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14./16.04.2007 - Letzte Aktualisierung: 16.04.2007 DHB-Pokal

DHB-Pokal: THW nach dramatischem Sieg über Flensburg im Endspiel

Karabatic überragte mit 13 Treffern

DHB-Pokal, Halbfinale: 14.04.2007, Sa., 15.15: THW Kiel - SG Flensburg-Handewitt: 34:33 (19:12)
Update #3 KN-Bericht, Stimmen, Fotos und Spielbericht ergänzt...

Nikola Karabatic war mit seinen 13 Toren wieder einmal ein wichtiger Pfeiler beim Sieg über die SG.
Klicken Sie zum Vergrößern! Nikola Karabatic war mit seinen 13 Toren wieder einmal ein wichtiger Pfeiler beim Sieg über die SG.
Der THW Kiel steht zum siebten Mal im Endspiel um den DHB-Pokal. Beim "Final Four" in der Hamburger Color Line Arena gewannen die Zebras das 52. Derby gegen die SG Flensburg-Handewitt hauchdünn mit 34:33. Nachdem die Kieler eine starke erste Halbzeit ablieferten und zur Pause mit 19:12 führten, kam Flensburg mit einem starken Dan Beutler im Tor im zweiten Durchgang immer dichter ran, doch dank des mit 13 Treffern überragenden Nikola Karabatic blieb der THW letztlich Sieger in einem mehr als kuriosen Spiel.
So legte die SG Flensburg-Handewitt nach dem Spiel Protest gegen die Wertung der Partie ein, weil der 28:27-Führungstreffer von Nikola Karabatic nicht über der Linie gewesen sein soll. Der Einspruch wurde inzwischen abgelehnt.

Thierry Omeyer nagelte in der ersten Halbzeit sein Tor förmlich zu.
Klicken Sie zum Vergrößern! Thierry Omeyer nagelte in der ersten Halbzeit sein Tor förmlich zu.
Die Kieler hatten offenbar den Schwung aus dem Düsseldorf-Spiel vom vergangenen Mittwoch mit in die Color Line Arena genommen, denn sie legten zunächst los wie die sprichwörtliche Feuerwehr: Mit einem gut aufgelegten Christian Zeitz, der im rechten Rückraum beginnen durfte und vor allem mit einem äußerst siegeshungrigen Nikola Karabatic, der vorne nicht zu stoppen war und in der Abwehr zusammen mit Andrei Xepkin einen starken Mittelblock bildete. Und nicht zuletzt dank eines sensationell parierenden Thierry Omeyer legten die Kieler einen Blitzstart hin, der SG-Trainer Kent-Harry Andersson schon in der 8. Spielminute dazu zwang, seine Auszeit zu nehmen.

Doch auch die Sonderbewachung von Karabatic durch Ljubomir Vranjes sowie wenig später die Hereinnahme von Dan Beutler für Jan Holpert konnten keine Trendwende hervorrufen. Auf der Spielmacherposition des THW wechselten sich Lövgren und Karabatic ab, und als der Franzose für zwei Minuten auf die Strafbank musste, sprank Dominik Klein in die Bresche. Es lief rund bei den Zebras, während Flensburg nicht in Tritt kam - so bauten die Kieler ihren Vorsprung über 9:3 (12.) bis 14:7 (21.) aus.

Es ging wieder einmal hoch her im ewigen Derby.
Klicken Sie zum Vergrößern! Es ging wieder einmal hoch her im ewigen Derby.
Erst in der Schlussphase des ersten Durchgangs war die SG ebenbürtig, auch weil Dan Beutler nun einige Bälle zu fassen bekam. Gegen die Würfe von Karabatic hatte aber auch der Schwede kein Mittel parat, der munter weiter Tor um Tor für Schwarz-Weiß erzielte: Das 18:12 (29.) war bereits sein achter Treffer. Der einzige Flensburger, dem ein Mittel einfiel, um "Neo" zu stoppen, war Kreisläufer Jonny Jensen, allerdings war dies ein höchst unfaires. Anderthalb Minuten waren in der ersten Halbzeit noch zu spielen, als sich der Norweger mit seinem Kopf in Karabatics Rücken rammte. Dies brachte vor allem dessen Landsmann Omeyer auf die Palme, aus der resultierenden Rudelbildung wurden der Kieler Keeper sowie Joachim Boldsen für zwei Minuten auf die Bank verbannt. Die Tätlichkeit des Jonny J. hingegen hatten die häufig überfordert wirkenden Schiedsrichter Lemme/Ullrich übersehen. Der THW ließ sich aber nicht beirren und konterte mit dem doppelten Andersson: Nach einer Doppelparade von Mattias markierte Kim mit seinem einzigen Treffer die scheinbar beruhigende 19:12-Pausenführung.

