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21./22.03.2004 - Letzte Aktualisierung: 22.03.2004 EHF-Pokal

THW erreicht nach souveränem Sieg über Astrachan EHF-Pokal-Finale - Gegner Altea

EHF-Pokal, Halbfinale, Rückspiel: 21.03.2004, So., 14.45: THW Kiel - Lukoil-Dynamo Astrachan (RUS): 35:28 (19:14)
Update #3 Spielbericht der KN ergänzt...

Holt der THW gegen Altea den Pott?
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Der THW hat das EHF-Pokal-Finale erreicht. Mit einem souveränen 35:28 (19:14)-Sieg machten die Zebras gegen Lukoil-Dynamo Astrachan (RUS) den Drei-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel wett. Gegner in den beiden Endspielen (17./18.04. und 24./25.04.) ist der spanische Klub BM Altea.
Der THW begann gegen die Russen, die erneut ohne ihren gefährlichsten Rückraumschützen Georgij Zaikin antreten mussten, mit einer offensiven Abwehr, deren Lücken Astrachan geschickt nutzte. Nach acht Minuten stand es 5:5, nach zwölf Minuten führte der THW nur mit 7:6.

Inzwischen hatte THW-Coach Noka Serdarusic seine Defensive auf eine 6:0-Formation mit Klaus-Dieter Petersen und Marcus Ahlm im Mittelblock umgestellt. Dies zeigte Wirkung und nach 14 Minuten hatten die Hausherren beim Stand von 9:6 erstmals den Rückstand aus dem Hinspiel egalisiert.

Henning Fritz legte mit 18 Paraden den Grundstein für den Erfolg.
Klicken Sie zum Vergrößern! Henning Fritz legte mit 18 Paraden den Grundstein für den Erfolg.
Nachdem Dynamos schneller Linksaußen Alexei Kainarov THW-Fehler mit zwei Toren in Folge bestrafte, kam Astrachan noch einmal auf 8:9 (16.) heran, doch dann zog der THW binnen fünf Minuten auf 13:8 (21.) davon - vor allem dank Johan Pettersson, der in dieser Phase drei Siebenmeter sicher verwandelte (er hatte am Ende eine 100 Prozent 7m-Quote). Einen Torerfolg verzeichnen konnte auch Martin Boquist, der sofort nach seiner Einwechselung für Demetrio Lozano in der 20. Minute aus dem Rückraum zum 12:8 traf. Diesen Fünf-Tore-Vorsprung konnte der Gastgeber auch beim 19:14-Pausenstand mit in die Kabine nehmen.

Nachdem Kainarov in der 35. Minute per Konter zum 17:21 verkürzt hatte, begann mit dem Treffer von Boquist zum 22:17 ein THW-Torreigen, der erst zehn Minuten später mit dem 27:17 durch einen Kontertreffer von Adrian Wagner endete. Als die Zebras dann in der 51. Minuten durch Stefan Lövgren ihre Führung auf 32:20 heraufgeschraubt hatten, verloren auch die letzten Fans in der Ostseehalle ihre Zweifel am Weiterkommen des THW.

Kapitän Stefan Lövgren erzielte vier Tore.
Klicken Sie zum Vergrößern! Kapitän Stefan Lövgren erzielte vier Tore.
In den verbleibenden Minuten ließen die Zebras die Partie etwas schleifen. Astrachan nutzte die Freiräume und verkürzte zum 28:35-Endstand, ohne noch einmal die Chance auf ein Weiterkommen zu haben.

Bester Schütze beim THW war Johan Pettersson (11/5 Tore). Henning Fritz hatte mit 18 Paraden maßgeblichen Anteil am Erfolg der Zebras. Bei Astrachan waren Gorbatikov (7) und Kainarov (6) die besten Schützen.

Im zweiten Halbfinale setzte sich BM Altea mit 31:25 (15:15) gegen Dinamo-Romc. Bukarest (ROM) durch (Hinspiel 30:30 (11:12)).

Wer zunächst Heimrecht hat, entscheidet sich am kommenden Dienstag um 11 Uhr in der Final-Auslosung bei der EHF in Wien.

So spielten die anderen deutschen EC-Teilnehmer

Im Halbfinale der Champions League setzte sich Flensburg bei der dramatisch 26:36 (13:19)-Niederlage in Magdeburg nur wegen der mehr geschossenen Auswärtstore durch. Gegner im Finale ist Celje Pivovarna Lasko (SLO).

