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05.-07.05.2012 - Letzte Aktualisierung: 07.05.2012 DHB-Pokal

Final Four: THW nach Krimi-Sieg über Hamburg im Endspiel

DHB-Pokal, Halbfinale: 05.05.2012, Sa., 15.00: HSV Hamburg - THW Kiel: 25:27 (13:15)
Update #4 KN-Berichte, weitere Stimmen, Video-Spielbericht, Video von der Pressekonferenz und Fotos ergänzt...

Geschafft: Der THW Kiel steht erneut im Endspiel um den DHB-Pokal.
Klicken Sie zum Vergrößern! Geschafft: Der THW Kiel steht erneut im Endspiel um den DHB-Pokal.
Der THW Kiel hat zum elften Mal das Endspiel um den DHB-Pokal erreicht. Im Halbfinale des "Lufthansa Final Four" in der Hamburger O2-World siegten die "Zebras" in einer spannenden, von beiden Seiten intensiv geführten Partie mit 27:25 (15:13) gegen den HSV Hamburg und greifen damit am Sonntag ab 16.00 Uhr an selber Stelle nach dem achten Pokalsieg.
Im Endspiel bekommt es der THW - wie schon im Vorjahr - mit der SG Flensburg-Handewitt zu tun. Der Nordrivale bezwang im zweiten Vorschlussrundenspiel den TuS N-Lübbecke mit 29:24 (15:11) (siehe Extra-Bericht). Damit steht am Sonntag ab 16.00 Uhr das 70. Nordderby bevor.
Starker Hens sorgt für HSV-Führung
Christian Sprenger erzielte zwei Treffer.
Klicken Sie zum Vergrößern! Christian Sprenger erzielte zwei Treffer.
Das Projekt Titelverteidigung begann für die "Zebras" in der O2-World mit einem Fehlstart: Nachdem Maskottchen Hein Daddel in der ersten Disziplin des Maskottchenwettkampfs nur Vierter wurde, lief auch beim Spiel des THW zu Beginn nicht viel zusammen: Die offensive, aggressive 3:2:1-Abwehr des entthronten Meisters mit Igor Vori an der Spitze erschwerte Daniel Narcisse die Spielgestaltung, zudem erwischte auch Torhüter Dan Beutler mit Paraden gegen Jicha, Lundström und Narcisse einen starken Start. Und im Hamburger Angriff glänzten zunächst Spielmacher Michael Kraus und insbesondere Pascal Hens, der mit drei Treffern in den ersten sieben Minuten die schnelle 4:1-Führung für den HSV ermöglichte.
THW kommt langsam in die Gänge
Von Beginn an war es eine intensiv geführte Partie mit kleinen Nickligkeiten auf beiden Seiten. Die Schiedsrichter Geipel/Helbig verhängten bereits in den ersten zehn Minuten vier Zeitstrafen, um die Gemüter ein wenig zu beruhigen - es glückte nur bedingt. Immerhin waren die "Zebras" im Angriff mittlerweile in der Partie angekommen, Ilic traf per Siebenmeter und Narcisse und Andersson konterten mit trockenen Würfen postwendend per schneller Mitte die Hamburger Treffer. Die Mannschaft von Martin Schwalb spielte allerdings clever gegen die Kieler 3:2:1-Deckung mit Daniel Narcisse in vorgezogener Position, durch zwei Lindberg-Treffer und den vierten Streich von Pascal Hens führten die "Gastgeber" auch nach 14 Minuten noch mit 7:4.
6:0-Lauf des THW dreht die Partie
Vier Treffer und jede Menge Assists:  Kim Andersson gab gegen Hamburg seine Bewerbung für den besten Turnierspieler ab.
Klicken Sie zum Vergrößern! Vier Treffer und jede Menge Assists: Kim Andersson gab gegen Hamburg seine Bewerbung für den besten Turnierspieler ab.
Dann aber ergriff der THW die Inititive: Momir Ilic, der früh für den schwach begonnenen Jicha gebracht wurde, verkürzte mit einem 105km/h-Kracher auf 5:7, nach einer Omeyer-Parade gegen Jansen drehte Lundström zum 6:7-Anschluss. Und nur wenige Sekunden später hatten die "Zebras" dank eines technischen Fehlers des HSV und eines fulminanten 119km/h-Geschosses Narcisse' aus vollem Lauf zum 7:7 ausgeglichen.