Stefan Lövgren führte exzellent Regie und erzielte 6/2 Tore.
Klicken Sie zum Vergrößern! Stefan Lövgren führte exzellent Regie und erzielte 6/2 Tore.
Und vielleicht wäre es auch ein geruhsamer Nachmittag für den THW geblieben, wenn Dominik Klein seinen Gegenstoß nach Wiederanpfiff zum 20:12 genutzt hätte. Doch stattdessen parierte Dan Beutler, der sich nun zur Weltklasse-Form aufschwang, während Thierry Omeyer hinter einer auch durch viele Zeitstrafen nun nicht mehr sattelfesten Kieler Abwehr keinen Ball mehr zu fassen bekam. So schmolz der Vorsprung des THW über 19:15 (33.) und 21:18 (38.) wie Eis in der warmen Aprilsonne.

Erst ein weiterer Aufreger in dieser zweiten Halbzeit, die viele Nickeligkeiten auf beiden Seiten offenbarte, sorgte dafür, dass die Kieler sich zurück ins Spiel kämpften: Andrei Xepkin bekam in der 39. Minute nach einem Foul an Joachim Boldsen die rote Karte, doch auch wenn die Abwehr nun noch mehr bröckelte, trafen die Zebras nun vorne aber wieder. Vid Kavticnik und Stefan Lövgren legten jeweils vor für Kiel, Flensburg antwortete mit Treffern des in dieser Phase starken Kasper Nielsen. Bis zum 27:23 (45.) war noch alles "im grünen Bereich".

Andrei Xepkin sah in der 39. Minute die rote Karte.
Klicken Sie zum Vergrößern! Andrei Xepkin sah in der 39. Minute die rote Karte.
Dann aber verbarrikadierte Dan Beutler seinen Kasten endgültig, Johannsen, Lackovic, Boldsen und Stryger trafen gegen Mattias Andersson binnen fünf Minuten zum 27:27 - dem ersten Ausgleich seit dem 1:1. Nun übernahm wieder Nikola Karabatic die Initiative bei den Kielern: Seinen ersten Wurf konnte Beutler noch vor der Torlinie abwehren, sein zweiter Versuch aber wurde als Tor gewertet - eben jenes ominöse 28:27, zu dem die SG nach dem Spiel Protest einlegte. Lackovic und Vranjes glichen zweimal aus, Karabatic konterte jeweils postwendend zur erneuten Kieler Führung. Als Omeyer dann gegen Eggert endlich wieder einen Ball halten konnte und Jensen nach einem Foul an Pelle Linders eine Zeitstrafe bekam, folgte ein weiteres Kuriosum: Die Hallenuhr gab rund fünf Minuten vor Spielende seinen Geist auf, fortan wurde am Zeitnehmertisch wieder "old school" per Hand gestoppt. Folge: Die Akteure auf dem Parkett wussten ab sofort nicht mehr, wie lange noch genau zu spielen war.

Dominik Klein jubelt auf der Kieler Bank.
Klicken Sie zum Vergrößern! Dominik Klein jubelt auf der Kieler Bank.
Die Kieler nutzten eiskalt die Überzahlsituation, Lövgren und der emsige Linders sorgten für das 32:29, doch auch nach dem 33:30 (57.) durch Karabatic gab sich Flensburg nicht geschlagen. Und Tatsache: Ljubomir Vranjes gelang in einer rasanten Partie ca. eine Minute vor Schluss der Ausgleichstreffer zum 33:33, Pelle Linders jedoch nur wenige Sekunden später die erneute Kieler Führung. Noch war genug Zeit für die SG, die Verlängerung zu erzwingen, doch Omeyer parierte den Durchbruch von Lackovic, der gehechtete Nachwurf von Jensen ging übers Tor. Den Kielern gelang es zwar nicht, die letzten 25 Sekunden runterzuspielen, aber der letzte Flensburger Angriff kam dennoch zu spät.