Im Europapokal der Pokalsieger schied TUSEM Essen nach einer 32:38 (11:19)-Niederlage bei Portland San Antonio (ESP) aus.

 

Stimmen zum Spiel:

Pressekonferenz. Von links: THW-Manager Schwenker, THW-Trainer Serdarusic, Moderator Körting, Dynamo-Trainer Ptscheljakov, Dynamo-Manager Maslakov.
Pressekonferenz. Von links: THW-Manager Schwenker, THW-Trainer Serdarusic, Moderator Körting, Dynamo-Trainer Ptscheljakov, Dynamo-Manager Maslakov.
Dynamo-Trainer Alexei Ptscheljakov:
Alexei Ptscheljakov: "Kiel war heute einfach überragend."
Alexei Ptscheljakov: "Kiel war heute einfach überragend."
Es gibt viele Gründe für die Niederlage, die aber erst zu analysieren sind. Ein Grund ist aber klar: Kiel war heute einfach überragend.

Unser Rückraum war heute nicht so überzeugend, unser gefährlichster Mann Georgij Zaikin konnte verletzungsbedingt nicht mitspielen, das hatte Konsequenzen für uns. Wir haben natürlich versucht, ihn durch andere Rückraumspieler zu ersetzen, aber die waren nicht überzeugend. Ich bin enttäuscht von ihrer Leistung.

Die beste Leistung zeigten Danil Tschernov und Alexandr Gorbatikov, aber das reichte über 60 Minuten nicht - sie waren am Ende einfach zu müde. Unsere Mannschaft verfügt nicht über solche Weltklassespieler wie Kiel. Unsere Spieler stammen alle bis auf einen aus Astrachan und sind dort als Handballer groß geworden.

Ich bin zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft, in diesen Spielen haben wir an Erfahrung gewonnen. Wir spielen nicht so oft in so großen Hallen. Meine Spieler waren hier dennoch konzentriert. Ich hatte den Eindruck, dass die Zuschauer Spaß hatten, wir haben sie nicht enttäuscht. Außer Handball gibt es ja noch andere Dinge auf der Welt. Ich glaube, einige der Zuschauer wussten vorher nicht, wo Astrachan liegt. Durch unsere Mannschaft haben sie erfahren, dass man auch an der Wolga guten Handball spielt.

THW-Trainer Noka Serdarusic:
Natürlich bin ich zufrieden. Wir sind im Finale, da wollten wir hin. Jeder hat gesehen, dass die russische Mannschaft sehr ausgeglichen ist, alle spielen einen sehr guten Handball. In der ersten Viertelstunde war Astrachan fast besser als zu Hause. Zum Glück hat meine Mannschaft einen sehr guten Handball gespielt. Nachdem wir eine Führung erreicht hatten, von der wir kaum träumen konnten, war das Spiel entschieden und ich konnte auswechseln.

In den ersten zehn Minuten wollte ich sehen, was Astrachan gegen eine 3:2:1-Deckung zu bieten hat, aber sie hatten da einiges zu bieten, also stellte ich auf 6:0 um.

Wenn wir so weiter spielen, dann können wir auch das Finale gewinnen.

THW-Manager Uwe Schwenker:
Ich freue mich auf zwei spannende, interessante Endspiele gegen Altea. Ich denke auch, dass wir eine Chance auf den Titel haben.

Bezüglich der Ostseehalle haben wir keine Probleme, sie steht an beiden Endspielwochenenden zur Verfügung.

THW-Abwehrchef Klaus-Dieter Petersen gegenüber dpa:
Wir waren richtig heiß. Irgendwann hatten die Russen gemerkt, dass wir besser waren als sie.

