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07./08.12.2006 - Letzte Aktualisierung: 08.12.2006 Champions League

Champions League: Zebras erreichen nach Kantersieg gegen Chambery mühelos das Viertelfinale

CL, Achtelfinale, Rückspiel: 07.12.2006, Mo., 20.00: THW Kiel - Chambery Savoie HB: 37:27 (20:8)
Update #4 Spielbericht der KN, Fotos, Spielbericht und Stimmen ergänzt...

Nikola Karabatic war gegen seine Landsmänner fünfmal erfolgreich.
Klicken Sie zum Vergrößern! Nikola Karabatic war gegen seine Landsmänner fünfmal erfolgreich.
Der französische Vizemeister Chambery Savoie HB war kein Prüfstein für die Zebras auf ihrem Weg ins Viertelfinale der Champions League. Nach dem klaren 39:33 im Hinspiel siegten die Kieler am Donnerstag Abend vor rund 9000 Zuschauern in der Ostseehalle auch in dieser Höhe verdient mit 37:27 (20:8) und gerieten dabei nie in Gefahr. In einem Spiel, das schon zur Pause entschieden war, konnte sich Vid Kavticnik mit 9/5 Toren - acht davon in der zweiten Hälfte erzielt - auszeichnen. Für die Franzosen traf Weltstar Jackson Richardson mit acht Treffern am häufigsten.
Der THW begann mit Nikola Karabatic auf der halblinken Position, auf Rechtsaußen durfte einmal mehr Christian Zeitz von Beginn an ran. Offenbar hatte Serdarusic seinen Mannen in der Besprechung vor dem Spiel das Motto "Volldampf von Beginn an" mit auf den Weg gegeben: Ehe Chambery erstmals durchatmen konnte, stand es bereits 3:0. Kim Andersson und zweimal der sichere Henrik Lundström hatten bereits nach drei Minuten die Weichen auf Sieg gestellt. Erst in der fünften Minute konnten die Gäste ihren ersten Torerfolg verbuchen, als Guillaume Joli per Siebenmeter erfolgreich war.

Vor dem Anpfiff.
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Weitere drei Minuten später stand es schon 6:1 für die Kieler, Chambery-Coach Philippe Gardent, der bereits nach dem Hinspiel festellte, dass der "THW in einer anderen Liga spielt", nahm eine Auszeit. Zu hektisch hatten seine Mannen in der Anfangsphase gespielt, die aufmerksame Kieler Abwehr mit einem exzellenten Thierry Omeyer dahinter mit Ballverlusten förmlich zu Tempogegenstößen eingeladen. Doch besser wurde es auch durch das Team-Time-Out nicht, es blieb weiterhin beim Einbahnstraßenhandball in Richtung des von Cyril Dumoulin gehüteten Gäste-Tores. Aus allen Positionen trafen die Zebras, spielten zum Teil feine Angriffszüge aus oder wuchteten aus den Halbpositionen das Leder ins Netz. Nach Kavticniks Tempogegenstoß zum 14:6 (22.) hatte Chambery offensichtlich genug, weil vierzig Sekunden kein Spieler zur Siebenmeterlinie gehen wollte, schnappte sich Dominik Klein das Leder und wollte seinen Keeper prüfen, doch letztlich hatte Joli ein Einsehen und traf zum 14:7. In den folgenden fünf Minuten machte der THW noch einmal Ernst, erhöhte Tor um Tor und schien die Gäste förmlich zu überrollen. Offensichtlich geschockt davon war auch der erfahrene Richardson: Zahlreiche Fehlpässe markierten seinen Weg in der ersten Hälfte. Er war es auch, der in Kim Anderssons und Karabatic' Wettbewerb in Sachen härtester Wurf ingriff. Er passte den Ball genau zu Kim Andersson, der dem Franzosen in Diensten des THW die Steilvorlage zum 110 km/h-Geschoss lieferte - da stand es dann bereits 19:7 (28.), ehe die erste Halbzeit bezeichnenderweise mit einer grandiosen Parade Omeyers endete.

Vid Kavticnik machte sieben Tore in der 2. Halbzeit.
Klicken Sie zum Vergrößern! Vid Kavticnik machte sieben Tore in der 2. Halbzeit.
Die Franzosen, so hatte man den eindruck, durften erst wieder mitspielen, als der THW seine Aufgabe quasi erledigt sah und die Partie mit runtergeschaltetem Tempo nach Hause bringen wollte. Lundström hatte inzwischen die Mittelposition im Rückraum von Lövgren übernommen und nach Traumpass Karabatic zum 21:9 getroffen. Dann jedoch ließen es die Zebras in der Abwehr etwas zu locker angehen und kassierten erstmals Gegentreffer in Folge von den Gästen. Gleich viermal schlug es hinter Henning Fritz binnen zwei Minuten ein, Chambery verkürzte auf 13:22 (35.). Doch auch dank Kavticniks Tore-Gala in Hälfte zwei wurde es nie mehr richtig spannend. Ein wenig für die Galerie, Freiräume für Richardson, die er zu sieben Torerfolgen in der zweiten Halbzeit seines letzten Champions League-Spieles nutzte, und nach Linders 34:21 (54.) auch mehr als klare Verhältnisse.