Der THW steht nach einer hitzigen Partie, die einen ersten Vorgeschmack auf das offenbarte, was an den folgenden zwei Wochenenden in den Finals der Champions League los sein wird, im Endspiel! Dort kommt es nun zu einer Neuauflage des letztjährigen Halbfinals zwischen dem THW Kiel und der SG Kronau/Östringen, die den favorisierten HSV Hamburg in dessen Wohnzimmer überraschend mit 29:28 (13:11) besiegen konnte (siehe Spielbericht).

(Sascha Krokowski)

Lesen Sie auch den Spielbericht der Kieler Nachrichten.

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Lesen Sie auch den Spielbericht der Kieler Nachrichten...

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Noka Serdarusic:
Was in der zweiten Halbzeit mit meinen Jungs los war, würde ich auch gerne wissen. Ich kann es nur vermuten. Wir haben unsere Angriffe nicht vorbereitet und Bälle schnell verloren. Nach der Roten Karte für Xepkin waren die Spieler verunsichert, ob sie die Abwehr ohne ihn hinbekommen. Dies war sicher ein psychologischer Vorteil für Flensburg. Hinzu kommt, dass Omeyer nicht mehr so gut gehalten hat.

Meine Mannschaft gibt immer 100 Prozent, egal ob es noch 7, 8 oder 9 Feldspieler sind.

[über Xepkin:]
Er hat viel Einsatzzeit, denn wir haben auf der Position keine weiteren Spieler. Er hat nun einige Wochen mit der Mannschaft trainiert und kennt sie nun besser. In Flensburg wird er noch zehnmal besser sein.

[auf die Frage, wie er denn bei all dem "Feuer" zwischen dem THW und Flensburg die kommenden Wochen aushalten wolle:]
Ich glaube, Sie kennen mich nicht. Ich bin so locker wie noch nie in meinem Leben.

SG-Trainer Kent-Harry Andersson:
Wir hatten eine sehr schlechte erste Halbzeit. Der einzige Vorteil ist, dass wir morgen schon an die Champions League denken können, Kiel muss noch warten.
THW-Manager Uwe Schwenker:
Wir warten gerne noch diesen einen Tag, ehe wir uns auf die Champions League konzentrieren.

Zum Spiel haben die Trainer eigentlich schon alles gesagt. Wir haben es versäumt, am Anfang der zweiten Halbzeit den Sack zuzumachen. In der ersten Halbzeit waren wir immer einen Schritt schneller, Omeyer war stark. In der zweiten Halbzeit hatte Dan Beutler dann phasenweise Weltklasse-Form, das hat uns verunsichert.

SG-Spieler Joachim Boldsen:
Klar sind wir enttäuscht. Aber man muss das Positive sehen. Wir haben jetzt vor dem CL-Finale ein Spiel weniger als Kiel...

[zur roten Karte für Andrei Xepkin:]
Er wollte mir nicht schaden, ist aber eben einfach so groß. Das war keine Rote Karte, zwei Minuten hätten gereicht. Man muss auch mal die Großen schützen und nicht immer nur die Kleinen.

THW-Spieler Stefan Lövgren:
Wir haben vielleicht zur Halbzeit geglaubt, wir sind schon im Finale. Flensburg hat das ganz schön bestraft. Wir haben 20 Minuten in Angriff wie Abwehr schlecht gespielt. Aber wir haben jetzt unser erstes Teilziel erreicht, wir stehen im Finale.

[zum Ausfall der Hallenuhr:]
Ich kenne das vom Computer zu Hause. Man drückt eine falsche Taste und schon ist alles schwarz.

THW-Spieler Dominik Klein:
Derbys sind immer etwas besonderes. Ich sehe jetzt aber keinen Vorteil bezüglich der beiden Finalspiele in der Champions League. Das hier ist DHB-Pokal, in einer Woche geht es wieder bei Null los. Jetzt hoffen wir, dass wir morgen in der schwarz-weißen Fankurve feiern können.

