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21./22.12.2012 - Letzte Aktualisierung: 22.12.2012 Bundesliga

THW will sich am Sonntag mit Heimsieg gegen Gummersbach selbst bescheren

Sport1 überträgt live im Internet

Update #1 KN-Vorbericht ergänzt ...

Das Team des VfL Gummersbach.
Klicken Sie für weitere Infos! Das Team des VfL Gummersbach.
Noch zwei Partien stehen für die "Zebras" in diesem Kalenderjahr auf dem Spielplan, ehe sich etwa die Hälfte der Mannschaft auf die Weltmeisterschaft in Spanien vorbereiten wird. Bevor am zweiten Weihnachtsfeiertag das 73. Nordderby bei der SG Flensburg-Handewitt ansteht, will der THW Kiel am Sonntagnachmittag sich selbst und seine Fans in der Sparkassen-Arena bescheren - mit einem Heimsieg gegen Altmeister VfL Gummersbach. Der Anwurf im Kieler Handballtempel erfolgt um 15.30 Uhr, Sport1 überträgt den Klassiker live und kostenpflichtig im Internet.
Der Altmeister wandelt nach dem starken Schlussspurt zum Klassenerhalt in der vergangenen Saison erneut am Abgrund: Verletzungssorgen und eine unglaubliche Niederlagen-Serie nach einem furiosen 6:2-Punkte-Start ließen die Oberberger von einem besinnlichen Advent nur träumen.
Abschied von der Eugen-Haas-Halle
Nationalspieler Adrian Pfahl ist mit 98/14 Treffern mit Abstand bester Schütze seines Teams. Nächste Saison spielt der Linkshänder beim HSV Hamburg.
Nationalspieler Adrian Pfahl ist mit 98/14 Treffern mit Abstand bester Schütze seines Teams. Nächste Saison spielt der Linkshänder beim HSV Hamburg.
"Beim VfL Gummersbach brennt der Baum", berichtete die "Handballwoche" unlängst über die aktuellen Entwicklungen bei den Oberbergern. Nach der 24:37-Heimklatsche gegen den SC Magdeburg sei der Traditionsclub sogar als "VfL Kummersbach" verspottet worden, hieß es dort weiter. Das war vielleicht etwas zu pointiert formuliert, aber der VfL steckt erneut in einer Krise. Ausgerechnet in einer Saison, in der man sich in der Kleinstadt angemessen von der altehrwürdigen Eugen-Haas-Halle verabschieden wollte. In der man die Vorfreude auf die neue, spektakuläre "Schwalbe-Arena" steigern wollte. Im September war Baubeginn für die seit Jahren geplante Arena, die voraussichtlich schon ab der Spielzeit 2013/14 4.100 Handballfans ein modernes Dach bieten und dem VfL neue Vermarktungschancen eröffnen wird. "Wir kämpfen in Zukunft nicht mehr um unsere wirtschaftliche Existenz, sondern um sportliche Erfolge", wurden vom VfL-Aufsichtsrat die Hoffnungen, die man in Gummersbach an die neue Arena knüpft, auf den Punkt gebracht.

Aber ausgerechnet in dieser Situation stecken die Blau-Weißen wieder tief im Tabellenkeller fest. Dabei war das erklärte Ziel, sich möglichst schnell von den "gefährlichen" Regionen zu verabschieden. "Kein Abstiegskampf, keine Verletzungssorgen", hatte VfL-Trainer Emir Kurtagic seine Vorstellungen von einer "guten Saison" vor dieser Spielzeit formuliert. Beides hat sich nicht erfüllt. Denn der zum Teil langfristige Ausfall von Leistungsträgern wie Christoph Schindler, Kentin Mahe, Vedran Zrnic oder Jörg Lützelberger hat den eh schon dünn besetzten Kader zusätzlich geschwächt.