Eigentlich hätte die Partie freundschaftlich zu Ende gehen können, wogegen offensichtlich das schweizerische Schiedsrichtergespann etwas einzuwenden hatte. Bis dato mit einer guten Leistung, brachten Vitzthum/Choquard mit vielen unnötigen Zeitstrafen unverständliche Hektik
Rote Karte für Nebojsa Stojinovic nach Foul an Henrik Lundström.
Klicken Sie zum Vergrößern! Rote Karte für Nebojsa Stojinovic nach Foul an Henrik Lundström.
in die Partie. Diese gipfelte im Ausraster des Chambery-Keepers Stojinovic, der nach einem gehaltenen Tempogegenstoß von Lundström diesem im Vorbeigehen den Ellenbogen ins Gesicht rammt - eine klare Tätlichkeit, nach der der Keeper mit einer roten Karte noch gut bedient schien. So endete ein schöner Handballabend in unschönen Szenen, die den beiden Vergleichen der Teams in keiner Weise entsprachen.

Am Ende freuten sich die Fans trotzdem euphorisch über den klaren Einzug ins Viertelfinale - zumal dieser den Zebras wesentlich leichter als zuvor angenommen fiel. Samstag nun gilt es, auch in der Bundesliga für ein weiteres Achtungszeichen zu sorgen. Zum Topspiel erwartet der THW ab 15 Uhrnden TBV Lemgo, das NDR-Fernsehen überträgt live.

(Christian Robohm)

Hier geht's zu weiteren Fotos vom Spiel...

Lesen Sie auch den ausführlichen Spielbericht der Kieler Nachrichten.

Stimmen zum Spiel:

THW-Trainer Noka Serdarusic:
Wir haben in der ersten Halbzeit gut gespielt, "Titi" hat endlich mal gut gehalten und viele Chancen zunichte gemacht. Die zweite Halbzeit war dann nicht so gut. Wegen des kommenden Spiels am Samstag gegen Lemgo habe ich dann durchgewechselt und Stefan Lövgren eine Pause gegönnt. Am liebsten hätte ich auch Nikola Karabatic eine Pause gegeben, aber wir haben ja momentan so wenig Rückraumspieler.

[Wunschgegner fürs Viertelfinale?]
Das ist mir egal. Wenn man so hohe Ziele hat wie wir, muss man nehmen, was man bekommt. Ich hoffe nur, dass bis dahin der eine oder andere Spieler wieder dazustößt.

Chamberys Trainer Philippe Gardent:
Wenn wir wissen, dass wir gegen den THW spielen müssen, haben wir schon Angst, denn unsere Mannschaft ist noch sehr jung und international unerfahren. Aber wir freuen uns, dass wir das Achtelfinale erreicht haben und werden nun daran arbeiten, dass wir in Zukunft keine Angst mehr haben.
Chamberys Star Jackson Richardson:
Jackson Richardson.
Klicken Sie zum Vergrößern! Jackson Richardson.
Ich denke, dass "Titi" ein gutes Spiel geliefert hat, auch, weil er die meisten unserer Spieler kennt. Ich war aber enttäuscht, dass er in der zweiten Halbzeit nicht mehr gespielt hat, weil dies doch mein letztes Champions League Spiel war und wollte, dass er deshalb ein bisschen weint.

Ich freu mich aber, dass ich mein letztes Spiel in dieser Halle erleben durfte. Wenn mein Sohn mich irgendwann fragt, welches mein letztes Champions League Spiel war, werde ich sagen, dass wir gegen eine große Mannschaft gespielt haben, den THW Kiel, und dass wir verloren haben. Ich werde ihm aber nicht erzählen, wie hoch!

[Zur Chance des THW auf den Champions League Titel:]
Es ist eine sehr große Mannschaft mit sehr viel Erfahrung. Aber ich kann heute schlecht Vergleiche ziehen, denn sie haben ja nur gegen uns gespielt. Das Wichtigste ist, dass die Spieler auch daran glauben, die Champions League gewinnen zu können. Wenn sie aber gegen eine große spanische Mannschaft wie gegen uns 33 Gegentore kassieren, wird es sehr schwer.