DHB-Pokal, Halbfinale: 14.04.07, Sa., 15.15: THW Kiel - SG Flensburg-Handewitt: 34:33 (19:12)

Logo THW Kiel:
Omeyer (1.-29., 31.-42., 50.-60. Minute, 12 Paraden), M. Andersson (29.-31., 42.-50. Minute, 5/1 Paraden); Linders (3), Xepkin, K. Andersson (1), Lundström, Kavticnik (7/1), Lövgren (6/2), Zeitz (3), Karabatic (13), Klein (1); Trainer: Serdarusic
Logo SG Flensburg-Handewitt:
Holpert (1.-12., 1 Parade), Beutler (12.-60., 17/1 Paraden); von Behren (n.e.), Lackovic (5), Nielsen (5), Eggert (4/2), Jensen (3), Christiansen, Vranjes (5), Johannsen (1), Stryger (6/2), Lijewski, Boldsen (4), Lauritzen (n.e.), Knudsen; Trainer: Andersson
Schiedsrichter:
Lemme / Ullrich (Magdeburg)
Zeitstrafen:
THW: 6 (2x Karabatic (13.,37.), Omeyer (29.), Lövgren (31.), Kavticnik (33.), Klein (40.));
SG: 3 (Boldsen (29.), 2x Jensen (40.,55.))
Rote Karte:
THW: Xepkin (39.) nach Foulspiel
Siebenmeter:
THW: 4/3 (Beutler hält Kavticnik (19.));
SG: 6/4 (Christiansen an die Latte (11., Omeyer hält Nachwurf), M. Andersson hält Eggert (46.))
Spielfilm:
1. HZ.: 1:0, 1:1, 3:1, 3:2, 6:2 (8.), 6:3, 9:3 (12.), 9:4, 10:4, 10:5, 11:5, 11:6, 12:6, 12:7, 14:7 (21.), 14:8, 15:8, 15:9, 16:9, 16:11 (26.), 17:11, 17:12, 19:12;
2. Hz.: 19:15 (33.), 20:15, 20:16, 21:16, 21:18 (38.), 22:18, 22:19, 23:19, 23:20, 24:20, 24:21, 25:21, 25:22, 26:22, 26:23, 27:23 (45.), 27:27 (50.), 28:27, 28:28, 29:28, 29:29 (54.), 32:29 (56.), 32:30, 33:30, 33:33 (60.), 34:33.
Spielgraphik:
Spielgraphik
Zuschauer:
13000 (ausverkauft) (Color Line Arena, Hamburg)

User-Tipp:

SG Kronau/Östringen - THW Kiel:

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Aus den Kieler Nachrichten vom 16.04.2007:

Emotionen im Zeichen des Frostes

Halbfinale: Vorgeschmack auf den CL-Gipfel
Selten haben Pressekonferenzen eine besondere Bedeutung abseits nüchterner Spielanalyse. Denn selten ist das berühmte "Nach-dem-Spiel" so sehr auch vor dem Spiel wie am Sonnabend. Boxern vor dem Kampf ähnlich, saßen THW-Trainer Noka Serdarusic und sein Flensburger Pendant Kent-Harry Anderssonauf dem Podium, würdigten sich im frostigen Nebel keines Blickes.

Beide hatten mit ihren Mannschaften soeben im Halbfinale des DHB-Pokals ein beachtenswertes Fanal gegen den befürchteten "Prozenthandball" gesetzt. Die SG blieb dabei mit 33:34 (12:19) als Verlierer einer dramatischen, kuriosen Begegnung zurück. "Jetzt können wir ab Sonntag anfangen, an die Champions League zu denken. Der THW muss noch einen Tag warten." Flensburgs schwedischer Trainer Kent-Harry Andersson suchte das Positive in der Niederlage. Der Konter von Noka Serdarusic folgte prompt: "Wir warten gern."

Den Zuschauern in der Color Line Arena wurde ein nicht immer hochklassiges, in Emotionen und Dramaturgie jedoch kaum zu überbietendes Spiel der beiden Nord-Rivalen geboten, das folgende Erkenntnisse an den Tag förderte: In der Form der ersten Halbzeit ist der THW kaum zu stoppen, von den in dieser Phase bestenfalls mittelmäßig auftretenden Flensburgern sowieso nicht. Die kluge Regie von Stefan Lövgren, die grandiosen Reflexe von Thierry Omeyer sowie ein an diesem Tag in punkto Siegeswillen, Energie, Wurfrepertoire und Treffsicherheit galaktisch agierender Nikola Karabatic deklassierten die SG in den ersten 30 Minuten, in denen der 23-jährige Franzose bereits achtmal traf. "Diese Halbzeit von uns war eines Pokal-Halbfinales unwürdig", sagte SG-Manager Thorsten Storm nach der Partie, während Flensburgs schwergewichtiger Routinier Joachim Boldsen "am besten nicht darüber sprechen" wollte.