Kurzumfrage:

Wer gewinnt den EHF-Pokal?
THW 95.7%
Altea 4.3%
Anzahl Stimmen: 1029

EHF-Pokal, Halbfinale, Rückspiel: 21.03.04, So., 14.45: THW Kiel - Lukoil-Dynamo Astrachan: 35:28 (19:14)

Logo THW Kiel:
Fritz (1.-52., 18 Paraden), Andersson (52.-60., 1 Parade); Preiß (n.e.), Pettersson (11/5), Przybecki (1), Lozano (2), Petersen, Lövgren (4), Wagner (5), Ahlm (4), Boquist (5), Zeitz (3); Trainer: Serdarusic
Logo Lukoil-Dynamo Astrachan (RUS Flagge RUS):
Krioschin (zwei 7m, 0 Paraden), Izmailov (1.-60., 12 Paraden); Duichman, Serikov, Kustjajev (1), Slaschtschjev (4/2), Kainarov (6), Tschernov (3), Baschkin (2), Rubizov (3), Pschenitschnij (1), Moskalenko (4), Gorbatikov (7), Miagkov (1); Trainer: Ptscheljakov
Schiedsrichter:
Kostov / Kostov (BUL)
Zeitstrafen:
THW: 4 (zweimal Petersen (40., 49.), Boquist (54.), Ahlm (58.));
Astrachan: 5 (Kustjajev (19.), Kainarov (40.), Pschenitschij (46.), Tschernov (50.), Serikov (56.))
Siebenmeter:
THW: 5/5;
Astrachan: 3/2 (Slaschtschjev wirft gegen Fritz an den Pfosten (12.))
Spielfilm:
1. Hz.: 0:1, 2:1 (3.), 2:2, 4:2 (4.), 4:3, 5:3 (5.), 5:5 (8.), 7:5 (9.), 7:6 (12.), 9:6 (14.), 9:8 (16.), 13:8 (21.), 13:9, 14:9, 14:10, 15:10, 15:11 (25.), 17:11 (27.), 17:12, 18:12, 18:14 (30.), 19:14;
2. Hz.: 20:14, 20:15, 21:15, 21:17 (35.), 27:17 (45.), 27:18, 29:18 (47.), 29:19, 30:19, 30:20, 32:20 (51.), 22,21, 33:21 (53.), 33:25 (57.), 34:25, 34:26, 35:26 (59.), 35:28
Zuschauer:
8000 (Ostseehalle, Kiel)
Spielgraphik:
Spielgraphik

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 22.03.2004:

Grandioser THW im Finale

EHF-Cup: Kieler spielen nach 35:28-Sieg gegen Astrachan nun gegen BM Altea
Kiel - Der THW Kiel hat es geschafft! Mit einem grandiosen 35:28 (19:14)-Sieg gegen Dynamo Lukoil Astrachan erreichte der Handball-Bundesligist gestern Nachmittag das Finale um den EHF-Pokal. Gegner ist am 17./18. und 24./ 25. April der spanische Tabellen-Fünfte BM Altea.

"Wir waren heiß auf dieses Spiel", strahlte am Ende eines intensiven Arbeitstages auch Klaus-Dieter Petersen. "Irgendwann haben die Russen gemerkt, dass wir einfach besser sind."

Bis dahin musste der THW Kiel vor 8000 Zuschauern aber reichlich Überzeugungsarbeit leisten. Mit einer offensiven Abwehr wollte THW-Trainer Noka Serdarusic die Russen überraschen, doch das Experiment misslang. "Ich wollte wissen, ob sie auch gegen eine 3:2:1-Abwehr etwas zu bieten hatten. Sie hatten."

Mit 25:28 verloren die Kieler das Hinspiel in Astrachan und bis zur 10. Minute (5:5) hatten sie noch keinen einzigen Treffer aufgeholt. Die schnellen Russen umkurvten die Kieler wie Slalomstangen und schnappten zu. Dann setzte Serdarusic auf die bewährte 6:0-Deckung und gab der Abwehr mit "Pitti" Petersen auch ihren Kopf zurück. Die richtigen Zutaten für den Kieler Tempohandball waren wieder im Topf: Hinter einer stabilen Abwehr fühlte sich auch Henning Fritz (17 Paraden) sichtlich wohl und vom schnellen Johan Pettersson sahen die Russen meistens nur die Rückansicht.

Der elffache Torschütze bereitete auch das schönste Treffer des Tages vor, als er beim Überfliegen des russischen Sechs-Meter-Kreises auf Adrian Wagner zurück passte und dem THW-Linksaußen sein einziges schmerzfreies Tor ermöglichte. Ansonsten musste Wagner, der minutenlang wegen einer Hüftprellung behandelt wurde, ordentlich einstecken. "Das Aufstehen wird mir sicher ganz schön schwer fallen. Die haben uns alles abverlangt."