THW-Torhüter Thierry Omeyer:
Es war heute wichtig, gut zu spielen, denn es war ein Achtelfinale. Es ging zwar gegen Franzosen, aber im Achtelfinale gibt es keine Freunde mehr. Deshalb wollte ich mein bestes geben, und meine Abwehr stand heute sehr gut.
THW-Torhüter Henning Fritz:
Momentan klappt vieles bei uns, wir spielen gut, machen wenig Fehler. Da ist es schwer für jeden Gegner, gegen uns zu gewinnen. Wenn wir auf diesem hohen Niveau spielen, können wir jeden Gegner schlagen. Wenn es läuft, dann läuft es halt... Wichtig ist, dass alle gesund sind. Einige Verletzte sind zurück, das ist wichtig für uns. Wenn alle gesund sind, haben wir eine schlagkräftige Mannschaft.

[Und jetzt im Viertelfinale nach Spanien?] Die spanischen Mannschaften sind sicher mit favorisiert, aber international ist es sehr eng, daher ist es eigentlich egal, wer kommt.

THW-Linksaußen Dominik Klein:
Dominik Klein.
Klicken Sie zum Vergrößern! Dominik Klein.
Wir haben gewusst, dass wir die Leistung vom Montag nochmal abrufen müssen. Das es so einfach werden würde, habe ich nicht gedacht. Es hat wieder riesig Spaß gemacht, hier in der Ostseehalle international zu spielen.

[Und jetzt im Viertelfinale nach Spanien?] Wir nehmen, was kommt. In der Auslosung sind nur noch Topgegner, egal ob Celje, Flensburg, Gummersbach, die Spanier. Jetzt wird es hart auf hart kommen...

THW-Kapitän Stefan Lövgren gegenüber den KN:
Wir haben konzentriert begonnen, und dann war das Spiel ganz schnell tot. Für das Viertelfinale wünsche ich mir, dass wir keine deutsche Mannschaft ziehen, denn wir spielen Europacup, um uns mit ausländischen Teams zu messen.

 


Champions League, Achtelfinale, Rückspiel: 07.12.06, Do., 19.00: THW Kiel - Chambery Savoie HB (FRA): 37:27 (20:8)

Logo THW Kiel:
Omeyer (1.-30., 11 Paraden), Fritz (31.-60., 5 Paraden), M. Andersson (n.e.); Linders (4), K. Andersson (5), Lundström (5/1), Kavticnik (9/5), Lövgren (3), Ahlm (2), Zeitz (1), Karabatic (5), Klein (3); Trainer: Serdarusic
Logo Chambery Savoie HB (FRA Flagge FRA):
Stojinovic (31.-56., 4 Paraden), Dumoulin (1.-31., 56.-60., 12 Paraden); Busselier, Delric (2), Roine (1), Clemencon (2) Gille, N'Diaye (2), Stamate (1), Paty, Cherblanc (3), Vuckovic (1), Joli (7/2), Richardson (8); Trainer: Philippe Gardent
Schiedsrichter:
Stephan Vitzthum / Francis Choquard (SUI)
Zeitstrafen:
THW: 2 (2x Kavticnik (52., 56.));
Chambery: 5 (Joli (36.), Gille (43.),, 2x Roine (50., 54.), Clemencon (53.))
Rote Karte:
Chambery: Stojinovic (56.) nach grober Unsportlichkeit
Siebenmeter:
THW: 6/6;
Chambery: 2/2
Spielfilm:
1. Hz.: 3:0 (3.), 3:1, 6:1 (8.), 7:3, 9:3 (13.), 11:4 (15.), 12:5, 13:6, 14:7 (23.), 19:7 (28.), 20:8;
2. Hz.: 20:9, 22:9 (33.), 22:13 (35.), 23:13, 25:14 (38.), 25:16 (39.), 26:17, 30:17 (46.) 30:19 (47.), 32:20, 34:21 (54.), 34:23, 36:24 (57.), 37:25, 37:27.
Zuschauer:
8500 (Ostseehalle, Kiel)

Kurzumfragen:

Wie weit kommt der THW in der CL?
CL-Sieger 67.8%
Finale 18.1%
Halbfinale 9.6%
Viertelfinale 4.5%
Anzahl Stimmen: 2302

Die anderen deutschen Europapokal-Teilnehmer

Am Freitag gelang der SG Flensburg tatsächlich das "Wunder von der Förde": Nach der deutlichen 31:41-Hinspielschlappe bei Celje Pivovarna Lasko (SLO) siegte die SG in der Campushalle mit 36:26 und erreichte damit doch noch das Viertelfinale der Champions League.

Für den dritten deutschen Vertreter in der Königsklasse war hingegen das Weiterkommen nur noch Formsache: Der VfL Gummersbach besiegte im Rückspiel in Leverkusen den russischen Meister Medwedi Tschechow mit 31:28, nachdem man bereits das Hinspiel in der Vorwoche mit 37:31 gewonnen hatte.

