzu was auch immer. Aber ich glaube nicht, dass
wir deswegen nun unter Zugzwang stehen. In Kiel muss man nicht gewinnen, dort
entscheidet sich nicht die Meisterschaft. Die entscheidet sich in Spielen wie wir
jetzt eines in Wilhelmshaven hatten.
- Zebra:
-
Welche eigenen Ansprüch erheben Sie und Ihr Verein in dieser Saison?
- Chrischa Hannawald:
-
In den vergangenen Jahren ging es wieder kontinuierlich nach oben. Wir möchten
unser sportliches Niveau halten und am besten noch den einen oder anderen Platz in
der Tabelle gutmachen. Unser Ziel ist zunächst einmal, den gleichen Platz (4.) wie
im vergangenen Jahr zu erreichen. Und dazu möchte ich mit einer entsprechenden
Leistung beitragen.
- Zebra:
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Im DHB-Pokalfinale 2003 scheiterten Sie buchstäblich in allerletzter Sekunde am
Titelgewinn. Hat das Spuren hinterlassen?
- Chrischa Hannawald:
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Chrischa Hannawald: "Die bittere Niederlage ganz gut verdaut."
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TUSEM |
Ganz sicher. Aber ich denke, diese bittere Niederlage ist inzwischen ganz gut
verdaut. Unmittelbar danach im Bundesliga-Alltag war es nicht so einfach, alles zu
verdrängen. Heute denkt man ab und zu noch daran, aber Altem nachzujammern bringt
nichts. Es wird wieder neue Chance geben.
- Zebra:
-
... und in diesem Jahr gleich in drei Wettbewerben. Welcher Wettbewerb ist Ihnen am
liebsten?
- Chrischa Hannawald:
-
Wir wollen natürlich in jedem der drei Wettbewerbe soweit wie möglich kommen. Aber
jetzt von einem Titel zu sprechen, wäre nicht nur verfrüht, sondern auch
vermessen. Ich hoffe nur, dass wir im Europapokal nicht erneut wieder in der
ersten oder zweiten Runde ausscheiden. Statt gleich auf den FC Barcelona zu
treffen, würde ich mir lieber ein bisschen mehr Losglück wünschen.
- Zebra:
-
Wenn man Sie in Ihrem Spiel beobachtet, so ist es auffälligt, dass Sie immer in
den ganz großen Hallen besonders motiviert scheinen und dort besonders gute
Leistungen abliefern.
- Chrischa Hannawald:
-
Das stimmt. Denn vor einem großen Publikum zu spielen, macht mir einen Riesenspaß
- in Essen kennen wir das leider nicht. Außerdem: Wenn die ganze Halle gegen einen
ist, wirkt das auf mich noch motivierender! Dann will ich auch zeigen, was ich
wirklich kann.
- Zebra:
-
Sie brauchen also dieses Wechselspiel mit dem Publikum?
- Chrischa Hannawald:
-
Ja, Emotionen mit den Zuschauern auszutauschen gehört für mich einfach dazu. Und
solange es fair bleibt, profitieren alle davon. Schließlich kann man nur gute
Leistungen bringen, wenn man Spaß an dem hat, was man gerade tut. Das gilt für den
Sport ebenso wie für jeden anderen Beruf.
- Zebra:
-
Dann müssen Sie sich auf die Kieler Ostseehalle ja besonders freuen?
- Chrischa Hannawald:
-
(lacht)
Ja, die liegt mir! Dort habe ich schon dreimal gewonnen. Und warum sollten wir
nicht auch dieses Mal in Kiel gewinnen? So eine Leistung wie zum Saisonauftakt
werden wir nicht noch einmal bieten. Da müssen die Kieler schon aufpassen, das
wird kein einfaches Spiel für sie!
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