THW-Logo
26./28.09.2009 - Letzte Aktualisierung: 28.09.2009 Bundesliga

Starke zweite Halbzeit bringt THW gegen Gummersbach auf Siegkurs

Bundesliga, 4. Spieltag: 26.09.2009, Sa., 15.00: THW Kiel - VfL Gummersbach: 36:29 (13:14)
Update #2 KN-Berichte, weitere Stimmen, Fotos und Spielbericht ergänzt...

Kim Andersson drehte nach schwachem Beginn nach dem Seitenwechsel auf.
Klicken Sie zum Vergrößern! Kim Andersson drehte nach schwachem Beginn nach dem Seitenwechsel auf.
Der THW Kiel behält auch nach dem vierten Spieltag seine weiße Weste in der TOYOTA Handball-Bundesliga. Allerdings bedurfte es am Samstag beim 36:29-Heimsieg gegen den VfL Gummersbach einer Leistungssteigerung nach dem Seitenwechsel, um den zuvor ebenfalls noch ungeschlagenen Altmeister in die Schranken zu weisen. Bester Torschütze bei den "Zebras", die zur Pause noch mit 13:14 zurücklagen, war Kim Andersson, der sechs seiner sieben Treffer in der zweiten Halbzeit markierte.
Alfred Gislason beorderte Daniel Narcisse und Momir Ilic gegen ihren ehemaligen Verein von Beginn an aufs Parkett, und zunächst lief es dank einer guten Deckungsarbeit um den Mittelblock Ahlm/Ilic sehr gut bei den Gastgebern. Lediglich Drago Vukovic konnte in den ersten sieben Spielminuten einmal die Kieler Abwehr und den stark beginnenden Thierry Omeyer überwinden, welcher in der Anfangsphase gleich drei Rückraumwürfe entschärfte. Allerdings trafen die "Zebras" auch nur dreimal, jeder der Rückraumschützen hatte sich je einmal in die Torschützenliste eingetragen.

Robert Gunnarsson testet die Elastizität des Trikots von  Daniel Narcisse.
Klicken Sie zum Vergrößern! Robert Gunnarsson testet die Elastizität des Trikots von Daniel Narcisse.
Doch trotz des vermeintlich guten Starts wurde den Zuschauern schnell klar, dass im Kieler Angriffsspiel mächtig Sand im Getriebe steckte, welcher sich in den folgenden Minuten negativ auf den Spielstand auswirkte. Technische Fouls, Fehlpässe und ungenaue Würfe häuften sich sowohl bei Narcisse und Ilic als auch und besonders bei Kim Andersson, dem nach seinem Treffer zum 1:0 partout nichts mehr gelingen wollte. Der VfL Gummersbach nutzte diese Fehler konsequent aus, kam zunächst durch Gegenstöße von Zrnic, Pfahl und Tuzolana zum 4:4-Ausgleich. Als Zrnic mit zwei Strafwürfen und Gunnarsson nach schönem Anspiel des gut Regie führenden Viktor Szilagyi die Gäste gar mit 7:5 in Führung brachten, nahm Alfred Gislason in der 17. Spielminute seine Auszeit.

Für Ilic und Andersson kamen nun Jicha und Zeitz ins Spiel. Diese setzten auch gleich positive Impulse im schwächelnden Kieler Angriffsspiel: Ein tolles Anspiel von Zeitz auf Ahlm bedeutete den Anschluss, ein Treffer Jichas den Ausgleich und ein raffinierter Dreher Zeitz' gar wieder die Kieler Führung zum 8:7. Die Oberbergischen aber blieben unbeeindruckt, suchten jetzt ihre Chancen im Aufbauspiel und nutzten sie durch Pfahl und Vukovic konsequent - ein offener Schlagabtausch hatte begonnen.

Als aber binnen einer Minute beide Gummersbacher Rückraumshooter für zwei Minuten auf die Bank geschickt wurden, ergab sich für den THW endlich die Chance, sich in den letzten Minuten des ersten Durchgangs doch noch abzusetzen. Jedoch vergab Sprenger nach Ilic und Jicha bereits als dritter Kieler einen Siebenmeter, so dass der VfL diese Unterzahlsituation nahezu unbeschadet überstand. Dabei hatten die Gäste aber auch Glück, dass das Schiedsrichterduo Schaller/Wutzler nach einem unfairen Einstieg Zrnics gegen Jicha beim Einläuten eines Gegenstoßes Gnade vor Recht ergehen ließen und nicht noch einen dritten Gummersbacher kurzzeitig vom Parkett stellten.