Hamburg war plötzlich von der Rolle und schwächte sich noch selbst: Igor Vori kam gegen Narcisse zu spät, streckte den Kieler Spielmacher nieder und bekam wegen anschließenden Meckerns gleich eine doppelte Zeitstrafe aufgebrummt. Diese viermütige Überzahl nutzten die "Zebras" eiskalt aus, um durch einen Lundström-Doppelpack und dem von Andersson glänzend am Kreis in Szene gesetzten Jicha mit 10:7 (19.) in Führung zu gehen. Mit sechs Treffern in Folge hatten die Kieler den schwachen Start schnell vergessen gemacht.

Duvnjak lässt HSV hoffen
Und die rund 3.000 Kieler Fans in der O2-World konnten zunächst weiter feiern: Ahlm nach einem weiteren Traumanspiel des bärenstarken Andersson und Ilic per Durchbruch sorgten beim 12:8 für die erste Vier-Tore-Führung. Der HSV fand jedoch zur Schlussphase in der ersten Halbzeit in die Partie zurück - auch dank Domagoj Duvnjak, der jetzt das Zepter schwang und mit drei Treffern bis zum Pausenpfiff wieder auf 13:15 verkürzen konnte.
HSV erneut mit besserem Start
Alfred Gislason auf dem Weg zum Kampfgericht.
Klicken Sie zum Vergrößern! Alfred Gislason auf dem Weg zum Kampfgericht.
Als Marcin Lijewski nach dem Seitenwechsel der 14:15-Anschluss gelang, war die Partie endgültig wieder völlig offen. Die Hamburger witterten nun ihre Chance, immer wieder knackten sie die Kieler Deckung mit Kreisanspielen und kamen durch Strafwürfe Lindbergs zum Erfolg. Als auf der anderen Seite Momir Ilic mit einem Siebenmeter am eingewechselten Djordjic scheiterte und Lindberg ebenfalls vom Punkt den 17:17-Ausgleich markierte, ging es wieder von vorne los - mit einem wieder erstarkten HSV. Dan Beutler riss die Hamburger Fans mit einer spektakulären Doppelparade gegen Andersson von den Sitzen, einmal mehr der auffällige Lindberg brachte den frisch entthronten Meister wieder in Front. Und als auch Jicha an Beutler scheiterte und Flohr, der abwechselnd mit Duvnjak den vorgezogenen Part in der Hamburger Deckung für den rotgefährdeten Vori übernahm, gar auf 19:17 erhöhte, nahm Alfred Gislason seine Auszeit.

Der Isländer gönnte seinem abgekämpften Kapitän Marcus Ahlm eine Pause, Filip Jicha rückte für ihn an den Kreis. Dennoch hatte der HSV nach einem Fehlwurf Lundströms gar die Chance, auf 20:17 zu erhöhen, der Wurf Jansen prallte aber vom Innenpfosten zurück ins Feld. Stattdessen war nun wieder der THW dran: Andersson traf mit einem trockenen Schlagwurf, Lindberg warf einen Siebenmeter an den Pfosten, ehe Sprenger und Ilic wieder die "Zebras" mit 20:19 (43.) in Führung warfen.

Spiel wiegt hin und her
Die Partie ging in die entscheidende Phase, in der Pascal Hens mit zwei tollen Kreisanspielen auf Kraus und Vori glänzte und damit die Führung erneut wechseln ließ. Als Lindberg dann sogar einen Siebenmeter cool über Omeyer zum 24:22 (50.) in den Kasten hob, stand der HSV endgültig vor dem Coup.

