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08.05.2002 Bundesliga

Zwischen Titeltraum und Abstiegskampf: Bad Schwartau kommt

Update #3

Hier geht's zur Aktualisierung vom 8.5., vom 7.5. (#2) und vom 7.5. (#1)...

Die Mannschaft der SG VfL Bad Schwartau-Lübeck.
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Am Mittwoch gastiert die SG VfL Bad Schwartau-Lübeck beim THW (Anwurf 20 Uhr, es gibt noch Karten). Es wird das letzte Mal sein, daß die Gäste unter diesem Namen in der Ostseehalle antreten. Unter der Flagge "HSV Handball" will der Verein - so er denn den Klassenerhalt schafft - in Zukunft in der Colorline-Arena in Hamburg um den Titel mitspielen.
In dieser Saison waren die Ostholsteiner ein Dauerbrenner für die Sportjournalisten: Erst beschloß der HBVM, der Mannschaft von Trainer Fältnäs wegen Verstoßes gegen die Lizenzbedingungen am Ende der Saison vier Pluspunkte abzuziehen. Zeitgleich quälte sich die SG mit einem dauerndem Verletzungsproblem herum, Neuzugang Bültmann fiel aus, Kapitän Adrian Wagner litt an Pfeifferschem Drüsenfieber, usw. Dann wurden die Pläne für einen Umzug der Bundesligamannschaft nach Hamburg bekannt, die für reichlich Wirbel sorgten. Wenig später trennte sich Team-Manager Sascha Schlichte urplötzlich vom Verein, für ihn übernahm Geschäftsführer Olaf Knüppel mit lauten Tönen das Ruder. Während der Saison kam es dann zu kurzfristigen Verpflichtungen von Rene Boeriths (aus Dänemark), Thomas Knorr (von der SG Flensburg-Handewitt); vor kurzem wurde zusätzlich der 36-jährige Tilo Strauch reaktiviert (siehe auch Kader Bad Schwartau).
Goran Stojanovic - "Ein Muster-Profi."
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Für Schlagzeilen sorgte nicht nur das Gerangel um die Vertragsverlängerung mit Kapitän und Jungnationalspieler Wagner, der letztendlich doch unterschrieb, sondern auch die Meinung Knüppels von seinem Trainer Fältnäs: "Es gibt keinen Trainer in der Bundesliga, der ihm menschlich und fachlich gewachsen ist. Er ist zum Beispiel besser als ein Noka Serdarusic", sagte der SG-Geschäftsführer laut Hamburger Morgenpost. Zuletzt sorgte eine "Maulwurf-Affäre" für Wirbel. Laut Zeitungsberichten wurde zunächst SG-Torhüter Stojanovic verdächtigt, interne Informationen an die Presse gegeben zu haben, doch der ehemalige THW-Torhüter, der gegen Willstätt nicht aufgestellt war, war's dann doch nicht (Knüppel in der MoPo: "Goran ist ein Muster-Profi.")

Blieb doch lieber in Spanien: Jackson Richardson.
Blieb doch lieber in Spanien: Jackson Richardson.
Top-Thema der Berichtererstattung rund um die SG war in den letzten Monaten jedoch klar der Umzug nach Hamburg. Die hochtrabenden Pläne des Vereins, der noch in dieser Spielzeit mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hatte, sorgten für Wirbel. Mit einem auf 4,5 Millionen Euro aufgestockten Etat, dem Rauten-Logo des Hamburger Sportvereins auf der Brust und der 15000 Zuschauer fassenden - noch im Bau befindlichen - Colorline-Arena in Hamburg als Heimspielstätte will der Klub in den kommendenen Jahren um den Titel mitspielen. 2 Millionen Euro sind angeblich durch Sponsoren gesichert, 2,5 Millionen Euro sollen durch Zuschauer-Einnahmen hereinkommen. "Eine Marktanalyse verspricht uns 7600 Zuschauer im Schnitt", so Knüppel in einer Pressekonferenz zum Umzug im April. Die verwöhnten Hamburger Zuschauer erwarten natürlich Spitzenhandball. Der soll durch namhafte Verpflichtungen garantiert werden. Diverse Namen von Weltklassehandballern geisterten durch die Gazetten. Mit Jackson Richardson und Mateo Garralda wurde verhandelt, zudem zeigte die SG an einer Menge auf dem Markt befindlichen Spielern Interesse, so auch am schwedischen Kreisläufer Marcus Ahlm, der mit dem THW in Verbindung gebracht wird. Unter Dach und Fach konnte Knüppel dann aber zunächst nur den Transfer von Torhüter Tomas Svensson vom FC Barcelona bringen. Nach langem Hin und Her soll nun allerdings auch feststellen, daß die französischen Nationalspieler Betrand und Guillaume Gille von Chambery an die Elbe wechseln werden. Mit dem französischen Klub konnte man sich immerhin über eine Ablösesumme einigen (140000 Euro für beide Spieler), doch die Unterschrift der beiden Franzosen steht noch aus.