Henrik Lundström durfte gegen den VfL 60 Minuten durchspielen und kam zu vier Treffern.
Klicken Sie zum Vergrößern! Henrik Lundström durfte gegen den VfL 60 Minuten durchspielen und kam zu vier Treffern.
Dennoch schien für die Kieler ein kleiner Vorsprung bis zum Seitenwechsel abzufallen, nachdem Jicha das 12:11 erzielte, Zeitz nach einem Steal zum 13:11 enteilte und Szilagyis folgender Einsatz als Offensivfoul gewertet wurde. Doch Börge Lund scheiterte mit seinem nächsten Wurf an Goran Stojanovic und Gunnarsson verkürzte im Gegenzug wieder für den VfL. Als Marcus Ahlm dann 75 Sekunden vor der Halbzeitsirene seine bereits zweite Zeitstrafe kassierte und Zrnic sowie Szilagyi mit seinem ersten Treffer die Gäste gar wieder in Führung brachten, war spätestens allen in der Sparkassen-Arena-Kiel klar: Die "Zebras" müssten mehr als eine Schippe drauflegen, um den Heimnimbus zu wahren.

Und tatsächlich: Nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die Kieler - wieder mit Kim Andersson für den im ersten Durchgang besseren Zeitz - in der Abwehr wieder so bissig und konzentriert wie zu Beginn, und vor allem im Angriff lief der Ball nun besser durch die eigenen Reihen. Zwar ging Gummersbach durch Szilagyi und Vukovic noch einmal mit 16:15 (33.) in Führung, doch dann spielte nur noch der THW Kiel. Plötzlich trumpfte ausgerechnet Kim Andersson auf, mit einem 108 km/h-Kracher glich der Schwede aus und bediente anschließend Christian Sprenger zum 17:16. Ein geblockter Vukovic-Wurf landete über einen weiten Omeyer-Pass und Henrik Lundström zum 18:16 in den Maschen. Ein Steal des für den Rot-gefährdeten Marcus Ahlm nun im Mittelblock rackernden Börge Lund läutete das 19:16 erneut durch Andersson ein, Lundström erhöhte anschließend mit einem "Wembley"-Tor auf 20:16.

Daniel Narcisse auf dem Weg zu einem  seiner vier Treffer.
Klicken Sie zum Vergrößern! Daniel Narcisse auf dem Weg zu einem seiner vier Treffer.
VfL-Trainer Sead Hasanefendic nahm nun seine Auszeit und brachte für den durch Rückenschmerzen angeschlagenen Goran Stojanovic mit Herdeiro Lucau ein zweites Ex-"Zebra". Doch auch wenn der junge Schwede gleich den ersten Wurf von Jicha abwehren konnte, musste er in Folge zweimal hinter sich greifen: Andersson mit 99 Stundenkilometern und Sprenger mit einem tollen Dreher bedeuteten das 22:16, während Vukovic, Fäth und Pfahl mit ihren Wurfversuchen an der Kieler Deckung und Omeyer verzweifelten. Als dann noch Filip Jicha auf 23:16 erhöhte, hatte der THW Kiel binnen acht Minuten mit einer beeindruckenden 8:0-Serie eine zuvor enge Partie im Handumdrehen für sich entschieden.

Thierry Omeyer durfte nun früh Feierabend machen und auch Gentzels Vorderleute nahmen nun besonders in der Abwehr einen Gang raus. Zur Folge hatte dies einen schnellen Torreigen, in dem sich neben Szilagyi besonders Allrounder Jörg Lützelberger auszeichnen konnte. Ob von Linskaußen, aus dem Rückraum oder vom Kreis - der 24-jährige ehemalige Junioren-Nationalspieler nutzte seine Einsatzzeit zu fünf Treffern. Besonders im Angriff aber zelebrierten die "Zebras" weiterhin großen Handball: Narcisse (105 km/h), Ilic (106 km/h) und Andersson (109 km/h) übertrafen sich gegenseitig im Geschwindigkeitswahn, tolle Anspiele von Narcisse, klasse Aktionen von Sprenger selbst aus dem Rückraum und ein Kempatrick von Lundström auf Anic sorgten für Szenenapplaus beim längst zufrieden gestellten Publikum. In den letzten zehn Spielminuten durfte auch der junge Isländer Aron Palmarsson weitere Bundesliga-Erfahrung sammeln, mit drei starken Treffern und einem genialen Anspiel auf Igor Anic unterstrich der 19-Jährige, dass ihm die Zukunft beim THW gehören wird.