Im EHF-Pokal ist der TBV Lemgo ausgeschieden. Am Mittwochabend besiegten die Ostwestfalen den französischen Vertreter Dunkerque HB zwar mit 31:27 (14:16), doch fehlte dem TBV letztlich ein Tor, um das 30:35 noch wettzumachen.

Im rein deutschen Duell zwischen der SG Kronau/Östringen und dem SC Magdeburg behielt zwar beim Rückspiel in Mannheim Kronau mit 38:34 die Oberhand. Dies reichte aber nicht, um die deutliche 26:39-Hinspielpleite wettzumachen. So steht Magdeburg als einziges deutsches Team im Viertelfinale des EHF-Pokals.

Der deutsche Pokalsieger HSV Hamburg hat hingegen im Pokal der Pokalsieger keinerlei Probleme mit dem polnischen Meister gehabt: Nach dem deutlichen 39:26 (19:12) im Hinspiel hatten die Hansestädter auch auswärts keine Probleme und siegten locker mit 35:24.

 

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 08.12.2006:

Zebras im Viertelfinale

Champions League: Lockerer 37:27-Sieg gegen Chambery - Rot für Torhüter Stojinovic
Daran gezweifelt hatte ohnehin keiner mehr, aber gestern um 20.20 Uhr war es amtlich - der THW Kiel steht nach dem 37:27 (20:8)-Erfolg gegen Chambery HB im Viertelfinale der Champions League, das am Dienstag in Wien ausgelost wird.

Das Hinspiel am Montag hatten die Zebras souverän mit 39:33 gewonnen. Im Rückspiel zauberten sie eine halbe Stunde und spielten dann den perfekten Gastgeber: Vor 8500 Zuschauern rollten sie nun den den roten Teppich für Jackson Richardson aus. Der 37-jährige Weltstar der Franzosen durfte in der zweiten Halbzeit sieben schöne Tore werfen und sich damit würdig von der internationalen Bühne verabschieden. Überhaupt hatte die faire Partie lange den Charakter eines Abschiedsspiels. Handballer aus aller Welt treffen sich, um im friedlichen Miteinander einen aus ihrer Mitte zu würdigen. Nur Chambery-Torhüter Nebojsa Stojinovic verstand keinen Spaß und sah nach einer üblen Attacke gegen Henrik Lundström die Rote Karte (55.). "Ich hatte ihn vorher bei einem Wurf getroffen und wollte mich entschuldigen", meinte Lundström, "aber er hat mich wohl nicht verstanden und plötzlich hatte ich seinen Ellenbogen im Gesicht". Die zerdrückte Haltung des 31-Jährigen, der sich zudem ein Einzelgespräch mit THW-Trainer Noka Serdarusic einhandelte, ließ darauf schließen, dass er mit Absicht gehandelt hatte.

Es blieb die einzige unschöne Szene in einem Spiel, das bereits nach wenigen Minuten entschieden war. Bitter für die Franzosen, dass ihr Landsmann Thierry Omeyer einen Schokoladentag erwischt hatte. Er fing gut an und parierte anschließend Bälle, die auch ein Weltklasse-Torhüter nicht halten muss.

Zur Pause drohte dem französischen Vizemeister ein Debakel. Die junge Mannschaft, in der neun Spieler noch überlegen können, wen sie zu ihrem 26. Geburtstag einladen, steckte der Respekt vor dem Gegner und der ungewohnten Kulisse sichtlich in den Gliedern. Zwei Feldtore in den ersten 15 Minuten - mit diesen Zahlen lässt sich die Ostseehalle nicht erstürmen.

In der zweiten Halbzeit polierten die Gäste zumindest ihr Image auf. Auch, weil Henning Fritz vor den Augen seines Bundestrainers Heiner Brand (Co-Kommentar bei Eurosport) lange brauchte, um eine Tür in das Kieler Spiel finden. Zudem durfte Stefan Lövgren Überstunden abbummeln. Der 35-jährige Kapitän hatte aufgrund der Personalsorgen zuletzt wochenlang Schwerstarbeit verrichten müssen. Für ihn schlüpfte Lundström in die ungewohnte Rolle des Regisseurs. Überhaupt stand im zweiten Durchgang, den Chambery mit 19:17 gewann, nicht mehr der aktuelle Gegner im Mittelpunkt der THW-Interessen. Für den Meister galt es, Kräfte für den Bundesliga-Schlager gegen den TBV Lemgo zu sparen, der bereits morgen (15 Uhr, live im NDR-Fernsehen) nach Kiel kommt.

(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 08.12.2006)


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