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23.06.2013 Halle

Zebra-Journal: In 21 Stunden von Eis auf Harz

"Zebra"-Journal begleitete Dreibach-Team beim Umbau der Sparkassen-Arena

Aus dem Zebra-Journal der Kieler Nachrichten vom 15.06.2013:

Eigentlich ist er splitternackt - der Boden der Sparkassen-Arena, der Heimat der THW-Handballprofis, deren Spiele sich mit Konzerten, Shows, Reit- und Motorsportveranstaltungen, Kongressen und Tagungen abwechseln. Mancher Umbau wird da zum Kraftakt - vor allem, wenn die Zeit drängt.
Ein kalter Sonnabend im März: Gerade ist der Applaus verklungen, die letzten Gäste haben die Tribünen verlassen, rund um den Exerzierplatz stauen sich die Fahrzeuge. Vier Abende lang gastierte "Holiday on Ice", eine Show, die spektakulär ist, aber auch mit aufwändigen Kulissen und einer 25 Tonnen schweren Eisfläche daherkommt. Heute war der letzte Show-Abend. Es ist 22 Uhr, und in 21 Stunden ist der Anpfiff des Champions-League-Spiels gegen den russischen Meister Medwedi Tschechow. Heißt: In 19 Stunden strömen mehr als 10-000 Fans in die Halle, um den THW gewinnen zu sehen. Nicht auf Eis, sondern auf einem blauen PVC-Boden. Und dafür kommt eine Mannschaft ins Spiel, die nur wenige kennen, obwohl sie ganze Arbeit leistet. Es ist das Team der Konzertdienst Dreibach GmbH. Es wird eine Nacht und einen Tag lang ackern.

Es gibt einen Zeitplan, und der ist verbindlich für die bis zu 50 Techniker und Helfer. Gerade vier Stunden sind vorgesehen für den ersten Akt: den Abbau. Während die Künstler sich in ihren Kabinen abschminken, zerlegen die Techniker die riesigen Kulissen, die Dekoration und die Aufbauten. Bald stapeln sich die schweren Transportkisten vor dem Bühnenausgang, bereit, in vier Sattelzüge verladen zu werden, die drei Stunden später vom Hof rollen.

Es ist Sonntag, 1.30 Uhr, mitten in der Nacht und Zeit für den zweiten Akt, für den es zehn Schaufeln, zehn Schubkarren, zwei Besen, drei eiserne Stampfer, zwei Radlader und das dazugehörige Personal braucht.

Gerade gab es noch Erbsensuppe zur Stärkung, jetzt wummern die Stampfer, das Eis bricht, Meter für Meter arbeiten sich die Männer vor, bald steht ihnen der Schweiß auf der Stirn, obwohl es bitterkalt ist. Dazu die Kälte des Eises, das gekühlt bleiben muss. "Wenn es zu warm wird, ist es nicht mehr kaputt zu kriegen", sagt Burchard Dreibach, der hier das Sagen hat.

Die Radlader bringen die Schubkarren, die Helfer greifen zu den Schaufeln, Stück für Stück verschwindet die 41 mal 18 Meter große und vier Zentimeter dicke Fläche in Containern, während der Kompressor Glykol zum Kühlen durch das Schlauchsystem jagt. Kurzer Rückblick: Eine Woche zuvor hat das Dreibach-Team - ebenfalls über Nacht - das Parkett nach einem Handball-Spiel abgebaut, und den Unterbau für die Eisfläche verlegt, damit Tamas Varkny, seit 26 Jahren der fürs Eis verantwortliche Mann bei "Holiday on Ice", mit dem Aufbringen der 25.000 Liter Wasser beginnen konnte. 30 Schichten waren es am Ende, drei Tage brauchte er, um die Eisfläche fertig zu bekommen. Jetzt schwindet sie zusehends. Etwas ist besonders, wenn "Holiday on Ice" in Kiel gastiert. Manche Helfer arbeiten in anderen Berufen, nehmen sich ein paar Tage frei, einige schon seit 20 Jahren. Dreibach hat sich 1984 selbständig gemacht, baut mit seinen Leuten Bühnen für Open-Air-Festivals auf und ab, ist beim Schleswig-Holstein-Musikfestival im Einsatz und kennt die Sparkassen-Arena so gut wie kaum ein anderer.

Inzwischen ist es sieben Uhr: Das Eis ist raus, die Unterkonstruktion ebenso. Schichtwechsel, dritter Akt, die Routine beginnt: das Verlegen der Holzplatten für den 20 mal 40 Meter großen Handballboden, die Komplettierung der Ränge, vorher muss noch der Videocube aufgehängt werden. Eine Putzkolonne macht sich auf den Rängen und in den Kabinen zu schaffen, es wird warm, Sonnenlicht gesellt sich zum kalten Licht der Neonlampen. Schon zur Mittagszeit spiegelt der Blick in das Oval ein völlig anderes Bild wider, als noch vor fünf Stunden, und als das Parkett verlegt ist, glaubt man, sich an einem anderen Ort zu befinden. Schon wird der für Champions-League-Spiele vorgeschriebene PVC-Boden über den Holzboden gelegt, damit ist die Metamorphose von der Eiszur Handball-Show perfekt.

Feinarbeiten folgen, der Aufbau der LED-Bande, das Aufstellen der Tore, das Aufhängen der Netze. Wie am Schnürchen lief der Umbau, nicht ein Mal ist die Dreibach-Crew in Zeitverzug geraten - ganz im Gegenteil, sie war schneller als vorgesehen. So kann sie sich zwar erschöpft, aber entspannt zurückziehen, bevor sich ab 17.30 Uhr die Ränge füllen. Dr Anpfiff ist um 19 Uhr. Das Hinspiel in Moskau verloren, beim Rückspiel sind die "Zebras" überlegen und um 20.10 Uhr bejubelter Sieger.

Dieses Mal muss die Halle nicht umgebaut werden, nur der PVC-Belag verschwindet in den nächsten Tagen - der ist in der Bundesliga nicht nötig.

(Aus dem Zebra-Journal der Kieler Nachrichten vom 15.06.2013)


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