Wären da nicht einige starke Reflexe von Herdeiro Lucau gewesen - der VfL Gummersbach wäre im zweiten Durchgang noch gehörig unter die Räder gekommen. So siegten die Kieler am Ende auch in der Höhe verdient mit 36:29 gegen den Altmeister. Lange Zeit zum Ausruhen haben die "Zebras" allerdings nicht, denn bereits am Mittwoch tritt man bei Kellerkind GWD Minden an, um die weiße Bundesliga-Weste zu verteidigen. Der Blick wird aber bereits am späten Sonntagnachmittag nach Ostwestfalen gerichtet, wenn im Derby zwischen Lübbecke und Minden die dritte Runde im DHB-Pokal ausgelost wird.

(Sascha Krokowski)

Hier geht's zu weiteren Fotos vom Spiel...

Lesen Sie auch


Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Alfred Gislason:
Mit dem Sieg bin ich sehr zufrieden, alles andere als zufrieden war ich mit unserer Leistung in der ersten Hälfte. Von insgesamt zehn technischen Fehlern haben wir acht in den ersten dreißig Minuten gemacht, hinzu kamen die drei verworfenen Siebenmeter. Gummersbach hat hingegen sehr diszipliniert gespielt, während wir im Angriff viel zu ungeduldig waren. Das hat uns große Probleme bereitet. Mitte der ersten Hälfte habe ich dann den kompletten Rückraum gewechselt, das kam uns in der zweiten Hälfte dann zu Gute. Wir konnten weiter Druck machen, weil meine Spieler ausgeruhter waren. Gummersbach hat einfach nicht die Bank wie wir.

Die zweite Hälfte war insgesamt deutlich besser, meine Spieler haben sich deutlich gesteigert. Wir sind auf dem richtigen Weg, Daniel Narcisse und Christian Sprenger kommen immer besser rein. Wir können aber noch viel besser spielen.

[Frage: Warum haben Ilic und Narcisse begonnen?]
Daniel und Momir kennen sich gut. Außerdem wollte ich Momir die Chance geben, auch einmal anzufangen - und ihn gegen seinen alten Verein bringen. Das hat er gut gemacht. Er hätte natürlich gerne noch länger gegen seine alten Freunde auf der Platte gestanden.

[Frage: Warum hat Lundström nicht die Siebenmeter geworfen?]
Henrik war zuvor bei zwei Tempogegenstößen ein wenig nervös, da hätte ich ihm mit dem Siebenmeterwerfen keinen Gefallen getan. Nachdem die anderen dann vergeben haben, haben wir in der Halbzeit abgesprochen, dass Henrik seine Siebenmeter-Bilanz ausbauen dürfe. Dann haben wir aber keinen Siebenmeter mehr bekommen ...

VfL-Trainer Sead Hasanefendic:
Am Ende gewinnt wie immer der THW. Wir haben gewusst, was uns erwartet, und uns deshalb nur ganz kurz vorbereitet. Aber ich habe eine leidenschaftliche Mannschaft, die heute einen Teil des Spiels sehr gut agiert und den THW vor verschiedene Probleme gestellt hat. Alfred wird bestimmt nicht zufrieden in die Pause gegangen sein. Wir hatten die Illusion, hier vielleicht doch etwas holen zu können. Gleichzeitig waren wir aber auch realistisch und haben eine Reaktion des THW erwartet. Uns fehlte dann die Ruhe und eine kompakte Abwehr, um der gereizten Antwort des THW etwas entgegen setzen zu können. Hinzu kamen ein paar unglückliche Schiedsrichter-Entscheidungen, die man auch als klare Geschenke an den THW werten kann. Zudem fiel mit Goran Stojanovic, der vorher schon unter großen Rückenschmerzen gespielt hatte, unser großer Rückhalt aus. Dann haben wir sehr viele schnelle, leichte Tore bekommen - das war spielentscheidend. Am Ende ging es nur noch darum, mit wieviel Toren wir hier verlieren würden. Aber ich bin zufrieden und gehe mit der Erkenntnis nach Hause, dass der THW, wenn man es ihm erlaubt, jedes Spiel sehr schnell drehen kann.
VfL-Geschäftsführer Francois-Xavier Houlet:
Wir haben uns vor allem in der ersten Halbzeit gut präsentiert. Die ersten acht Minuten in der zweiten Hälfte waren dann entscheidend. Ein paar technische Fehler, ein paar unglückliche Schiri-Entscheidungen und der verletzte Stojanovic - schon war der THW weg.
THW-Geschäftsführer Uli Derad:
Zum Spiel ist alles gesagt.

