29.11.2007 | Mannschaft |
"Einigen von uns fehlt derzeit in solchen Situationen das nötige Selbstbewusstsein", meint Stefan Lövgren, der zuletzt ebenfalls Nerven zeigte und sich nach dem Champions-League-Heimspiel gegen Constanta gar in Galgenhumor flüchtete. "Heute war ich mit meiner Quote zufrieden." Kein Wunder, spielte der Kapitän doch nur zehn Minuten und die drei Strafwürfe verwarfen Kollegen wie Nikola Karabatic, der in der vergangenen Saison mit 78 Prozent (71 von 91) noch einer der zuverlässigsten Schützen der Liga war. Der Franzose scheiterte in dieser Spielzeit bei sieben von zwölf Versuchen (42 Prozent) und wirkte zuletzt so ratlos, dass der Mann des harten Wurfes es gar mit Drehern versuchte. Beim jüngsten Heimsieg gegen Berlin wurde die Verantwortung an Viktor Szilagyi abgetreten. "Wir haben im Training alle geworfen und am Ende war ich übrig", sagt der Österreicher, der traf, aber auch die nervöse Kulisse spürte. "Wir wissen, dass das unsere Schwäche ist. Aber wenn bei jedem Siebenmeter ein Raunen durch die Halle geht, hilft das auch nicht unbedingt."
Mit Vid Kavticnik (15/25) und Filip Jicha muss der Rekordmeister verletzungsbedingt auf zwei stabile Schützen verzichten. Jicha hatte bei seinem Ex-Klub TBV Lemgo eine gute Quote von 76 Prozent (41/54) und wurde von Interimstrainer Volker Zerbe als Nummer eins an der Siebenmeterlinie benannt. "Das hat mir Selbstvertrauen gegeben", sagt Jicha, der den Ball immer dann an Markus Baur überreichte, wenn ihn seine Form am Erfolg zweifeln ließ.
"In Kiel haben wir viele exzellente Schützen", weiß Jicha. "Im Moment hat aber jeder im Hinterkopf, dass er verwerfen und damit der Mannschaft schaden könnte." Aber irgendwann, da ist sich der Tscheche sicher, werde der Bann auch wieder brechen. Fraglich ist, ob das schon am Sonnabend im Spitzenspiel in Nordhorn passieren wird, steht hier mit Peter Gentzel doch ein ausgewiesener "Siebenmeterkiller" im Tor. Einer, der weiß, wo der 39-jährige Schwede Schwächen hat, ist "Ex-Zebra" Johan Petersson, der heute als Spielertrainer des schwedischen Zweitligisten Hallby IF tätig ist und noch immer das aktuelle Geschehen in Kiel verfolgt. Bei seinem letzten Gastspiel in Nordhorn im März 2005 münzte der ehemalige THW-Rechtsaußen beim 34:33-Sieg acht von neun Strafwürfen in Tore um. "Bei Gentzel darf man nie oben schießen", rät Petersson, der bei seinen Nachfolgern in Kiel die Trickwürfe vermisst. "Immer unten werfen oder auf beiden Seiten an der Hüfte vorbei. Da macht er die Lücke ein bisschen spät zu. Dreher sind gegen ihn auch geeignet." Ausnahme Karabatic. "Er ist kein Dreher-Mann", sagt Petersson und hat noch einen Tipp für seine alten Kumpels parat: "Kopf abschalten."
(von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 29.11.2007)
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