Mit seinem sehenswerten Treffer zum 27:17 (44.) war die Partie entschieden, das gutgelaunte Publikum feierte mit stehenden Ovationen und die Russen ließen die Köpfe hängen. "Da war es vorbei", ärgerte sich auch Russlands National-Rechtsaußen Pavel Baschkin. "Kiel war gar nicht so gut. Wir waren schwach." Sie hätten sich viel vorgenommen, aber nur wenig verwirklicht.

So stach beispielsweise der größte Trumpf der Gäste nicht: Immer wieder suchten sich ihren Kreisläufer Anton Rubizow, der noch im Hinspiel die Kieler im Alleingang an der Nase herumführte. Doch mit Marcus Ahlm an seiner Seite, der in Astrachan grippekrank fehlte, machte "Pitti" Petersen diesen Weg zum Kieler Tor zu. Nur dreimal sollte der 22-Jährige jubeln dürfen, auf seinen zweiten Treffer wartete er bis zur 52. Minute. Ein gefrusteter Astrachan-Coach Alexei Ptscheljakow ("Kiel war heute einfach überragend") nahm seinen Kreuz-Buben zwischendurch ganz raus.

Astrachan fand immer nur dann ins Spiel, wenn die Kieler in ihrer Konzentration nachließen. Dann aber ging es flott. Vor allem der flinke Linksaußen Alexei Kainarow (6) und "Shooter" Alexandr Gorbatikow (7) nutzten jede Schwächephase der Zebras eiskalt aus.

So stand die Partie bis zur 35. Minute (21:17) noch auf der Kippe. "Immer wenn wir anfingen schlecht zu spielen, waren sie da", erkannte Pettersson.

Den Grundstein für den entscheidenden Zwischenspurt legte einmal mehr Henning Fritz. Der Europameister stand in dieser Phase kurz vor seiner Auswechslung, als er doch noch die Tür ins Spiel fand. In den nächsten zwölf Minuten musste er sich nur einmal bücken, um einen Ball aus dem Netz zu holen. "Ich war mir erst sicher, als wir mit zehn Toren führten. Wir haben gegen eine sehr Mannschaft gewonnen."

(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 22.03.2004)

Zebra-Splitter

  • Festausschuss: Vor zwei Jahren gewann der THW Kiel in Barcelona zuletzt den EHF-Cup und der Spanier unter den Zebras, Demetrio Lozano, organisierte in einem Restaurant am Olympiahafen die stimmungsvolle Siegesfeier. Bei Wolfsbarsch und Whiskey feierten mehr als 100 Kieler bis in die Morgenstunden. Klar, dass "Deme" diesen Amt wieder übernimmt. "Die Feier in Altea ist mein Job."
  • Anreise: Eine eigene Chartermaschine machte es möglich: Für den THW Kiel war der Transfer vom Flughafen zum Hotel in Astrachan fast länger als der vierstündige Flug ans Kaspische Meer. Ganz anders gestaltete sich die Reise für die Gäste: 30 Stunden Anreise mit dem Flugzeug via Moskau, Kopenhagen und Hamburg. Heute Morgen um 4.30 Uhr geht es zurück.
  • Kosten: Lauf EHF-Statuten ist der Heimverein nur 48 Stunden lang für den Gast zuständig. Astrachan musste entsprechend eine der drei Übernachtungen im "Maritim" selbst bezahlen und investierte insgesamt 15000 Euro in den Trip nach Kiel. Zum Vergleich: Kiel gab 55000 Euro aus.
  • Kompliment: "Wir können nicht oft in einer solchen Halle spielen", lobte Lukoil-Rechtsaußen Pavel Baschkin auch die Kieler Zuschauer. "Wir haben schon oft vor kroatischem Publikum gespielt. Das ist kein Vergleich. Die Kieler waren sehr fair."
  • Auslosung: Altea oder Kiel? Wer zuerst zu Hause spielen darf, entscheidet sich am Dienstag, 11 Uhr. Dann wird bei der EHF in Wien gelost. "Wir wollen erst auswärts spielen", wünscht sich THW-Manager Uwe Schwenker.
  • Tagebuch: Mit einem Tagebuch auf seiner Homepage hat es THW-Keeper Mattias Andersson zu einem hohen Bekanntheitsgrad in Astrachan geschafft. Alle Lokalzeitungen haben seinen Bericht übersetzt und abgedruckt.
(Von Wolf Paarmann, aus den Kieler Nachrichten vom 21.03.2004)


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