Wir werden am 5. Oktober mit der Geschäftsstelle in den Ziegelteich 30 - also direkt in die Sparkassen-Arena - ziehen. Das wird bestimmt ein bisschen hektisch, aber ich möchte dem VfL Gummersbach unbedingt viel Erfolg und Glück für die nächsten Spiele wünschen (lacht).

THW-Rückraumspieler Momir Ilic:
[gegenüber dem DSF:]
[Frage: Sie sagten vorhin, bei uns geht es immer nur "Buff, Buff", aber wie sieht es mit dem gebundenen Spiel aus?]
Es gibt ja auch spielerische Momente, aber unser Spiel ist das schnelle Spiel - laufen, werfen, das ist der moderne Handball. Wir haben auch einige neue Spieler, da braucht es einige Zeit, sich taktisch einzufinden.

Es war heute für mich natürlich ein besonderes Spiel, ich wollte etwas zeigen und natürlich will ich immer gewinnen. Heute habe ich das erste Mal von Anfang an gespielt, ansonsten kam ich immer in der 15. Minute rein, da habe ich schon immer auf die Uhr geschaut (grinst).

In der Halbzeit haben wir besprochen, dass wir besser decken müssen und dann mit Tempo nach vorne gehen und von neun, zehn Metern werfen.

[gegenüber den KN:]
Das war für mich ein besonderes Erlebnis, gegen meine alten Kollegen zu spielen. Ich hoffe, der Verein bekommt die finanziellen Probleme in den Griff. Die Handball-Bundesliga braucht den VfL.

VfL-Spielmacher Viktor Szilagyi:
[gegenüber dem DSF:]
Es ist immer wieder schön, hier zu sein. Für mich ist das hier Europas beste Halle, es macht riesig Spaß. Wenn man hier erfolgreich wäre, würde es noch mehr Spaß macheen. Wir können leider nicht über 60 Minuten über dieses Niveau spielen, aber wir hatten uns in der Pause vorgenommen, gegenzuhalten, aber der THW hat dann unsere Fehler bestraft und dann wurde es sehr schwer.

[gegenüber den KN:]
Es ist immer wieder schön, hier zu sein. Für mich ist das Europas beste Halle, es macht riesig Spaß. Wenn man hier erfolgreich wäre, würde es noch mehr Spaß machen. Wir können leider nicht über 60 Minuten dieses Niveau spielen.

VfL-Linkshänder Kim Andersson gegenüber den KN:
In der ersten Halbzeit ging alles schief. Aber wenn es bei uns erst einmal läuft, dann läuft es auch richtig gut.

4. Spieltag: 26.09.09, Sa., 15.00: THW Kiel - VfL Gummersbach: 36:29 (13:14)

Logo THW Kiel:
Omeyer (1.-42., 8 Paraden), Gentzel (42.-60., 4 Paraden); Lund, Andersson (7), Lundström (4), Anic (2), Sprenger (5/1), Ahlm (1), Zeitz (2), Palmarsson (3), Narcisse (4), Ilic (4), Klein (n.e.), Jicha (4); Trainer: Gislason
Logo VfL Gummersbach:
Lucau (38.-60., 6 Paraden), Stojanovic (1.-38., 4/1 Paraden); Krantz, Vukovic (4), Fäth (1), Lützelberger (5), Eisenkrätzer (n.e.), Gunnarsson (3), Teppich (n.e.), Szilagyi (5), Pfahl (4), Rahmel (n.e.), Zrnic (5/4), Tuzolana (2); Trainer: Hasanefendic
Schiedsrichter:
Lars Schaller (Leipzig) / Sebastian Wutzler (Frankenberg)
Zeitstrafen:
THW: 5 (2x Ahlm (14., 29.), Andersson (45.), Zeitz (51.), Anic (56.));
VfL: 3 (Vukovic (23.), Pfahl (24.), Gunnarsson (51.))
Siebenmeter:
THW: 4/1 (Ilic vorbei (13.), Stojanovic hält Jicha (21.), Sprenger an den Pfosten (24.));
VfL: 4/4
Spielfilm:
1. Hz.: 1:0, 1:1, 3:1 (7.), 3:3, 4:3 (9.), 4:6 (15.), 5:6, 5:7, 8:7 (19.), 8:8, 9:8, 9:10, 11:10 (25.), 11:11, 13:11 (27.), 13:14;
2. Hz.: 14:14, 14:15, 15:15, 15:16 (33.), 23:16 (41.), 23:17, 24:17, 24:18, 25:18, 25:19, 26:19 (45.), 26:20, 28:20 (50.), 28:21, 30:21, 30:22, 31:22, 31:23, 32:23, 32:24, 33:24, 33:25 (55.), 34:25, 34:27, 36:27, 36:29.
Zuschauer:
10250 (ausverkauft) (Sparkassen-Arena-Kiel, Kiel)
Spielgrafik:
Spielgrafik