Mit neuem Kreisläufer und alten Kräften
Der Slowake Michal Kopco ist ein wichtiger Pfeiler in der Gummersbacher Abwehr, im Angriff kam er bislang aber erst zu 36 Treffern.
Der Slowake Michal Kopco ist ein wichtiger Pfeiler in der Gummersbacher Abwehr, im Angriff kam er bislang aber erst zu 36 Treffern.
Zwar blieben bis auf die beiden Kreisläufer Patrick Wiencek, der jetzt das THW-Trikot trägt, und Igor Anic, der nach Frankreich zurückkehrte, alle Leistungsträger dem Verein erhalten. Und mit dem slowakischen Nationalspieler Michal Kopco fand man zumindest für die Position Ersatz bei Tatran Presov. Aber: Kopco war neben Rückkehrer Robin Teppich - der Linksaußen wurde im November vergangenen Jahres an den Bergischen HC verliehen - der einzige externe Neuzugang. Aus der Jugend wurden deshalb einige Spieler "hochgezogen". "Unser eh schon dünner Kader ist durch die Abgänge von Patrick Wiencek und Igor Anic noch schmaler geworden", hatte Kurtagic deshalb schon vor der Spielzeit "eine schwere Saison" erwartet. "Wenn alle gesund bleiben, ist ein Platz zwischen 9 und 13 realistisch, aber es darf nichts passieren, sonst wird es eng", hatte der mit 32 Jahren jüngste Coach der Liga die aktuelle Entwicklung beinahe vorher gesehen.

Dabei schienen die Gummersbacher zunächst die Erfolgsserie der vergangenen Rückrunde fortsetzen zu können. Nach einer rabenschwarzen Hinrunde und 8:28 Punkten hatte sich der Altmeister damals in die EM-Pause verabschiedet. Doch unter der Ägide des vorherigen Co-Trainers Emir Kurtagic spielte Gummersbach eine bärenstarke Rückrunde. Mit fünf Siegen in Folge stellte man den Kontakt zum unteren Mittelfeld in Rekordzeit her, und spätestens im April konnte der VfL für eine weitere Spielzeit in der ersten Liga planen. In Gummersbach herrschte Euphorie, daran konnten auch die knapp verpasste Titelverteidigung im europäischen Pokal der Pokalsieger nach der Finalniederlage gegen Flensburg und der Hickhack um Auflagen bei der Lizenzvergabe und die nicht mehr den Anforderungen der DKB-HBL entsprechende Eugen-Haas-Halle nichts ändern.

Wirbel um Jan Gorr
Kentin Mahe trumpfte zu Saisonbeginn groß auf. Nach 60 Treffern in 11 Spielen verletzte sich der Franzose und wird erst im März zurück erwartet, ehe er spätestens 2014 ebenfalls nach Hamburg wechselt.
Kentin Mahe trumpfte zu Saisonbeginn groß auf. Nach 60 Treffern in 11 Spielen verletzte sich der Franzose und wird erst im März zurück erwartet, ehe er spätestens 2014 ebenfalls nach Hamburg wechselt.
Mit dem Schwung der Rückrunde ging es in die neue Spielzeit: Und hier legte der VfL nach der klaren 25:34-Auftaktniederlage gegen den THW einen 6:2-Punkte-Blitzstart mit Siegen in Minden und Göppingen sowie zu Hause gegen Essen hin. An der Seitenlinie: Emir Kurtagic. Dabei sollte er eigentlich gar nicht mehr an der Seitenlinie stehen. Denn frühzeitig hatte sich Gummersbach für eine Verpflichtung von Jan Gorr vom TV Hüttenberg entschieden, nach Kurtagics Erfolgen dann aber den neuen Coach entlassen, ehe er überhaupt seinen Dienst angetreten hatte - ein Novum in der deutschen Handballgeschichte, das dem VfL nicht nur Unverständnis in allen Teilen der Republik einbrachte, sondern auch den Manager kostete: Axel Geerken wollte die Entscheidung gegen Gorr nicht mittragen und verabschiedete sich.
2:24 Punkte aus den letzten 13 Spielen
Und so verfolgte Geerken den neuerlichen Absturz des VfL nur noch aus der Ferne mit: Denn nach den drei Erfolgen im September machten die Verletzungssorgen und die Formschwäche einiger verbliebener Leistungsträger den Oberbergischen einen Strich durch die Saisonzielsetzung. Nur noch einmal wurde in den nächsten 13 Spielen in Gummersbach gejubelt: nach dem 25:24 gegen den TV Großwallstadt. Ansonsten setzte es Niederlagen in Serie, die nach dem 26:29 beim Aufsteiger TV Neuhausen am vergangenen Dienstag zum Absturz auf den ersten Abstiegsplatz führten (siehe auch Kurve Gummersbach und Tabelle der DKB HBL) - und die Kurtagic
Fredrik Larsson war bereits im Oktober in der Sparkassen-Arena zu Gast - damals noch im Trikot von IK Sävehof.
Fredrik Larsson war bereits im Oktober in der Sparkassen-Arena zu Gast - damals noch im Trikot von IK Sävehof.
auch am Einsatzwillen seiner Spieler zweifeln ließen: "Das sind alles Profis, die nichts anderes tun, als Handball zu spielen. Denen dürfen einfach nicht so viele Fehler passieren." Um im Rückraum neue Akzente zu setzen, wurde der VfL trotz klammer Kassen sogar noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv: Vom Kieler Champions-League-Gegner IK Sävehof verpflichtete Gummersbach Mittelmann Fredrik Larsson. "Ich bin sehr glücklich, dass der Verein dieses Zeichen gesetzt hat und bereit ist, die Jungs zu unterstützen. Denn Larsson wird dem dünnen Kader helfen", erklärte Kurtagic. In der Tat überzeugte der beim THW einst als Nachfolger von Stefan Lövgren ins Auge gefasste Larsson gleich bei seinem Debüt für den VfL, in Neuhausen erzielte der Rückraumspieler sechs Treffer.