Eine weitere Erkenntnis: Ohne Emotionen geht es nicht, wenn die Erzrivalen sich begegnen. Einen ersten Vorgeschmack auf die kommenden Wochen lieferte Flensburgs Jonny "Zidane" Jensen, der Karabatic mit dem Kopf rammte (29.). Die Folge: Rudelbildung und Zeitstrafen gegen Thierry Omeyer und Joachim Boldsen. Dennoch, 19:12 zur Pause, der THW stand längst mit einem Bein im Finale. Weil sich Flensburgs Torwart Dan Beutler nach der Pause jedoch auf Weltklasse-Niveau steigerte, weil Omeyer seinerseits nachließ und der THW einige klare Chancen ausließ, schrumpfte der Vorsprung. "Trifft Dominik Klein gleich nach der Pause zum 20:12, geht das Spiel anders aus", vermutete THW-Manager Uwe Schwenker später. Doch Klein traf nicht, und als Andrei Xepkin, nach einem rüden, aber nicht rotwürdigen Foul gegen Boldsen disqualifiziert wurde, wurde die vielleicht wichtigste Erkenntnis der kommenden 14 Tage offenbar: Der 41-jährige Spanier, der kurzfristig als "Aushilfe" engagiert worden war, ist innerhalb von nur zweieinhalb Wochen unverzichtbar in der Kieler Deckung geworden. "So, wie es vorher an Marcus Ahlm hing, hängt es jetzt auf der Position in der Abwehr an Xepkin", sagt Noka Serdarusic. "Wir sind auf ihn angewiesen, und in Flensburg wird er noch zehnmal besser spielen." Als Xepkin am Sonnabend den vorher gut organisierten Mittelblock verlassen musste, schien es, als ging ein psychologischer Riss durch die Zebraherde, den Stefan Lövgren später nicht bemerkt haben wollte: "Ich glaube, uns haben eher die sieben Tore Vorsprung aus dem Rhythmus gebracht. Wir haben zu wenig mit dem Kopf gespielt. Das dürfen wir uns nicht erlauben." Serdarusic gestand ein: "Nach der Roten Karte war die Mannschaft verunsichert, hat in der zweiten Halbzeit hektisch gespielt."

Der fleißige Pelle Linders traf schließlich vom Kreis zum entscheidenden 34:33 (60.), Omeyer parierte anschließend einen Wurf von Jensen. Chaos war ausgebrochen, als in der 55. Minute die Hallenuhr ausfiel, das Spiel handgestoppt fortgesetzt werden musste. Als Ljubomir Vranjes vor seinem letzten Wurf vom Schlusspfiff überrascht wurde, entlud sich der Zorn des Schweden, die Kieler und ihre Fans bejubelten den Einzug ins Pokalfinale und gewährten sich damit einen Tag Aufschub vor dem Aufarbeiten einer nicht ausschließlich gelungenen Generalprobe. Joachim Boldsen indes gab zwar zu, nach seinem letzten Final Four in Hamburg traurig zu sein, sagt aber auch: "Jetzt gewinnen wir die Champions League."

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 16.04.2007)

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 16.04.2007:

Auch das Wembley-Tor war eigentlich kein Tor...

Nach dem 33:34 im Halbfinale gegen den THW Kiel legte die SG Flensburg-Handewitt Protest gegen die Wertung der Partie ein. Nicht - wie zunächst vermutet - aufgrund des Ausfalls der Uhr auf der Anzeigetafel in den letzten fünf Spielminuten, sondern aufgrund des Tores von Nikola Karabatic zum 28:27.

Nach Meinung der Flensburger hatte der Ball bei diesem Treffer die Linie nicht mit vollem Umfang überschritten. "Wir haben den Protest abgelehnt, weil es eine Tatsachenentscheidung der Schiedsrichter war", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, schon am frühen Sonnabendabend.

Da zeigte sich auch Flensburgs Manager Thorsten Storm besänftigt: "Es gibt keinen Groll, der THW hat den Sieg verdient. Aber der NDR hat mir die Fernsehbilder vorgelegt, und die haben gezeigt, dass dieser wichtige Ball zum 28:27 nicht hinter der Linie war. Ich hatte nicht vor, am Sonntagmorgen um acht Uhr das Spiel zu wiederholen, sondern wollte mit dem Protest nur sagen, wie es wirklich war. So, wie heute auch jeder weiß, dass das Wembley-Tor eigentlich kein Tor war."

(Von Tamo Schwarz, aus den Kieler Nachrichten vom 16.04.2007)


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