Daniel Narcisse erzielte das wichtige 26:25 und drei weitere Treffer.
Klicken Sie zum Vergrößern! Daniel Narcisse erzielte das wichtige 26:25 und drei weitere Treffer.
Doch die letzten zehn Spielminuten einer Partie sind in dieser Saison zumeist die besten des THW - so auch diesmal: Andersson spielte Jicha am Kreis an, der nicht nur auf 23:24 verkürzte, sondern auch noch eine Zeitstrafe gegen Guillaume Gille herausholte. Die Kieler Deckung provozierte dann einen Fehlpass der Hamburger und Andersson besorgte mit einem Hammer den Ausgleich zum 24:24. Nachdem die Kieler einen Hamburger Angriff erfolgreich abwehren konnten, tankte sich Jicha zur Führung durch, die Lindberg aber per Siebenmeter gegen Palicka egalisierte.

Dramatische Schlussminuten
Die letzten sechs Minuten wurden somit dramatisch, zumal sie von den Schiedsrichtern schwierige Entscheidungen erforderten. So erzwang Ahlm beispielsweise clever ein Stürmerfoul der Hamburger in deren eigenen Hälfte, nachdem Beutler gegen Narcisse parierte. Wenig später machte es Narcisse besser und brachte die Schwarz-Weißen mit 26:25 in Front - allerdings musste Marcus Ahlm im Anschluss für zwei Minuten auf die Bank. Es folgten umstrittene Offensivfouls auf beiden Seiten, ehe Omeyer, der in der Partie bislang kein Faktor war, plötzlich hellwach war: Erst parierte der Franzose gegen Lindberg, dann gegen Jansen. Und als Andersson dann mit einem weiteren sensationellen Anspiel auf Ahlm aufwartete, lag der THW 51 Sekunden vor Spielende mit 27:25 vorne. Die Kieler Fans feierten bereits, der HSV jedoch nahm noch einmal seine Auszeit und brachte den siebten Feldspieler. Doch wieder stand ihnen Thierry Omeyer im Weg, der mit seiner Parade gegen Lindberg die letzten Zweifel am Finaleinzug ausräumte.

(Sascha Krokowski)

Video-Spielbericht

Lesen Sie auch den Spielbericht der Kieler Nachrichten.

Stimmen zum Spiel:

HSV-Trainer Martin Schwalb:
Herzlichen Glückwunsch an den THW zum Gewinn der Meisterschaft und zum Erreichen des Endspiels. Es war eine sehr intensive Partie. Beide Mannschaften wollten den Sieg unbedingt. Das macht Handball aus, dieses Final Four, diese Dramatik! Aber ich muss sagen, meine Mannschaft in der Kabine fühlt sich nicht gut behandelt.
THW-Trainer Alfred Gislason:
Es war eine sehr enge, sehr hart umkämpfte Partie, die kämpferisch und von der Spannung her hochklassig war. Der HSV hatte den besseren Start, insgesamt war auch unsere 3:2:1-Abwehr nicht so gut wie normalerweise. Wir haben ungewöhnlich viele Chancen über den Kreis zugelassen. Aber unser Sieg war nicht unverdient. Man hat gesehen, dass der HSV eine Weltklasse-Mannschaft hat, die sehr gut decken und sehr gut spielen kann. Von daher bin ich stolz auf meine Mannschaft, hoffe aber, dass wir im Finale besser spielen.
HSV-Geschäftsführer Christoph Wendt:
Unsere Spieler sind alle sehr, sehr niedergeschlagen. Trotzdem werden wir am nächsten Sonntag einen weiteren Anlauf unternehmen, den THW zu schlagen.
THW-Geschäftsführer Klaus Elwardt:
Meinen Glückwunsch an Alfred und die Mannschaft. Sie ist überglücklich, dass sie dieses schwere Spiel gewonnen hat. Aber wir wissen, dass hier erst eine Halbzeit gespielt ist, morgen mittag müssen wir erneut angreifen.
THW-Rückraumspieler Filip Jicha gegenüber Sport1:
Es war ein sehr spannendes Spiel von beiden Seiten mit wechselnden Führungen, ein chaotisches Spiel. Wir waren in den letzten zehn Minuten vielleicht etwas glücklicher. Aber meine Freude hält sich in Grenzen, denn morgen geht es ja schon weiter und da wollen wir jubeln. Omeyer war sicherlich der Spieler mit den entscheidenden Szenen am Ende und hat diese "Mini-Duelle" gewonnen.