In Gummersbach setzt man also alles daran, sich noch vor der WM-Pause durch Erfolgserlebnisse in Kiel und zu Hause gegen Minden der gröbsten Abstiegsangst zu entledigen - um sich ein wenig entspannter auf die Zukunft in der "Schwalbe-Arena" freuen zu können.

Der THW Kiel sollte trotz des aktuellen Tabellenstandes gewarnt sein, denn die letzten sportlichen Ausrufezeichen des VfL Gummersbach in der Kieler Sparkassen-Arena liegen noch gar nicht so lange zurück. Vor zwei Jahren trotzten die Oberbergischen - ebenfalls kurz vor Weihnachten - den "Zebras" in letzter Sekunde ein 26:26-Unentschieden ab. Und in der Saison 2006/07 gewann der VfL zuletzt in Kiel: Beim furiosen 39:37-Erfolg der Gummersbacher beim THW stand Alfred Gislason noch für die Gäste an der Seitenlinie, die heutigen Kieler Daniel Narcisse, Gudjon Valur Sigurdsson und Momir Ilic erzielten 28 der 39 Gummersbacher Treffer (siehe auch Gegnerdaten Gummersbach).

Die Schiedsrichter am Sonntag sind wie im Hinspiel das neue IHF-Schiedsrichtergespann Robert Schulze und Tobias Tönnies.

 

Dieser Vorbericht wird wie gewohnt ständig aktualisiert...

 

Lesen Sie bitte auch

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 22.12.2012:

Hilft der Larsson-Faktor?

Schwede soll VfL Gummersbach retten, der morgen bei Handballmeister THW Kiel zu Gast ist
Kiel. Der VfL Gummersbach ist ein Gegner, der regelmäßig zu ganz besonderen Zeitpunkten nach Kiel kommt. In der vergangenen Saison beschlossen die "Zebras" mit einem 39:29-Sieg über den zwölfmaligen Meister ihre historische Triple-Saison. Diesmal schließt der Handballmeister nach dem morgigen Heimspiel gegen die Oberbergischen (15.30 Uhr) die Halle für 42 Tage ab. Die Türen öffnen sich erst wieder am 3. Februar (17 Uhr). Dann wird der Ex-Kieler Kim Andersson mit dem dänischen Spitzenteam Kolding IF zu einem Testspiel erwartet.