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 28.09.2009:

Eine Hälfte wie der "alte" THW

Kiel benötigte für 36:29 über Gummersbach 30 Minuten Anlauf - Andersson gab Startschuss für Zwischenspurt
Kiel - Viertes Spiel, vierter Sieg in der Handball-Bundesliga - der "neue" THW Kiel erinnerte gestern Nachmittag an den "alten". Allerdings nur in einer starken zweiten Halbzeit, in der die "Zebras" den deutlichen 36:29 (13:14)-Sieg gegen den über weite Strecken gleichwertigen VfL Gummersbach perfekt machten.

Die von Viktor Szilagyi intelligent gesteuerten Gäste zeigten bis zur Pause, warum sie mit 5:1 Punkten einen gelungenen Saisonstart gefeiert hatten. Die Oberbergischen standen in der Abwehr sicher und leisteten sich im Angriff wenig Fehler. Immer am Rande des Zeitspiels spulten die Gäste ihr Programm routiniert ab und drehten auf der Zielgeraden gar einen Zwei-Tore-Rückstand in eine 14:13-Führung um.

Im Angriff klappte bei den Kielern anfangs wenig, nach einer Viertelstunde hatten sie lediglich vier Tore erzielt, ein historischer Wert in der Heimat des Tempohandballs. Trainer Alfred Gislason sah Handlungsbedarf und wechselte den kompletten Rückraum aus. Zum Entsetzen seines Gummersbacher Kollegen Sead Hasanefendic ersetzte Weltklasse die Weltklasse. Für Kim Andersson, der erst in der 35. Minute die Eingangstür zu diesem Spiel finden sollte, kam Christian Zeitz. Momir Ilic wurde durch Filip Jicha ersetzt und für Daniel Narcisse führte nun Börge Lund Regie. Das THW-Spiel lief fortan auch runder, aber noch lange nicht rund. "Wir haben insgesamt zehn technische Fehler gemacht", hatte Gislason ausgerechnet. "Acht davon in der ersten Halbzeit."

Er hatte erneut mit Narcisse auf der Mitte begonnen. Der französische Neuzugang hatte die komplette Vorbereitung mit den neuen Kollegen verpasst. Er soll nun über Spielminuten in seine neue Rolle als Mittelmann Nummer eins finden. "Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, einer wie Nikola Karabatic. Und der hat auch kaum auf der Bank gesessen", sagt Gislason über den Weltmeister und Olympiasieger, den er auch schon in Gummersbach trainierte. "Ich muss mich um das Wohl der Mannschaft sorgen. Deshalb spielt Daniel, er strahlt immer Gefahr aus."

Viel Extraklasse, aber noch wenig Harmonie, so lässt sich die erste Halbzeit zusammenfassen. Das sollte sich nach dem Wiederanpfiff der unsicheren Schiedsrichter Lars Schaller und Sebastian Wutzler ändern. Einige wussten schon in der Pause, was passieren würde. So prophezeite Tribünengast und "Ex-Zebra" Klaus-Dieter Petersen, dass "wir" das Spiel noch drehen werden. "Wir machen zwei, drei Fehler weniger und dem VfL geht die Puste aus." Das Kieler Urgestein war einst aus Gummersbach an die Förde gewechselt, aber für wen sein Herz schlägt, daraus machte "Pitti" kein Geheimnis.