[Frage: Sind Sie heiß auf den zweiten Titel?]
Diese Frage muss ich nicht beantworten, oder? Heute waren wir vielleicht nicht so frisch in den Köpfen, aber wir werden morgen wieder brennen!

THW-Rückraumspieler Filip Jicha gegenüber den Kieler Nachrichten:
Zu Beginn hat der HSV viel Härte ins Spiel gebracht. Die wollten uns wohl zeigen, dass nicht nur Handball gespielt wird. Aber wir hatten auch keine weißen Handschuhe an.
THW-Kapitän Marcus Ahlm gegenüber den Kieler Nachrichten:
Es war ein großer Kampf, an dessen Ende Titi sehr wichtige Bälle gehalten hat. Wir mussten vorne um jeden Zentimeter kämpfen, das hat viel Spaß gemacht.
THW-Aufsichtsrat Reinhard Ziegenbein gegenüber den Kieler Nachrichten:
Ich habe nicht gedacht, dass es so ein enges Spiel werden würde, aber auch nie an einem Sieg gezweifelt. Aber: Der ganze Aufsichtsrat hat bis zum Ende richtig gezittert.
Video der Pressekonferenz:

DHB-Pokal, Halbfinale: 05.05.12, Sa., 15.00: HSV Hamburg - THW Kiel: 25:27 (13:15)

Logo HSV Hamburg:
Djordjic (bei zwei Siebenmetern, 1/1 Parade), Beutler (1.-60., 8 Paraden); Kraus (2), Schröder (n.e.), Duvnjak (3), Jansen (1), Lackovic (1), Flohr (1), Vori (2), Gille, Vugrinec (n.e.), Lindberg (10/6), Lijewski (1), Hens (4); Trainer: Schwalb
Logo THW Kiel:
Omeyer (1.-60., 11 Paraden), Palicka (bei zwei Siebenmetern, keine Parade); Andersson (4), Lundström (3), Sprenger (2), Ahlm (3), Kubes, Reichmann (n.e.), Zeitz, Palmarsson, Narcisse (4), Ilic (6/3), Klein (n.e.), Jicha (5); Trainer: Gislason
Schiedsrichter:
Lars Geipel / Marcus Helbig
Zeitstrafen:
HSV: 5 (Lindberg (8.), Jansen (10.), 2x Vori (17., 2x2), Gille (50.));
THW: 3 (Andersson (7.), 2x Ahlm (10., 57.))
Siebenmeter:
HSV: 7/6 (Lindberg an den Innenpfosten (41.));
THW: 5/4 (Djordjic hält Ilic (35.))
Spielfilm:
1. Hz.: 2:0, 2:1 (5.), 4:1, 4:2 (10.), 5:2, 5:3, 6:3, 6:4, 7:4 (14.), 7:10 (19.), 8:10, 8:12 (23.), 9:12, 9:13, 11:13 (27.), 11:14, 12:14, 12:15, 13:15;
2. Hz.: 14:15, 14:16, 15:16, 15:17 (34.), 19:17 (38.), 19:20 (43.), 20:20, 20:21, 22:21 (46.), 22:22, 24:22 (49.), 24:25 (53.), 25:25, 25:27.
Spielgrafik:
Spielgrafik
Zuschauer:
13.056 (o2 World, Hamburg)

Kurzumfragen:

Wer wird DHB-Pokal-Sieger?
THW 92.6%
Flensburg 7.4%
Anzahl Stimmen: 148

 

User-Tipp:

THW Kiel - SG Flensburg-Handewitt:

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Aus den Kieler Nachrichten vom 07.05.2012:

Duell der Giganten, Teil zwei

Erst Bundesliga, dann Pokal-Halbfinale: Handballmeister THW Kiel zerstört auch den letzten Titeltraum des HSV
Es war das erste Halbfinale, es wäre aber auch ein würdiges Endspiel gewesen: Letztlich gewann der THW Kiel das Treffen der Giganten mit 27:25 (15:13) gegen den HSV Hamburg. Doch in einem dramatischen Spiel, in dem beide Abwehrreihen auf Weltklasseniveau arbeiteten, wäre auch ein Erfolg des Ex-Meisters verdient gewesen. Letztlich entschieden die Paraden von Thierry Omeyer ein rassiges Duell zweier Teams, die sich am Sonntag in der Liga (13.10 Uhr) noch einmal an gleicher Stelle treffen werden.

Die Besiegten verschwanden mit dem Abpfiff sofort in der Kabine. Sie wollten allein sein, einen weiteren Tiefpunkt einer völlig verkorksten Saison im kleinen Kreis verarbeiten. Nur Dan Beutler hatte es nicht geschafft. Bevor der Schwede die Tür hinter sich schließen konnte, hatten die Journalisten ihn in den Katakomben der O2-World umzingelt. Er sprach leise, suchte mühsam nach Antworten und bündelte die Wahrheit schließlich in einem Satz. "Kiel hatte das Stück Glück, das uns im Moment einfach fehlt." Der Schwede strahlte die Müdigkeit eines Profisportlers aus, der schlicht keine Erklärung dafür hat, warum der HSV, der so souveräne Meister der Vorsaison, seit Monaten im Sturzflug ist. "Wir haben es zwar geschafft, Kiel schwach zu machen", sagte Beutler, der selbst keinen Glanztag erwischte. "Aber am Ende haben uns drei, vier Minuten gefehlt."

In der 49. Minute führte das Team von Martin Schwalb noch mit 24:22. Ohne die verletzten Säulen Bertrand Gille, Johannes Bitter und Oscar Carlen. Mit Igor Vori, der sich unmittelbar vor der Melsungen-Niederlage (29:30) einen Nerv eingeklemmt hatte und auch gegen Kiel eine schmerzstillende Spritze in seinen breiten Rücken benötigte. Die Hamburger erinnerten in ihrer Besetzung stark an den THW der vergangenen Spielzeit, als der Rekordmeister aufgrund zahlreicher Verletzungen nie seinen Rhythmus fand, mit dem Pokalsieg einer durchwachsenen Saison aber ein Trostpflaster verpassen konnten.

Ähnliches hatte sich der HSV vorgenommen, der den besseren Start erwischte und nach vier Toren von Pascal Hens 7:4 (14.) führte. Schließlich war es Vori, der den Kielern die Tür öffnete. Der hünenhafte Kreisläufer ärgerte sich über eine Zeitstrafe so sehr, dass er, Nase an Nase, den deutlich schmächtigeren Schiedsrichter Marcus Helbig anbrüllte. "Er hat nur nach dem Grund gefragt", sagte Schwalb, der in den Unparteiischen die Ursache für die Niederlage sah. Weil es verboten ist, offiziell über sie zu schimpfen, umkurvte der 49-Jährige galant eine mögliche Bestrafung. In der Kabine, so Schwalb, würde eine Mannschaft sitzen, die sich ungerecht behandelt fühlt. Tatsächlich waren Helbig und Lars Geipel, die für die Olympischen Spiele nominiert worden sind, der Schwachpunkt eines Spiels, das beste Werbung für den Handball bot.

So legten sie eine eigenwillige Interpretation für den Tatbestand "Stürmerfoul" an den Tag. Aber: Sie verteilten ihre Fehler gerecht. Einer hier, eine Wiedergutmachung dort - nach diesem Schema reihten sich viele Pfiffe aneinander. Doch bei Vori, der für seine zu lautstarke Nachfrage aus grenzüberschreitender Nähe prompt eine zweite Zeitstrafe kassierte, lagen sie richtig. Ohne den Kroaten mussten die Hamburger sich vier Minuten lang in Unterzahl wehren. Eine Ewigkeit, die der THW nutzte, um ins Spiel zu finden. Eines, das Omeyer in der dramatischen Schlussphase mit Paraden gegen den zehnmaligen Torschützen Hans Lindberg (2) und Torsten Jansen entschied. "Heute hatte ich lange Zeit nicht viel Glück", sagte der Franzose. "Aber die Bälle, die ich am Ende gehalten habe, waren nicht unwichtig."