Am Mittwoch sah es so aus, als müsste der THW Kiel morgen gleich auf drei Rückraumspieler verzichten. In der 35. Minute des Heimspiels gegen Großwallstadt handelte sich Momir Ilic eine schmerzhafte Prellung des rechten Augapfels ein und konnte den lockeren 34:23-Heimsieg seiner Kollegen nur noch unter Tränen verfolgen. Filip Jicha, der gegen die Franken geschont werden sollte, kann seit zwei Wochen nicht mehr kraftvoll werfen. Und Daniel Narcisse, der seinen Tribünenplatz nur unter Schmerzen erreichte, konnte aufgrund seines Pferdekusses, den er sich am Sonntag in Wetzlar eingehandelt hatte, kaum noch gehen.

Zumindest bei Ilic, der heute seinen 31. Geburtstag feiert, gaben die Ärzte mittlerweile Entwarnung. Narcisse startete am Donnerstag mit leichtem Lauftraining und wird sich heute einem letzten Test unterziehen. Alfred Gislason wäre allerdings schon zufrieden, wenn der Franzose am Mittwoch, im letzten Liga-Spiel des Jahres, bei der SG Flensburg-Handewitt (18.30 Uhr) zur Verfügung stehen würde. Dann, so die Hoffnung des THW-Trainers, soll auch Jicha wieder im Angriff Akzente können. "Dieses Spiel ist für uns ein großartiger Abschluss einer phänomenalen Saison", sagt Torhüter Thierry Omeyer, der wie seine Kollegen zuletzt zwei freie trainingsfreie Tage genießen durfte. Bevor der Triple-Sieger aber ins Derby startet, muss noch ein Gegner aus dem Weg geräumt werden. Einer, der seine Gedanken auch schon beim übernächsten Spiel haben dürfte: Am Mittwoch erwartet der VfL Gummersbach den Aufsteiger GWD Minden. "Das wird ein Endspiel", weiß Gislason, der den VfL trainierte, als er zum letzten Mal in Kiel gewann. Das geschah am 6. September 2006 (39:37). Die besten Torschützen der Gäste damals? Ilic (11/6), Narcisse (9) und Gudjon Valur Sigurdsson (8), der heute ebenfalls ein "Zebra" ist. Vier Namen, die belegen, welche Entwicklung der Traditionsverein zuletzt genommen hat. "Ich glaube trotzdem fest daran, dass sie den Klassenerhalt schaffen werden", sagt Gislason, der auch Lichtblicke beim Gegner sieht, der zuletzt achtmal in Folge verloren hat. Einer ist das Spiel gegen Berlin (23:28), in dem Gummersbach in der 40. Minute noch mit sechs Toren (19:13) führte. Ein weiterer Fredrik Larsson, den der VfL vor wenigen Tagen verpflichtete. Der schwedische Nationalspieler führte bereits am Dienstag Regie, als Gummersbach beim Aufsteiger TV Neuhausen (26:29) unterlag. Larsson, vom Kieler Champions-League-Gegner IK Sävehof gekommen, warf dabei sechs Tore.

Fünf Investoren hatten den Wintertransfer des 28-Jährigen möglich gemacht, der chronisch klamme Verein hätte ihn sich nicht leisten können. Da aber mit Christoph Schindler (Einblutung im Ellenbogen) und Kentin Mahe, der nach einem Knöchelbruch monatelang ausfallen wird, beide Mittelmänner fehlen, war der Handlungsbedarf akut. "Wenn nichts in der Tasche ist, lässt sich auch nichts herausholen", sagt Frank Flatten. "Der Etat ist mehr als strapaziert." Der Manager setzt auf den Larsson-Faktor, der folgendes Katastrophenszenario verhindern soll: In der kommenden Saison spielt der VfL endlich in seiner neuen Arena, auf die er jahrelang gewartet hat. Eine Halle, die 4000 Zuschauern Platz bieten soll. Aber nicht wird, weil das Gründungsmitglied der Bundesliga dann ein Zweitligist ist. "Die Stimmung ist im Moment ziemlich mies", sagt Schindler. "Aber ich bin mir sicher, dass der VfL sich nach der Winterpause in einer ganz anderen Verfassung präsentieren wird."

(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 22.12.2012)

 

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