Auch in der Kabine der Gäste wuchs die Erkenntnis, dass der THW sein anderes Gesicht zeigen würde. "Wir haben uns gegenseitig gewarnt, dass nun der THW-Express Fahrt aufnehmen würde", sagte Szilagyi, der an alter Wirkungsstätte ein gutes Spiel ablieferte. "Aber als er dann kam, haben wir uns nicht gewehrt."

In der 35. Minute lag Kiel noch 15:16 zurück, sechs Minuten später 23:16 in Führung. Eine Zeit, in der auch Kim Andersson aufwachte. Ein Fehlpass mehr, und er wäre wahrscheinlich erneut gegen Zeitz ausgetauscht worden. Stattdessen jagte der Linkshänder den Ball mit 106 Stundenkilometern zum 16:16 ins Netz, der Startschuss für den vorentscheidenden Zwischenspurt war gefallen.

Bitter für die Gummersbacher, dass ihr Torhüter Goran Stojanovic unter starken Rückenschmerzen litt und in der 38. Minute das Feld räumen musste. Er allein hätte die schwarz-weiße Lawine an diesem Sonnabend allerdings auch nicht stoppen können.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 28.09.2009)

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 28.09.2009:

Der sichere Schütze durfte nicht werfen

Kiel - Im Vorfeld der Gummersbach-Partie hatte Alfred Gislason Henrik Lundström noch als sicheren Siebenmeterschützen gelobt. Zehn Strafwürfe hat der Schwede bislang in der Bundesliga verwandelt, mehr als alle anderen Kollegen zusammen.

Viermal zeigten die Schieris in der ersten Halbzeit auf die Linie, viermal entschied Gislason sich für einen anderen Spieler: "Henrik machte keinen sicheren Eindruck." Deshalb, so der Isländer, wollte er Lundströms Nervenkostüm nicht weiter belasten.

Also durfte Momir Ilic beginnen. Der Serbe knallte den Ball an den Pfosten. Anschließend scheiterte Filip Jicha an Goran Stojanovic, dann Christian Sprenger am Pfosten. In der Halbzeit disponierte Gislason um, ernannte Lundström wieder zum Siebenmeterschützen. "Alfred hat ein gutes Gespür für solche Situationen", meinte Lundström, der gerne gegen ausgewiesene Siebenmeter-Killer wie Stojanovic antritt. "Mir hilft es zu wissen, dass die Torhüter richtig gut sind. Dann bin ich konzentrierter." Wie gut, das konnte er nicht zeigen, wurde dem THW doch in der zweiten Halbzeit kein Strafwurf zugesprochen.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 28.09.2009)

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 28.09.2009:

THW-Splitter

Gislason - Der Trainer ist nun seit Sommer 2008 in Kiel, Zeit genug, seinen Namen richtig zu schreiben. Zumal das Wort "Gislason" auch wenig Tücken beherbergt. Das klassische doppelte "s" der Isländer entfällt. Nur auf den Videowänden der Kieler Halle nicht, da wird der 50-Jährige noch als "Gislasson" begrüßt.

Narcisse - Der Franzose verbrachte die letzte Viertelstunde auf der Bank, Hand in Hand mit Uwe Brandenburg. Der THW-Physiotherapeut kühlte dem 29-Jährigen den Daumen der rechten Hand, auf den er einen Schlag bekommen hatte. "Nichts Ernstes", so Brandenburg.

Pechvogel - Für Tobias Reichmann warten auf dem Weg ins THW-Trikot weitere Hürden. Nach seinem Kreuzbandriss hatte der Linkshänder zuletzt gute Fortschritte gemacht, Schmerzen im operierten Knie machten nun einen erneuten Eingriff unumgänglich. So wurde am Freitag ein Stück des Innenmeniskus entfernt, der 21-Jährige humpelte gestern auf Krücken in die Halle. "Das wirft mich nicht zurück", sagt Reichmann. "Ich habe nur eine Woche verloren, Ende Oktober bin ich wieder fit."

Umzug - Am kommenden Montag zieht die Geschäftsstelle des THW Kiel in neue Räumlichkeiten unterhalb der Business-Lounge an der Arena um. Telefonnummern und Mail-Adressen bleiben, nur die Adresse ist ab 5. Oktober eine neue: Ziegelteich 30, 24103 Kiel. "In den nächsten Tagen wird es bei uns etwas hektisch werden", bat THW-Manager Uli Derad für einen eingeschränkten Service um Verständnis.

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 28.09.2009)


(26./28.09.2009) Ihre Meinung im Fan-Forum? Zur Newsübersicht Zur Hauptseite