Das sah auch Alfred Gislason so, der ihn nach dem erlösenden Abpfiff herzte, um sich dann mit seinen Spielern bei den Fans zu bedanken, die auch in kritischen Situationen nicht verstummt waren. Der Trainer, der vor Freude beide Fäuste nach oben streckte - ein ungewöhnliches Bild für den Isländer, der für gewöhnlich das Feld auf dem kürzesten Weg verlässt, um in Ruhe das Geschehene zu verarbeiten. Aber auch für ihn war es eben kein gewöhnliches Spiel. "So sehr hat uns in dieser Saison noch keine Mannschaft gefordert", sagte Gislason, der weiß, dass nur der HSV in der Lage ist, die makellose Bundesliga-Bilanz einzutrüben. "Ob wir Kiel am Sonntag noch einmal so in die Enge treiben können, weiß ich nicht", sagte ein sichtlich bedienter Schwalb. "Es gibt keine Gewähr dafür, dass meine Jungs erneut so gut spielen." Klar ist, dass der HSV einen ähnlichen Kampf abliefern wird. Duell der Giganten, Teil drei.

(von Reimer Plöhn, Wolf Paarmann, Merle Schaack, aus den Kieler Nachrichten vom 07.05.2012)

 

Aus den Kieler Nachrichten vom 07.05.2012:

Knuddelrunde für "Kraatzer"

Mathias Kraatz und der Kieler Fanblock.
Klicken Sie zum Vergrößern! Mathias Kraatz und der Kieler Fanblock.
Die Lichter in der O2-World gehen aus, die Einlaufzeremonie naht. Noch bevor ein Spieler auf dem Feld steht, schallen THW-Rufe durch die Halle. Sieben Minuten sind gespielt, der THW liegt im Halbfinale gegen den HSV 1:4 zurück. Die Rufe aus dem Fanblock werden lauter. Nach einer Viertelstunde setzen die "Zebras" zur Aufholjagd an, gehen schließlich in Führung. Der Fanblock bebt. In einem spannenden Spiel, das sich mal zu Gunsten der Kieler, mal in Richtung HSV zu neigen scheint, bleibt eine Konstante: Die lautstarke Unterstützung der THW-Fans.

Ganz vorne im Block steht Mathias Kraatz, Trommler aus Leidenschaft, und gibt mit seinen Trommler-Kollegen den Takt vor. Mit dem Rücken zum Feld, den Block im Blick. "Meine Aufgabe ist es, den Block in die Gänge zu kriegen", sagt er. 60 Minuten Vollgas seien das Ziel, das hatte er angekündigt, als das "Zebra-Journal" der KN ihn im Vorfeld des Final Four vorstellte. "Das war eben schon ganz in Ordnung", so "Kraatzers" Fazit, nachdem der THW ins Finale getrommelt ist. Die THW-Akteure jedenfalls wissen, bei wem sie sich zu bedanken haben. Stellvertretend für alle mitgereisten Fans herzen sie nacheinander Mathias Kraatz, der dort steht, wo die "Zebras" das Feld verlassen. Offenbar hätten einige den Artikel über ihn, den "Kraatzer", gelesen. Jedenfalls hätten ihn viele mit "Ey, Kraatzer!" begrüßt und fest gedrückt. Teilweise gar gefährlich fest. So wie Alfred Gislason. "Da habe ich fast keine Luft mehr gekriegt", sagt ein glücklicher Kraatz, der eine eigene Pokal-Weisheit hat: "Jedes Final Four schreibt seine Geschichte." Dies ist wohl die, die das Final Four 2012 für den "Kraatzer" geschrieben hat.

(von Reimer Plöhn, Wolf Paarmann, Merle Schaack, aus den Kieler Nachrichten vom 07.05.2012)


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