Um die großen Pläne zu verwirklichen, muß die SG allerdings erst einmal den Klassenerhalt schaffen, denn mit dem Abstieg würde der Umzug platzen. Mit einer 4:12 Punkte-Serie und Platz 17 war Bad Schwartau ganz finster in die Saison gestartet, die beste Platzierung in dieser Spielzeit gelang mit Platz neun und 21:23 Punkten Anfang März (siehe Kurve Schwartau). Doch eine 1:13-Minusserie brachte Ostholsteiner wieder in eine gefährliche Situation, werden ihnen doch am Saisonende vier Pluspunkte abgezogen. Am vergangenen Freitag gelang ein glücklicher 19:18-Zittersieg über die SG Willstätt/Schutterwald. "Ich war extrem angespannt", gestand Knüppel den Lübecker Nachrichten. "Nicht auszudenken, wenn die Partie in die Hose gegangen wäre, denn wir haben Magdeburg [30:33-Niederlage, die Red.] bewusst weggelassen, uns auf das Willstätt-Spiel konzentriert", atmete er auf. Der Klassenerhalt scheint zwar greifbar nah, endgültig gerettet ist man aber noch nicht: Würde man die vier Pluspunkte schon jetzt abziehen, befände sich die SG momentan mit 20:36 Punkten nur knapp vor Solingen (18:42) auf Platz 15 (siehe Tabelle).

Jonas Ernelind.
Klicken Sie für weitere Infos! Jonas Ernelind.
In der Ostseehalle konnte die SG VfL Bad Schwartau-Lübeck noch nie gewinnen (siehe Gegnerdaten). Im letzten Jahr gab's eine klare 22:29-Niederlage beim THW (siehe Bericht). Das Hinspiel in dieser Saison verlor der THW nach schwacher Leistung knapp mit 22:24 (10:11) (siehe Bericht). Die Mannschaft der SG stellten wir im Vorbericht zum Hinspiel ausführlich vor. Beste Schützen bei Bad Schwartau sind momentan Tormod Moldestad (114 Tore) und Jonas Ernelind (113/40). Verletzt sind weiter Heiner Bültmann und Joakim Akgren. Peter Möller kann nach seiner Erkrankung möglicherweise erstmals wieder gegen den THW antreten, Simen Muffetangen war schon gegen Willstätt wieder mit dabei und Linksaußen Adrian Wagner kämpft nach überstandenem Pfeifferschem Drüsenfieber auf dem Handballfeld um seine Form.

Auswärts konnte die SG bisher nur mit Siegen in Willstätt und Hameln und einem Unentschieden in Gummersbach punkten. Kein Wunder, daß in einer Internetumfrage der Homepage der SG VfL Bad Schwartau-Lübeck drei Viertel der User an eine Niederlage ihres Teams glauben.

Aktualisierung vom 7.5.2002

Henning Fritz warnt vor Bad Schwartau: "Wir müssen am Mittwoch aufpassen. Bad Schwartau ist Außenseiter, aber gefährlich. Auch in der Ostseehalle." THW-Trainer Noka Serdarusic warnte ebenfalls: "Die SG hat in Magdeburg 30 Tore geworfen, das muss man erstmal schaffen." An den langsam einsetzenden Rechenspielen mag sich Serdarusic indes nicht beteiligen. "Wir müssen sehen, dass wir unsere Spiele gewinnen. Das wird schwer genug." Titelfavorit Nummer eins sei für ihn nach wie vor der TBV Lemgo. "Die haben eindeutig das leichtere Restprogramm."

Gegen Bad Schwartau könnte Kiels Trainer morgen nach fast einjähriger Unterbrechung endlich auch wieder auf Torhüter Steinar Ege zurückgreifen. Der Norweger meldete sich gesund zurück. So stehne drei überdurchschnittliche Nationaltorhüter im Kader, von denen nur zwei spielen werden. Haben die Zebras auf den letzten Saisonmetern damit plötzlich ein "Luxusproblem"? Sollte Serdarusic sich für Ege entscheiden, müsste er das in dieser Saison zusammengeschweisste "Team im Team" mit dem hoch gelobten Duo Henning Fritz/Mattias Andersson aufbrechen. Serdarusic bleibt gelassen: "Ich werde das machen, was jeder Trainer tun würde, der das Glück hat, mit drei überragenden Torhütern planen zu können: Spielen wird, wer am besten zum bevorstehenden Gegner passt."

2. Aktualisierung vom 7.5.2002

Goran Stojanovic freut sich besonders auf die Partie. Im Vorjahr umjubelten ihn die THW-Fans in der Ostseehalle nach jedem gehaltenen Ball mit "Goran-Goran-Rufen". "Das war unglaublich, so etwas habe ich noch nie erlebt", erzählte der 36-jährige Jugoslawe den Lübecker Nachrichten gerührt. Morgen "geht es um viel", sagt Stojanovic, "Kiel will Meister werden, muss gewinnen. Wir können unsere Punkte für den Klassenerhalt auch zu Hause holen. Wenn wir locker spielen, ist etwas möglich." SG-Trainer Anders Fältnäs sagt: "Unsere Abwehr steht. Wir brauchen jetzt nur mehr Selbstvertrauen im Angriff. Wenn wir weniger als 25 Tore bekommen, ist was drin." SG-Geschäftsführer Olaf Knüppel meint dagegen: "Ein Sieg wäre unrealistisch, aber ein Wunsch."

Aktualisierung vom 8.5.2002

Noka Serdarusic warnt vor dem heutigen Spiel: "Wer jetzt meint, daß schaukeln wir irgendwie und schon an die nächsten drei Spiele denkt, ist falsch davor. Der Schuss kann nach hinten losgehen."

Dieser Vorbericht wird bis zum Spiel laufend aktualisiert!

 

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